Naturschutzgebiete (Stand: 03/2018)

Der Landkreis Sömmerda hat Anteil an 8 Naturschutzgebieten (NSG), wovon die NSG 85 und 375 teilweise auch im Kyffhäuserkreis liegen.

NummerNameGröße (ha)
15 Finnberg 73
43 Im Haken 19
46 Alperstedter Ried 102
47 Schwansee 77
60 Hasslebener Ried 57
71 Brembacher Weinberge 123
85 Wipperdurchbruch 1) 632
375 Hohe Schrecke 1) 3.437
1) liegt in zwei oder mehr Landkreisen


Die NSG 15 und 375 befinden sich im Naturraum 2.2 (Hohe Schrecke - Schmücke - Finne).

Der "Finnberg" (NSG 15) ist der nordwestlichste Ausläufer der Finne und schließt als markant aufragender, bewaldeter Höhenzug das Thüringer Becken nach Nordosten ab. Das NSG umfasst naturnahe und lichte Waldstrukturen mit zahlreichen seltenen Tier- und Pflanzenarten, wie beispielsweise die Aufrechte Waldrebe, die in den Säumen des Südhangs und der Umgebung des Finnbergs vorkommt, sonst aber in Thüringen fehlt. Das Gebiet gehört außerdem zur Arealexklave des südosteuropäisch-kontinental verbreiteten Rotporigen Feuerschwamms in Mitteldeutschland. Wegen seiner geologischen und stratigraphischen Besonderheiten hat der Finnberg auch als Lehr- und Studienobjekt große Bedeutung.

Die "Hohe Schrecke" (NSG 375) ist ein nordwest-südöstlich streichender Höhenzug, der sich aus seiner Umgebung markant erhebt. Im Bereich des ehemaligen Truppenübungsplatzes existiert eine Reihe von Geländevertiefungen, die ständig oder vorübergehend Wasser enthalten. Das NSG umfasst einen großflächigen komplex sehr strukturreicher, großflächiger und unzerschnittener Buchenmischwälder (u. a. Waldmeister-Buchenwälder, Hainsimsen-Traubeneichen-Mischwälder, Winkelseggen-Erlen-Eschenwälder) mit bemerkenswertem Artenspektrum. Es stellt zudem ein besonders wertvolles Reproduktionsgebiet für die Wildkatze dar.

Im Südwestteil des Thüringer Becken erhebt sich die Fahnersche Höhe (Naturraum 3.4) als lang gestreckter, stark bewaldeter Höhenzug über das flachwellige, fast waldfreie Beckenhügelland. Ganz im Südosten liegt das, zum Landschaftsschutzgebiet "Fahner Höhe" gehörende, NSG 43 "Im Haken" auf der Hochfläche der Aufwölbung. Das Gebiet repräsentiert einen grundwasserfernen Waldlabkraut-Eichen-Hainbuchenwald als charakteristische Vegetationsform der Restwälder des Innerthüringer Beckens. Besonders anziehend wirkt der Frühjahrsaspekt mit beispielsweise Busch-Windröschen, Gewöhnlichem Leberblümchen und Dunklem Lungenkraut. An einigen gut erhaltenen Grenzsteinen ist auch gegenwärtig noch am Süd- und Südwestrand des NSG die frühere Grenze zwischen dem Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha und dem Königreich Preußen (Reg.-Bez. Erfurt) zu erkennen.

Die NSG 46 und 60 befinden sich im Naturraum 6.3 (Gera-Unstrut-Niederung).

Das inmitten intensiv genutzten Ackerlandes gelegene "Alperstedter Ried" (NSG 46) ist das größte Kalknieder- bzw. -zwischenmoor, in seiner spezifischen Ausbildung ein Sulfat-Mudde-Moor, im Innerthüringer Becken mit ausgesprochen wertvollem Vegetations- und Arteninventar und repräsentiert wesentliche charakteristische Gewässerformen des Naturraums. Entsprechend der standörtlichen Mannigfaltigkeit und verschiedenartiger früherer Nutzungsformen weist das NSG ein sehr reichhaltiges Vegetationsinventar auf, das von Wasser- und Verlandungsgesellschaften über Kalkflachmoor-Gesellschaften, Wirtschaftswiesen, Halbtrockenrasen, Weidengebüsche bis zu Waldgesellschaften reicht. Im Verbund mit dem Haßlebener Ried (NSG 60) gehört das NSG zu den wertvollsten Brut- und Rastgebieten der Vogelwelt Thüringens.

Beim NSG 60 "Hasslebener Ried" handelt es sich um das letzte, relativ intakte Kalkflachmoor im Innerthüringer Becken mit herausragendem Arteninventar. In Südsüdwest-Nordnordost-Richtung durchquert die Schmale Gera das Gebiet. Das NSG repräsentiert wesentliche charakteristische Gewässerformen des Naturraums. Im Verbund mit dem Alperstedter Ried (NSG 46) gehört das NSG zu den wertvollsten Brut- und Rastgebieten der Vogelwelt Thüringens.

Im Naturraum 5.1 (Innerthüringer Ackerhügelland) liegen die NSG 47 und 71.

Das NSG 47 "Schwansee" dient der Dokumentation künstlich begründeter Feuchtwälder als Refugium der Feld-Ulme und einer bemerkenswerten Pilzflora (einziger Thüringischer Fundort für Silbergrauer Rötling, Faserzahn, Eschen-Büschelbecherling und das Filzgewebe Tomentella italica). In der Vegetation kann man zwei Einheiten unterscheiden: Der Erlen-Ulmenwald, eine ulmenreiche Ausbildung des Traubenkirschen-Erlen-Eschenwaldes, ist nur sehr kleinflächig ausgebildet und auf die feuchtesten Standorte beschränkt. Vorherrschende Waldgesellschaft ist jedoch der der Hartholzaue ähnelnde Holunder-Ulmen-Niederungswald. Für Feld-Ulme, Gewöhnliche Esche, Stiel-Eiche, Zweigriffligen Weißdorn, Stachelbeere und Rote Johannisbeere hat das NSG als Genreservoir Bedeutung. Das Gebiet beherbergt ein Totalreservat.

Das NSG 71 "Brembacher Weinberge" besteht aus der rechten, südexponierten Talflanke der Scherkonde nördlich Groß- und Kleinbrembach und Vogelsberg. Eingeschlossen sind die Stauwurzel des landwirtschaftlichen Bewässerungsspeichers Frohndorf sowie Auenbereiche und Abschnitte der kanalisierten Scherkonde. Anthropogene Einflüsse schufen - neben natürlichen Hangdellen und -furchen - ein abwechslungsreiches Kleinrelief mit Wein- und Ackerterrassen, Steinwällen sowie ehemaligen Gipsabbaustellen. Das NSG dient dem Schutz einer Abfolge kontinental getönter Lebensräume (u. a. Bergsteinkraut-Blauschwingel-Flur, Adonisröschen-Fiederzwenken-Halbtrockenrasen, Staudenfluren und Brachen) mit reichem Arteninventar, insbesondere bei Pflanzen, Insekten, Reptilien und Vögel.

Das NSG 85 "Wipperdurchbruch" liegt im Naturraum 3.2 (Hainich - Dün - Hainleite). Es umfasst das Tal der Wipper zwischen Seega und Günseroda, dessen beidseitige Hänge und Teile der angrenzenden Hochflächen und des steilen Nordabfalls der östlichen Hainleite. Die Wipper durchbricht hier die Muschelkalkplatte der Hainleite von Nord nach Süd, ein sehr seltenes Ergebnis der Flusserosion in dieser Dimension. Das Gebiet stellt einen geomorphologisch reich strukturierten Landschaftskomplex mit repräsentativen naturnahen Laubwäldern (z. B. Waldlabkraut-Eichen-Hainbuchenwald und Waldmeister-, Waldgersten-, Orchideen-Buchenwald), Trockenbiotopen sowie seltenen Tieren (z. B. Wildkatze) und Pflanzen, insbesondere Orchideen dar. Das NSG erweist sich als ein artenreicher Lebensraum mit einem bemerkenswerten Spektrum an vor allem Licht und Wärme liebenden Arten. Auf dem Schlossberg und Kohnstein befinden sich vorgeschichtliche Bodendenkmale.
 
Naturparke

Der Naturpark Kyffhäuser mit einer Fläche von 30.500 ha liegt weitestgehend im Kyffhäuserkreis, umfasst aber auch Teile der Landkreise Nordhausen und Sömmerda.
 
Landschaftsschutzgebiete (Stand: 03/2018)

Im Landkreis Sömmerda sind zur Zeit drei LSG ausgewiesen. Die Fahner Höhe (zum großen Teil zum Landkreis Gotha und zur Landeshauptstadt Erfurt gehörend) ist potentielles Fremdenverkehrsgebiet, das bisher vorrangig der Naherholung diente, zukünftig aber schrittweise für die längerfristige Erholung mit Einbindung von Kultur- und Gesundheitstourismus entwickelt werden soll.

Die Finne bildet zusammen mit der Hohen Schrecke und Schmücke ein Fremdenverkehrsgebiet. Diese Region soll mit dem Erhalt ihrer landschaftlichen Bedingungen, vor allem der laubmischwaldreichen Höhenzüge und bedeutenden Biotopstrukturen und Nutzung kulturhistorischer Voraussetzungen schrittweise für den naturnahen und landschaftsbezogenen Tourismus erschlossen, weiterentwickelt und als Naherholungsbereich weiter ausgebaut werden.

NummerNameGröße (ha)
4Hainleite8.468
20Fahner Höhe4.751
21Finne912



Karte:

Schutzgebiete
(JPG-Datei)

 
Geschützte Landschaftsbestandteile,
Flächennaturdenkmale und Naturdenkmale *

Im Landkreis Sömmerda gab es zum 15.12.2004 insgesamt 26 geschützte Landschaftsbestandteile, Flächennaturdenkmale und Naturdenkmale.

* Von den Naturdenkmalen wurden erfasst: flächige Naturdenkmale sowie Naturdenkmale geologischer und hydrologischer Art.
 
Natura-2000-Gebiete

Das europäische ökologische Schutzgebietsnetz Natura 2000 umfasst Fauna-Flora-Habitat-Gebiete (FFH-Gebiete einschließlich FFH-Objekte) und Europäische Vogelschutzgebiete.

Die FFH-Gebiete bilden ein europaweites Netz besonderer Schutzgebiete, das der Erhaltung schutzwürdiger Lebensräume sowie ausgewählter Tier- und Pflanzenarten dient. Die Europäischen Vogelschutzgebiete werden für bestimmte Brutvogelarten und für Rast- und Überwinterungsplätze von Zugvögeln ausgewiesen.

Rechtliche Grundlage

Thüringen hat seine Meldung von FFH-Gebieten an die EU-Kommission abgeschlossen. Neben den 212 FFH-Gebieten wurden auch 47 punktförmige FFH-Objekte für den Fledermausschutz gemeldet. Hierbei handelt es sich insbesondere um Fledermausquartiere in Gebäuden und Stollen. Diese sind im Sinne der FFH-Richtlinie FFH-Gebiete und wurden z. T. zu Objektgruppen zusammengefasst. Außerdem gibt es in Thüringen 44 Vogelschutzgebiete.

Der Landkreis Sömmerda hat Anteil an folgenden FFH-Gebieten:
 
FFH-Gebiete (Stand: 05/2004)

Nummer Name Größe (ha)
... ... ...

 
Europäische Vogelschutzgebiete (Stand: 04/2007)

Nummer Name Größe Landkreis/
kreisfreie Stadt
Kurzcharakteristik
9Hainleite – Westliche Schmücke7.548 haKyffhäuserkreis, Sömmerdarepräsentiert in hervorragender Weise den Brutvogelbestand großflächiger Laubmischwälder mit wertvollen Saumhabitaten, Kalkfelsen, Halbtrockenrasen, gebüschreichen Sukzessionsstadien sowie naturnaher Fließgewässer mit Feuchtbiotopen
10Hohe Schrecke – Finne5.732 haKyffhäuserkreis, Sömmerdarepräsentiert großräumig unzerschnittene Buchen- und Eichen-Hainbuchenwälder mit hohen Alt- und Totholzanteilen und bemerkenswertem Arteninventar sowie artenreiche Offenlandbiotope
15Gera-Unstrut-Niederung um Straußfurt5.508 haSömmerda, Unstrut-Hainich-KreisVerschiedenartige Stand- und Fließgewässer bilden im Zusammenhang mit Auwaldresten, Flachmooren sowie umgebenden Acker- und Grünlandbereichen ein bedeutendes Refugium für bedrohte Brut- und Rastvogelarten, insbesondere für Kranich und Anatiden.
16Ackerhügelland westlich Erfurt mit Fahnerscher Höhe12.052 haErfurt, Gotha, Sömmerda, WartburgkreisAltholzreiche Laubwaldgebiete auf Kuppen und Höhenrücken bilden im Zusammenhang mit locker bebuschten Halbtrockenrasen, dem Grünland der Nesseaue und Feuchtbiotopen am Speicher Dachwig ein bedeutendes Refugium für Brut- und Rastvögel.
17Ackerhügelland nördlich Weimar mit Ettersberg18.703 haWeimar, Erfurt, Sömmerda, Weimarer LandDas Laubmischwaldgebiet Ettersberg bildet im Zusammenhang mit locker bebuschten Halbtrockenrasen, dem abwechslungsreichen Ackerhügelland, Feldgehölzen sowie Fließ- und Standgewässern ein bedeutendes Refugium für Vogelarten wie dem Rotmilan.


Karte:

Gebiete des Natura-2000-Netzes
(PDF-Datei)