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Natur und Landschaft

7 Vertragsnaturschutz

Im Jahr 2007 wurde das "Programm zur Förderung umweltgerechter Landwirtschaft, Naturschutz und Landschaftspflege in Thüringen" (KULAP) -. Teil Naturschutz für die Förderperiode 2007-2013 durch die Eu bewilligt. Neben der Weiterführung von bewährten Maßnahmen, wurden auch neue vorgeschlagen. Die Fördermaßnahmen reichen von der Fortführung der extensiven Grünlandwirtschaft, der Ausweitung von Erschwerniszuschlägen, die künftig sowohl für Mahd und Beweidung vorgesehen sind, bis hin zu Maßnahmen, die völlig neu konzipiert, gezielt auf den Schutz von bedrohten Arten der FFH- und Vogelschutz-Richtlinien der EU wie Hamster und dem Rotmilan ausgerichtet sind. Darüber hinaus sind neue Maßnahmen vorgesehen, die einen Beitrag zur naturschutzfachlichen Aufwertung der ackerbaulich intensiv genutzten Regionen in Thüringen leisten sollen. Bei der Formulierung der Maßnahmen wurde zum einen darauf geachtet, dass KULAP, mit derzeit etwa 12 Millionen Euro pro Jahr das wichtigste Finanzierungsinstrument des Naturschutzes in Thüringen, auch die Sicherung und Pflege der nach Fauna-Flora-Habitate (FFH)-Richtlinie durch die EU besonders geschützten Arten und Lebensräumen berücksichtigt. Die Förderinhalte wurden dabei zum anderen so ausgerichtet, dass bei der Pflegevereinbarung zwischen der unteren Naturschutzbehörde und dem Bewirtschafter ein beträchtlicher Freiraum, wie z. B. bei Vorgaben des Mahdzeitpunktes, besteht. Dies stärkt zum einen die Verhandlungsposition der Naturschutzbehörde "vor Ort", setzt aber auch eine hohe fachliche Qualifikation voraus. Um die Datengrundlage bei der Vergabe von Mitteln des Vertragsnaturschutzes für die im Vollzug verantwortlichen Behörden zu verbessern und damit die Effizienz des Mitteleinsatzes zu erhöhen, wurde die TLUG vom TMLNU schon im Jahr 2005 beauftragt, eine Förderkulisse "Vertragsnaturschutz" zu entwickeln. Diese Arbeiten wurden in den Grundzügen 2007 abgeschlossen. Im Ergebnis sollen mit den abgegrenzten Förderkulissen naturschutzfachlich besonders wertvolle Flächen ausgewiesen werden, um zielgerichtet Maßnahmen des Vertragsnaturschutzes umzusetzen. Zwar wird das Projekt Förderkulisse erst im Jahr 2008 mit der Antragstellung für das neu konzipierte Förderprogramm KULAP-Naturschutz in die Praxis überführt, doch lässt sich schon jetzt eine Zwischenbilanz dieses ambitionierten Projektes ziehen. Die Auswahl der förderfähigen Flächen war nur durch Auswertung der nunmehr in fast 15 Jahren an der TLUG erhobenen Daten zu Arten und Lebensräumen zu leisten. Wichtigste Datengrundlage ist die Offenlandbiotopkartierung (OBK) zusammen mit der erweiterten Erfassung von Lebensraumtypen (LRT) nach Anhang I der FFH-Richtlinie in FFH-Gebieten. Wertvolle Ergänzung lieferten die Erfassungen von Arten, für die nach Natura 2000 Schutzmaßnahmen zu ergreifen sind, und die Waldbiotopkartierung (WBK). Die Förderkulisse wird auf Basis von Feldblöcken, der Flächeneinheit mit der die Landwirtschaftsverwaltung den Transfer von Finanzmitteln berechnet, ausgerichtet. Für jeden Feldblock, der als förderwürdig erfasst wurde, soll eine digital abrufbare Information zur Verfügung stehen, die über naturschutzfachlich wertvolle Arten und Lebensräume auf dieser Fläche informiert. Eine von der TLUG formulierte Empfehlung für Erhaltungsmaßnahmen für Lebensraumtypen und Arten der FFH-Richtlinie soll die Entscheidungsgrundlage für den Pflegevertrag mit dem Bewirtschafter bilden. Die Förderkulisse wird einen spezifischen Managementplan für FFH-Gebiete nicht ersetzen können, kann aber nach derzeitiger Einschätzung wesentlich dazu beitragen, die Pflege der naturschutzfachlich wertvollen und pflegebedürftigen Offenlandflächen zu optimieren.

Unter dem Motto "Artenvielfalt auf der Weide" fand am 9. Juni 2007 die von der Zeitschrift GEO ins Leben gerufene deutschlandweit zentrale Veranstaltung des "Tags der Artenvielfalt" auf den großräumigen Weideflächen der Ohrdrufer Muschelkalkplatte in Crawinkel südlich Erfurt statt. Hierzu leistete die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie unter Federführung von Herrn Edgar Reisinger umfangreiche organisatorische und personelle Unterstützung. Von über 100 Experten aus ganz Deutschland, darunter zoologischen und botanische Fachverbänden, Mitglieder der zahlreichen Thüringer Naturschutzverbände und Mitarbeitern von wissenschaftlichen Einrichtungen wie den renommierten Thüringer Naturkundemuseen wurde mit über 2475 an einem Untersuchungstag nachgewiesen Arten nicht nur ein neuer Rekord für solche Kartierungen erzielt, sondern zeigte schlaglichtartig den ökologischen Wert der naturnahen Beweidung. Aufmerksam erregten vor allem zwei Arten, ein Insekt und ein Vogel, die bislang in Thüringen selten oder schon lange nicht mehr nachgewiesen wurden. Die beiden Raritäten, der Kurzflügelkäfer Emus hirtus und der Wiedehopf (Upupa epops) teilen dabei eine Vorliebe. Beide jagen Insekten vorzugsweise im Dung von Rind und Pferd. Diese und die Funde vieler teils hoch bedrohter Pflanzen und Tiere belegten, dass Halboffene Weidelandschaften einen Erfolg versprechenden Ansatz zur Sicherung der Biodiversität europäischer Kultur- und Naturlandschaften darstellen. Die von dem Magazin GEO und der Stiftung Naturschutz Thüringen mit Unterstützung der Agrar GmbH Crawinkel perfekt organisierte Veranstaltung fand ihren Abschluss in einer hochrangig besetzten Podiumsdiskussion u. a. mit Astrid Klug (Staatsekretärin des Bundesumweltministeriums), Herrn Adalbert Kienle (Stellvertretender Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes) und Vertretern der Wirtschaft und des Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt. Die Diskussionsbeiträge reichten von den Chancen für die Erzeugung hochwertiger Lebensmittel, bis zu Möglichkeiten von Halboffenen Weidelandschaften über den Naturschutz hinaus durch ihre hohe Attraktivität für Touristen und Erholungssuchende einen Beitrag zur regionalen Wertschöpfung zu leisten. Als entscheidender Punkt wurde dabei formuliert, dass auch diese nachhaltige Landnutzung für eine breite Akzeptanz entsprechende Förderprogramme auf Bundes- und Länderebene bedarf. Es ist zu hoffen, dass der 9. GEO-"Tag der Artenvielfalt" hierfür einen Motivationsschub auslöste und absehbar eine (förder)-politische Verankerung dieses Erfolgskonzeptes für Naturschutz und Landwirtschaft bundesweit erzielt wird.