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Natur und Landschaft

2 Artenhilfsprogramme

2.1 Moorfrosch - zur Paarungszeit "Blau"

Der Moorfrosch kommt nur in wenigen Teichgebieten Ost- und Mittelthüringens in größerer Individuenzahl vor.

Männliche Moorfrösche in Paarungsfärbung. (Aufn. A. NÖLLERT)


Von 1995 bis 1997 erfolgten in fünf Teichgebieten Bestandserfassungen der in Thüringen vom Aussterben bedrohten sowie im Anhang IV der FFH-Richtlinie verzeichneten Amphibienart (vgl. Tab.).

Teichgebiete Zahl untersuchter Gewässer
(Zahl Laichgewässer)
Zahl Laichballen
(Zahl rufender Männchen)
Dreba-Plothen 181 (73) ca. 3.960 (1.650)
Pörmitz 27 (13) ca. 1.025
Poser 24 (10) ca. 550
Wüstenwetzdorf 35 (3) ca. 130
Gehren 22 (9) ca. 2.400

Übersicht über die zur Erfassung der Moorfroschvorkommen untersuchten Teichgebiete.


Bemerkenswert individuenreiche Vorkommen existieren im Dreba-Plothener Teichgebiet. Deshalb erfolgte dort nach der Grundlagenerfassung 1995/1996 die Auswahl von 20 Gewässern (vgl. Karte) für ein Monitoring-Programm, wobei jeweils fünf Gewässer in folgenden Kategorien gewählt wurden:

  1. Gewässer mit sehr großer Laichballenanzahl und möglichst mehreren Laichplätzen,
  2. Gewässer mit mäßiger Laichballenanzahl,
  3. Gewässer mit geringer Laichballenanzahl,
  4. geeignet erscheinende Gewässer in der Nähe von besiedelten Teichen, die 1995/96 nicht vom Moorfrosch zur Reproduktion genutzt wurden.
Übersicht über die zum Monitoring des Moorfroschbestandes im Dreba-Plothener Teichgebiet ausgewählten Gewässer. (Grafik K. WOLF)
(544 KB)

Moorfrosch-Laichgewässer der Kategorie 1 im Dreba-Plothener Teichgebiet.
(Aufn. CH. SERFLING)


Moorfrosch-Laichgewässer der Kategorie 4 im Dreba-Plothener Teichgebiet.
(Aufn. CH. SERFLING)


Seit 1999 erfolgen dort im 2-jährigen Rhythmus jeweils Zählungen der Laichballen und Analysen der Laichplätze.

Relativ frisch abgelegte Laichballen des Moorfrosches. (Aufn. A. NÖLLERT)


Die obere Kurve in der folgenden Grafik zeigt die Entwicklung der Laichballenzahl in allen "Monitoring-Gewässern" von 1995/96 bis 2005.

Entwicklung der Laichballenzahl in den Monitoring-Gewässern des Dreba-Plothener Teichgebietes.
(Grafik K. DETZNER)


Dabei wird deutlich, dass von der Basiserfassung bis zum Jahr 1999 eine sehr starke Zunahme der Ballenzahl zu verzeichnen war, die im Jahr 2005 jedoch bis auf weniger als die Hälfte der ursprünglich ermittelten Zahl sank. Diese Entwicklung wird in den Gewässern der Kategorien 1 und 2 besonders deutlich, während in denen, die zu Beginn der Untersuchung nur wenige Laichballen bzw. keine Moorfrosch-Laichplätze aufwiesen die Kurve wesentlich flacher verläuft. Die Entwicklungen der Laichballenzahlen im jeweils "besten" Moorfrosch-Laichgewässer der Kategorien 1 (A) und 4 (B) sowie die des Gewässers mit der größten Schwankungsbreite nachgewiesener Laichballen (C) sind beispielhaft in der folgenden Grafik dargestellt.

Entwicklung der Moorfrosch-Laichballenzahl in ausgewählten Gewässern. (Grafik K. DETZNER)


Die Interpretation der Kurvenverläufe ist schwierig und bislang - auch aus der Kürze des Untersuchungszeitraumes - eher spekulativ. Sie können sowohl natürliche Bestandsschwankungen bei dieser Amphibienart zeigen, als auch Ausdruck von Änderungen der Bewirtschaftung der Teiche und deren Umfeld sein (Intensivierung Fischbesatz, Änderungen der Wasserführung, Kalkung der Teiche und des angrenzenden Grünlandes, Einsatz von Herbiziden), auf die der Moorfrosch mit einer negativen Bestandsentwicklung reagiert. Im Jahr 2007 erfolgte der nächste Durchgang der Dauerbeobachtung. Vor allem auf Grund des anhaltend starken Individuenrückgangs besteht die dringende Notwendigkeit, in den Jahren 2009 und 2010 eine erneute Erfassung des Moorfroschbestandes aller 1995/96 kontrollierten Gewässer durchzuführen.

2.2 Rhön-Quellschnecke - "Winzling" mit winzigem Verbreitungsgebiet

Mit einer Gehäusehöhe von 2,2 mm ist die Rhön-Quellschnecke ein Winzling. Sie kommt weltweit nur in der Rhön und im Vogelsberggebiet (Hessen) vor. Deshalb hat Thüringen eine besondere Verantwortung für ihren Schutz. Voraussetzung dafür sind die Kenntnis aller Einzelvorkommen und eine Bewertung ihres aktuellen Zustandes.

Seit 2003 werden die Quellbereiche in den verschiedenen Gewässersystemen der Rhön systematisch nach Vorkommen der Art abgesucht. Im Jahr 2007 fand die Kartierung in den Randbereichen der Rhön - in den Einzugsgebieten von Herpf, Streu, und Sulzbach - sowie am Dolmar statt. Hier waren unter 113 untersuchten Quellen nur 3 von der Art besiedelt.
Im Gesamtzeitraum der Untersuchung wurden ca. 750 Quellen untersucht (vernichtete oder nicht auffindbare Quellen nicht eingerechnet), von denen 146 von der Rhön-Quellschnecke besiedelt sind. Diese befinden sich in den Einzugsbereichen von Nust, Ulster, Felda, Streu, Oechse, Polsambach, Neuhofer Bach, Schwarzbach, Rosabach, Katzbach und Herpf.

Leider befinden sich viele dieser Vorkommen in einem schlechten Erhaltungszustand. Quellfassungen, Abwässereinleitungen und Viehtritt haben zu lokaler Vernichtung von Vorkommen geführt. Erforderliche Maßnahmen zur Rettung der verbliebenen Bestände wurden benannt. In den meisten Fällen sind diese mit recht geringem Aufwand umzusetzen.