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Kreislauf- und Abfallwirtschaft, Deponien

1 Entwicklung des Abfallaufkommens

Das einwohnerspezifische Mengenaufkommen in Kilogramm pro Einwohner (kg/E) an festen Siedlungsabfällen, zu denen insbesondere Hausmüll, Sperrmüll, und hausmüllähnliche Gewerbeabfälle gehören, hat sich im Vergleich zu 1993 auf etwa die Hälfte vermindert (1993: 462 kg/E; 2006: 228 kg/E). Demgegenüber haben die über die Dualen Systeme und die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger (örE) getrennt erfassten einwohnerspezifischen Wertstoffmengen1 in der Summe seit 1993 von 157 kg/E insgesamt um etwa 28 % zugenommen und lagen in 2006 bei 201 kg/E.

Entwicklung des einwohnerspezifischen Aufkommens an festen Siedlungsabfällen
und getrennt erfassten Wertstoffen2 in Thüringen 1993 bis 2006


Da bei verschiedenen örE der Hausmüll zusammen mit hausmüllähnlichen Gewerbeabfällen I3 in Umleerbehältern erfasst wird, ist es zweckmäßig, die Entwicklung dieser Abfallarten gemeinsam zu betrachten.
Das einwohnerspezifische Mengenaufkommen des Hausmülls und der hausmüllähnlichen Gewerbeabfälle I hat sich seit 1993 von 291 kg/E bis 2001 um etwa 40 % vermindert und liegt seitdem auf einem relativ konstanten Niveau von etwa 170 bis 174 kg/E.
Die Entwicklung des Aufkommens der im Wechselbehälterverfahren erfassten oder von den Betrieben selbst angelieferten hausmüllähnlichen Gewerbeabfälle II weist mit Ausnahme des Jahres 1998 einen relativ gleichmäßigen Verlauf mit schwach fallender Tendenz auf. Der Anstieg in 1998 war auf eine starke Zunahme bei den Sortierresten zurückzuführen, die deshalb seit 1999 separat ausgewiesen wurden.
Das einwohnerspezifische Sperrmüllaufkommen ist im Erfassungszeitraum ebenfalls fortlaufend zurückgegangen und lag mit 32 kg/E in 2006 bei etwa einem Drittel des Aufkommens von 1994 mit 91 kg/E.

Entwicklung des einwohnerspezifischen Aufkommens an Hausmüll einschl.
hausmüllähnliche Gewerbeabfälle I, hausmüllähnlichen Gewerbeabfällen II
und Sperrmüll in Thüringen 1993 bis 2006


Das einwohnerspezifische Aufkommen an Papier/Pappe/Karton (PPK) hat sich von 1993 bis 1999 fortlaufend erhöht und liegt seit 1999 konstant bei etwa 72 bis 75 kg/E.
Die Menge an getrennt erfasstem Glas ist nach einem zwischenzeitlich leichten Anstieg seit 1999 rückläufig und lag 2006 mit 25 kg/E auf dem Niveau des Vorjahres.
Demgegenüber verdreifachte sich im gleichen Zeitraum das Aufkommen bei den Leichtverpackungen (LVP) von etwa 11 kg/E (1993) auf 30 kg/E (2006), woraus ein Trend weg vom Glas hin zu Leichtverpackungen erkennbar ist.
Im Jahr 2003 lag das einwohnerspezifische Aufkommen an LVP und Glas in gleicher Höhe und verblieb in den letzten beiden Jahren auf konstantem Niveau (LVP: 30 kg/E; Glas: 25 kg/E).

Entwicklung des einwohnerspezifischen Aufkommens an getrennt erfassten Wertstoffen
PPK, Glas und LVP in Thüringen 1993 bis 2006


Die für die Kompostierung separat erfassten Mengen an biogenen Abfällen4 haben sich im Beobachtungszeitraum fortlaufend erhöht und lagen 2006 mit 34 kg/E bei den Grünabfällen und 29 kg/E bei den Bioabfällen etwa beim 3fachen des Aufkommens von 1995. Dies ist auf eine kontinuierliche Verbesserung des Angebotes zur Entsorgung dieser Abfälle durch die örE zurückzuführen.

Entwicklung des einwohnerspezifischen Aufkommens an
kompostierbaren Abfällen in Thüringen 1993 bis 2006


Die Bau- und Abbruchabfälle aus Sanierungsvorhaben und Abbruchmaßnahmen bestimmen maßgeblich das Gesamtaufkommen an gefährlichen Abfällen. Von 2002 bis 2005 lag dieses Aufkommen mit 400 bis 470 kt auf vergleichbar hohem Nieveau und ging 2006 im Vergleich zum Vorjahr um etwa 1/3 zurück.
Es dominierten des Weiteren die gefährlichen Abfälle aus Abfallbehandlungsanlagen, die von 2002 bis 2005 mengenmäßig deutlich zunahmen und 2006 im Vergleich zu 2005 um 20% zurückgingen. Das Aufkommen der übrigen Abfälle in der Summe war nach einem Anstieg in den Jahren 2003 und 2004 in den Jahren 2005 und 2006 wieder leicht rückläufig, lag aber noch deutlich über dem Niveau von 2002.
Seit 1997 ist festzustellen, dass mehr gefährliche Abfälle in Thüringen verwertet und beseitigt wurden, als in Thüringen angefallen waren. 2006 lagen die Mengen (1.313 kt) etwa doppelt so hoch, wie die in Thüringen angefallenen Mengen (652 kt).

Entwicklung des Aufkommens und der entsorgten Mengen an
gefährlichen Abfällen in Thüringen 1994 bis 2006


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1 Summe Papier, Pappe, Karton (PPK), Glas, Leichtverpackungen (LVP), Metalle, Kunststoffe, Textilien, Altholz, Grünabfälle (incl. Garten- und Parkabfälle), Bioabfälle (über Biotonne erfasst), Küchen- und Kantinenabfälle, sonstige Wertstoffe
2 Duale Systeme und örE-Anteil gesamt
3 Hausmüllähnliche Gewerbeabfälle
sind in Gewerbebetrieben, auch Geschäften, Dienstleistungsbetrieben, öffentlichen Einrichtungen und Industrie anfallende Abfälle, soweit sie nach Art und Menge gemeinsam mit oder wie Hausmüll entsorgt werden können. Die hausmüllähnlichen Gewerbeabfälle I werden gemeinsam mit Hausmüll aus privaten Haushaltungen in Umleerbehältern erfasst. Die hausmüllähnlichen Gewerbeabfälle II werden von den Entsorgern im Wechselbehälterverfahren oder von den Betrieben selbst an den Beseitigungsanlagen, bzw. Umladestationen angeliefert.
4 1993 und 1994 wurden die über die Biotonne erfassten Bioabfälle und Grünabfälle noch gemeinsam statistisch ausgewiesen
5 1994 - 1997 "Sonderabfälle"; 1998 - 2006: "besonders überwachungsbedürftige Abfälle", seit 2006 "gefährliche Abfälle" (siehe Änderung des Gesetzes zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Beseitigung von Abfällen (Kreislaufwirtschaft- und Abfallgesetz - KrW-/AbfG) vom 15.07.2006 (BGBl. I S. 1619))
6 VO über das Europäische Abfallverzeichnis (Abfallverzeichnis-Verordnung - AVV) vom 10.12.2001 (BGBl. I S. 3379), zuletzt geändert durch Art. 2 der VO vom 24. 07.2002 (BGBl. I S.2833)