Glossar

Unzerschnittene verkehrsarme Räume (UZVR) sind Gebiete, die nicht durch Siedlungen, Flughäfen, Straßen ab einer Verkehrsstärke von 1.000 Kraftfahrzeuge / Tag (Bundesautobahnen, Bundes- und Landstraßen, Kreisstraßen), eingleisige elektrifizierte, nicht stillgelegte oder zweigleisige Bahnstrecken sowie Kanäle mit dem Status einer Bundeswasserstraße der Kategorie IV oder größer zerschnitten werden. Bei Straßen und Bahnlinien werden Tunnel ab einer Länge von 1.000 Metern als Unterbrechung der Zerschneidung berücksichtigt.

Sonstige Schutzgebiete: Kernzonen der Nationalparke, Kern- und Pflegezonen der Biosphärenreservate, Totelreservate und Refugialflächen.

effektive Schutzgebietsfläche: Die effektive Schutzgebietsfläche ist die Summe aller aufgeführten Schutzgebietskategorien ohne Doppelzählungen.

Siedlungsdichte im Inneren: Innerhalb der UZVR liegen Siedlungsflächen, die nicht zu den UZVR hinzugerechnet werden, jedoch ein Störpotential darstellen. Die Siedlungsdichte im Inneren ist das Verhältnis der Siedlungsfläche im Inneren zur Bruttofläche des UZVR und wird in Prozent angegeben. Bruttofläche ist die Gesamtfläche innerhalb der äußeren Begrenzung des UZVR ohne Abzug der Siedlungsflächen im Inneren. Die Nettofläche ist die eigentliche Fläche des UZVR nach Abzug der Siedlungsflächen im Inneren. Die Siedlungsdichte im Inneren ist ein Kriterium zur Bewertung der Störungsarmut, welches die innere Struktur der UZVR berücksichtigt.

Distanz bis zur nächsten Zerschneidung (DNZ): Kombiniert man in einem Geoinformationssystem (GIS) die Zerschneidungselemente (Siedlungen, Straßen, Bahnstrecken… lt. Definition) mit einem regelmäßigen Raster (hier: 50 x 50 Meter), kann man im GIS für jedes dieser Rasterzellen die kürzeste Entfernung bis zur nächsten Zerschneidung berechnen und die Zellen mit dem jeweiligen Wert attributieren. Dieser Wert ist die Distanz bis zur nächsten Zerschneidung, kurz DNZ. Die Angabe erfolgt in Meter.

maximale DNZ: Die maximale DNZ ist der höchste Wert aller Rasterzellen innerhalb eines definierten geographischen Raumes (UZVR, Naturraum, Landkreis…). Die maximale DNZ ist der entlegenste Punkt innerhalb dieses Raumes.

mittlere DNZ: Die mittlere DNZ ist der Mittelwert aller in einem definierten geographischen Raum gelegenen Rasterzellen. Sie spiegelt die mittlere Zerschneidung des Untersuchungsgebietes ohne Berücksichtigung der Grundfläche wider. Hohe Werte kennzeichnen Räume mit einer geringen inneren Zerschneidung. Räume mit unterschiedlich großen Grundflächen können gleichgroße mittlere DNZ haben.

Volumen des Pseudogebirges: Die Abstände zur nächsten Zerschneidung werden für alle Rasterzellen als Höhen eines Pseudogebirges abgetragen. Unter Einbeziehung der Grundfläche kann das Volumen des Pseudoreliefs berechnet werden. Die Angabe erfolgt in km³. Diese Kennzahl spiegelt einen durchschnittlichen Wert der Zerschneidung des Untersuchungsgebietes mit Berücksichtigung der Grundfläche wider. Bei gleicher Grundfläche kennzeichnen hohe Werte Räume mit einer geringen inneren Zerschneidung.

Verhältnis Volumen/ Grundfläche: Das Verhältnis von Pseudovolumen zur Grundfläche ist eine Verhältniszahl, die einen mittleren Wert der inneren Zerschneidung eines Untersuchungsgebietes wiedergibt. Das Verhältnis von Volumen zur Grundfläche ist direkt proportional zur mittleren DNZ des Untersuchungsgebietes. Hohe Werte kennzeichnen Räume mit einer geringen inneren Zerschneidung.

Hinweis: Oben genannte Kennzahlen werden im Fachstandpunkt "Kennzahlen zur Bewertung der Störungsarmut von geographischen Räumen in Thüringen" ausführlich erläutert.
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Geoinformationssystem (GIS):
Software mit georäumlichen Bezug und Datenbankanbindung. Dient der Ermittlung und Veranschaulichung von georäumlichen Sachverhalten.

ATKIS:
Amtliches Topographisch-Kartographisches Informationssystem. Digitale Variante der amtlichen topographischen Karten der Vermessungsverwaltungen.

 
Hinweise zur Statistik

Statistische Angaben liegen in unterschiedlichen räumlichen Bezügen vor.

Geostatistische Erhebungen:
Die höchste Genauigkeit erzielen durch georäumliche Verschneidungen ermittelte Werte wie Schutzgebietsanteile und Daten zur Flächennutzung. Hierbei wurden beispielsweise die Geodaten der Schutzgebiete direkt mit denen der UZVR im GIS verschnitten und die prozentualen Anteile je UZVR ermittelt. Die zugrunde liegenden Geodaten haben ATKIS-Genauigkeit für den Maßstab 1:25.000.

Statistische Werte auf Gemeindebasis, Bevölkerungszahlen und aus diesen abgeleitete Werte:
Zunächst ist festzustellen, dass Siedlungsfläche nicht zum UZVR gehört und sämtliche UZVR eine Bevölkerung von Null haben. Im Kartenbild zeigt sich diese Tatsache durch "Löcher" innerhalb der Außengrenzen eines UZVR. Um Kenndaten der UZVR zur Verfügung stellen zu können, wurde darauf zurückgegriffen, Daten der Anliegergemeinden zu ermitteln. Stellt man nun statistische Daten der Anliegergemeinden zusammen und errechnet Mittelwerte für diese, kann es zu Verfälschungen kommen, da die räumlichen Überschneidungen der Gemeinden mit den UZVR unterschiedliche Ausprägungen haben. Gemeinden können vollständig oder nur teilweise im UZVR liegen. Es ist möglich, dass bewohnte Gebiete vollständig, teilweise oder komplett außerhalb eines UZVR liegen oder nur an diesen angrenzen. Gleichermaßen kann sich eine Gemeinde über mehrere UZVR erstrecken.

Eine zuverlässige Aufteilung der Bevölkerungszahlen und anderer statistischer Daten auf die verschiedenen Räume oder zur Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu einem Raum ist nicht möglich, zumal feingliedrigere Bevölkerungszahlen, beispielsweise auf Ortsteilebene, nur unvollständig vorliegen. Immer größer werdende Gemeinden und eine damit verbundene immer ungenauere Ausweisung statistischer Daten erschwert es, sinnvolle Aussagen zu treffen. Statistische Daten (Bevölkerungszahlen, Kfz-Bestand usw.) stehen meist nur auf Gemeindeebene zur Verfügung. Im Sinne einer sinnvollen Aussage wurde sich dafür entschieden, sämtliche statistischen Werte der Gemeinden auszuweisen, unabhängig davon, ob sie komplett im UZVR liegen oder auch nur zu einem geringen Teil, jedoch einige Gemeinden nicht zur Mittelwertbildung hinzuzuziehen. Diese werden separat ausgewiesen.

Gemeindefreie Gebiete:
Gemeindefreie Gebiete kommen in Bayern vor. Dabei handelt es sich um Waldgebiete, die verwaltungsrechtlich keiner Gemeinde zugeordnet und unbewohnt sind. Folglich liegen hier keine statistischen Daten vor; gegebenenfalls sind in geringem Maße Straßen vorhanden. Gemeindefreie Gebiete gehen in die Mittelwertbildung der Anliegergemeinden ein.

Aktualität der Daten und Gebietsstand:
Allen statistischen Angaben liegen Werte des Jahres 2010 beim Gebietsstand 31.12.2010 zugrunde. Somit besteht eine zeitliche Übereinstimmung mit den UZVR.