Naturschutzgebiete (Stand: 03/2018)

Die kreisfreie Stadt Jena hat Anteil an sieben Naturschutzgebieten (NSG), wovon zwei vollständig im Stadtgebiet und die NSG 149, 150, 451, 452 sowie 371 teilweise im Saale-Holzland-Kreis liegen.

NummerNameGröße (ha)
148 Isserstedter Holz 118
149 Hufeisen-Jenzig 1) 623
150 Leutratal und Cospoth 1) 583
371 Spitzenberg - Schießplatz Rothenstein - Borntal 1) 544
372 Windknollen 185
451 Kernberge und Wöllmisse bei Jena 1) 2.075
452 Jenaer Forst 1) 541
1) liegt in zwei oder mehr Landkreisen


Die NSG 148 bis 150, 372, 451 und 452 liegen im Naturraum 3.6 (Ilm-Saale-Ohrdrufer Platte).

Das im Landschaftsschutzgebiet "Mittleres Saaletal" liegende NSG 148 "Isserstedter Holz" umfasst einen Teil der Hochfläche nordwestlich von Jena und Abhänge zu einem Seitental (Jenaer Mühltal) des Saaletals und repräsentiert wesentliche charakteristische Oberflächen- und Gewässerformen des Naturraumes. Es beinhaltet bemerkenswerte geomorphologische Bildungen und einen Komplex strukturreicher Laubmischwälder (überwiegend Waldlabkraut-Eichen-Hainbuchenwälder) mit seltenen Tier- und Pflanzenarten. Zum Ziskauer Tal hin wurden auch einige Streuobstwiesen sowie damit kleinflächig verzahnte Kalkmagerrasen und an der Straße Isserstedt - Lützeroda zwei Frischwiesenflächen und Gartenflächen in das NSG einbezogen. Auf den ehemals militärisch genutzten Flächen wurden 4 temporäre Gewässer angelegt. Bemerkenswert für die Flora ist das Vorkommen von insgesamt 11 Orchideenarten, darunter beispielsweise Weiße und Grünliche Waldhyazinthe, weiterhin von Wimpern-Segge sowie den Armleuchteralgen Chara vulgaris und Ch. Virgata in den Kleingewässern. Im Osten des NSG ist eine Reihe von Grenzsteinen zwischen dem ehemaligen Herzogtum Sachsen-Meiningen (HSM) und dem Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach (GSW) als kulturhistorisches Denkmal erhalten geblieben.

Das NSG 149 "Hufeisen-Jenzig" (Kerngebiet 2) umfasst eine hufeisenförmig nach Westen offene, plateauartige Scholle der Ilm-Saale-Muschelkalkplatte und repräsentiert wesentliche charakteristische Oberflächenformen des Naturraums. Von der Hochfläche sind Schlossberg und Großer Gleisberg mit Kunitzburg, der Querriegel des Hufeisens und der langgestreckte Riedel des Jenzig einbezogen. Das NSG beinhaltet großflächige, orchideenreiche Kalkmagerrasen, Laubmischwälder und Streuobstwiesen als Lebensraum seltener, Wärme liebender Tier- und Pflanzenarten, als Lehr- und Forschungsobjekt sowie als stadtnahes Erholungsgebiet. Das NSG ist zu etwa 70 % mit verschiedenen Waldgesellschaften bedeckt und weist viele der gebietstypischen Pflanzengesellschaften, darunter beispielsweise Wolliger Schneeball und Blutroter Hartriegel, auf. Es enthält mit 24 ha die größte Fläche an mosaikartig verteilten Streuobstwiesen, hinzu kommen kleinflächig aufgelassene Weinberge, Stickstoff liebende Stauden- und Ruderalfluren sowie aufgelassenen Steinbrüche. Auf dem westlichen Plateau des Großen Gleisberges sind die bisher als Totalreservat geltenden Waldbereiche mit den einzigen Exemplaren der Flaum-Eiche in Thüringen, als Zone 1 (Verbot jeglicher Bewirtschaftung und Pflege) und Zone 2 (lokale Auslichtungen möglich) ausgewiesen. Das NSG ist für die FSU Jena seit jeher ein für Lehre und Forschung wichtiges Gebiet, in das zahlreiche biologische, geologische und bodenkundliche Exkursionen führen und in dem eine Fülle an Qualifizierungsarbeiten entstand.

Am Südost-Rand der Ilm-Saale-Ohrdrufer Platte umfasst das NSG 150 "Leutratal und Cospoth" (Kerngebiet 7) bogenförmig einen Teil der tief zertalten tertiären Muschelkalk-Hochfläche. An den Hängen und auf der Hochfläche, vor allem nördlich des Lämmerberges, befinden sich teils ausgedehnte, aufgelassene Steinbrüche, wobei der größte und markanteste der landschaftsprägende Kalksteinbruch am Ostabhang des Mönchsberges ist. Im NSG befinden sich zudem einige Hohlwege und Lesesteinwälle sowie Acker- und Weinbergterrassen auf den flacheren Unterhängen. Neben dem Bach im Kleinertal, als einziges Fließgewässer, gibt es seit 2005 im Steinbruch Mönchsberg sechs künstlich angelegte Regenwassertümpel als Standgewässer. Der südexponierte Steilhang des östlichen Leutratals ist der mit Abstand am besten untersuchte NSG-Teil Thüringens. Das NSG ist etwa zur Hälfte bewaldet, wobei allein 23 % seiner Gesamtfläche von Nadelbäumen bedeckt sind. Etwa die Hälfte der Fläche an naturnahen Laubwäldern (mit 16 % Anteil) wird von Orchideen-Buchenwald eingenommen. Charakteristisch sind ebenfalls Waldlabkraut-Eichen-Hainbuchen-Wälder als Lebensraum seltener Pflanzen und Tiere, insbesondere von Orchideen und Insekten. Mit 23 % halten offene, verbuschte und locker mit Kiefern bestandene Xerothermrasen bedeutende Anteile. Besonders wertvoll sind die sehr artenreichen Trespen-Halbtrockenrasen (9 %) in verschiedenen Ausbildungen. Mit etwa 14 % ist der Anteil an landwirtschaftlicher Nutzfläche ziemlich hoch, wobei mesophiles Grünland überwiegt. Das NSG ist weit über Thüringen hinaus vor allem wegen seines Reichtums an Orchideen (26 Arten) bekannt, darunter sind beispielsweise Frauenschuh, Korallenwurz und Brand-Knabenkraut. Seit 1970 ist das Leutratal als Gebiet für ökologische Grundlagenuntersuchungen (Populations-, Struktur-, Sukzessions- und Ökosystemforschung) weithin bekannt geworden, was mehrere hundert (!) Veröffentlichungen, zunehmend auch in internationalen Zeitschriften, dokumentieren. Weiterhin ist das NSG ein beliebtes stadtnahes Exkursion- und Erholungsgebiet.

Das NSG 372 "Windknollen" liegt am Südostrand der zusammenhängenden Muschelkalkhochfläche der Ilm-Saale-Ohrdrufer Platte am Rand zum Saaletal. Die wellige Hochfläche des Windknollens mit dem Napoleonstein fällt in einer sehr markanten Steilstufe zu flacherem Gelände ab. Durch die intensive militärische Nutzung entstanden zahlreiche Vertiefungen und Bodenunebenheiten (insbesondere im nordwestlichen Teil des NSG), in denen sich temporäre Kleingewässer ("Himmelslöcher") bilden konnten, wobei einige größere auch ganzjährig Wasser führen. An diesen Kleingewässern haben sich wertvolle Verlandungsbereiche ausgebildet, die eng mit Ruderalfluren und Halbtrockenrasen verzahnt sind. Letztere beherbergen eine ganze Reihe seltener Pflanzen, darunter zahlreiche Orchideenarten wie Frauenschuh, Grünliche und Weiße Waldhyazinthe. Der Drüsige Klappertopf, der sein eigentliches Verbreitungsgebiet in Südosteuropa besitzt, weist hier ein einziges isoliertes Vorkommne in ganz Deutschland auf. Auch die Tierwelt ist mit einer Reihe bemerkenswerter und seltener Arten vertreten. Das NSG ist Teil des Kerngebietes 5 des Naturschutzgroßprojektes "Orchideenregion Jena - Muschelkalkhänge im mittleren Saaletal" und ist als Teil des Schlachtfeldes der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt bekannt geworden.

Das zweitgrößte Naturschutzgebiet Thüringens, das NSG 451 "Kernberge und Wöllmisse bei Jena" (Kerngebiet 3), umfasst eine der größten isolierten Muschelkalktafeln (Wöllmisse) östlich des Saaletals bei Jena. Ihre Hochfläche wird allseits durch Täler und Tälchen in vorragende Plattenteile zerschnitten: Culmberg, Einsiedlerberg, Spitzberg, Johannisberg und Kernberge, Hausberg, Hirschberg sowie Nonnenberg vor hinterer Wöllmisse. An der Zerschneidung sind insbesondere das Pennickental und das Ziegenhainer Tal sowie zahlreiche Nebentälchen des Gemdenbachs und der Roda beteiligt. Unterhalb der Karstquellen des Fürstenbrunnens bildete sich ein Travetinlager (Süßwasserkalk) mit zahlreichen Pflanzenabdrücken und fossilen Schneckengehäusen. Auch Kalkfels- und Schuttfluren prägen das Gebiet. Im NSG sind alle für die nähere Umgebung Jenas charakteristischen Wald- und Offenlandbiotope sowie deren Pflanzengesellschaften ausgebildet. Aufgrund ihres außerordentlichen Reichtums an seltenen Arten zählen sie zu den herausragenden Trockenbiotopen in Thüringen, mit einem bundesweit bedeutenden Verbreitungsschwerpunkt für Wärme liebende Tier- und Pflanzenarten sowie Pflanzengemeinschaften. Das NSG ist etwa zu drei Viertel bewaldet, mit 58 % Laub- und 17 % Nadelbaumanteil. Fast die gesamte Wöllmisse wird von Hainsimsen-Buchenwald (etwa 28 %) und Waldlabkraut-Eichen-Hainbuchenwald (17 %) dominiert. Auf 8 % der Fläche entwickelten sich Pionierwälder, davon mehr als die Hälfte aus Gewöhnlicher Esche. Die mehr oder weniger offenen Wellenkalk-Steilhänge machen nur 6 % der Fläche aus. Die Trockenrasen gehen in artenreiche Trespen-Halbtrockenrasen (> 3 %) über. In ihnen kommen die meisten der 28 Orchideenarten (darunter 8 bestandsbedrohte) mit beispielsweise Frauenschuh und Sumpf-Stendelwurz vor. Der landwirtschaftlichen Nutzung unterliegen 13 % des NSG, das auch kleinflächig (1 %) Streuobstwiesen aufweist. Bislang wurden über 540 Arten an Großschmetterlingen, davon 102 bestandsbedrohte, nachgewiesen, was das NSG (zusammen mit dem NSG 150 "Leutratal-Cospoth") zu den mit Abstand artenreichsten und bedeutendsten der Region macht. Seit den 1950er-Jahren sind vor allem die stadtnahen Bereiche des Gebietes für Lehre - wie geologische, botanische und zoologische Exkursionen - und Forschung (zahlreiche Qualifizierungsarbeiten) an der FSU Jena sowie für Erholung und Bildung der Bevölkerung von herausragender Bedeutung.

Das NSG 452 "Jenaer Forst" umfasst die östlichen Ausläufer der Ilm-Saale-Ohrdrufer Platte mit den steilen Abhängen einer Reihe von Nebentälchen der Saale. Teile des westlichen Ausläufers des Wüsten Tales gehören als Exklave mit zum NSG. Im Lebetal entspringt am Rande des NSG eine Quelle, die im Coppanzer Grund zur Trinkwasserversorgung gefasst ist und historisch als "Ammerbacher Wasserstollen" bekannt ist. Das Biotoptypenspektrum umfasst artenreiche Laubmischwälder (Waldlabkraut-Eichen-Hainbuchenwälder, Waldmeister- und Orchideen-Buchenwälder), Kiefern-Forste, Trockenrasen, Kalkfelsfluren und -schuttfluren, Streuobstwiesen, eine Kalktuffquelle sowie kleinere Höhlen. Die wertvollen Komplexe aus Trockenbiotopen auf Muschelkalk setzen sich oft aus Gamander-Blaugras-Trockenrasen, Trespen-Halbtrockenrasen, Trockengebüschen und selten auch kleinen Wacholderheiden zusammen. Das NSG beherbergt seltene und gefährdete Tiere und Pflanzen, insbesondere Orchideen. So besitzt der Frauenschuh mit mehreren individuenreichen Populationen hier eines seiner größten Vorkommen in Thüringen. Auf dem Plateau des Nordteils findet man die ND "Brätzel-Linde", "Die 7 Buchen" und "Elsbeere".

In den Naturräumen 3.6 (Ilm-Saale-Ohrdrufer Platte) und 2.6 (Saale-Sandsteinplatte) liegt das NSG 371 "Spitzenberg - Schießplatz Rothenstein - Borntal". Es zeichnet sich durch einen störungsarmen Komplex von Wald- und Offenlandlebensräumen, insbesondere orchideenreiche Magerrasen, mit einer Vielzahl seltener Organismen aus. Die wenigen Bäche führen nur bei Starkniederschlägen Wasser. Einziges Standgewässer im Gebiet ist der Teich im Löschtal. Das Terrain des ehemaligen Schießplatzes enthält zahlreiche nutzungsbedingte Kleinformen wie geebnete Schießbahnen, Dämme, Gräben, Fahrspuren und Aufschüttungen. Das NSG beherbergt ein Totalreservat.
 
Landschaftsschutzgebiete (Stand: 03/2018)

Das Territorium der Stadt Jena liegt zum großen Teil im Landschaftsschutzgebiet (LSG) "Mittleres Saaletal". Das LSG "Mittleres Saaletal" hat den Charakter eines Naherholungsgebietes. Die ringförmig um das Oberzentrum Jena angeordneten Waldflächen sollen unter Rücksichtnahme auf die Belange des Naturschutzes, besonders im Gebiet des Naturschutzgroßprojektes, für beruhigte Erholungsformen des Landschafts- und Naturerlebens genutzt werden.

NummerNameGröße (ha)
32Mittleres Saaletal zwischen Camburg und Göschwitz16.622
104Saaletal in den Fluren Göschwitz bis Kahla1.431
105Trießnitz15
106Oberaue59
107Unteraue127



Karte:

Schutzgebiete
(JPG-Datei)

 
Geschützte Landschaftsbestandteile,
Flächennaturdenkmale und Naturdenkmale *

In der kreisfreien Stadt Jena gab es zum 15.12.2004 insgesamt 24 geschützte Landschaftsbestandteile, Flächennaturdenkmale und Naturdenkmale.

* Von den Naturdenkmalen wurden erfasst: flächige Naturdenkmale sowie Naturdenkmale geologischer und hydrologischer Art.
 
Natura-2000-Gebiete

Das europäische ökologische Schutzgebietsnetz Natura 2000 umfasst Fauna-Flora-Habitat-Gebiete (FFH-Gebiete einschließlich FFH-Objekte) und Europäische Vogelschutzgebiete.

Die FFH-Gebiete bilden ein europaweites Netz besonderer Schutzgebiete, das der Erhaltung schutzwürdiger Lebensräume sowie ausgewählter Tier- und Pflanzenarten dient. Die Europäischen Vogelschutzgebiete werden für bestimmte Brutvogelarten und für Rast- und Überwinterungsplätze von Zugvögeln ausgewiesen.

Rechtliche Grundlage

Thüringen hat seine Meldung von FFH-Gebieten an die EU-Kommission abgeschlossen. Neben den 212 FFH-Gebieten wurden auch 47 punktförmige FFH-Objekte für den Fledermausschutz gemeldet. Hierbei handelt es sich insbesondere um Fledermausquartiere in Gebäuden und Stollen. Diese sind im Sinne der FFH-Richtlinie FFH-Gebiete und wurden z. T. zu Objektgruppen zusammengefasst. Außerdem gibt es in Thüringen 44 Vogelschutzgebiete.

Die kreisfreie Stadt Jena hat Anteil an folgenden FFH-Gebieten:
 
FFH-Gebiete (Stand: 05/2004)

Nummer Name Größe (ha)
... ... ...

 
Europäische Vogelschutzgebiete (Stand: 04/2007)

Nummer Name Größe Landkreis/
kreisfreie Stadt
Kurzcharakteristik
33Muschelkalkhänge der westlichen Saaleplatte10.824 haJena, Ilm-Kreis, Saale-Holzland-Kreis, Saalfeld-Rudolstadt, Weimarer LandAusgedehnte wärmebegünstigte Hänge mit Felsen, Schutthalden und Trockenrasen bilden in der reich strukturierten Waldlandschaft mit Moor- und Feuchtbiotopen, Mähwiesen und beweideten Kalkmagerrasen hervorragende Refugien für bedrohte Vogelarten.


Karte:

Gebiete des Natura-2000-Netzes
(PDF-Datei)