Naturschutzgebiete (Stand: 03/2018)

Der Landkreis Nordhausen hat Anteil an 16 Naturschutzgebieten (NSG). Davon liegen 14 vollständig im Kreisgebiet und die NSG 4 sowie 10 auch teilweise im Kyffhäuserkreis.

NummerNameGröße (ha)
1 Vogelherd 15
2 Gräfenthal 104
3 Alter Stolberg 623
4 Schlossberg - Solwiesen 1) 542
5 Wöbelsburg 66
10 Feuerkopf 1) 61
72 Mühlberg 61
73 Brandesbachtal 210
191 Hunnengrube-Katzenschwanz 109
192 Sülzensee - Mackenröder Wald 280
312 Rüdigsdorfer Schweiz 299
313 Himmelsberg bei Woffleben 62
314 Sattelköpfe 127
378 Westliche Hainleite 941
408 Harzfelder Holz 283
412 Pfaffenköpfe 154
1) liegt in zwei oder mehr Landkreisen


Im Naturraum 1.1 (Südharz) liegen die NSG 1, 2 und 73.

Das NSG 1 "Vogelherd" liegt auf einem der Unterharzhochfläche aufgesetzten flachen Rücken, dessen Süd-, Südwesthänge und Scheitel es einnimmt. Das Gebiet repräsentiert die für den Unterharz charakteristischen Boden- und Standortsformen sowie ihre naturnahe Vegetation. Dazu zählen Buchenbestände, die dem montanen Hainsimsen-Buchenwald zuzuordnen sind, in Ausbildungsformen mit Wald-Reitgras und Schlängel-Schmiele. Des Weiteren sind Schlagfluren, Pioniergehölze und ein Feuchtwiesen-Fragment (im Bereich eines ehemaligen Steinbruchs) vorhanden. 147 Farn- und Blütenpflanzen wurden nachgewiesen.

Der Höhenrücken mit dem NSG 2 "Gräfenthal" erstreckt sich von der Unterharzhochfläche bei Sophienhof nach Südosten in Richtung Beretal. Er wird von tief eingeschnittenen Tälern (Gräfenthal und Große Lindenhöhle) begrenzt. Das Gebiet dient der Erhaltung eines für den Südharz charakteristischen Standorts- und Vegetationsmosaiks. Die kennzeichnenden Waldgesellschaften sind Hainsimsen- (z. T. mit Trauben-Eiche) und Waldmeister-Buchenwald. Weiterhin sind Schlagfluren (u. a. Waldweidenröschen-Fingerhut-Schlagflur), Pionierwaldstadien, über 300 Farn- und Blütenpflanzen (darunter z. B. Trollblume und Gelber Eisenhut) sowie ein fragmentarisch ausgebildeter Eschen-Ahorn-Schlucht- und -Schatthangwald vertreten. In einem 8 ha großen Totalreservat wird eine natürliche Waldentwicklung ermöglicht.

Das "Brandesbachtal" (NSG 73) ist ein tief eingeschnittenes, zu etwa 10 % von Grünland bedecktes linkes Nebental der Bere am Südrand der Hochfläche des Unterharzes. Zentrales Gewässer ist der Brandesbach. Das Gebiet ist charakterisiert durch großflächige Bergwiesen (z. B. Bärwurz-Rotschwingel-Wiese) und angrenzende naturnahe Laubwälder (z. B. Hainsimsen-Buchenwald) sowie größere Fichtenforsten jeweils mit der daran gebundenen Fauna und bisher 273 nachgewiesenen Gefäßpflanzen-Arten . Von besonderer Bedeutung ist das Vorkommen der Wildkatze.

Die NSG 3, 72, 191, 312 bis 314 sowie 408 und 412 befinden sich im Naturraum 7.2 (Zechsteingürtel am Südharz), das NSG 412 zusätzlich z. T. im Naturraum 2.1 (Nordthüringer Buntsandsteinland).

Der Ausschnitt aus dem sich von Norden nach Süden abdachenden Zechstein-Bergland ist tief und sehr steil zertalt. Das NSG 3 "Alter Stolberg" weist eine einzigartige Flora und Fauna auf und repräsentiert wesentliche charakteristische Oberflächen- und Gewässerformen des Naturraums. Auch Teile der randlichen Krebsbach- und Krumbachaue sowie des Singerberges sind in das NSG eingeschlossen. Das Relief wird von den typischen Elementen einer Gipskarstlandschaft mit zahlreichen Erdfällen, Dolinen, Gipskuppen, Trockentälern, Runsen, Rippen, Karren und Höhlen geprägt. Aufgrund der starken Verkarstung gibt es im Inneren des NSG keine oberirdischen Gewässer. Einige Besonderheiten stellen Felsabstürze und Abrissklüfte zum Krebsbachtal hin sowie die Försterhöhle im Tiefen Tal, das Ziegenloch am Stempedaer Marktweg und die Höhle an der Grasburg dar. Charakteristisch für die vielfältig gegliederte Vegetation ist die enge Verzahnung von Gesellschaften basischer und saurer Standorte. Sehr artenreich ist der auf historische Waldnutzungsformen zurückgehende lichte Eichen-Trockenwald, der seinen Schwerpunkt im Windehäuser Holz besitzt. Verschiedene Saum-, Schlagflur- und Gebüschgesellschaften vervollständigen das reichhaltige Vegetationsinventar. Das Gebiet weist eine lange Tradition floristischer und faunistischer Forschung auf, die bis auf Thal's "Sylva Hercynia" zurückgeht. So gehört der "Alte Stolberg" zu den klassischen entomologischen Forschungsgebieten in Mitteldeutschland. Eine wichtige Ergänzung stellt das unmittelbar angrenzende, bereits in Sachsen-Anhalt liegende NSG "Alter Stolberg und Grasburger Wiesen" mit der auf einer Felsnase befindlichen "Grasburg" dar. Durch die Einteilung des NSG in verschiedene Zonen und Bereiche wird den differenzierten Schutzzielen Rechnung getragen. Auf Teilflächen soll eine weitestgehend störungsfreie Vegetationsentwicklung ermöglicht werden.

Der "Mühlberg" (NSG 72) ist ein einzelner Bergstock des ehemals zusammenhängenden Zechsteinbandes. Das NSG dient der Erhaltung der von Gipsfelsen und -schutthalden durchsetzten Blaugrasrasen mit Eiszeitrelikten und weiteren seltenen Pflanzen- und Tierarten. Die besondere Bedeutung des NSG ergibt sich aus den randlichen Sonderbiotopen. Die größten Flächen werden von reich strukturierten Buchenwäldern (insbesondere Waldgersten-Buchenwald, randlich auch buchenreicher Waldlabkraut-Eichen-Hainbuchenwald) und mesophilem Grünland im zentralen Plateaubereich eingenommen. Entlang des Hangfußes sind Feuchtbiotope in das NSG integriert, ein Auwald mit Stillgewässern und ein Komplex aus Stillgewässern, Feuchtgebüschen, Schilf-Röhricht und Großseggen-Ried. Tanzteich und Regensborn sind offene Erdfallkessel, deren Wasserfläche in Abhängigkeit vom Grundwasserstand in der Fuhrbach- bzw. Bereaue schwankt. Auf einer 11 ha großen Refugialfläche soll die geologische Dynamik des Lebensraums der Block- und Schutthalden ungestört erhalten, ihre Vegetation und Flora gefördert werden.

Das NSG 191 "Hunnengrube-Katzenschwanz" erstreckt sich auf drei Teilflächen von Klettenberg im Westen bis Mauderode im Osten. Daran schließt dann das NSG 314 "Sattelköpfe" an. Charakteristisch ist der teilweise als Steilhang ausgebildete Abfall nach Norden hin zur Flussaue des Sachsengrabens und der Wieda. Unter dem Einfluss einer jahrhundertelangen land- und forstwirtschaftlichen Nutzung, die zum Teil nur extensiv erfolgte, konnte sich eine Vielzahl an unterschiedlichen Lebensräumen entwickeln. Auf den ausgedehnten Waldflächen dominieren Buchen- und Eichenmischwälder. Ergänzt und bereichert werden sie durch Halbtrockenrasen, extensiv genutztes Grünland, Staudenfluren, Streuobstbestände und Sukzessionsstadien. Dazu kommen zahlreiche Sonderbiotope wie Felswände, Dolinen, Erdfälle, aufgelassene Steinbrüche, Klüfte und Höhlen. Im Nordwesten ist ein naturnaher Abschnitt des Sachsengrabens als typisches Karstgewässer in das Gebiet einbezogen. Die Mannigfaltigkeit der Biotoptypen und Habitate dient einer großen Anzahl von seltenen, gefährdeten oder geschützten sowie vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten als Lebensgrundlage. Durch die vorhandene Naturausstattung besitzt das Gebiet eine geologisch und ökologisch herausragende Bedeutung.

Das NSG 312 "Rüdigsdorfer Schweiz" ist von hohem ästhetischen und Erholungswert und umfasst einen repräsentativen Ausschnitt der Gipskarstlandschaft mit vielfältigen Lebensräumen gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. Während auf den frischen Nordhängen Waldgersten-, Waldmeister- und Hainsimsen-Buchenwald dominieren, sind auf den trockenen Hängen meist Orchideen-Buchenwald und Waldlabkraut-Eichen-Hainbuchenwald ausgebildet. An Offenlandbiotopen sind Acker, Intensivgrasland, Streuobstwiesen und artenreiche Halbtrockenrasen anzutreffen. Die Stollen der Grube bei Petersdorf sind ein landesweit bedeutsames Fledermausquartier (u. a. mit Fransen-, Breitflügel- und Mopsfledermaus).

Das NSG 313 "Himmelsberg bei Woffleben" bildet den westlichen Teil des schildförmigen Zechsteinrückens Mühlberg-Himmelsberg als Teil einer Schichtstufe. Es umfasst einen repräsentativen Ausschnitt aus der Gipskarstlandschaft mit einer artenreichen Vegetation, insbesondere einer hohen Vielfalt an überwiegend Basen liebenden Flechten- und Moosarten. Die Vegetation besteht überwiegend aus naturnahen Kalk-Buchenwäldern, wobei auf frischeren Standorten Waldgersten-Buchenwald, auf trockeneren Orchideen-Buchenwald und auf entkalkten Standorten auch der Hainsimsen-Buchenwald wächst. Von herausragender Bedeutung ist das Gebiet für Fledermäuse, von denen 10 Arten bekannt sind (darunter beispielsweise Großes Mausohr, Mopsfledermaus und Fransenfledermaus).

Das NSG 314 "Sattelköpfe" ist Teil eines über 10 km langen Zechsteinrückens südlich des Wiedatals. Es besteht aus der wenig gegliederten Haardt im Westen und den stark reliefierten Sattelköpfen im Osten. Am Nordrand befindet sich der Igelsumpf als Teil eines alten Bachschwindensystems der Wieda. Das Gebiet repräsentiert einen Ausschnitt der Gipskarstlandschaft mit typischen geomorphologischen Bildungen, wie Dolinen, Erdfälle, Hohlräume und Trockentälchen, sowie bedeutender Flora und Fauna. Während die Vegetation der Haardt von Buchenwäldern (u. a. Blaugras- u. Waldmeister-Buchenwald) geprägt ist, sind die eigentlichen Sattelköpfe durch einen hohen Anteil an Kiefernforst, Waldlabkraut-Eichen-Hainbuchenwald und Hainsimsen-Traubeneichen-Mischwald charakterisiert.

Mit den NSG 408 "Harzfelder Holz" und 412 "Pfaffenköpfe" wurden zwei weitere, hinsichtlich ihrer Arten-, Biotop- und Geotopausstattung sehr wertvolle Ausschnitte der Gipskarstlandschaft des Thüringer Südharzes unter Schutz gestellt. Zum NSG "Harzfelder Holz" gehören im Westen die größeren wertgebenden Offenlandbereiche am Hopfenberg, Bornberg und Halbenberg südlich Harzungen und am Westerberg südwestlich Neustadt / Harz vor allem mit Halbtrocken- und Pionierrasen, aber auch Zwergstrauchheiden über Gips. Nach Norden bilden Westerberg und Brandberg steile Hänge mit markanten Gipsbuckeln, die durch ein quer zu diesen Hängen verlaufendes Auslaugungstal getrennt werden. Die Seitentäler sind als Uvalas ausgebildet (Trockentäler mit unterirdischer Entwässerung). In den Plateaulagen des NSG sind zahlreiche Erdfälle und Dolinen entstanden. Der Wald wird größtenteils von naturnahen Waldmeister- und Orchideen-Buchenwäldern geprägt. Im Süden schließt unmittelbar das NSG 312 "Rüdigsdorfer Schweiz" an.

Das NSG 412 "Pfaffenköpfe" zwischen Buchholz, Petersdorf und Steigerthal liegt im Übergangsbereich des Südharzer Zechsteingürtels zum Nordthüringer Buntsandsteinland, mit Zechstein im Norden und Buntsandstein im Süden. Es wird von Norden nach Süden vom Tal des Roßmannsbaches durchzogen, dessen oberer Teil durch Auslaugung und Verschiebung der Quellen vollständig trocken gefallen ist. Im unteren Teil befinden sich das DDR-Flächennaturdenkmal (FND) "Feuchtgebiet Windlücke" und die Meyerschen Teiche. Flankiert wird das Tal von den überwiegend steilen, bewaldeten Hängen des Steinberges, des Hohnsdorfer Holzes und des Eichenberges. Östlich schließt sich eine flachkuppige Gipsbuckellandschaft an, in der sich insbesondere die Pfaffenköpfe durch markante Karsterscheinungen und einen großflächigen Komplex aus Halbtrocken-, Trocken- und Pionierrasen auszeichnen. Das Gebiet wird außerdem geprägt von Dolinen, Uvalas, Karstquellen und Auslaugungstälern.

In den Naturräumen 7.2 (Zechsteingürtel am Kyffhäuser) und 6.1 (Goldene Aue) liegt das NSG 4 "Schlossberg-Solwiesen". Es repräsentiert charakteristische Oberflächen- und Gewässerformen dieser Naturräume. Das NSG dient der Erhaltung der Gipskarstlandschaft mit Trockenbiotopen und artenreichen Äckern, der Binnensalzstellen, von Auenwiesen, Röhrichten und Teilen des Helme-Stausees als Lebensraum insbesondere für Blütenpflanzen, Vögel und Insekten. Das große und sehr vielfältige Gebiet besitzt eine ausgesprochen breite Palette schutzwürdiger Biotope. Die Wälder sind vor allem dem Waldlabkraut-Eichen-Hainbuchenwald und dem Eschen-Ahorn-Schlucht- und -Schatthangwald zuzurechnen. Besonders wertvoll sind die Salzboden-Gesellschaften der Solwiesen wie Strandsoden-Queller-Flur, Schuppenmieren-Salzschwaden-Rasen und Salzbinsen-Rasen. Bundesweite Bedeutung hat das Vorkommen der Heideschnecke Helicopsis striata. Die Salzstelle an der Numburg ist aus botanischer und zoologischer Sicht immer noch eine der bedeutendsten naturnahen Binnensalzstellen Thüringens, die unbedingt erhalten werden muss. Das NSG hat u. a. auch eine herausragende Bedeutung für den Fledermausschutz, als Brut- und Rastgebiet für zahlreiche Vogelarten und für Tagfalter.

Die NSG 5, 10 und 378 befinden sich im Naturraum 3.2 (Hainich - Dün - Hainleite).

Das NSG 5 "Wöbelsburg" ist durch Verkarstungen und das Fehlen von Oberflächengewässern gekennzeichnet. Es umfasst einen Muschelkalkrücken mit Kalk-Buchen- und Laubmischwäldern, wie beispielsweise Waldgersten- und Orchideen-Buchenwald, sowie Bergsturzvegetation (u. a. Spitzahorn-Sommerlinden-Hangschuttwald, der hier sein einziges Vorkommen in der Hainleite hat). Das Gebiet ist seit dem 19. Jahrhundert als Fundort bemerkenswerter Pflanzen mehrfach botanisch bearbeitet worden (282 Gefäßpflanzen bei der letzten Erfassung). Im NSG befindet sich unmittelbar oberhalb der Hangkante die als Bodendenkmal geschützte frühgeschichtliche Wallanlage der Wöbelsburg. Ein Teil der naturnahen Wälder ist zusammen mit der Felskante und den Felsstürzen als Totalreservat mit ca. 18 ha Größe ausgewiesen.

Das NSG 10 "Feuerkopf" liegt auf der zertalten Hochebene der Hainleite am Übergang zum Dün. Das Kerbtälchen Feuergrund teilt das Gebiet. Das NSG ist durch ein naturraumtypisches Standorts- und Vegetationsmosaik mit Buchenwäldern in verschiedener Ausprägung gekennzeichnet. Dazu zählen Orchideen-, Blaugras-, Waldgersten- und Waldmeister-Buchenwald. Weiterhin ist Eschen-Ahorn-Schlucht- und Schatthangwald vertreten. Die Flora besitzt trotz der Nähe des Thüringer Beckens noch deutlich subozeanischen Charakter, der u. a. durch die Dominanz und Vitalität der Rotbuche, sowie das Vorkommen von beispielsweise Mandel-Wolfsmilch und Zwiebel-Zahnwurz zum Ausdruck kommt. Am Fuß des Feuerkopfes befindet sich eine Karstquelle, die für wasserwirtschaftliche Zwecke gefasst worden ist und in der Regel nur im Frühjahr Wasser schüttet. An der westlichen Grenze des NSG sind Grenzsteine zwischen der ehemaligen Grafschaft Hohnstein (GH) und dem Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen (zweizinkige Gabel) vorhanden.

Das langgestreckte NSG 378 "Westliche Hainleite" nimmt den westlichen Teil der Hainleite am Übergang zum Dün ein. Ein Teil der Hochfläche mit überwiegend bewaldeten Arealen und der bewaldete Steilabfall zum Wippertal sind einbezogen. Am Rand der Hochfläche sind mehrere Komplexe von älteren Kalksteinbrüchen mit bis 7 m hohen Wänden bemerkenswert. Das NSG dient der Erhaltung einen großflächigen Komplexes von naturnahen Buchenwäldern (u. a. Orchideen-, Waldgersten- und Hainsimsen-Buchenwald) und Magerrasen (z. B. Enzian-Schillergras- und Kreuzblümchen-Blaugras-Rasen) mit bemerkenswerter Flora und Fauna. Abgerundet wird das Bild durch zwei Kalkquellsümpfe sowie Kalk-Ackerwildkraut- und Ruderalfluren. Von überregionaler Bedeutung ist der Wiederfund der bisher in ganz Deutschland als verschollen eingestuften Erdflechten-Art Thelocarpon impressellum. Im NSG befinden sich Hinterlassenschaften der militärischen Nutzung, darunter Schießbahnen, Abgrabungen, Aufschüttungen, Planierungen, tiefe Fahrzeugspuren mit zeitweiligen Tümpeln, Bauruinen und Wege. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich weiter östlich das NSG "Wöbelsburg" (Nr. 5). Auf insgesamt 107 ha wurden Zonen zur besonderen Anreicherung von Alt- und Totholz ausgewiesen, in denen keine forstwirtschaftliche Nutzung mehr erfolgen darf. Durch die Übertragung der im Eigentum des Bundes befindlichen Flächen des ehemaligen militärisch genutzten Areals als Nationales Naturerbe an die gemeinnützige Gesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt zur Sicherung des Nationalen Naturerbes mbH wird es möglich, dass der Wald auf diesen Flächen sich künftig ohne forstwirtschaftliche Nutzung fast vollständig natürlich entwickeln darf.

Im Naturraum 2.1 (Nordthüringer Buntsandsteinland) und im Grenzbereich zum Naturraum (7.2) "Zechsteingürtel am Südharz" liegt das NSG 192 "Sülzensee – Mackenröder Wald". Es umfasst die Talmulde der Ichte und die Quelltälchen der Sete mit dem Mackenröder Wald; beide sind durch den Grenzstreifen entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze miteinander verbunden. Das Gebiet dient dem Schutz der Hainsimsen-Buchenwälder mit hohem Alt- und Totholzanteil, der Erdfälle, Bäche sowie Bachauen. Besonders erwähnenswert ist das Vorkommen der Wildkatze. An das Gebiet grenzt das niedersächsische NSG "Steingrabental-Mackenröder Wald" an.
 
Naturparke

Vollständig im Landkreis Nordhausen liegt mit einer Größe von ca. 26.700 ha der Naturpark "Südharz". Der Naturpark "Kyffhäuser" mit einer Fläche von 30.500 ha liegt dagegen weitestgehend im Kyffhäuserkreis, umfasst aber auch kleinere Anteile der Landkreise Nordhausen (hier: im Bereich der Goldenen Aue um Auleben und der Windleite südlich Heringen) und Sömmerda.

Der sich vollständig im Landkreis Nordhausen befindende Naturpark "Südharz" ist der jüngste und zugleich kleinste und nördlichste Naturpark Thüringens, gelegen im Dreiländereck zu Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

Er besteht seit dem 31.12.2010 und hat eine Größe von 26.700 ha. Der Naturpark erstreckt sich über den Bereich der Südharzregion. Er beinhaltet den nahezu vollständig bewaldeten, steil aufragenden Gebirgsrand und die ersten Plateau-Lagen des Harzes bis zur Landesgrenze mit tief eingeschnittenen Tälern (Naturraum Südharz). Hinzu kommt das vorgelagerte Zentrum der Südharzer Gipskarstlandschaft, ein aufgrund seiner spezifischen geologischen Verhältnisse, Arten- und Biotopausstattung herausragender Naturraum von bundesweiter Bedeutung (Naturraum Zechsteingürtel am Südharz). Dieser ist offener und wird von den Siedlungen, den landwirtschaftlichen sowie den bergbaulichen Nutzungen geprägt.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Unterschiede und die daraus resultierende Pflanzenwelt auf einer Entfernung von nur wenigen Kilometern zu beobachten sind. Ebenso vielfältig ist die Tierwelt.

An der Schnittstelle von Naturschutz, Tourismus und Regionalentwicklung ist der Naturpark ein Instrument, das gleichermaßen der Erhaltung und Entwicklung der Natur- und Kulturlandschaft, als auch der Erschließung eines umweltverträglichen und nachhaltig orientierten Freizeit- und Tourismusangebotes dient. Ergänzt wird dies durch die Erarbeitung von Bildungsangeboten für eine nachhaltige Entwicklung.
 
Landschaftsschutzgebiete (Stand: 03/2018)

Im Landkreis Nordhausen sind zur Zeit sieben LSG ausgewiesen. Der Südharz ist traditionelles Fremdenverkehrsgebiet mit leistungsfähiger touristischer Infrastruktur in den Fremdenverkehrsorten Ilfeld, Neustadt, Sülzhayn, Rothesütte und Ellrich. An diesen grenzt südlich der Zechsteingürtel mit dem Karstwanderweg an (LSG "Alter Stolberg" ist repräsentativer Ausschnitt).

Die Hainleite ist ein Fremdenverkehrsgebiet, das für Wander-, Erholungs-, Camping- und Kulturtourismus sowie für die Naherholung entwickelt werden soll (Vervollkommnung tourismusrelevanter Potentiale wie Burg Lohra, Erholungszentrum "Teichtal" in Hainrode, Schloss- und Parkanlage "Hue de Grais" in Wolkramshausen, Künstlerdorf Friedrichsrode).

Die Bleicheröder Berge sollen auf Grund ihrer geologischen, dendrologischen und botanischen Besonderheiten für den landschaftsbezogenen Tourismus sowie als Naherholungsgebiet erschlossen werden.

Der Kyffhäuser bildet gemeinsam mit dem Kelbraer Feuchtgebiet (hier: LSG "Helmestausee") ein Fremdenverkehrsgebiet, das auf Grund seiner landschaftlichen und kulturhistorischen Besonderheiten für den naturnahen Tourismus sowie die Naherholung zu entwickeln ist (im Landkreis Nordhausen insbesondere: Europadorf Auleben).

NummerNameGröße (ha)
1Südharz11.486
2Alter Stolberg4.323
3Helmestausee1.794
5Dün - Helbetal5.593
6Bleicheröder Berge3.597
59Kyffhäuser5.475



Karte:

Schutzgebiete
(JPG-Datei)

 
Geschützte Landschaftsbestandteile,
Flächennaturdenkmale und Naturdenkmale *

Im Landkreis Nordhausen gab es zum 15.12.2004 insgesamt 53 geschützte Landschaftsbestandteile, Flächennaturdenkmale und Naturdenkmale.

* Von den Naturdenkmalen wurden erfasst: flächige Naturdenkmale sowie Naturdenkmale geologischer und hydrologischer Art.
 
Natura-2000-Gebiete

Das europäische ökologische Schutzgebietsnetz Natura 2000 umfasst Fauna-Flora-Habitat-Gebiete (FFH-Gebiete einschließlich FFH-Objekte) und Europäische Vogelschutzgebiete.

Die FFH-Gebiete bilden ein europaweites Netz besonderer Schutzgebiete, das der Erhaltung schutzwürdiger Lebensräume sowie ausgewählter Tier- und Pflanzenarten dient. Die Europäischen Vogelschutzgebiete werden für bestimmte Brutvogelarten und für Rast- und Überwinterungsplätze von Zugvögeln ausgewiesen.

Rechtliche Grundlage

Thüringen hat seine Meldung von FFH-Gebieten an die EU-Kommission abgeschlossen. Neben den 212 FFH-Gebieten wurden auch 47 punktförmige FFH-Objekte für den Fledermausschutz gemeldet. Hierbei handelt es sich insbesondere um Fledermausquartiere in Gebäuden und Stollen. Diese sind im Sinne der FFH-Richtlinie FFH-Gebiete und wurden z. T. zu Objektgruppen zusammengefasst. Außerdem gibt es in Thüringen 44 Vogelschutzgebiete.

Der Landkreis Nordhausen hat Anteil an folgenden FFH-Gebieten:
 
FFH-Gebiete (Stand: 05/2004)

Nummer Name Größe (ha)
... ... ...

 
Europäische Vogelschutzgebiete (Stand: 04/2007)

Nummer Name Größe Landkreis/
kreisfreie Stadt
Kurzcharakteristik
1Südharz2.409 haNordhausenzusammenhängende Buchenwaldkomplexe, Schlucht- und Hangmischwälder, Silikatfelsen, Bergbachsysteme sowie Moor- und Wiesenbereiche bilden wertvolle Refugien für bedrohte Brutvogelarten, insbesondere Wanderfalke, Schwarzspecht und Rauhfußkauz
2Südharzer Gipskarst2.872 haNordhausenHabitatmosaik aus Felsbereichen, Trocken- und Pionierrasen, Heiden über Gips, naturnahen Buchen- und Eichen-Hainbuchenwäldern, totholzreichen Schlucht- und Hangmischwäldern sowie Bachauen mit bedeutenden Vorkommen bedrohter Vogelarten
3Ellersystem – Weilröder Wald – Sülzensee1.902 haEichsfeld, Nordhausenrepräsentiert hervorragend großflächige Buchenwälder, Erdfälle unterschiedlicher Dimension und Biotopausstattung, naturnahe Bachsysteme, zum Teil mit Auengrünland und Feuchtbiotopen, auch als Habitate bedrohter Tierarten
4Kyffhäuser – Badraer Schweiz – Helmestausee3.781 haKyffhäuserkreis, Nordhausenenorme Vielfalt typischer Lebensräume für bedrohte Brutvogelarten; international bedeutsames Rastgebiet, insbesondere für Kranich und zahlreiche Wasservögel
7Bleicheröder Berge1.271 haEichsfeld, NordhausenAusgedehnte und aufgrund ihrer Ausprägung bedeutende, alt- und totholzreiche Laubmischwälder stellen in Verbindung mit weiteren Lebensräumen auf Fels- und Trockenstandorten ein bedeutendes Refugium für bedrohte Vogelarten dar.
8Westliche Hainleite – Wöbelsburg1.170 haKyffhäuserkreis, Nordhausenrepräsentiert großflächige Buchenwälder, Kalkfelsen-Schutthalden, Trockenrasen, bedeutendes Kammmolch-Vorkommen, Brutvogelbestand alt- und totholzreicher Wälder sowie weitere Vogelhabitate


Karte:

Gebiete des Natura-2000-Netzes
(PDF-Datei)