Hydrogeologie

Unter der Bezeichnung  Hydrogeologische Einheiten  (Lithofazieseinheiten) werden Gesteinsgruppen (Schichtenfolgen) auf der Grundlage ihrer hydrogeologischen/hydrochemischen Eigenschaften zusammengefasst. Dabei sind häufig stratigraphisch (altersbezogen) unterschiedliche Gesteine einer Einheit zugeordnet (vgl. Karte: Hydrogeologische Einheiten). Das Verfahren ist in  Grundwasser in Thüringen, Bericht zu Menge und Beschaffenheit , 1996, beschrieben.

Im Stadtgebiet von Gera sind folgende Gesteinsgruppen von Bedeutung:

Paläozoische Gesteine der Mittelgebirge
L1.1Schieferserien unterschiedlicher stratigraphischer Stellung, zumeist Altpaläozoikum, häufig metamorph; geringe Grundwasser-(Gw)Führung
L1.2Wechsellagerung von Tonschiefern, Kieselschiefern und Diabasen, oft vergesellschaftet mit L1.1 und L1.3; mittelmäßige Grundwasserführung
L1.3Wechsellagerung von Tonschiefern und Kalksteinen altpaläozoischen Alters, oft vergesellschaftet mit L1.1 und L1.2, Verkarstung möglich; teilweise gute Grundwasserführung
L5.2Wechsellagerung von Arkosen, Sandsteinen und Tonschiefern (eingelagert teilweise Quarzite, Konglomerate oder Kalksteine) verschiedener stratigraphischer Stellung, zumeist jedoch Kulm (Unterkarbon); nur im Bereich von Störungszonen nennenswerte Grundwasserführung
L6Wechsellagerung von Konglomeraten, Sandsteinen und Schluffsteinen des Permosiles, häufig vergesellschaftet mit L4.1 und 4.2; stellenweise gute Grundwasserführung
L7Kalksteine, Dolomite, Gipse, Tonsteine, Mergel, dolomitische Sandsteine und Konglomerate des Zechsteins, Verkarstung häufig vorhanden; stellenweise sehr gute Grundwasserführung.
Mesozoische Gesteine der Vorländer und Beckenbereiche
L8.2Sandsteine, wechsellagernd mit Schluffsteinen, Bröckelschiefer, Schieferletten und Tonen, häufig dolomitisch, örtlich Gips, stellenweise salinar beeinflusst, Gesteine des Unteren und Oberen Buntsandsteins; nur stellenweise mittelmäßige Grundwasserführung.
Lockergesteinsbedeckung känozoischen Alters
L11/12Kiese, Sande, Lehme und Tone holozänen, pleistozänen und tertiären Alters (z.B. Terrassenschotter, Auebildungen), stellenweise vergesellschaftet mit Basalten (L4.2), Braunkohleflözen oder Kalktuff (Travertin); sehr unterschiedliche Grundwasserführung.


Karte:

Hydrogeologische Einheiten
(PDF-Datei)

 
Niederschläge

Das Stadtgebiet von Gera befindet sich am Südostrand des mitteldeutschen Trockengebietes und gehört zu den trockensten Regionen in Thüringen. Die Niederschlagssummen liegen zwischen 669 bis 791 mm pro Jahr (Mittelwert 717 mm). Damit befinden die höchsten Werte für Gera noch deutlich unter dem Landesdurchschnitt (837 mm pro Jahr).

Die Niederschlagshöhe liegt im größten Teil des Stadtgebietes von Gera zwischen 700 und 750 mm pro Jahr. Im Süden, im Tal der Weißen Elster und im Nordosten werden 700 mm pro Jahr unterschritten. Lediglich im Westen, im Bereich des Gerarer Stadtwaldes, werden mit 750 bis 800 mm pro Jahr etwas höhere Niederschläge erreicht.


Karte:

Gebietsniederschlag
1970 bis 2010
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Verdunstung

Die Werte für die Gebietsverdunstung im Stadtgebiet von Gera liegen zwischen 524 mm und 759 mm, der Mittelwert bei 603 mm pro Jahr. Damit liegt die Stadt im Landesdurchschnitt (Thüringen 607 mm pro Jahr).

Die reale Gebietsverdunstung der Stadt Gera liegt in den überwiegend landwirtschftlich geprägten Gebieten im Norden, Osten und Südosten zwischen 500 bis 600 mm pro Jahr. Im zentralen Stadtgebiet liegen die Werte zwischen 600 und 650 mm pro Jahr. Die mit über 700 mm pro jährlich höchsten Verdunstungswerte finden sich im Gera Stadtwald und im Zeitzer Forst.


Karte:

Gebietsverdunstung
1970 bis 2010
(JPG-Datei)

 
Grundwasserneubildung

Der Prozess der Grundwasserneubildung schließt im Wasserkreislauf die Verbindung zwischen Oberflächen- und Grundwasser. Typisch für das morphologisch teilweise stark gegliederte Gebiet mit Festgesteinsuntergrund sind sehr unterschiedliche Raten der Grundwasserneubildung. Deren Höhe wird zunächst durch den Wasserhaushalt limitiert. In Abhängigkeit von den jeweiligen Standortverhältnissen fließen neugebildete Wässer anteilig oberirdisch bzw. über den Interflow ab, ein anderer Teil bildet Grundwasser mit sehr unterschiedlichen Verweilzeiten im Untergrund. Grundwasserzugänge aus Oberflächenwasserversinkungen müssen gesondert berechnet werden.

Das Stadtgebiet von Gera wird von den Lockergesteinsablagerungen der L 11 in der Flussaue der Weißen Elster bestimmt. Die Grundwasserneubildungsraten sind im Gegensatz zur Verdunstung relativ gering und liegen zwischen < 50 bis 100 mm/Jahr. z. T. sind die geringen Grundwasserneubildungsraten auch durch die Bebauung (Versiegelung) bedingt.

Von hydrogeologischer Relevanz sind die im Westen von Gera anstehenden mittel- bis stark mineralisierten Sandsteine (L 8.2) des Unteren Buntsandsteins die einen gut ergiebigen Grundwasserleiter bilden und westlich des Elstertales auch lokale Bedeutung für die Trinkwasserversorgung besitzen.

Im Osten der Stadt bilden die Ablagerungen der Molasse des Übergangsstockwerkes (L 6) und des Zechsteins (L 7) als Randfazies kluftig-poröse Kluftgrundwasserleiter mit untergeordneter wasserwirtschaftlicher Bedeutung.

Den Süden der Stadt umfassen z. T. paläozoische Einheiten der L 1.1 Schiefer und Metamorphite (Ordovicium), L 1.3 Flysch (Devon) und L 5.2 Grauwacken (Karbon), die hydrogeologisch ebenfalls von geringer Bedeutung sind.

Weiter südlich der Pohlener Störung befindet sich das lange Jahre für Gera genutzte Wasserwerk Liebschwitz, welches das Trinkwasser vorwiegend aus dem Buntsandstein entnahm und auf Grund der starken Kontaminationsgefährdung u. a. durch die Deponie Untitz stillgelegt werden musste.


Karte:

Grundwasserneubildung
(PDF-Datei)

 
Oberflächengewässer

Das Territorium der Stadt Gera entwässert vollständig über die Weiße Elster zur Saale und zur Elbe.



Klassifizierung der Fließgewässer

KlassifizierungFließgewässer
1. OrdnungWeiße Elster
2. OrdnungSeilersbach, Erlbach / Saarbach, Wipsebach, Gessenbach, Brahme, Bieblacher Bach, Schoßbach / Stockgraben und Aga als Zuflüsse der Weißen Elster u.a.

 
Gewässergüte Fließgewässer

Mit dem Inkrafttreten der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) im Jahre 2000 rückte bei der Zustandsbewertung der Gewässer der ökologischen Aspekt in den Vordergrund. Zur Einstufung des ökologischen Zustands werden biologische, chemische und unterstützend allgemein physikalisch-chemische Komponenten herangezogen. Detailierte Informationen zur Zustandsbewertung der Fließgewässer werden im Erläuterungstext gegeben.


Karte:

Gewässergüte 2013
ökologischer Zustand / Potenzial
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Karte:

Gewässergüte 2013
Fischfauna
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Karte:

Gewässergüte 2013
Wasserpflanzen
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Karte:

Gewässergüte 2013
Makrozoobenthos
(JPG-Datei)

Karte:

Gewässergüte 2012
Saprobiologie
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Thüringen-Übersichtskarten:
Fischfauna (JPG-Datei)
Wasserpflanzen (JPG-Datei)
Makrozoobenthos (JPG-Datei)
Saprobiologie (JPG-Datei)
Mit Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie ab 2007 änderte sich das Verfahren zur Bewertung der Gewässergüte einschließlich der Erfassung der Saprobiologie. Nähere Informationen werden in den methodischen Hinweisen gegeben. Gewässergütekarten für die Jahre 1993, 1997, 2002 und 2006 sind im Archiv hinterlegt.

 
Wasserversorgung

Im Jahr 2010 waren 100 % der Einwohner der kreisfreien Stadt Gera (Thüringen 99,9 %) an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen. In 2 Gewinnungsanlagen wurden rund 0,1 Mio. m³ Wasser gewonnen. Der Wasserverbrauch lag in der kreisfreien Stadt Gera mit 94,8 Liter je Einwohner und Tag deutlich über dem Landesdurchschnitt (Thüringen 88,6 Liter).

Die Trinkwasserversorgung der Stadt Gera erfolgt vorwiegend durch Fernleitungen aus Talsperren. Die Hochbehälter Ernsee und Weißig sowie Thränitz haben über zwei getrennte Fernleitungen direkte Verbindung zum Wasserwerk Dörtendorf im Landkreis Greiz, das Rohwasser aus der Talsperre Zeulenroda und der Weidatalsperre verarbeitet.

Bedeutende Grundwasserressourcen befinden sich im Zechstein von Liebschwitz sowie im Buntsandstein von Windischenbernsdorf, Hain und Negis.

Veränderungen der Wasserschutzgebiete werden im Thüringer Staatsanzeiger veröffentlicht.


Karte:

Träger der öffentlichen Wasserversorgung 2011
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Abwasserentsorgung

Im Jahre 2010 waren 95,7 % der Einwohner der kreisfreien Stadt Gera an die öffentliche Kanalisation angeschlossen, 92,1 % auch an eine zentrale Abwasserbehandlungsanlage (Thüringen 92,3 % bzw. 72,2 %).




Karte:

Abwasserentsorgung 2009
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