Umwelt regional
 
Grundwasserneubildung - methodische Hinweise

Hydrogeologische Erkundung in Thüringen

Im Zeitraum 1963 bis 1993 wurden insgesamt 267 Erkundungsberichte im Raum Thüringen erarbeitet. Davon sind im Rahmen von 210 Erkundungsberichten Grundwasservorräte ausgewiesen wurden. Die Erkundung mit Grundwasservorratsermittlung erfolgte in zwei Stufen, der Vorerkundung und der Detailerkundung. Bei der Vorerkundung wurde der ständig nutzbare Grundwasservorrat für größere abgegrenzte Einzugsgebiete ermittelt. Dabei sind für diese Einzugsgebiete mittels Bohr- und Testarbeiten sowie Laboruntersuchungen die hydrogeologischen Verhältnisse, die Grundwasserdynamik, die Grundwasserbeschaffenheit und die Fassungsbedingungen untersucht worden. Bei der Detailerkundung sind die im Rahmen der Vorerkundung ausgewiesenen Fassungsstandorte innerhalb dieser Erkundungsgebiete durch Bohr- und Testarbeiten (Brunnenbohrungen, Langzeitpumpversuche, Wasseranalysen) detailliert untersucht wurden. Im Ergebnis der Detailerkundung erfolgte der Nachweis von bilanzwürdigen Grundwasservorräten, die zu wasserwirtschaftlichen Investitutionen (Erschließung der Fassungsstandorte) berechtigten.

Der Grundwasservorratsnachweis ist im Zeitraum nach 1969/70 bei allen Erkundungsobjekten durchgeführt worden. Bei den älteren Erkundungsobjekten wurden dagegen keine bestätigen Grundwasservorräte ausgewiesen.

Die hydrogeologische Erkundung ist bis 1993 nicht flächendeckend erfolgt. Vor allem in Gebieten mit geringer Grundwasserhöffigkeit (Ablagerung des Mittleren Keupers und des Dinant/Kulmfazies) sind keine Erkundungsarbeiten durchgeführt worden.

erkundete Grundwasservorräte nach GW-Körpern und Jahrzehnt


Angewendete Verfahren zur Grundwasserdargebotsermittlung

Die Grundlage für die Berechnung des Grundwasserdargebotes bildet die Ermittlung der Grundwasserneubildung für die relevanten Grundwasserleiter bzw. die hydrogeologischen Gesteinskomplexe (Grundgebirge).

Folgende Verfahren zur Ermittlung der Grundwasserneubildung wurden in Übereinstimmung mit der im Zeitraum 1980 bis 1993 angewendeten Erkundungsmethodik eingesetzt:
  • BAGROV / GLUGLA für den Lockergesteinsbereich (quartäre und tertiäre Grundwasserleiter)
  • ZIEGLER / GABRIEL für die Ablagerungen der Trias im Thüringer Becken und im Südwest-thüringischen Triasgebiet
  • KRAFT / SCHRÄBER für die sedimentären Ablagerungen des Permosiles
  • KRAFT / SZYMCZAK für die sedimentären und metamorphen Gesteine des Grundgebirges (Unterkarbon bis Präkambrium) und alle magmatischen Bildungen
Abgrenzung der Teileinzugsgebiete

Bei der Abgrenzung der Teileinzugsgebiete wurden:
  1. Teileinzugsgebiete der hydrogeologischen Erkundung übernommen, sofern diese anhand hydrogeologischer und hydraulischer bzw. hydrologischer Grenzen festgelegt waren,
  2. bereits erkundete Gebiete hinsichtlich der Abgrenzung von Teileinzugsgebieten überarbeitet, wenn die Teileinzugsgebiete der Erkundung keinen Bezug zu ober- und unterirdischen Einzugsgrenzen aufweisen und nur nach geologisch / hydrogeologischen Kriterien abgegrenzt waren,
  3. bisher nicht erkundete Gebiete neu bearbeitet, die Neuabgrenzung erfolgte anhand oberirdischer Wasserscheiden unter Berücksichtigung hydrogeologischer Kriterien.
Die Grundlage für die Neuabgrenzung und die Überarbeitung der Teileinzugsgebiete bildete die Karte der oberirdischen Einzugsgebiete Thüringens im Maßstab 1 : 50.000. Die Abgrenzung der Teileinzugsgebiete erfolgte anhand der oberirdischen Wasserscheiden.

Bei Neuabgrenzung von Teileinzugsgebieten wurden zudem die Grenzen hydrogeologischer Struktureinheiten berücksichtigt.

Die Flächengrößen der neu abgegrenzten Teileinzugsgebiete liegen in der Regel zwischen 20 und 60 km² und entsprechen damit Flächen der Teileinzugsgebiete der Erkundungsgebiete.

Niederschlag

Die Grundlage für die Neubildungsberechnung bilden die korrigierten Niederschlagswerte der Reihe 1971 bis 2010, deren Niederschlagssummen in einem Raster bis zu einer Auflösung von 250 x 250 m digital vorliegen.

Vergleicht man die Niederschlagsreihe von 1961 bis 1990 mit der Niederschlagsreihe von 1971 bis 2010, treten verbreitet deutlich höhere Werte auf. Es lässt sich erkennen, dass die 2000er Jahre deutlich feuchter waren als die vorherigen Jahrzehnte. Aufgrund dieser Unterschiede hat sich eine vollständige Neuberechnung der Grundwasserneubildung ergeben.

Quellenhinweis:
Dieser Text ist ein Auszug aus dem "Abschlussbericht über die Erstellung einer thüringenweiten Grundwasserdargebotskarte" des Ingenierbüros IKB Blankenhain (gekürzt und geringfügig umformuliert). Der komplette Text ist in der zuständigen Fachabteilung des TLUBN zur Einsicht verfügbar.