Geologischer Landesdienst


Die geologische und landschaftliche Vielfalt Thüringens ist das Ergebnis hunderter Jahrmillionen Erdgeschichte. Dabei entstand eine vielfältige und kompliziert strukturierte Erdkruste. Die detaillierte Kenntnis des Untergrundes ist Voraussetzung einer verantwortungsvollen Daseinsvorsorge. Sie ermöglicht z.B. die sichere Gründung von Bauwerken, eine konfliktfreie und verantwortungsvolle Rohstoffnutzung, den Schutz und die nachhaltige Nutzung des Grundwassers, die Gewinnung geothermischer Energie sowie eine optimierte Forst- und Landwirtschaft.

Die zentrale Aufgabe des Geologischen Landesdienstes ist deshalb die Erfassung und Dokumentation der Daten über den geologischen Untergrund sowie die Verfügbarmachung der Informationen zum Nutzen der Allgemeinheit - für Verwaltungen, Wissenschaft, Wirtschaft und Bürger.

Inhalt

1 Geologische Grundlagen
2 Rohstoffgeologie
3 Infrastrukturgeologie
4 Geowissenschaftlicher Naturschutz
5 Ingenieurgeologie, Baugrund, Georisiken
6 Geologisches Landesarchiv
7 Hydrogeologie



1 Geologische Grundlagen

Geologische Landesaufnahme

Zentrale Aufgabe des Geologischen Landesaufnahme ist die Erarbeitung und Bereitstellung der geowissenschaftlichen Grundlagendaten. Die Daten werden durch eigene und externe Mitarbeiter erfasst. Darüber hinaus werden bereits vorhandene Daten bewertet, katalogisiert und in Datenbanken und Fachinformationssysteme umgesetzt. Vorrangige Aufgaben sind die Aktualisierung des Kartenwerkes "Geologische Karte von Thüringen 1:25.000" sowie die Umsetzung dieses Kartenwerkes in das digitale Flächeninformationssystem "GK25digTh".





Die Geologie Thüringens im Überblick




Digitale geologische Flächeninformationssysteme

Ein zentraler Teil der im Aufbau stehenden, modular aufgebauten Bodeninformationssystems von Thüringen (THEIS/BIS) ist die digitale Geologische Karte im Maßstab 1 : 25.000 (GK25digTh). Sie ist ein digitales Informationssystem zur flächendeckenden und blattschnittfreien Abbildung der geologischen Verhältnisse im Land Thüringen. Die Datenbasis dieses Informationssystems sind die gedruckten Karten der Geologischen Karte im Maßstab 1 : 25.000 sowie die verfügbaren Manuskriptkarten, von denen jeweils die aktuellsten Kartierergebnisse digitalisiert werden. Flächen-, Punkt- und Liniendaten werden getrennt erfasst und in fachbezogenen "Layern" abgelegt. Hierarchisch strukturierte Schlüssellisten (z.B. Kartiereinheiten, Petrographie, Stratigraphie) sind die Grundlage einer für ganz Thüringen homogenen und damit überregional vergleichbaren Datenablage.

In Kombination mit weiteren Teilen des im Aufbau befindlichen Bodeninformationssystems von Thüringen - wie z.B. der Landesbohrdatenbank - wird die GK25digTh einen hohen Nutzen bei der Lösung von neuen Aufgaben der angewandten Geologie (z.B. Geothermie/Erdwärme, Erstellung von Subrosionskarten, Deponie von CO2) sowie bei der Tiefenkartierung und 3D-Modellierung haben.

Zur bedarfsgerechten Abgabe der digitalen Daten wurde in Zusammenarbeit mit der Firma ARC-GREENLAB GmbH ein unter ArcGIS laufendes Ausgabe-Tool entwickelt, das die automatische Erstellung geologischer Karten mit hierarchisch strukturierten Legenden sowie ein Vielzahl von Abfragen auf den Datenbestand ermöglicht. Dabei können den Kundenwünschen entsprechend sowohl die darzustellenden Daten als auch die jeweiligen Kartenausschnitte frei gewählt werden. Voraussichtlich ab 2008 werden die Daten auch durch externe Interessenten genutzt werden können.





Aktueller Bearbeitungsstand der digitalen Geologischen Karte 1 : 25.000


Mit der digitalen Version der Geologischen Übersichtskarte von Thüringen im Maßstab 1:200.000 (GÜK200; bestellbar als CD) steht bereits das erste blattschnittfreie geologische Flächeninformationssystem für Thüringen der Öffentlichkeit zu Verfügung. Die GÜK200 umfasst insgesamt 225 geologische Legendeneinheiten und ca. 12 000 Einzelflächen. Die CD enthält neben der GÜK200 auch die Hydrogeologische Übersichtskarte 1:200.000 (HÜK200), die den Oberen Grundwasserleiter in Thüringen beschreibt. Als digitale und blattschnittfreie, und somit nutzerfreundliche moderne Darstellungen der geologischen und hydrogeologischen Verhältnisse sind die Übersichtskarten Grundlage für vielfältige Anwendungen sowohl in Behörden, Kommunen und Wissenschaftseinrichtungen als auch in Industrie, Wasser-, Land- und Forstwirtschaft sowie im Bauwesen.



Kartenwerk "Geologische Karte von Thüringen 1:25.000"

Von den 130 durch die TLUG zu bearbeitenden Kartenblättern der Geologischen Karte von Thüringen 1:25.000 wurden seit 1993 24 GK25 (18 %) als moderne Neukartierungen gedruckt, 2006 die Erläuterung zur Gk25 5031 Erfurt W herausgegeben. Durch externe Werkvertragnehmer erfolgt derzeit die Bearbeitung 6 weiterer GK25. Darüber hinaus werden temporäre geologische Aufschlüsse, die im Zuge von Baumaßnahmen (z.B. Autobahn-, Gasleitungs- und ICE-Trassen) entstehen, im Rahmen der gegebenen personellen Möglichkeiten geologisch dokumentiert.



Geophysik

Gemeinsam mit der Friedrich Schiller Universität Jena, dem Institut für Geowissenschaften, dem Lehrstuhl für Angewandte Geophysik nimmt die TLUG die Aufgaben eines Seismologischen Landesdienstes wahr. Das bestehende Netz seismologischer Stationen (OTSN) dient der seismologischen Überwachung der Region Ostthüringen / Westsachsen. Traditionell liegt der Schwerpunkt der seismologischen Forschung in Jena bei der Untersuchung von Schwarmbeben in der Region Vogtland/NW Böhmen. Für die Thüringer Landesanstalt für Geologie werden Seismologische Monatsberichte erstellt. Eine kurzfristige Information der Behörde bei Ereignissen größer Magnitude 2.5 ist vertraglich vereinbart.



Herausgabe der "Geowissenschaftliche Mitteilungen von Thüringen"

Die "Geowissenschaftlichen Mitteilungen von Thüringen" sind eine renommierte Fachzeitschrift, in der Neuerkenntnisse zur regionalen Geologie Thüringens publiziert werden. Mit dem zuletzt erschienenen Band 12/2005 konnten erneut Fortschritte des geowissenschaftlichen Kenntnisstandes der Öffentlichkeit vorgestellt werden.



2 Rohstoffgeologie


Im Bereich Rohstoffgeologie erfolgt die Koordinierung und Durchführung der Arbeiten auf den Gebieten der Rohstoffsicherung und der Lagerstättenwirtschaft. Lagerstätten der Steine- und Erden-Rohstoffe sowie der Industrieminerale in Thüringen werden unter rohstoff- und wirtschaftsgeologischen Aspekten erfasst und beurteilt.
Neben der gutachterlichen Bewertung der rohstoffgeologischen Kriterien für die rechtliche Zuordnung von Bodenschätzen bilden vor allem rohstoffgeologische Stellungnahmen zu Raumordnungs- oder Rahmenbetriebsplanverfahren für die Gewinnung von Steine- und Erden-Rohstoffen weitere Schwerpunkte.



Lagerstättenwirtschaftliche Jahresanalyse

Der Bereich Rohstoffgeologie führt seit 1995 in regelmäßigen Abständen (bis 1999 jährlich, danach im 2-Jahresrhythmus) eine Erhebung lagerstättenwirtschaftlich-statistischer Daten in Thüringen durch und stellt die Ergebnisse in der Lagerstättenwirtschaftlichen Jahresanalyse zusammen.
In der Lagerstättenwirtschaftlichen Jahresanalyse werden die Daten zur Gewinnung von Steine- und Erden-Rohstoffen und die damit verbundene Flächeninanspruchnahme ausgewertet.

Kali-, Steinsalze und Erdgas, die ebenfalls in Thüringen gewonnen werden, gehen in die Betrachtungen nicht mit ein.
Die statistische Zusammenstellung vermittelt Informationen über die aktuelle rohstoffgeologische und lagerstättenwirtschaftliche Situation in Thüringen und kann somit bei umwelt- und wirtschaftspolitischen Zielstellungen der Landesregierung, der Landkreise und Kommunen als Entscheidungsgrundlage dienen.
Im Jahr 2006 wurden durch den Geologischen Landesdienst die lagerstättenwirtschaftlich-statistischen Daten der Thüringer Steine- und Erden-Gewinnungsbetriebe für 2005 erhoben und zusammengeführt. Die Veröffentlichung der Ergebnisse erfolgt in der Lagerstättenwirtschaftlichen Jahresanalyse 2007.



Regionalplanung

In Thüringen lagen mit der Verbindlichkeitserklärung der Regionalen Raumordnungsgemeinschaften Nord-, Mittel-, Süd- und Ostthüringen durch die Oberste Landesplanungsbehörde vom 06.08.1999 erstmals vollständige Regionalpläne vor. Gemäß § 12 Abs. 1 Satz 1 Thüringer Landesplanungsgesetz sind die Regionalpläne durch die regionalen Planungsgemeinschaften spätestens nach 10 Jahren fortzuschreiben. Damit wurde 2004 begonnen.

Der am 06.10.2004 in Kraft getretene Landesentwicklungsplan Thüringens legt im Kapitel 5.3 die Ziele für die Fortschreibung fest. So sind in den Regionalplänen für den Abbau und die langfristige Sicherung der Rohstoffversorgung Vorrang- und Vorbehaltsgebiete Rohstoffe auszuweisen. Als Grundsatz gilt, dass die oberflächennahen mineralischen Rohstoffvorräte sowohl mittelfristig für eine bedarfsgerechte und möglichst verbrauchernahe Rohstoffgewinnung zur Verfügung stehen als auch für die Versorgung zukünftiger Generationen langfristig gesichert werden. Die Möglichkeit eines Abbaus bedeutsamer und begrenzt zur Verfügung stehender Rohstoffe soll langfristig offen gehalten werden. Innerhalb der Lagerstätten soll der Abbau dort erfolgen, wo die Beeinträchtigungen für Mensch und Natur am geringsten sind. Der möglichst vollständige Abbau im Bereich vorhandener Gewinnungsstellen und deren Erweiterung soll einem Aufschluss neuer Lagerstätten vorgezogen werden. Die Rekultivierung und Renaturierung der ausgebeuteten Lagerstätten und deren Einbindung in die Landschaft sollen gewährleistet werden. Die rohstoffgeologischen Zuarbeiten für die Ausweisung der Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für die Rohstoffsicherung und -gewinnung in den Regionalplänen lieferte das Referat Rohstoffgeologie, Infrastrukturgeologie der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie. Die Rohstoffsicherungskonzeption für die Fortschreibung des Regionalplanes Mittelthüringen wurde als letzte der 4 Planungsregionen im Jahr 2006 erarbeitet.



Rohstoffsicherungskarte 1 : 50 000

Im Jahr 2005 wurde mit Erarbeitung der Rohstoffsicherungskarte im Maßstab 1 : 50 000 (auch Karte der oberflächennahen Rohstoffe, kurz: KOR 50) begonnen. Die KOR 50 soll in erster Linie der Rohstoffsicherung und als Grundlage für landesplanerische Entscheidungen dienen.

Ziel ist, diese KOR 50 landesweit flächendeckend nach weitgehend einheitlichen Vorgaben zu erstellen. In Vorbereitung dessen wurde 2005 ein Pilotprojekt gestartet, das die Bearbeitung von 4 KOR 50 in vier verschiedenen Regionen Thüringens beinhaltet. Bisher wurden drei Karten extern ausgeschrieben und bearbeitet. Es handelt sich um die Blätter

  • L 4932 Erfurt Nord (2005)
  • L 5328 Kurort Schmalkalden (2006)
  • L 4530 Nordhausen (2006).

In den KOR 50 werden sämtliche oberflächennahen nutzbaren Rohstoffe ohne Berücksichtigung der momentanen Anforderungen der Wirtschaft flächenhaft dargestellt. Die Charakterisierung dieser Flächen erfolgt durch verschiedene Parameter (z. B. Flächengröße, Mächtigkeiten Rohstoff - Abraum, Lagerungsverhältnisse, Rohstoffqualität, Untersuchungsgrad, etc.). Die Umsetzung des Kartenwerkes in eine digitale Flächendatenbank zur blattschnittfreien Handhabung ist geplant.



3 Infrastrukturgeologie


Seit der Gründung des Geologischen Landesdienstes im Jahre 1991 wurden für Thüringen ca. 12 000 infrastrukturgeologische Stellungnahmen erarbeitet. Im Jahr 2006 waren 367 Vorgänge zu bearbeiten, davon betreffen 68 Stellungnahmen die Landesplanung. Schwerpunkt bilden hier Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren (32) sowie Flurbereinigungsverfahren und Agrarstrukturelle Planungen (23). Im Rahmen der Bauleitplanung sind 242 Stellungnahmen registriert, davon 45 zu Flächennutzungsplänen sowie Stadt- und Dorferneuerungsplanungen, 23 zu Industrie- und Mischgebieten, 17 zu Wohngebieten, 7 zum Straßen-, 17 zum Brücken- und 9 zum Wegebau.



4 Geowissenschaftlicher Naturschutz


Geotopkataster

Im Geologischen Landesdienst wird der Geotopkataster des Freistaates Thüringen geführt (siehe auch Thüringer Naturschutzgesetz vom 30.08.2006, § 23, Abs. 3). Die homogenisierten Daten werden in einer Oracle-Datenbank vorgehalten. Derzeit sind über 700 Geotope erfasst.

Im Hinblick auf die geplante Präsentation der Geotope auf der Homepage der TLUG wurden die Angaben von Geotopen aktualisiert und bewertet sowie der aktuelle Zustand fotographisch erfasst. 2007 werden die Geotope mehrere Kreise im Internet verfügbar sein.

Die Akademie der Geowissenschaften zu Hannover e. V. rief 2004 zu einem Wettbewerb zur Erfassung und Ausweisung der bedeutendsten Geotope in Deutschland auf. Insgesamt wurden über 180 Geotope aus allen Teilen der Bundesrepublik zur Bewertung eingereicht. Eine Jury unter Beteiligung der Geologischen Dienste der Bundesländer hat von den eingereichten Vorschlägen insgesamt 77 als die bedeutendsten Geotope bzw. Geotoplandschaften Deutschlands ausgewählt. Diese wurden 2006 mit dem Prädikat Nationaler Geotop ausgezeichnet.

Von den 14 eingereichten Thüringer Vorschlägen haben 6 Geotope das begehrte Prädikat erhalten:

  • Der Aufschluss "Lange Wand" bei Ilfeld
  • Die Travertine von Weimar und Ehringsdorf
  • Die Kristallgrotte im Erlebnis Bergwerk Merkers
  • Der "Bohlen" bei Saalfeld
  • Der Basaltfächer "Feldstein" bei Themar
  • Der historische Schieferbergbau in Lehesten

siehe: Bedeutende Geotope Deutschlands



Geoparks und Geoparkprojekte in Thüringen

In Geoparks soll die Bedeutung geologischer und geomorphologischer Prozesse für die natürlichen Ressourcen, aber auch für die Landnutzung, die Oberflächengestaltung sowie die Wirtschafts- und Kulturgeschichte für eine breite Öffentlichkeit erlebbar gemacht werden. In Thüringen bestehen derzeit drei Geoparks, die um die Zertifizierung als Nationaler GeoPark bemüht sind:

Mit dem Thüringisch-Fränkischen Schieferland befindet sich ein weiterer Geopark in Vorbereitung.



Populärwissenschaftliche Öffentlichkeitsarbeit

Dem erklärten Ziel folgend, auch einer breiten Öffentlichkeit die Bedeutung erdgeschichtlicher Bildungen und die Belange des Schutzes der Geotope nahe zu bringen, konnten bisher mehrere populärwissenschaftliche Veröffentlichungen herausgegeben werden. 2006 wurde mit der Vorbereitung einer Publikation zur Geologie und den Geotopen im Raum Gera - Ronneburg begonnen, die vom Museum für Naturkunde Gera gemeinsam mit der TLUG herausgegeben wird.



Tag des GEOTOPs

Im Jahre 2002 wurde zum ersten Mal ein bundesweiter Tag des GEOTOPs durchgeführt. In Anlehnung an den bereits seit Jahren etablierten "Tag des offenen Denkmals" werden erdgeschichtliche Denkmäler vorgestellt oder überhaupt erstmals zugänglich gemacht.

Auch 2006 konnten in Thüringen 26 Veranstaltungen angeboten werden, die, auch begünstigt durch das gute Wetter, sehr gut besucht wurden. So konnten allein in Weimar (Quellen, Travertine, Biotope und deren Bedeutung für die Entwicklung des Menschen - eine wissenschaftliche Wanderung von Belvedere zum Nationalen GeoTop Steinbruch Ehringsdorf) über 300 Interessenten gezählt werden.

Eine ganze Reihe interessanter Veranstaltungen wurden vom Thüringer Geopark Inselsberg - Drei Gleichen angeboten, (Geologische Radwanderung auf dem Seeberg bei Gotha, geologische Wanderung mit Einweihung eines neuen Aufschlusses, die Ausstellungen "Thüringen vor 230 Millionen Jahren" und "1000 Jahre Thüringer Bergbau"; Einbeziehung eines Hotels in Wandersleben und des 1. Deutschen Bratwurstmuseums in Holzhausen).



Kataster des Altbergbaus

Um den Schutz von Mensch, Natur und Umwelt, die Gewährleistung der Planungssicherheit der Träger öffentlicher Belange, aber auch Aussagen zu ingenieurgeologisch-geotechnischen und hydrogeologischen Problemstellungen zu ermöglichen, führen das Thüringer Landesbergamt Gera und der Geologischer Landesdienst den Kataster des Altbergbaus in Thüringen.

Die Datenbank umfasst Objekte des Altbergbaues und unterirdische Hohlräume (nach Thüringer Altbergbau- und Unterirdische-Hohlräume-Gesetz ThürABdUHG von 2001) in einer Übersichts- und beginnenden Detailerfassung. Im Jahr 2006 wurde bei einem Teil der über 1200 registrierten Objekten mit der Detailerfassung begonnen und ca. 60 neue Objekte in die Datenbank aufgenommen.



5 Ingenieurgeologie, Baugrund, Georisiken


Die Tätigkeitsschwerpunkte des Bereiches Ingenieurgeologie lagen auch im Jahr 2006 vor allem auf dem Sektor der praktischen Ingenieurgeologie. Folgende Themen wurden schwerpunktmäßig im Auftrag von Gebietskörperschaften, Behörden oder Privaten (über 80 Fälle) bearbeitet:

  • ingenieurgeologisch-geotechnische Begutachtungen von Baurisikostandorten,
  • Meldungen zu subrosionsbedingten Erdeinbrüchen bzw. -einsenkungen
  • Beurteilungen von Standsicherheitsproblemen bei Anschnittsböschungen.

Ferner sind im Rahmen der Tätigkeit der TLUG als Träger öffentlicher Belange ca. 160 geologisch-geotechnische Standortbeurteilungen (zu Raumordnungsverfahren, Flächennutzungs- und Bebauungsplänen) abgegeben worden.



Baugrund und Georisken


Insgesamt weist der Baugrund Thüringens günstige ingenieurgeologische Eigenschaften auf.

Als generell geeigneten Baugrund kann man in Thüringen alle die Gebiete bezeichnen, in denen die kalkigen (Muschelkalk) bzw. überwiegend sandigen (Buntsandstein) Schichten der Trias ausstreichen, sofern sie nicht in gestörter Lagerung bzw. Gebieten verstärkten Karstes liegen. Als problemlos sind in der Regel auch die proterozoisch - altpaläozoischen Gesteine des Thüringer Schiefergebirges und die Vulkanite, Konglomerate und Sandsteine des Rotliegend im Thüringer Wald anzusehen.

Bedingt geeigneter bzw. unsicherer Baugrund findet sich zunächst an allen steileren Hängen und in Gebieten mit tonigen Festgesteinen (z. B. Tonmergelgesteine des Röts und Keupers). Diese sind bei stärkerer Durchnässung ein wenig geeigneter Baugrund, da es schon bei geringen Schichtneigungen zu Gleit- und Rutschbewegungen kommen kann.

Zusätzlich gibt es in Thüringen Gebiete in denen durch subrosionsbedingte Erdeinbrüche, Erdeinsenkungen und Gewässerschwinden Schäden an Gebäuden, Verkehrswegen, Leitungstrassen und landwirtschaftlichen Nutzflächen hervorgerufen worden sind.
Um Gefährdungen bei der Flächenutzung solcher Gebiete zu minimieren, erarbeitet die TLUG den Subrosionskataster Thüringen, ein Hilfsinstrument zum Bewerten des Georisikos Erdfälle und -einsenkungen.

Die Daten der z. Zt. in Thüringen erfassten über 8321 Subrosionsobjekte liegen zum größeren Teil bereits digital verfügbar vor. Im Berichtszeitraum wurde verstärkt daran gearbeitet, weitere Informationen in die Datenbank zu überführen.





Subrosionskataster Thüringen


Als Informationsmaterial zum Thema Subrosion liegen vor:

  • Merkblatt 1 (PDF, 400 k): "Damit ihnen so etwas nicht passiert! Sicherer bauen und wohnen in Erdfall- und Senkungsgebieten"
  • Merkblatt 2 (PDF, 312 k): "Wenn ein Erdfall auftritt - was tun ?"

Unter folgender Adresse können im Hinblick auf das Georisiko Subrosion Auskünfte eingeholt, Beratungen bzw. Stellungnahmen erbeten sowie Erdfallereignissen gemeldet werden:

Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie,

Referat Ingenieurgeologie, Göschwitzer Straße 41, 07745 Jena

oder per E-Mail: ingenieurgeologie@TLUGJena.Thueringen.de

Eingehende Meldungen werden sofort bearbeitet (in der Regel Ortsbesichtigung, Schadensdokumentation, kostenfreie schriftliche Stellungnahme mit Sanierungsvorschlägen).



Ingenieurgeologisch betreute Großobjekte

Die fachbehördliche Vorhabensbegleitung der Baumaßnahmen an den großen Verkehrsobjekten "Deutsche Einheit" in Thüringen wurde fortgesetzt. Die Dokumentations- und Beratungstätigkeit am Rettungsstollen NA 2, ZA Stelzen des ICE-Tunnels Bleßberg wurde dabei nahezu abgeschlossen, die des im Vortrieb befindlichen Schmücketunnel (BAB 71 - Schweinfurt - Oberröblingen [A38]) fortgesetzt.





Tunnel Bleßberg, Notausgang 2 (Zwischenangriff Stelzen) Bei der geologischen Dokumentation einer Kalotten- Ortsbrust.


Ein weiterer Schwerpunkt war die Auswertung der bis 1991 zurückreichenden umfänglichen Erkundungsunterlagen zum Zonenbau des Störungsbandes der Fränkischen Linie. Bei ihrer Durchfahrung ist auf 80 bis 100 m Länge mit extrem ungünstigem Gebirge zu rechnen.

Ferner wurden im Auftrag des Thüringer Straßenbauamtes mehrere Gutachten zu Böschungsproblemen angefertigt.



Talsperrengeologie

Im Rahmen der der TLUG in der "Dienstanweisung zur Wahrnehmung der Aufsicht über die Stauanlagen" zugewiesenen Aufgaben erfolgte eine Mitarbeit an der "Thüringer Technischen Anleitung Stauanlagen" (ThürTA Stau 2006-08).



6 Geologisches Landesarchiv

Das Geologisches Landesarchiv Thüringen mit dem Geologischen Probenarchiv in Niederpöllnitz beinhaltet den seit Beginn der geologischen Untersuchung des Landes gewonnenen Kenntnisstand zur Geologie Thüringens in Form von Kartenwerken, Berichten, Bohrungsdokumentationen, Gesteinsproben und Bohrkernen. Aufgabe des Landesarchiv ist es, die Informationen zu erfassen und inhaltlich zu erschließen, sie in- und externen Nutzern zur Einsichtnahme zugänglich zu machen sowie in Form von gedruckten Karten und Erläuterungen sowie von digitalen Daten zu vertreiben. Das Geologisches Landesarchiv Thüringen ist damit die Informations- und Dokumentationszentrale Thüringens in allen Fragen der geologischen und bodenkundlichen Landesaufnahme, der Hydro-, Ingenieur- und Rohstoffgeologie sowie des Grundwasser-, Boden- und Geotopschutzes.

Das Geologische Landesarchiv gliedert sich in

  • Schriftgutarchiv
  • Kartenarchiv
  • Bohrarchiv und Landesbohrdatenbank
  • Vertrieb geowissenschaftlicher Karten und Schriften
  • Geologisches Probenarchiv Thüringen (GEOPAT).




Das Geologische Probenarchiv Thüringen (GEOPAT) in Niederpöllnitz


Kartenarchiv und Vertrieb geowissenschaftlicher Karten sowie Schriften

Ähnlich wie in den Vorjahren bearbeitete der Vertrieb mehrere hundert Bestellungen. Ein aktualisiertes Publikationsverzeichnis (Geologie) liegt sowohl als Broschüre als auch als interaktive Version im Internet vor. Es gibt eine schnelle Übersicht über die Vielzahl geologischer Kartenwerke und Schriften; eine Bestellung ist unkompliziert per e-Mail möglich.



Bohrarchiv und Landesbohrdatenbank

Die Daten der etwa 300.000 im Bohrarchiv erfassten Bohrungen liegen zur Zeit überwiegend analog in Aktenform vor; digital erfasst sind die Stammdaten von ca. 110.000 Bohrungen. Für 23000 vor allem hydrogeologische Bohrungen liegen umfangreichere digitale Informationen vor. Da Recherchen und Auswertungen auf dieser Grundlage noch zeitaufwendig sind, wird das Datenmaterial auch weiterhin verstärkt in digitale Form überführt. Ziel der digitalen Umsetzung des TLUG-Bohrarchivs in die Landesbohrdatenbank ist - unter Wahrung der jeweiligen Eigentümerrechte - die verbesserte Verfügbarkeit der Daten, insbesondere auch für externe Nutzer. Der Aufbau und die Laufendhaltung der digitalen Bohrdatenbank ist eine unverzichtbare Grundlage für die rasche Bearbeitung interner und externer Anfragen.

Für die Erfassung der Schichtdaten wird der vom Niedersächsischen Landesamt für Bodenforschung (NLfB) entwickelte SEP3-Standard (Aufschlusstyp) in Kombination mit dem Programm GeoDIN eingesetzt. Schichtenverzeichnisse neuer Bohrungen können dem Bohrarchiv der TLUG zukünftig gemäß diesem Standard in digitaler Form übergeben werden. Dies erleichtert sowohl dem jeweiligen Bohrbetrieb als auch der TLUG die Arbeit. Mittelfristig werden externen Nutzern interaktive Bohrkarten per Internet zur Verfügung stehen.



Schriftgutarchiv

Die im Schriftgutarchiv eingelagerten Unterlagen werden insbesondere für die Erarbeitung geologischer Stellungnahmen zu verschiedensten Planungsverfahren intensiv genutzt. Er steht - soweit keine Rechte anderer berührt werden - auch für externe Anfragen zur Verfügung. Der Bestand an Schriftguteinheiten ist zwischenzeitlich auf über 70.000 angewachsen (geowissenschaftliche Stellungnahmen, Gutachten, Projekte, Berichte sowie Studienarbeiten).



Geologisches Probenarchiv Thüringen (GEOPAT)

Das Geologische Probenarchiv Thüringen konnte durch die Neueinlagerung geowissenschaftlich, technisch oder wirtschaftlich wichtiger Bohrkerne seinen Bestand auf ca. 205.000 m Bohrkerne erhöhen. Es ist damit eines der größten Bohrkernlager Deutschlands. Die Bohrkerne werden zur Zeit fortlaufend fotographisch dokumentiert.