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Luft

1 Emissionen

1.1 Europäisches Schadstofffreisetzungs- und -verbringungsregister

Das Europäische Schadstofffreisetzungs- und -verbringungsregister (Pollutant Release and Transfer Register - PRTR) ist ein neues Instrument europäischer Umweltpolitik. Gemäß E-PRTR sind die Betriebe verpflichtet, den zuständigen Behörden jährlich über die in Gewässer, die Atmosphäre und den Boden freigesetzten Schadstoffe sowie über die außerhalb des Standortes verbrachten Abwässer und Abfälle zu berichten, wenn die festgelegten Schwellenwerte überschritten werden.
Alle Informationen werden ab Juni 2009 über das Internet frei zugänglich sein. Damit bietet das PRTR den Unternehmen die Möglichkeit, die zur Verminderung bzw. Vermeidung von Schadstofffreisetzungen und Abfällen getroffenen Maßnahmen und Investitionen bekannt zu machen. Andererseits kann die Öffentlichkeit sich jährlich neu über Art und Umfang der von bestimmten Industriebestrieben in die Umwelt freigesetzten Schadstoffe sowie über die in diesen Betrieben anfallenden Abfallmengen informieren.
Analoge Informationen aus den Berichtsjahren 2000/2001 und 2004 sind im Europäischen Schadstoffemissionsregister - EPER enthalten und bereits jetzt im Internet über http://www.home.eper.de abrufbar. Weiterführende Informationen können über das Internetangebot der TLUG eingesehen werden.

Die TLUG koordiniert die Einführung der PRTR-Berichterstattung in Thüringen und ist Ansprechpartner sowohl für zuständige Behörden als auch berichtspflichtige Betriebe. Aktuelle Informationen zur Durchführung der PRTR-Berichterstattung erhalten Betreiber PRTR-berichtspflichtiger Anlagen bzw. Betriebsstätten hier.

1.2 Genehmigungsbedürftige Anlagen

Ziel des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchG) ist es, Menschen, Tiere und Pflanzen, den Boden, das Wasser, die Atmosphäre, sowie Kultur- und sonstige Sachgüter vor schädlichen Umwelteinwirkungen zu schützen. Daher stehen die Errichtung und der Betrieb von Anlagen, die schädliche Umwelteinwirkungen hervorrufen oder die Allgemeinheit und die Nachbarschaft gefährden können, unter einem immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsvorbehalt. Welche Anlagenarten in diesem Sinn genehmigungsbedürftig sind, ist in der 4. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Verordnung über genehmigungsbedürftige Anlagen - 4. BImSchV) festgelegt. Zuständig für die immissionsschutzrechtliche Überwachung dieser Anlagen ist das Thüringer Landesbergamt (TLBA). Bis zum 30. April 2008 wurde diese Aufgabe auch von den Staatlichen Umweltämtern wahrgenommen.

Per 31.12.07 waren in Thüringen 3.203 genehmigungsbedürftige Anlagen registriert. Davon sind 280 Anlagen dem Zuständigkeitsbereich des TLBA zugeordnet. Die Entwicklung des Thüringer Anlagenbestandes, gegliedert nach Nummern der 4. BImSchV, ist in der hier hinterlegten Abbildung (PDF, 12 KB) dargestellt. Änderungen im Anlagenbestand ergeben sich aus der Entwicklung der rechtlichen Anforderungen an die Genehmigungsbedürftigkeit sowie z. B. durch Stilllegungen und Inbetriebnahmen.
Auf Grund der im Jahr 2007 erfolgten Änderung der 4. BImSchV wurden eine Reihe von Anlagen aus der Genehmigungspflicht gemäß BImSchG entlassen.
Dadurch ergeben sich für viele Betreiber von Anlagen zur Rinderhaltung sowie zur Lagerung von Gülle genehmigungs- und überwachungsrechtliche Erleichterungen. Die Trends des Jahres 2006 zur Inbetriebnahme neuer Anlagen in den Bereichen Energieerzeugung auf Basis erneuerbarer Energieträger (Nutzung von Biogas in Blockheizkraftwerken und Windkraftanlagen) sowie Behandlung und Lagerung von Abfällen setzten sich auch im Jahr 2007 fort.

1.3 Emissionsuntersuchungen

Rechtliche Grundlagen der Emissionsüberwachung sind das Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) mit den dazugehörigen Rechtsverordnungen (BImSchV). Die TLUG übernimmt im Zusammenhang mit der Überwachung von Emissionen in Thüringen folgende Aufgaben:

  • Durchführung von Emissionsmessungen zur Ermittlung des Standes der Technik im Auftrag von Behörden, Ministerien oder Gerichten zur Klärung von Fragestellungen bezüglich Emissionsproblemen,
  • Prüfung von Messinstituten für eine Bekanntgabe nach § 26 BImSchG (gesetzlich geregelter Bereich),
  • Prüfung der Qualität von Emissionsmessungen und Messberichten bekannt gegebener Messinstitute in Zusammenarbeit mit den zuständigen Überwachungsbehörden,
  • Kooperationspartner für staatliche Stellen bei der Durchführung von Projekten zur Untersuchung des Emissionsverhaltens neuartiger Technologien. Schwerpunkte in den letzten Jahren waren u. a. Untersuchungen zu Emissionen aus Tierhaltungen sowie die energetische Nutzung von erneuerbaren Energien.

1.3.1 Energetische Nutzung von Getreide in Kleinfeuerungsanlagen

Getreide, Stroh und andere landwirtschaftlich anbaubare Energiepflanzen sind mit einem beträchtlichen Anteil am gesamten Bioenergiepotential in der Bundesrepublik Deutschland beteiligt. Zur Gestaltung einer nachhaltigen Energieversorgung, die zum Schutz des Klimas und zur Schonung der fossilen Energieträger beiträgt, sollen diese regenerativen Energiequellen verstärkt erschlossen werden. Das betrifft auch den Einsatz von Getreide in Kleinfeuerungsanlagen, der in der Vergangenheit keine allzu große Bedeutung hatte. Dem standen bisher vor allem die vergleichsweise großen Anteile an Stickstoff und Asche sowie deren Verschlackungsneigung, verbunden mit hohen Staubemissionen entgegen. Andererseits bestand in jüngster Zeit die Notwendigkeit seitens der Landwirtschaft, witterungsbedingt geschädigtes bzw. minderwertiges Getreidekorn auch als Brennstoff einsetzen zu können.

Getreidekorn ist kein Regelbrennstoff im Sinne der Ersten Verordnung zur Durchführung des Bundes-lmmissionsschutzgesetzes (1. BlmSchV). Somit darf Getreidekorn nicht in entsprechenden Anlagen eingesetzt werden. Für die landwirtschaftlichen Betriebe ist es jedoch ökonomisch günstiger, dieses anfallende Getreide selbst energetisch zu verwerten, als es in anderen externen Anlagen (Anlagen der 4. BlmSchV) mit Kosten verwerten zu lassen. Da die negativen Erfahrungen bisher einen gewissen Vorbehalt erzeugten, soll ein Weg zur Verbesserung der Verbrennungsbedingungen und ggf. einer für Kleinfeuerungsanlagen technisch und ökonomisch angepassten Abgasreinigungstechnik gefunden werden. Dieser Weg ist ohne die Einbeziehung von Herstellern dieser Apparate nicht gehbar.

Erste Ergebnisse (siehe Grafik) der Emissionsuntersuchungen belegen, dass bei einer entsprechenden Anpassung der Verbrennungstechnik auf die brennstoffspezifischen Eigenschaften eine Annäherung an einen zukünftigen Staubgrenzwert der novellierten 1. BlmSchV erfolgt. Jedoch zeigen die Versuche auch, dass noch Entwicklungsarbeit seitens der Anlagenhersteller notwendig ist, um auch gute Ergebnisse im Dauerbetrieb zu erreichen und damit eine Serienreife zu erlangen.
Die Einhaltung dieses Grenzwertes ist entscheidend für eine positive Argumentation im Hinblick auf die Einhaltung von Immissionswerten, bezogen auf Feinstaub in städtischen und ländlichen Siedlungsgebieten. Die im Zusammenhang mit der Projektbearbeitung vorgestellte Weiterentwicklung der Verbrennungstechnik durch einige wenige Anbieter zeigt ein beträchtliches Verbesserungspotenzial im Hinblick auf eine der Novelle der 1. BlmSchV entsprechenden Grenzwertsenkung auf.

Abhängigkeit der Staubemissionen von der Verbrennungstechnik (unterschiedliche Anlagen) bei gleichem Brennstoff (15 KB)

1.3.2 Emissionen von Ammoniak und Staub aus Tierhaltungsanlagen

Die Tierhaltung in Deutschland bildet die Grundlage zur Produktion hochwertiger und gesunder Nahrungsmittel. Andererseits ist die Tierhaltung auch mit Umweltbelastungen verbunden, wobei Geruchs-, Ammoniak- und Staubemissionen aus entsprechenden Anlagen eine wesentliche Rolle spielen.

Die Richtlinie 96/91/EG des Rates über die integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung vom 24.09.1996 (IVU-Richtlinie) bestimmt, dass bei Anlagen der Intensivtierhaltung von Schweinen und Geflügel im Geltungsbereich der Richtlinie (größer als 40.000 Plätze für Geflügel, größer als 2.000 Plätze für Schweine und 750 Plätze für Sauen) Vorsorge gegen Umweltverschmutzung insbesondere durch den Einsatz der "Besten Verfügbaren Techniken (BVT)" zu treffen ist. Die BVT sollen in sogenannten BVT-Merkblättern europaweit einheitlich dokumentiert werden. Die dazu erforderlichen Daten wurden und werden u. a. auch durch Untersuchungen an Praxisanlagen im Hinblick auf Emissionen gewonnen. Die Messergebnisse sollen dazu dienen, den Betreibern und den Behörden Erkenntnisse über die Umweltrelevanz hinsichtlich der Beurteilung von Gefahren, erheblichen Nachteilen oder erheblichen Belästigungen für die Allgemeinheit oder die Nachbarschaft zu verschaffen. Beurteilungskriterien sind Emissionswerte und -faktoren der TA Luft.

Die TLUG war und ist in einigen Projekten der komplexen Untersuchung von Haltungsformen der Intensivtierhaltung zusammen mit der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL) als Partner für Emissionsuntersuchungen tätig. Dies war z. B. das Projekt der "Evaluierung alternativer Haltungsformen für Legehennen" mit Abschluss im Jahr 2004. Untersucht wurden die Emissionen von Ammoniak, Staub und Feinstaub zu den verschiedenen Jahreszeiten. Die gemessenen Konzentrationen und Massenströme der untersuchten Thüringer Anlagen ordnen sich in ihrer Quantität in das Ergebnisspektrum der bisherigen bundesweiten Untersuchungen ein.

Bei den Untersuchungen (PDF, 10 KB) an den Stallanlagen der Legehennenhaltung zeichnet sich die Käfighaltung durch ein im Vergleich zum alternativen Verfahren niedrigeres Emissionsniveau aus. Eine umfassende Darstellung der Ergebnisse ist in einem Bericht der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft enthalten.

Nach Abschluss dieses Projektes wurden Untersuchungen an verschiedenen Haltungssystemen der Schweinezucht an ausgewählten Stallanlagen durchgeführt. Hierbei sollten Erkenntnisse der Emissionsrelevanz in Abhängigkeit des Haltungssystems (Stallklima, Haltungsart, Fütterung und Tieralter) gewonnen werden. Erste Ergebnisse (PDF, 13 KB) aus Anlagen aus der Schweinezucht zeigen geringfügige Unterschiede im Emissionsniveau der Anlagen, jedoch werden die allgemeinen Grenzwertanforderungen der TA Luft für Einzelkomponente deutlich unterschritten.
Im Jahr 2007 wurden an einer speziellen Anlage auch Versuche zur Optimierung des Verhältnisses der Tiergesundheit in Verbindung mit einer besseren Ökonomie zur Umweltrelevanz (Emissionsniveau) durchgeführt. Trotz einer Erhöhung der Ammoniakkonzentration im Stall, welche jedoch mit einem geringeren Abluftvolumenstrom je Tierplatz nicht zu einer erhöhten Emissionsrate führt wurden erhebliche Verbesserungen bei der Gesundheit der Tiere festgestellt. Dies wurde an den Lungenbefunden sichtbar, welche sich um ca. 90% reduzierten.