Verkehrsmodell Thüringen

Die Zerschneidungswirkung von Straßen ist maßgeblich durch die Belastung durch Kraftfahrzeuge geprägt. Als Zerschneidungselement gilt eine Straße, wenn diese täglich durch 1.000 oder mehr Kfz passiert wird.

Die Grundlage zur Ermittlung der unzerschnittenen verkehrsarmen Räume (UZVR) bilden die im Punkt "Zerschneidungsgeometrie" beschriebenen Infrastrukturen. Während die Ermittlung der Verkehrsstärken vor 2005 fast ausschließlich auf den Ergebnissen der Straßenverkehrszählung (SVZ) basierte, werden durch die Nutzung des Verkehrsmodells Thüringen seit 2005 auch Kreis- und Gemeindestraßen erfasst, deren Tageswerte häufig deutlich über 1.000 Kfz liegen und damit für die Landschaftszerschneidung relevant sind.


Mit Hilfe des Verkehrsmodells Thüringen, welches das Institut Verkehr und Raum der Fachhochschule Erfurt betreibt, können die UZVR präziser als bisher berechnet werden. Zudem gestattet das Modell, dass auch die Ländergrenzen übergreifenden UZVR ermittelt werden können.

Die Modellierung der Verkehrsmengendaten ist ein sehr komplexer Vorgang, der hier nicht annähernd erschöpfend dargelegt werden kann und soll. An dieser Stelle sollen nur einige wichtige Werte genannt werden, die in das Verkehrmodell einfließen.

Die Grundlage des Verkehrsmodells bilden das klassifizierte Straßennetz des Freistaates Thüringen und benachbarter Bundesländer sowie die Ergebnisse der SVZ. Hinzu kommen die Auswertung der Dauerzählstellen in Thüringen und Verkehrserhebungen der FH Erfurt.

Das Planungsgebiet Thüringen wird um einen Umlandbereich mit benachbarten Bundesländern von 70 bis 100 km und einen Kordonbereich (19 Schnittpunkte zwischen dem Umland und dem übrigen Bundesgebiet) erweitert. Dabei werden 1175 Binnenverkehrsbezirke innerhalb des Planungsgebietes, 302 Außenverkehrsbezirke im Umland sowie 19 Kordonverkehrsbezirke als Schnittstellen zum Bundesmodell gebildet.


Weiterhin fließen Struktur- und Mobilitätsdaten in das Modell ein:
  • Geographischer Bezug (Gemeindeflächen, Planungsregionen)
  • Bevölkerung (Geschlecht, Alter, Haushaltstypen)
  • Bildungsangebot (Kindertagesstätten, Schulen, Hochschulen)
  • Arbeitsmarkt (Beschäftigte am Wohnort, Ein- und Auspendler)
  • Wirtschaftszahlen (Bruttoinlandsprodukt, Bruttolöhne, verfügbares Einkommen)
  • Gewerbestandorte (Art, Lage und Ausdehnung, Auslastung, Nettofläche)
  • Freizeiteinrichtungen (Sportstätten, Schwimmbäder, Museen, Theater, Kinos, Zoos)
  • Fremdenverkehr (Übernachtungen, Aufenthaltsdauer)
  • Motorisierung (Kfz pro Landkreis, Kfz pro Einwohner)
  • Öffentliche Einrichtungen
In die Verkehrsmodellierung fließen insgesamt 150.000 Einzeldaten ein, die erst nach zahlreichen Rechendurchgängen ein Ergebnis hervorbringen. Die 907 existierenden Zählstellen der SVZ dienen zur Kalibrierung und Verifizierung des Ergebnisses.

Ausführlichere Informationen können der Dokumentation "Verkehrsmodell Thüringen - Qualifizierung der Analyse 2010 als Grundlage für die Berechnung des Umweltindikators Landschaftszerschneidung" entnommen werden.