Wasserwirtschaft

Inhalt

1 Oberirdische Gewässer
2 Siedlungswasserwirtschaft
3 Hydrogeologie



1 Oberirdische Gewässer

Mit Veröffentlichung am 22. Dezember 2000 ist die Richtlinie 2000/60/EG, die sogenannte "Wasserrahmenrichtlinie" (WRRL) in Kraft getreten. Ein wesentliches Ziel dieser Richtlinie ist die Schaffung eines einheitlichen europäischen Ordnungsrahmens für die Wasserwirtschaft. Eine zentrale inhaltliche Forderung ist dabei die Erreichung des "guten ökologischen Zustandes" für alle Gewässer bis 2015, unabhängig davon, ob es sich um Grundwasser oder oberirdische Gewässer handelt. Eine Reihe von Aufgaben im Berichtsjahr ist daher im Kontext mit der Umsetzung dieser Richtlinie zu sehen. Durch das Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt (TMLNU) wurde der Bericht zur Bestandsaufnahme 2004 für Thüringen vorgelegt.

Eine wesentliche Aufgabe der TLUG ist die Ermittlung wasserwirtschaftlicher Grundlagen sowie die Ermittlung und Bewertung der nach Menge und Güte erforderlichen Daten für die Ordnung des Wasserhaushalts. Neben den grundsätzlich durch die TLUG zu leistenden Arbeiten wurde als Ergänzung eine Kooperation mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena zum Aufbau eines wasserwirtschaftlichen Modellierungskonzeptes initiiert. Ziel dieser Kooperation ist der Aufbau eines Modellsystems, das es ermöglicht, zukünftig spezielle Aufgaben mit Hilfe modernster Modellierungssoftware effizient zu bearbeiten.

1.1 Flüsse und Bäche

Die Thüringer Fließgewässer lassen sich drei Stromgebieten zuordnen. Der größte Teil, ca. 60 % der Landesfläche, ist dem Einzugsgebiet der Elbe zuzurechnen. Der westliche Bereich mit Werra und Leine ist Bestandteil des Stromgebietes der Weser und in Südthüringen entwässern eine Reihe kleinerer Fließgewässer in das Maineinzugsgebiet und gehören somit zum Stromgebiet des Rheins.

Für die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie ist allerdings nur ein Teil des Thüringer Gewässernetzes zu berücksichtigen. Als Untergrenze wurden Einzugsgebiete mit einer Größe von weniger als 10 km² festgelegt. Das hat zur Folge, dass für die Bestandsaufnahme nur etwa 5.500 km des Thüringer Gewässernetzes betrachtet werden. Diese 5.500 km wurden zunächst insgesamt 160 oberirdischen Wasserkörpern zugeordnet. Davon waren 146 Fließgewässerwasserkörper und 14 Standgewässer (mit einer Wasserfläche von mehr als 50 ha). 100 dieser Fließgewässerwasserkörper lagen vollständig in Thüringen, die übrigen sind grenzüberschreitend und wurden in Absprache mit dem jeweiligen Nachbarland bearbeitet. Durch Überarbeitung blieben im Jahr 2005 schließlich 150 Wasserkörper übrig, davon waren weiterhin 14 Standgewässer. Die Änderungen bezogen sich insbesondere auf die grenzüberschreitenden Wasserkörper.

Die Basis für die wasserwirtschaftliche Praxis sind die grundlegenden Kenntnisse der Wasserstände und der daraus ermittelten Durchflüsse, die Ermittlung der Gewässerstruktur sowie der Gewässergüte.

1.1.1 Abflussgeschehen

Auswertung repräsentativer Pegel

Zur Charakterisierung des Abflussgeschehens im Berichtsjahr werden für 18 ausgewählte Pegel aus sechs Flussgebieten die Hauptwerte des Durchflusses 2005 den analogen mehrjährigen Beobachtungswerten gegenübergestellt:

Durchflüsse ausgewählter Pegel im Kalenderjahr 2005 (PDF 92 KB)

Der für das Jahr 2005 berechnete Jahresmittelwert des Durchflusses (MQ) für die in der Tabelle genannten Pegel lag bei 91 % des mehrjährigen MQ-Wertes. Die höchsten mittleren Jahresabflüsse zeigten sich im Bereich des mehrjährigen MQ-Wertes an den Pegeln der Saale, Weiße Elster und Pleiße. An allen anderen Pegeln sind Werte unter den mehrjährigen MQ-Werten zu verzeichnen. Die niedrigsten Durchflüsse zeigten sich mit 75 % der mehrjährigen Werte an den Pegeln Erfurt-Möbisburg/Gera und Kaulsdorf-Eichicht/Loquitz.

Obwohl mit dem erreichten Durchschnittswert von 91 % die Durchflusswerte an den Pegeln dem durchschnittlichen mehrjährigen Wert fast entsprechen, resultiert dieser Wert doch hauptsächlich aus der hohen Wasserführung im 1. Quartal, während im weiteren Jahresverlauf überwiegend zu geringe Durchflüsse registriert wurden.

Im Januar kam es ausgehend von den geringen Abflüssen zum Jahresende 2004 infolge von Tauwetter und häufig auftretenden Regenfällen zu einem Ansteigen der Pegel bis in den Hochwasserbereich. Nach einer kurzen Beruhigung stiegen die Durchflüsse im Februar erneut an und erreichten überwiegend den Hochwasserbereich. Die Monats-MQ-Werte lagen wiederholt weit über den mehrjährigen MQ-Werten. Eine Frostperiode mit Schnee führte zu sinkenden Wasserständen mit vereinzelten Eisbildungen. Doch zur Monatsmitte März kam es nach Tauwetter zu einem erneuten Anstieg der Durchflüsse, wobei wiederum an einigen Pegeln Hochwassermeldegrenzen erreicht wurden. Die Monats-MQ-Werte lagen nochmals über den mehrjährigen Werten. In den folgenden Monaten gingen die Abflüsse zurück. Nach Niederschlägen gab es nur kurzzeitige und regional unterschiedlich stark ausgeprägte Abflusserhöhungen. Die Monats-MQ-Werte bewegten sich bis zum Monat August deutlich unter den mehrjährigen MQ-Werten. Besonders niedrige Werte wurden an allen Pegeln im Juni registriert: Der Durchschnittswert lag für diesen Monat bei 51 % der mehrjährigen MQ-Werte. Von Mai bis Juli konnten am Pegel Kaulsdorf-Eichicht/Loquitz die niedrigsten Monatswerte beobachtet werden. Obwohl im Juli überdurchschnittliche Niederschläge fielen, blieb der Monats-MQ-Wert mit 58 % aufgrund des bestehenden Defizits weit unter dem mehrjährigen Wert. Erst im August, der gebietsweise zu nass und auch zu kalt ausfiel, reichten die Durchflüsse an den Pegeln mit 90 % an den mehrjährigen Mittelwert heran. Die leicht steigende Tendenz der Abflüsse setzte sich im September fort und es wurden 97 % der mehrjährigen MQ-Werte erreicht. Ab Oktober bis zum Jahresende ging die Wasserführung in den Fließgewässern - abgesehen von den Erhöhungen in den beeinflussten Gewässern Saale (Absenkung TS Bleiloch), Unstrut (Ablassen aus dem HRB Straußfurt) - wieder deutlich zurück. Im November wurden an allen Pegeln die niedrigsten MQ-Werte im Vergleich zu mehrjährigen Mitteln an allen Pegeln beobachtet. Der Durchschnittswert aller Pegel lag bei nur 42 % zum mehrjährigen Wert! Im Dezember stiegen die Durchflüsse an den Pegeln zwar leicht an - besonders im Gebiet der Pleiße - jedoch blieben alle Werte unter den mehrjährigen Werten. Vom September bis November traten die niedrigsten Monats-MQ-Werte wiederholt am Pegel Kaulsdorf-Eichicht/Loquitz auf, im August und Dezember am Pegel Erfurt-Möbisburg/Gera.

Beim Vergleich der höchsten Abflüsse der Jahresganglinien in den folgenden Abbildungen mit den HQ-Werten des Kalenderjahres 2005 (Tabelle Durchflüsse ausgewählter Pegel) ist zu beachten, dass in den Ganglinien Tagesmittelwerte dargestellt sind, während die HQ-Werte als Terminwerte angegeben werden und damit über den abgebildeten Werten liegen.

Pegel Gera-Langenberg/Weiße Elster (PDF 27 KB)

Pegel Camburg/Saale (PDF 31 KB)

Pegel Oldisleben/Unstrut (PDF 29 KB)

Pegel Gerstungen/Werra (PDF 27 KB)

Hochwassergeschehen

Hochwassersituationen traten 2005 besonders in den Monaten des ersten Quartals auf.

Tauwetter und häufige Niederschläge erhöhten im Januar die Wasserführung. Zusätzliche Starkniederschläge zu Beginn der dritten Monatsdekade führten an allen Thüringer Pegeln zu einem schnellen starken Anstieg der Wasserstände bis in den Hochwasserbereich mit Scheitelwerten am 21. Januar. Besonders im Gebiet der Werra und Unstrut überschritten Pegel die Richtwasserstände für den Meldebeginn: Im Gebiet der Werra reichten bei drei der neun betroffenen Hochwassermeldepegel (HwMP) die Wasserstände bis in den Bereich der Alarmstufe (A) 1 (Pegel Eisfeld/Werra, Meiningen/Werra, Unterbreizbach/Ulster). Der Scheitelwert am Pegel Ebenhards/Werra lag an der Grenze zur A 3 (HQ10). Besonders betroffen war das Gebiet der Herpf. Der am Pegel Walldorf/Herpf ermittelte Durchfluss entspricht etwa einem HQ20. Weitere hohe Scheitelwerte wurden an den Pegeln Almerswind/Itz und Milz/Spring (jeweils HQ10) sowie an den Oberläufen von Felda und Ulster (jeweils HQ5) registriert. Im Gebiet der Unstrut überschritten fünf Pegel den Richtwasserstand für den Meldebeginn. Von diesen Pegeln erreichten Sundhausen/Helme und Hachelbich/Wipper die A 1 und Wipperdorf/Wipper die A 2. Im Gebiet der Saale lag nur der Pegel Blankenstein/Saale im Bereich des Meldebeginns. Sinkende Temperaturen und Niederschläge als Schnee führten zu einer geschlossenen Schneedecke, die Wasserführung ging wieder deutlich zurück.

Im Februar führte ein Warmlufteinbruch mit ergiebigem Dauerregen zur raschen Schneeschmelze. Innerhalb kurzer Zeit stiegen die Pegel wiederholt bis in den Hochwasserbereich an. In den Gewässern Saale, Ilm, Weiße Elster, Pleiße und deren Zuflüssen wurden die Scheitelwerte am 12./13. Februar erreicht. An allen Hochwassermeldepegeln in diesen Gebieten wurden Hochwassermeldegrenzen überschritten. Am Pegel Möschlitz/Wisenta reichte der Scheitelwert sogar bis in die A 3, an den Pegeln Blankenstein/Saale, Gera-Langenberg/Weiße Elster und Eisenhammer/Auma bis in die A 2. An den weiteren HwMP bewegten sich die Wasserstände im Bereich des Meldebeginns bzw. dem Richtwert der A 1. Die Wiederkehrwahrscheinlichkeiten entsprachen überwiegend einem HQ2 bis HQ5, nur am Pegel Greiz/Weiße Elster einem HQ10. Die Talsperren waren in die Steuerung des Abflussgeschehens einbezogen und verringerten die Scheitelwerte - z. B. am Pegel Rudolstadt/Saale um 120 cm. Während an den unbeeinflussten Pegeln die Durchflüsse anschließend kontinuierlich zurück gingen, verzögerte sich der Rückgang an den beeinflussten Pegeln im Bereich der Hochwassermeldegrenzen durch gezielte Abgabe der Talsperren.

Von den Pegeln im Gebiet der Unstrut und ihren Zuflüssen überschritten sieben Pegel den Richtwasserstand für den Meldebeginn. Am Pegel Gehlberg/Wilde Gera lag der Scheitel im Bereich der A 2.

Im Gebiet der Werra wurden an 14 der 16 HwMP Meldegrenzen überschritten. Die Scheitelwerte traten ebenfalls am 12. bzw. 13. Februar auf. An den oberen Pegeln der Werra - in Eisfeld und Ebenhards - lagen die Werte im Bereich der A 3 und sind einem HQ10 bis HQ20 zuzuordnen. An den unterhalb liegenden Pegeln der Werra wurde durch Talsperrenrückhalt und Ausuferungen in die Überschwemmungsgebiete maximal noch die A 2 erreicht (mittlere Werra HQ5 bis HQ2, Frankenroda/Werra HQ2). In den Zuflüssen Schleuse, Hasel und Schmalkalde traten ebenfalls hohe Wasserstände bis in den Bereich der A 2 (HQ10 bis HQ20) auf.

Einen Schwerpunkt des Hochwassers bildeten auch die Mainzuflüsse. So wurden an den Pegeln der Itz Durchflüsse beobachtet, die einem HQ20 entsprachen und an der Steinach einem HQ10.

Nach einer winterlichen Periode mit Kälte und einer Schneedecke selbst in tieferen Lagen, setzte in der zweiten März-Dekade Tauwetter ein. Nach einem anfänglich allmählichen Ansteigen der Wasserführung verstärkte subtropische Warmluft den Abtauprozess und es kam zu einem starken Ansteigen der Abflüsse. An insgesamt 16 Pegeln lagen die Wasserstände im Hochwasserbereich. Bereits am 16. März wurden Scheitelwerte im Bereich des Meldebeginn an den Pegeln Gößnitz/Pleiße, Großstöbnitz/Sprotte und Erfurt-Möbisburg/Gera erreicht. Am Pegel Eisenhammer/Auma lag der höchste Wert im Bereich der A 1. An den Folgetagen erreichten die Wasserstände an weiteren Pegeln so der Weißen Elster, Ilm, Bere und Zorge den Meldebeginn. Am Saalepegel in Blankenstein sowie an den Pegeln Möschlitz/Wisenta und Kaulsdorf-Eichicht/Loquitz wurde die A 1 überschritten. Die Scheitelwerte an den Pegeln konnten in der Zeit vom 16. bis 20. März registriert werden, überwiegend am 19. März. Da in dem Zeitraum der Schneeschmelze größere Niederschläge ausblieben, kam es zu keiner kritischen Hochwassersituation.
Zum Ende der dritten Märzdekade führten örtliche Starkniederschläge und der Abtau der Restschneedecke in den Kammlagen des Thüringer Waldes nochmals zu kleinen Abflussspitzen; am Pegel Suhl/Lauter wurde der Hochwassermeldebeginn erreicht.

Im weiteren Jahresverlauf kam es niederschlagsbedingt zu Abflusserhöhungen, wobei nur vereinzelt Hochwassermeldegrenzen überschritten wurden, so im April am Pegel Teutleben/Hörsel und im Juli am Pegel Eisfeld/Werra.

1.1.2 Extremereignisse

Im Berichtsjahr waren keine Extremereignisse wie außergewöhnliche Hochwasser- bzw. Niedrigwassersituationen zu verzeichnen.

1.1.3 Gewässerstruktur

Nachdem in den vorangegangenen Jahren an insgesamt über 2.000 km Fließgewässer die Gewässerstruktur nach dem LAWA- Übersichtsverfahren durchgeführt wurde, wurden die ermittelten Daten im Berichtsjahr aufbereitet und sind nunmehr verfügbar. Die Ergebnisse sollen in Kürze auch auf der Internetpräsenz der TLUG frei zugänglich gemacht werden.

1.1.4 Fließgewässergüte

Auf der Grundlage der im Rahmen der Messnetze gewonnenen Beschaffenheitsdaten kann der Belastungszustand der Fließgewässer und deren Entwicklung dargestellt werden.
Bisher wurde für die Bewertung und Darstellung der chemischen Gewässergüte vorwiegend die chemische Güteklassifizierung, für den biologischen Zustand eines Fließgewässers die biologische Güteklassifizierung angewandt und veröffentlicht.

Messnetze/Messprogramme Fließgewässer (PDF 171 KB)

Messstellenkarte Fließgewässer (PDF 178 KB)

Mit Inkrafttreten der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) wird u. a. dem ökologischen Aspekt bei der Zustandsbewertung von Oberflächengewässern mehr Bedeutung als bisher beigemessen. Nach Anlage 3 und 4 der ThürWRRLVO wird ein Oberflächengewässerkörper nach dem guten ökologischen und chemischen Zustand bewertet. In diese Bewertung gehen alle Bereiche der aquatischen Lebensgemeinschaften und eine Vielzahl von chemischen Stoffen ein.
Für Thüringen wurden 100 OWK Fließgewässer und 14 OWK Standgewässer definiert.
Aufgrund der rechtlichen Anforderungen nach WRRL und weiteren Verpflichtungen aus anderen EG Richtlinien sowie unter Berücksichtigung der Forderungen aus dem wasserwirtschaftlichen Vollzug muss die bisherige Überwachung der Oberflächengewässer gesamtheitlich überarbeitet werden.
Dabei wird die Gewässerüberwachung nach den drei Ebenen Überblicksüberwachung, operative Überwachung sowie Überwachung zu Ermittlungszwecke unterschieden. Die drei Überwachungsarten verfolgen unterschiedliche Ziele, die unterschiedliche Überwachungsparameter, -messstellen und -frequenzen erfordern. Während die Überblicksüberwachung auf überregionale Umwelt- bzw. Bewirtschaftungsziele ausgerichtet ist, dient die operative Überwachung der Überprüfung der Einhaltung von Umweltzielen in den einzelnen Wasserkörpern. So mussten die bisherigen Messstellen an den Thüringern Oberflächengewässer einer Prüfung unterzogen werden inwieweit sie hinsichtlich ihrer Lage im Oberflächenwasserkörper für eine Zustandsbewertung repräsentativ sind. Im Ergebnis der Überprüfung nach definierten Auswahlkriterien wurden in Thüringen 9 Überblicksmessstellen (7 Fließgewässer- und 2 Talsperrenmessstellen) und 360 operative Messstellen festgelegt. In die operative Überwachung werden drei Sondermessprogramme (Wismut, Kali+Salz) sowie drei weitere Messprogramme (Standgewässer und EU-Badegewässer) integriert.
Das Untersuchungsprogramm für alle drei Arten der Gewässerüberwachung kann neben den biologischen Qualitätskomponenten Wirbellose Fauna (Makrozoobenthos), Wasserpflanzen/ Aufwuchsalgen (Makrophyten/Phytobenthos), Schwebende Algen (Phytoplankton) und Fischfauna auch zahlreiche chemische Qualitätskomponenten umfassen.

Im Rahmenkonzept Monitoring in Thüringer Oberflächengewässern, Stand November 2005 sind Grundsätze und die weitere Verfahrensweise der Gewässerüberwachung nach WRRL beschrieben. Ab dem Jahr 2006 erfolgt die Gewässerüberwachung nach diesem Rahmenkonzept.

Rahmenkonzept Monitoring in Thüringer Oberflächengewässer, Stand November 2005 (PDF 69 KB)

Gewässerchemie
Die mit den Messnetzen ermittelten Gewässergütedaten werden digital erfasst, auf Plausibilität geprüft, dokumentiert, statistisch aufbereitet und entsprechend den Zielsetzungen der Messprogramme ausgewertet. In den kommenden Jahren werden die Immissionsdaten der Oberflächengewässer nach den in der WRRL einheitlichen Umweltqualitätsnormen bewertet.

Chemische Klassifizierung ausgewählter Parameter Fließgewässer 2005
Der vorliegende Bericht bezieht sich auf die Klassifizierung Gesamtstickstoff und Gesamtphosphor, Sulfat und Trichlormethan. Neben einer Einzelstoffklassifizierung kann auch eine Klassifizierung in den Stoffgruppen "Industriechemikalien", "Schwermetalle" und "Nährstoffe, Salze und Summenkenngrößen" vorgenommen werden.

Die Chemische Gewässerklassifikation auf der Seite des Umweltbundesamts.

Gesamtstickstoff
Gesamtstickstoff steht im Wesentlichen für Belastungen aus der Landwirtschaft und punktuellen Einträgen aus kommunalem Abwasser. Er fördert in stehenden Gewässern und Küstengewässer, als einer der wichtigsten Nährstoffe, die Eutrophierung. Seit 1992 bis heute sind nur geringfügige Veränderungen in der Stickstoffbelastung der Fließgewässer zu verzeichnen. 2005 hat sich gegenüber 1992 der prozentuale Anteil bei der Güteklasse II von 0 auf 2 % und der Güteklasse II-III von 19 auf 31% erhöht.
Die Abbildung gibt den prozentualen Anteil der Güteklassen 1992 und 2005 wieder.



Prozentualer Anteil der Güteklassen 1992 und 2005 bei Gesamt-Stickstoff

Karte Güteklassenverteilung Thüringen (PDF 166 KB)

Phosphor
Phosphor ist für alle Organismen ein notwendiger Nährstoff. Häusliche, landwirtschaftliche aber auch industrielle Abwässer sind Haupteintragsquellen für Phosphor.
Durch die anthropogene Zufuhr wird Phosphor zum Haupteutrophierungsfaktor. Folgeerscheinungen für das Gewässer sind eine starke Verkrautung, sprunghafte Zunahme der Wasserpflanzen und Fadenalgen oder eine massenhafte Vermehrung von Phytoplankton.
Obwohl sich 2005 gegenüber 1992 der prozentuale Anteil bei den Güteklassen II und besser von 0 auf 15 % erhöht und bei den Güteklassen III und schlechter von 82 auf 33 % reduziert hat, sind die P-Einträge durch Verbesserung in der kommunalen Abwasserreinigung und durch Erosionsschutzmaßnahmen weiterhin zu reduzieren. Die Abbildung gibt den prozentualen Anteil der Güteklassen 1992 und 2005 wieder.



Prozentualer Anteil der Güteklassen 1992 und 2005 bei Gesamt-Phosphor

Sulfat
Sulfate finden Anwendung in vielen Industriezweigen. Durch den Einsatz von Kunstdünger auf landwirtschaftlichen Flächen sowie durch industrielle Abwässer und Sickerwässer gelangen sie in die Umwelt.
In kalkarmen Regionen kann es zur Versauerung der Oberläufe von Fließgewässern kommen. Versauerte Gewässer weisen nur noch einen reduzierten Fischbestand auf und führen bei Flusskrebsen, Schnecken und Muscheln zur Bildung von extrem dünnen Schalen und Gehäusen.
2005 stieg der Anteil der Messstellen in Güteklasse II und besser von 27% auf 33% und der Anteil von Güteklasse III und schlechter sank von 48% auf 35%.



Prozentualer Anteil der Güteklassen 1992 und 2005 bei Sulfat

Trichlormethan (Chloroform)
Aus der Stoffgruppe "Industriechemikalien" ist Trichlormethan einer der für Thüringen relevanten organischen Spurenstoffe.
Trichlormethan ist anthropogener Herkunft und gelangt sowohl über industrielle und kommunale Abwassereinleitungen als auch diffus in die Gewässer. Durch die Umstrukturierung der Industrie und verbesserte kommunale Abwasserreinigung ist über die Folgejahre ein stark rückläufiger Trend zu verzeichnen, der sich in einer verbesserten chemischen Gewässergüteklasse deutlich macht.
Waren 1993 nur 30% der Messstellen in Güteklasse II und besser sind es heute 92%. Der Anteil der Güteklassen III und schlechter sank von 56% 1993 auf 9% 2005.



Prozentualer Anteil der Güteklassen 1993 und 2005 bei Trichlormethan

Gewässerbiologie
Die Belastung von Fließgewässern mit biologisch abbaubaren Abwässern wird mit Hilfe eines biologisch-ökologischen Verfahrens (Saprobienindex nach DIN 38410) ermittelt. Es werden 7 Belastungsklassen mit 4 Hauptklassen und 3 Zwischenstufen unterschieden und durch unterschiedliche Farbbänder dargestellt.

Tabelle 1: Güteklassen

Güteklasse Grad der organischen Belastung
I unbelastet bis sehr gering belastet
I-II gering belastet
II mäßig belastet
II-III kritisch belastet
III stark verschmutzt
III-IV sehr stark verschmutzt
IV übermäßig verschmutzt

Seit 1991 ist eine überaus positive Güteentwicklung erkennbar. Der Anteil der Gewässer mit einer guten bis sehr guten Qualität (Gewässergüteklasse II und besser) lag 2004 bei 70 %, 1991 bei 16 %. Gleichzeitig nahm der Anteil stark bis übermäßig verschmutzter Gewässerabschnitte in der Güteklasse III und schlechter ab und ist 2004 nur noch in 4 % der klassifizierten Gewässer anzutreffen. Die Bewertung in 2004 wird letztmalig nach der o. g. 7 stufigen Klassifizierung durchgeführt.
Zukünftig wird die Bewertung der organischen Belastung in den Gewässern anhand eines typspezifischen leitbildorientierten Saprobienindex durchgeführt. Nach dem neuen Bewertungssystem wird es nur noch 5 Klassen geben. Es ist hierbei zu erwarten, dass der Anteil der Gewässer mit einem guten Saprobiezustand aufgrund von neuen Klassengrenzen gegenüber der bisherigen Bewertung leicht absinken wird.

Tabelle 2: Prozentuale Güteklassenverteilung der klassifizierten Fließgewässer Thüringens

Güteklasse 1991 1993 1995 1997 1999 2000 2002 2003 2004
I 1,1 1,0 1,5 1,7 2,0 2,1 1,8 1,6 2,1
I-II 2,9 2,8 2,0 5,8 6,5 6,9 7,2 7,0 7,6
II 12,3 26,6 35,0 46,4 48,7 53,4 57,8 58,8 60,8
II-III 48,2 48,4 51,0 36,9 34,1 29,9 29,2 28,2 25,2
III 24,9 13,3 8,0 7,2 6,9 6,1 2,4 3,1 2,9
III-IV 8,2 6,0 2,5 1,5 1,7 1,5 1,3 1,2 1,2
IV 2,4 1,9 - 0,5 0,1 0,2 0,3 0,1 0,1


Prozentuale Güteklassenverteilung


Gütekarte 2004 (PDF 225 KB)


Beispiel für naturnahen und verbauten Gewässerabschnitt


Naturnaher Gewässerabschnitt
Schönau unterhalb von Viernau

Verbauter Gewässerabschnitt
Lauterbach Mündung

1.2 Talsperren


1.2.1 Mengenbewirtschaftung

Die Mengenbewirtschaftung von Talsperren gewährleistet eine planmäßige Speicherbewirtschaftung entsprechend der Funktion der jeweiligen Anlage.

Die Versorgungs- und/oder Schutzfunktion der Thüringer Trink- und Brauchwassertalsperren sowie der Hochwasser-Rückhaltebecken wurde im Berichtsjahr erfüllt. Für sechs ausgewählte Trinkwassertalsperren und Brauchwassertalsperren/Hochwasserrückhaltebecken ist in der folgenden Tabelle die Bewirtschaftung im Berichtsjahr dokumentiert.

Bewirtschaftung von Talsperren und Hochwasserrückhaltebecken im Berichtsjahr 2005 (PDF 82 KB)

Neben den jeweils vorhandenen Stauraumkapazitäten für Betriebsstau und Vollstau werden der Jahresgang des Stauinhaltes ausgewiesen, weiterhin die Jahressummen- und Durchschnittswerte für den Zufluss und die Abgaben der TS/HRB.

Der Zufluss zu den großen Speichern (Jahresmittel) bewegte sich 2005 von 76 % bis 116 % der mehrjährigen Mittelwerte, bezogen auf das Einzugsgebiet. Durch Überleitung aus Fremdeinzugsgebieten wurde bei der TS Schmalwasser das Zweifache des natürlichen Zuflusses erreicht. Weitere Talsperren mit Überleitungen sind die Ohratalsperre (~ 7 hm³) und die TS Zeulenroda/TS Weida (~ 0,8 hm³).
Im Jahresverlauf trugen vor allem die Monate im ersten Quartal mit wesentlichen Anteilen zum Jahreszufluss bei.

Trinkwassertalsperren

Die Betriebsstauinhalte der großen Trinkwassertalsperren bewegten sich 2005 in folgenden Bereichen:

  • System der Weidatalsperren
  • TS Schönbrunn
  • TS Schmalwasser
  • TS Ohra
82 % ... 108 %,
78 % ... 103 %,
49 % ... 108 %,
51 % ... 102 %.

Für das System der Weidatalsperren und die TS Schönbrunn wird die Bewirtschaftung grafisch dargestellt.

System der Weidatalsperren - Bewirtschaftung 2005 (PDF 19 KB)

Talsperre Schönbrunn - Bewirtschaftung 2005 (PDF 20 KB)

Beim System der Weidatalsperren wurde die zeitlich befristete Reduzierung des Betriebsstauraumes ab Juli aufgehoben und die Steuerung wieder entsprechend des Betriebsplanes aufgenommen. Während der Monate März bis Mai erfolgte aufgrund der Gütesituation bezüglich des Nitratgehaltes eine gesondert vereinbarte Regelung zur Freimachung des Hochwasserrückhalteraumes.

An der TS Schönbrunn wurde der höchste Zufluss mit 15,1 m³/s am 13.02.2005 berechnet. Das Wiederkehrintervall ist zwischen fünf und zehn Jahren einzuordnen. Der gewöhnliche HW-Rückhalteraum wurde geringfügig im März und April beansprucht (mit 0,5 hm³). Der Sommerstauraum wurde nicht in Anspruch genommen. Anfang Dezember wurde der geringste Jahres-Füllungsstand bei 16,5 hm³ ermittelt.

Die Überleitungssysteme zur Dargebotserhöhung wurden differenziert in Anspruch genommen. Von der Wisenta-Überleitung wurde nur das Sickerwasser des 2,3 km langen Wisentastollens genutzt.
Die Überleitungen in die TS Ohra und die TS Schmalwasser waren jeweils mehrere Monate in Betrieb. Durch den Gerastollen wurden der TS Ohra 5,2 hm³ zugeführt, durch den Haselstollen 8,5 hm³ in das Einzugsgebiet der TS Schmalwasser mit Weiterleitung von 1,9 hm³ über den Schmalwasserstollen in die Ohratalsperre.

Saaletalsperren

Die Bewirtschaftung des Saaletalsperrensystems im Berichtsjahr 2005 ist mit Ganglinien für den Stauinhalt, den Zufluss und die Abgabe in der Abbildung dargestellt.

Saaletalsperrensystem - Bewirtschaftung 2005 (PDF 20 KB)

Im Zuflussgeschehen zu den Saale-Talsperren sind mehrere Hochwasserereignisse in den Monaten Januar, Februar und März zu verzeichnen. Der höchste Tagesmittelwert trat mit 249 m³/s am 14. Februar auf. Der dazugehörige Scheitelwert entspricht einem 10-jährigen Wiederkehrintervall. Während der Hochwasserereignisse betrug der Hochwasserrückhalt im Februar ca. 40 hm³ und im März 78 hm³. Der Rückhalt in den Saaletalsperren bewirkte während des Februar-Hochwassers eine Scheitelreduzierung am Pegel Rudolstadt/Saale von 120 cm.
In den Monaten September und Oktober erfolgte die gezielte Absenkung der TS Bleiloch für die Befundaufnahme für die im Jahr 2006 bevorstehenden Sanierungsarbeiten.
Der Gesamtzufluss zum Talsperrensystem betrug im Berichtsjahr 515 hm³ entsprechend 99 % des langjährigen Mittels.

HRB Straußfurt
Vom 25. April bis 01. November wurde ein Teilstau von 1,8 hm³ bis 4,7 hm³ gehalten. Der höchste Zufluss trat am 12.02. mit einem Zufluss von 90,31 m³/s auf und entsprach damit einem Wiederkehrintervall von ungefähr vier Jahren. Die größte Abgabe erfolgte am 14.02. mit 49,60 m³/s. Der höchste Füllungsstand betrug 4,824 hm³. Der Jahreszufluss zum HRB lag bei 283,02 hm³ entsprechend 8,975 m³/s und beträgt damit 76 % des mehrjährigen Mittelwertes.

1.2.2 Gütebewirtschaftung

Nach Abschluss der Bestandsaufnahme für 14 TS-Oberflächenwasserkörper wurde 2005 begonnen die Monitoringprogramme schrittweise den Anforderungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie anzupassen.
Die schon seit mehreren Jahren bestehenden Messprogramme zur Untersuchung chemisch-physikalischer Messgrößen in den Standgewässern, die insbesondere zur Trophieklassifikation genutzt werden, wurden 2005 zunächst weiter fortgesetzt.

Messnetze/Messprogramme Standgewässer (PDF 134 KB)

In der Talsperre Bleiloch wurde darüber hinaus begonnen, chemische Qualitätskomponenten zur Einstufung des ökologischen Zustands (Anlage 4 der ThürWRRLVO) und des chemischen Zustands (Anlage 5 der ThürWRRLVO) zu überwachen.
Die Untersuchung und Bewertung von biologischen Qualitätskomponenten ist derzeit nur mit Einschränkungen für die Talsperren möglich.
Für natürliche Seen wurde in verschiedenen von der LAWA geförderten Projekten die Methodik für die Biokomponenten entwickelt und veröffentlicht.

  • Phytoplankton
    LAWA-Projekt: 0K 5.90: Leitbildorientierte Bewertung von Seen anhand der Teilkomponente Phytoplankton im Rahmen der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie - Abschlussbericht, August 2005, TU Cottbus
  • Makrozoobenthos
    LAWA-Projekt: O 4.05: Feinabstimmung des Bewertungsverfahrens für Makrozoobenthos in stehenden Gewässern - Abschlussbericht, Januar 2006, Uni Hohenheim
  • Makrophyten
    LAWA-Projekt O 11.03: Handlungsanweisung für die ökologische Bewertung von Seen zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie: Makrophyten und Phytobenthos (Stand November 2004), Bayerisches Landesamt für Umwelt

Angesichts grundsätzlicher limnologischer Unterschiede zwischen Seen und Talsperren ist eine einfache Übertragung der Methodik von Seen auf Talsperren ausgeschlossen. Deshalb muss für Talsperren als erheblich veränderte Gewässer die Eignung der Methoden erst noch geprüft werden.

Als Beitrag zu den methodischen Arbeiten wurden 2005 die Talsperren Heyda, Seebach und Dachwig durch Erfahrungsträger des Instituts für Zoologie der Universität Stuttgart-Hohenheim auf die Biokomponente Makrozoobenthos untersucht.
Bei weichsubstratigen Trogbecken ist die Probenahmevorschrift ohne Modifikation von natürlichen Seen auf die Talsperren übertragbar. In einer Einzelfallbetrachtung brachten die nachgewiesenen Organismen den Beschaffenheitszustand der untersuchten Gewässer zum Ausdruck, ließen Uferstrukturdegradation erkennen und zeigten den Einfluss auf unterschiedliche Belastungsfaktoren an.

Bei der Untersuchung des Phytoplanktons in den laufenden Untersuchungsprogrammen wurde 2005 versucht, gemäß der Bestimmungsmethodik für natürliche Seen zu verfahren, um entsprechend qualifizierte Daten für die methodische Bearbeitung des Phytoplanktons in Talsperren zu erheben.
Die Fortsetzung der Untersuchungen für weitere Biokomponenten ist für 2006 geplant.

1.2.2.1 Beschaffenheitsentwicklung in den Trinkwassertalsperren

Die nächste Abbildung zeigt für ausgewählte Trinkwassertalsperren den Jahresverlauf von Nitrat im Oberflächenbereich des Wasserkörpers. Nitrat ist eine Messgröße, deren Gehalt im Wasser maßgeblich von landwirtschaftlicher Flächennutzung geprägt wird und die abhängig ist von der Witterungssituation. Während in trockenen Jahren die Nitratkonzentrationen in den Gewässern niedriger sind, finden in feuchten abflussreichen Jahren höhere Stoffeinträge aus diffusen Quellen statt, welche sich in höheren Nitratkonzentrationen in den Gewässern zeigen.
Der Nitratgehalt in der Trinkwassertalsperre Weida unterliegt infolge des hohen Anteils landwirtschaftlicher Nutzflächen im Einzugsgebiet den deutlichsten Schwankungen.
Das Jahr 2005 war abflussbedingt wieder durch höhere Stoffeinträge geprägt.
Länger anhaltende erhöhte Abflüsse im Februar und März führten zum Anstieg der Nitratkonzentration von 23 mg/l im Januar bis zum Höchstwert des Jahres mit 48 mg/l Nitrat im April.
Das Maximum der Nitratkonzentration in der Talsperre Weida war damit um ca. 16 mg/l höher als das Maximum des Jahres 2004.



Nitrat im Wasserkörper von Trinkwassertalsperren
(Jahresverlauf 2005, Monatsmittelwerte der Oberflächenproben Januar bis Dezember)

1.2.2.2 Saale-Talsperren

Die nachfolgende Abbildung zeigt den Güteverlauf für ausgewählte Messgrößen im Fließgewässerabschnitt der Saale von Hirschberg bis Harra und der nachfolgenden Talsperren Bleiloch und Hohenwarte.

Die Situation des Jahres 2005 kann wie folgt beschrieben werden:

  • Die Zuflussmengen zu den Talsperre Bleiloch und Hohenwarte waren gegenüber dem Jahr 2004 um ca. 20 % höher.
  • In der Talsperre Hohenwarte gab es keine starken Schwankungen des Wasserstandes im Laufe des Jahres. In der Talsperre Bleiloch erfolgte wegen Bauarbeiten an der Staumauer ab September eine planmäßige Absenkung um acht Meter von 406 m ü NN auf 398 m ü NN.
  • Die Abwasserfrachten der Zellstoff- und Papierfabrik Blankenstein (ZPR) sind gegenüber 2004 nahezu unverändert. Deutlich geringer sind die Gesamtphosphor- und Stickstofffrachten.
  • Die maximale Produktionskapazität lag bei 98,8 %. Die Abwasserfrachten liegen jedoch noch deutlich unter den Werten vor Produktionsumstellung 1998 sowie
  • den wasserrechtlichen Überwachungswerten, was sich positiv auf die Entwicklung der Wasserbeschaffenheit auswirkt.

CSB und Sauerstoffverlauf in der oberen Saale und den Talsperren Bleiloch und Hohenwarte 2005 Jahresmittel an den Messpunkten; Sauerstoff im Hypolimnion nur an Messpunkten mit Schichtung im Zeitraum Mai - September; auf Grund der Datenlage ohne die Ausgleichsbecken Burgk, Walsburg und Eichicht)

Vergrößerung (PDF 32 KB)
  • Die abbaubaren organischen Stoffe (Summenparameter CSB) der Saale, des Abwassers von ZPR und der im Standgewässer gebildeten Algenbiomasse sind gemeinsam für die hohe Sauerstoffzehrung im Tiefenwasser (Sauerstoff-Mittelwert und Minimum-Einzelwert Hypolimnion) der Talsperre Bleiloch verantwortlich.
  • In der Talsperre Bleiloch liegt 2005 der Sauerstoff-Mittelwert im Hypolimnion aller Messstellen über der ökologisch vertretbaren Größenordnung von 4 mg/l O2. Die Sauerstoff-Minimumwerte im Hypolimnion beschränken sich in der gesamten Talsperre Bleiloch nur auf das bodennahe Tiefenwasser.
  • Bei der Sedimentation der Algenbiomasse kann auf dem Wege in das Hypolimnion in den mittleren Wasserschichten durch den leicht mineralisierbaren Anteil ein räumlich und zeitlich begrenztes Sauerstoff-Minimum von < 1 bis 2 mg/l auftreten.
  • Am Beispiel des Fließgewässerabschnittes der Saale bis Ziegenrück, der Talsperre Hohenwarte und dem Ablauf in Eichicht wird der positive Kaskadeneffekt im Sauerstoffhaushalt bezüglich des Abbaus der organischen Stoffe deutlich. Damit entspricht der Sauerstoff-Mittelwert im Hypolimnion den ökologischen Anforderungen. Das Sauerstoff-Minimum im Hypolimnion der Talsperre Hohenwarte lag im Vergleich zum Vorjahr nicht unter 1 mg/l. Im weiteren Verlauf des Fließgewässers wird dieses Sauerstoffdefizit wieder ausgeglichen.

2 Siedlungswasserwirtschaft

Die Siedlungswasserwirtschaft beschäftigt sich mit der Bewirtschaftung des Wassers für den menschlichen Gebrauch. Sie wird grundsätzlich unterteilt in die Bereiche Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung.

2.1 Kommunale Abwasserbeseitigung

Die umweltgerechte kommunale Abwasserentsorgung wird von den zuständigen Abwasserzweckverbänden und Eigenentsorgern wahrgenommen und dient der Verbesserung der Gewässergüteverhältnisse sowie der Gewährleistung von ordnungsgemäßen hygienischen Verhältnissen in Siedlungsräumen. Sie ist eine grundlegende Voraussetzung für die zukunftsorientierte Entwicklung der Städte und Gemeinden im Freistaat Thüringen.
Die im Jahre 2005 begonnenen bzw. realisierten Vorhaben sind größtenteils Bestandteil des Maßnahmeplanes des Freistaates Thüringen zur Umsetzung der "zweiten Etappe" der EG-Kommunalabwasserrichtlinie für gemeindliche Gebiete zwischen 2.000 bis 10.000 Einwohnerwerten. Diese Etappe war bis zum 31.12.2005 abzuschließen. Ein Teil der Maßnahmen befindet sich noch in der Baudurchführung; mit deren Inbetriebnahme wird die Zielstellung für die Abwasserbehandlung in gemeindlichen Gebieten > 2.000 EW in Thüringen im Wesentlichen erreicht.

Übersicht der im Jahre 2005 im Freistaat Thüringen fertig gestellten bzw. im Bau befindlichen kommunalen Kläranlagen (PDF 74 KB)

Karte 2004 (PDF 138 KB)

Zum Abschluss des Berichtsjahres 2005 befanden sich im Freistaat Thüringen zehn kommunale Kläranlagen mit einer Gesamtkapazität von 65.700 Einwohnerwerten (EW) in der Baudurchführung.
Bei insgesamt 17 Abwasserbehandlungsanlagen mit einer Gesamtausbaugröße von 117.500 Einwohnerwerten konnten 2005 die Rekonstruktions- bzw. Neubauarbeiten erfolgreich abgeschlossen werden. Diese Kläranlagen erfüllen nunmehr die Anforderungen an eine vorschriftsmäßige Abwasserbehandlung.
Von Bedeutung sind auch die im Berichtsjahr vollzogenen Anschlüsse von gemeindlichen Gebieten > 2.000 EW an größere Kläranlagen, wie z.B. die Überleitung Gräfenroda nach Arnstadt, der Anschluss von Neudietendorf an das Kanalnetz der Landeshauptstadt sowie der Anschlusskanal zur Überleitung der Abwässer der Städte Rastenberg und Buttstädt zur Gruppenkläranlage Großneuhausen. Seit Ende 2005 ist auch der Anschlusskanal von Dornburg zur Kläranlage Dorndorf/Steudnitz funktionstüchtig. Die neue Kläranlage an der Saale mit einer Ausbaukapazität von 3.500 EW ist bereits seit September 2005 in Betrieb.
Mit dem Abschluss der Bauarbeiten zur Überleitung der Abwässer vom Inselberg zur Kläranlage Tabarz im Jahre 2005 wurde eine weitere wichtige wasserwirtschaftliche Maßnahme in Mittelthüringen abgeschlossen.



Die neu errichtete Kläranlage Dorndorf/Steudnitz mit einer Kapazität für
3.500 Einwohnerwerte hat im September 2005 den Betrieb aufgenommen.
(Foto noch während der Bauzeit aufgenommen)

Seit 1990 wurden bisher insgesamt 457 kommunale Abwasserbehandlungsanlagen mit einer Gesamtkapazität von ca. 2.98 Mio. Einwohnerwerten neu errichtet bzw. rekonstruiert. Der Anteil der neuerrichteten bzw. rekonstruierten Ausbaukapazität an der bestehenden Gesamtkapazität Thüringer Kläranlagen liegt 12/2005 bei 97 %.

Größenklasse (GK) der Abwasserbehandlungsanlage (ABA) Ausbaugröße in Einwohnerwerten (EW) Anzahl der ABA Gesamtkapazitäten der ABA (EW)
GK 1 < 1.000 311 78.700
GK 2 1.000 bis 5.000 71 198.100
GK 3 5.001 bis 10.000 27 206.200
GK 4 10.001 bis 100.000 44 1.627.700
GK 5 > 100.000 4 870.000
Summe   457 2.980.700

Tab.:
Übersicht der im Freistaat Thüringen im Zeitraum 1990 bis 2005 fertig gestellten kommunalen Abwasserbehandlungskapazitäten (Neubau und Rekonstruktion)


Der Gesamtausbaugröße der kommunalen Kläranlagen lag zum 31.12.2005 bei ca. 3.06 Mio. Einwohnerwerten. Im Berichtszeitraum 2005 wurden insgesamt elf neue Kläranlagen neu errichtet (Kläranlagen Buttelstedt, Dermbach, Unterbreizbach, Eisfeld, Ebeleben, Niederdorla, Langewiesen-Gehren, Holzdorf, Bechstedt-Wagd, Dorndorf/Steudnitz, Deesbach). Die Kläranlagen Mühlhausen, Pößneck und die kleinen Abwasserbehandlungsanlagen im Einzugsgebiet des Talsperrensystems Weida/Zeulenroda wie Zickra, Wenigenauma, Förthen und Silberfeld wurden jeweils am vorhandenen Standort den Anforderungen angepasst. Die folgenden Abwasserbehandlungsanlagen wurden 2005 stillgelegt: der Emscherbrunnen Dermbach, die Teichanlage Langewiesen, die KA Stelzendorf, die Übergangslösungen für das WG "Am Stelzener Berg" in Eisfeld, für Dorndorf/Steudnitz sowie die für das Wohngebiet "Am Bornrasen" in Bechstedt-Wagd. Nach Abschluss des Probebetriebes der neuen Kläranlage Niederdorla wird die bisher genutzte Teichanlage ebenfalls außer Betrieb genommen.

Art der Abwasserbehandlung Größenklasse der Kläranlagen [EW] Summe
< 1.000 1.000 bis 5.000 5.001 bis 10.000 10.001 bis 100.000 > 100.000 Alle Größen-
klassen
Nur mechanische Reinigung Anzahl 8 2 - - - 10
Kapazität 3.650 5.000 - - - 8.650
Biologische Reinigung Anzahl 367 42 5 - - 414
Kapazität 100.700 91.900 34.900 - - 227.500
Weitergehende Reinigung * Anzahl 2 37 23 45 4 111
Kapazität 350 122.100 181.300 1.650.500 870.000 2.824.250
Summe Anzahl 377 81 28 45 4 535
Kapazität 104.700 219.000 216.200 1.650.500 870.000 3.060.400
* Bewertung der Reinigungsleistung erfolgt nach Daten der Eigenkontrolle und Staatl. Überwachung

Tab.:
Kommunale Kläranlagen Thüringens - Übersicht nach Art der Behandlung, Anzahl und Ausbaugröße (Stand 12/2005)


Ein Indikator für die Entwicklung der Abwasserentsorgung ist der Anschlussgrad der Bevölkerung an kommunale Kläranlagen. In diesem Bericht wird die Entwicklung im Zeitraum 1990 bis 2004 dargestellt. Die Daten für das Berichtsjahr 2005 stehen ab Mai 2006 zur Verfügung und werden im nächsten Umweltbericht mitgeteilt. Nach Auswertung der Eigenkontrollberichterstattung der Abwasserzweckverbände bzw. Eigenentsorger sind im Jahr 2004 1.530.000 Einwohner an eine kommunale Kläranlage angeschlossen. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt damit bei 65 %.
Mit den abwassertechnischen Maßnahmen konnten in den vergangenen Jahren weitere Fortschritte beim Neubau, der Ertüchtigung und Modernisierung der Abwasserbehandlungsanlagen erreicht werden. Damit hat sich auch die Qualität der Abwasserreinigung wesentlich verbessert. Der Anteil der Bevölkerung, dessen Abwässer in kommunalen Kläranlagen nur unzureichend mechanisch gereinigt wird, ist im Jahre 2004 auf 0,2 % gesunken. Dagegen erhöhte sich in dem Zeitraum von 14 Jahren der Einwohneranteil, dessen Abwässer mit Phosphor- bzw. Stickstoffelimination, also mit weitergehender Reinigung behandelt werden, kontinuierlich auf 57 %.



Anschlussgrad der Bevölkerung an kommunale Abwasserbehandlungsanlagen (ABA)

Im Vergleich der neuen Bundesländer (Stand 1990) lag Thüringen auf Grund der schwachen Infrastruktur mit 43 % Anschlussgrad weit unter dem Mittelwert von 55 % der fünf neuen Bundesländer. Gemessen an dem in den alten Bundesländern 2004 erreichten Anschlussgrad der Bevölkerung an zentrale kommunale Kläranlagen von 95 % wird deutlich, dass in Thüringen mit derzeitig 65 % Anschlussgrad zukünftig noch erhebliche Anstrengungen zur weiteren Verbesserung der Infrastruktur erforderlich sind. Auch unter dem Gesichtspunkt der weiteren Gewässerentlastung ist es notwendig, den Anschlussgrad an kommunale Kläranlagen weiter zu erhöhen. Die unzureichende Abwasserbehandlung über eine Vielzahl von desolaten Kleinkläranlagen und Teilortskanalisationen in geschlossenen Siedlungsgebieten stellt eine erhebliche Gewässerbelastung dar.

2.2 Wasserversorgung

Im Bereich der Wasserversorgung wurde die Karte der Träger der öffentlichen Wasserversorgung (letzte Auflage 1997) im Berichtsjahr 2004 von Grund auf überarbeitet. Diese allgemeine Übersicht über die Wasserversorgung in Thüringen kann über die Öffentlichkeitsarbeit der TLUG als Karte oder als interaktive CD-ROM bezogen werden. Eine Veröffentlichung im Internet ist ebenfalls vorgesehen.


3 Hydrogeologie

3.1 Aufgaben der Hydrogeologie im Geologischen Landesdienst

Die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie ist für die Ermittlung und Bewertung der nach Menge und Güte erforderlichen Daten bezüglich des Grundwasserhaushalts sowie aller Angelegenheiten der Hydrogeologie verantwortlich. Sie ist auch zuständig für die Erarbeitung und die Bereitstellung hydrogeologischer Grundlagen für Wasser- und Heilquellenschutzgebiete (§ 104, ThürWG).
Dazu wird ein Grundwassermessnetz betrieben, das die betreffenden Daten zum Grundwasser liefert. Letzteres füllt als unterirdisches Wasser Poren, Klüfte und Karsthohlräume in den Gesteinen zusammenhängend aus und unterliegt ausschließlich der Schwerkraft. Dabei bedingen die vielfältigen geologischen Verhältnisse in Thüringen, dass eine Großzahl von Locker- und Festgesteinen vorhanden sind, die das Grundwasser einerseits weiterleiten (Grundwasserleiter) oder auch stauend wirken (Grundwasserstauer bzw. Grundwassergeringleiter).
Dementsprechend komplex sind die Fragestellungen, welche im Sinne der Fachberaterfunktion des Referats 63, "Hydrogeologie und Grundwasserschutz" zu klären sind. Letztere vollzieht sich in erster Linie gegenüber dem Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt sowie Ämtern, Behörden und der Wirtschaft, betrifft aber ebenso die Zusammenarbeit mit anderen Bundesländern sowie dem Bund, der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie Privatpersonen. Darüber hinaus besteht eine Beteiligung an der Ausarbeitung und Formulierung von Richtlinien und Regelwerken des Bundes, des Freistaates und der EU.

Wesentliche Aufgaben ergeben sich im Rahmen der Landes- und Regionalplanung sowie Lagerstättenwirtschaft unter gleichzeitiger Beachtung des Grundwasser-, Trinkwasser- und Heilquellenschutzes einschließlich der Erschließung von Trinkwasser, Mineral- und Heilwasser. In Form von Gutachten (einschl. Obergutachten bei Streitfällen), Stellungnahmen, Fachberatungen und der Wahrnehmung bestimmter Funktionen werden interessenneutral wichtige Grundlagen für Entscheidungen u.a. der Vollzugsbehörden geliefert. Von Bedeutung ist z. B. die Prüfung der Verträglichkeit von Rohstoffabbau und Trinkwassergewinnung. Aus dieser Sicht sind auch alle Fragestellungen im Zusammenhang mit der Montanhydrogeologie zu betrachten. Neben der Bearbeitung von Aufgabenstellungen im Rahmen der Träger öffentlicher Belange finden wesentliche Umweltprobleme wie z. B. die Salzabwasserversenkung im hessisch-thüringischen Werra-Kaligebiet, die Flutung der Tiefbaue des Wismut-Bergbaus in Ostthüringen oder die Sanierungsvorhaben im Gebiet Rositz sowie des Braunkohlenbergbaus besondere Beachtung.
Aufmerksamkeit gilt dem Grundwasserschutz im allgemeinen sowie dem Schutz der ca. 2500 Trinkwassergewinnungsanlagen und der Heilquellen im besonderen. Bezüglich der Trinkwassergewinnungsanlagen bleibt die Dokumentation des Istzustandes, die Revision und Entflechtung von Schutzgebieten sowie die Bearbeitung von Aufhebungs- und Neufestsetzungsanträgen auch weiterhin ein besonderer Schwerpunkt. Anträge auf staatliche Anerkennung von Heilquellen und Mineralwässern werden gleichfalls bearbeitet und neu ausgewiesene Heilquellenschutzgebiete im Auftrag der oberen Wasserbehörde bewertet. Die im Rahmen eines EU-Förderprojektes unter fachlicher Begleitung des Referats erarbeitete Studie zur Bewertung der Verhältnisse hinsichtlich der Möglichkeit einer praktischen Nutzung geothermaler Wässer hat in diesem Zusammenhang Bedeutung für die balneologische Nutzung tiefer Grundwässer.
Einen anderer Komplex umfasst Beratungsleistungen bezüglich der Gewinnung von Erdwärme aus Erdwärmesonden, bei deren Anlage gleichfalls der Grund- und Trinkwasserschutz zu berücksichtigen ist.
Neben der Nutzung der geologisch relevanten Daten und Karten bildet die Erschließung und Aktualisierung des Kenntnisstandes über die hydrogeologischen Verhältnisse die Grundlage aller Stellungnahmen und Fachberatungen. Erhobene Daten werden im Fachinformationssystem FIS Gewässer als Basis der gesamten Arbeit vorgehalten. Aus diesem Datenpool werden u.a. die thematisch unterschiedlichen Karten im Zusammenhang mit der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie generiert (siehe hydrogeologische Übersichtskarte 1 : 200 000). Darüber hinaus liegen bisher 17 hydrogeologische Karten im Rahmen der Bearbeitung der Erläuterungen zur Geologischen Karte 1 : 25 000 von Thüringen vor.

3.2 Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie

3.2.1 Bestandsaufnahme

Bei der Bestandsaufnahme, die im Dezember 2004 abgeschlossen wurde, war entsprechend Art. 5 der Wasserrahmenrichtlinie eine Analyse der Merkmale der Flussgebietseinheit, eine Überprüfung der Auswirkungen menschlicher Tätigkeiten auf den Zustand der Oberflächengewässer und des Grundwassers sowie eine wirtschaftliche Analyse der Wassernutzung in der Flussgebietseinheit entsprechend den Vorgaben der Anhänge II und III der WRRL durchzuführen.

Wichtigstes Ziel der Bestandsaufnahme ist die Einschätzung der Einhaltung bzw. Gefährdung des guten Gewässerzustands mit den sich daraus ergebenden Konsequenzen für künftige Überwachungsprogramme und Bewirtschaftungspläne in den Flussgebietseinheiten. Als Bewertungseinheit wurden Wasserkörper festgelegt, die in Art. 2 der WRRL getrennt für Oberflächenwasser und Grundwasser definiert werden.

Ein Grundwasserkörper ist ein abgegrenztes Grundwasservolumen innerhalb eines oder mehrerer Grundwasserleiter (Grundwasserleiter: eine unter der Oberfläche liegende Schicht oder Schichten von Felsen oder anderen geologischen Formationen mit hinreichender Porosität und Permeabilität, so dass entweder ein nennenswerter Grundwasserstrom oder die Entnahme erheblicher Grundwassermengen möglich ist).

Die WRRL gibt eine Gesamtbewirtschaftung der Gewässer in Flussgebietseinheiten vor, so dass es erforderlich ist, die Grundwasserkörper Teileinzugsgebieten zuzuordnen, die durch die oberirdischen Einzugsgebiete begrenzt werden.

Die Abgrenzung einzelner Grundwasserkörper soll so erfolgen, dass die Grundwasserkörper eine möglichst homogene Einheit darstellen, die eine eindeutige Einschätzung, Beschreibung und Überwachung sowohl des mengenmäßigen als auch des chemischen Zustandes erlauben.



Ergebnisse der Bestandsaufnahme zum Grundwasserzustand
(zum Vergrößern auf die Abbildung klicken)

3.2.2 Hydrogeologische Übersichtskarte 1: 200 000

Für einen bundesweiten Überblick der hydrogeologischen Strukturen des obersten Grundwasserleiters erarbeiteten die Staatlichen Geologischen Dienste der Länder unter der Koordination der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) eine bundesweit flächendeckende hydrogeologische Übersichtskarte von Deutschland im Maßstab 1 : 200 000 (HÜK 200), die als Grundlage für eine erste Beschreibung des Ist-Zustandes dient.

Die HÜK 200-Karten von Thüringen können über die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe sowie die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie bezogen werden.
Eine Inselkarte von Thüringen kann über die TLUG bezogen werden.

Die folgenden Abbildungen zeigen verschiedene hydrogeologische Themen (bzw. Ausschnitte) aus der CD "Geologie und Hydrogeologie im Überblick":

Geochemischer Gesteinstyp des Oberen Grundwasserleiters
(zum Vergrößern auf die Abbildung klicken)

Diese Karte beinhaltet Informationen zum Geochemischen Gesteinstyp des oberen Grundwasserleiters sowie dem Vorhandensein bindiger Deckschichten im Hangenden des oberen Grundwasserleiters. Die Vergabe des Attributes "Geochemischer Gesteinstyp" richtet sich nach den überwiegenden Anteilen der in den Legendeneinheiten der GÜK 200 angegebenen Gesteine.

Art der Grundwasserführung
(zum Vergrößern auf die Abbildung klicken)

In dieser Karte sind Informationen zur Art der Grundwasserführung des oberen Grundwasserleiters sowie dem Vorhandensein von bindigen Deckschichten im Hangenden des oberen Grundwasserleiters dargestellt. Die Informationen zur Art des Hohlraums sind in den drei Klassen "Poren", "Kluft" und "Karst" dargestellt. Zusätzlich wurden die beiden Kombinationsklassen "Kluft/Poren" (z.B. für geklüftete Sandsteine mit ausgeprägter, nutzbarer Porosität, sog. "Doppelporosität") bzw. "Kluft/Karst" (z.B. für gips- bzw. anhydrithaltige Sedimente) vergeben.

Mittlere Durchlässigkeit kf [m/s] des oberen Grundwasserleiters
(zum Vergrößern auf die Abbildung klicken)

Diese Karte beinhaltet Informationen zur Durchlässigkeit des oberen Grundwasserleiters (kf-Wert) sowie dem Vorhandensein von bindigen Deckschichten im Hangenden des oberen Grundwasserleiters. Die Angaben beziehen sich im Lockergesteinsbereich auf die Gesteins-, im Festgesteinsbereich auf die Gebirgsdurchlässigkeit. Bei Gesteinen mit deutlich erhöhten Durchlässigkeiten in der Auflockerungszone (z.B. Granite, Porphyre) beziehen sich die Angaben sowohl auf diese Bereiche, als auch auf das unverwitterte Gestein. Hierdurch wird dem Aspekt des vorsorgenden Schutzes des oberen Grundwasserleiters sowie der in diesen Bereichen oft vorhandenen Nutzung durch Wasserwerke oder andere Nutzer Rechnung getragen.

3.3 Montanhydrogeologie

3.3.1 Einführung

Die Montanhydrogeologie kann als das Gebiet der Hydrogeologie betrachtet werden, das hydrogeologische Erkenntnisse und Methoden im Bereich vorhandener bzw. ehemaliger bergbaulicher Objekte anwendet. Sie umfasst Fragestellungen, die sich im Zusammenhang mit der Aufsuchung von Lagerstätten, ihrem Abbau, insbesondere aber der Verwahrung/Sanierung von Tiefbauobjekten einschließlich ihrer Schächte ergeben. Der Problemkreis umfasst gleichfalls die untertägige Deponie bzw. Speicherung fester, flüssiger und gasförmiger Stoffe. Tiefbohrungen, die dem Aufschluss bzw. der Gewinnung gasförmiger und flüssiger Stoffe, wie z. B. von Erdgas, Kohlensäure oder Salzsolen, oder auch der Gaseinspeicherung und Salzabwasserversenkung dienen bzw. dienten, finden ebenfalls Berücksichtigung.
Schwerpunkte in Thüringen, bezüglich derer der Sachverstand der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie gefragt ist, sind zum Beispiel:

3.3.2
Die Versenkung von Salzabwasser der K+S KALI GmbH der K+S Gruppe, Werk Werra im Werra-Kaligebiet

Einen wichtigen Geschäftsbereich der K+S Gruppe umfassen Kali- und Magnesiumprodukte. Das Werk Werra der K + S KALI GmbH mit den Standorten Wintershall/Heringen und Hattorf/Phillipsthal in Hessen sowie Unterbreizbach in Thüringen produziert in ihren Gruben und Anlagen Produkte, die vielfältig Verwendung finden.
Die bei der Aufbereitung der Rohsalze anfallenden Salzabwässer werden in großem Umfang seit 1925 bzw. 1929 sowohl in den Plattendolomit des Zechsteins als hochkonzentrierte Salzsolen versenkt als auch in die Ulster und Werra weit unterhalb von Bad Salzungen eingeleitet.



Schema der Reststoffentsorgung im Werra-Kaligebiet; Standorte Wintershall und Hattorf/Werk Werra (Aufhaldung, Laugenstapelung und Einleitung in die Werra, Versenkung)
(zum Vergrößern auf die Abbildung klicken)

Der Plattendolomit enthält bereits geogen bedingt geringer konzentriertes Salzwasser (sog. Formationswasser) und ist durch sogenannte hydraulische Barrieren (Grundwasserstauer; im Bild schwarz dargestellt) einerseits von den zur Trinkwassergewinnung genutzten Grundwasserleitern des Buntsandsteins und andererseits gegenüber den tiefer lagernden Salzlagern weitestgehend isoliert.



Schematisierter geologischer Schnitt durch das Gebiet der Standorte Hattorf und Wintershall/Werk Werra mit dem Plattendolomit als Speicherhorizont für Salzabwasser
(zum Vergrößern auf die Abbildung klicken)

In der Folge hoher Versenkmengen und auch Einleitungen bis zum Ende der 60er Jahre erreichte der Chlorid-Transport der Werra mit größerer zeitlicher Verzögerungen Ende der 70er bis Mitte der 80er Jahre ein Maximum. Sogenannte diffuse Salzwassereinträge insbesondere in die Werra-Aue bei Dankmarshausen, bei denen es sich um den gegenüber der Versenkung verzögerten Aufstieg von Mischwässern (Formationswasser und Salzabwasser) in die Aue und den Übertritt in die Werra handelt, trugen bzw. tragen zu dieser Entwicklung bei.



Diagramm: Versenkmengen von Salzabwasser im hessisch-thüringischen Werra-Kaligebiet seit 1928
(zum Vergrößern auf die Abbildung klicken)


Diagramm: Übersicht zum Chlorid-Transport in der Werra am Pegel Gerstungen
(zum Vergrößern auf die Abbildung klicken)

Die Zielsetzung bei der Entwicklung der Gewässergüte ist bei optimaler Nutzung des unterirdischen Speichervolumens im Plattendolomit die Verringerung und Vergleichmäßigung der Salzbelastung besonders in Hinsicht auf tolerierbare Verhältnisse für Süßwasserorganismen (Verlängerung der "unbeeinträchtigten" Flussstrecke) und der Trink- und Brauchwassergewinnung im Weser-Gebiet.

Nach Umstellung der Aufbereitungstechnologie 1981 und der damit verbundenen Veränderung der Salzabwasserzusammensetzung sowie der in Abhängigkeit von den Abflussverhältnissen gesteuerten Einleitung von Salzabwasser war es nach Erprobung der sogenannten Salzlaststeuerung 1998 möglich geworden, eine wichtige Etappe der Zielstellung zu erreichen: Vergleichmäßigung der Salzbelastung der Werra auf niedrigerem Niveau bei entsprechend dem Stand der Technik optimalen Grenzwerten am Werra-Pegel Gerstungen (Chlorid-Gehalt: 2500 mg/l, Gesamthärte: 90°dH).

Obgleich die Magnesium- und Kalium-Gehalte im Salzabwasser entsprechend der Aufbereitungstechnologie relativ angestiegen sind, wird die bereits vor dem Zusammenfluss mit der Fulda eingetretene Verbesserung der Gewässergüte deutlich.

Wie folgende Tabelle dokumentiert, sind nach etwa 1985 bei rückläufigen Versenkmengen erhebliche Reduzierungen der diffusen Einträge und des Chlorid-Transports in der Werra bei Gerstungen zu verzeichnen.

Jahr Diffuse Einträge,
Chlorid-Transport (kg/s)
Werra-Pegel Gerstungen,
Chlorid-Transport (kg/s)
Konzentration (mg/l)
1980 29,74 297,7 7537
1985 28,59 283,0 11012
1990 17,05 241,6 9366
1995 14,00 102,1 2666
2000 17,50 62,6 2032
2001 17,00 68,7 2082
2002 18,90 81,0 1902
2003 17,10 54,5 2153
2004 15,60 51,9 2079

Tab.:
Überblick zur Verringerung der sogenannten diffusen Einträge von Formations- und Salzabwasser in die Werra oberhalb vom Pegel Gerstungen


In die Salzlaststeuerung einbezogen sind neben dem hessisch-thüringischen Speicherareal mit einer Fläche von insgesamt ca. 500 km² die viel kleineren Gebiete der Gerstunger und Horschlitter Mulde, innerhalb derer eine temporäre Einspeicherung von Salzabwasser vorgesehen ist. Die TLUG wird durch Referat 63 im Thüringischen Versenkausschuss für Salzabwasser vertreten. Dieser arbeitet seit 1992 im entsprechenden hessisch-thüringischen Koordinierungsausschuss mit und nimmt auf den o. g. Problemkreis ständig Einfluss. Seine Entscheidungen sind maßgeblich für den Vollzug hoheitlicher Aufgaben.

Die Sanierung der Bergbauerblast Wismut in Ostthüringen

Aktuelle Zahlen, Daten und Fakten zur Wismut Sanierung können auf der Homepage der Wismut GmbH www.wismut.de abgerufen werden. Eine Zusammenfassende Übersicht bietet der dort online verfügbare Umweltbericht.

3.3.3 Aufgaben der Hydrogeologie bei der Wismut Sanierung

Mit der Einstellung des Uranerzbergbaus in Ostthüringen begann die Sanierung der ehemaligen Gruben- und Erzaufbereitungsanlagen. Die komplexen Fragen bei der Flutung der Bergwerke und die komplizierten geologischen Standortbedingungen machen eine enge Zusammenarbeit des Bergbausanierungsbetriebes Wismut mit der TLUG notwendig. Auf fachlicher Ebene erfolgen Diskussionen zu den Ergebnissen der hydrodynamischen und hydrochemischen Flutungsüberwachung. Die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie berät den Sanierungsbetrieb bei der Optimierung und Konfiguration des Grundwassermessnetzes, den Messprogrammen und dem Parameterumfang, um diese den flutungsdynamischen Prozessen nach dem Stand der Technik anzupassen. Die aus dem Monitoring gewonnenen Ergebnisse werden nach einem Qualitätssicherungsschema erhoben, geprüft und in einer Datenbank abgelegt. Die Daten werden monatlich den Behörden digital zur Verfügung gestellt, um den aktuellen Erkenntnisstand aus der Bergwerksflutung wasserwirtschaftlich bewerten zu können. Darüber hinaus werden fachtechnischen Stellungnahmen zu allen hydrogeologisch relevanten Fragestellungen der Wismut-Sanierung erstellt.



Karte der Beeinflussung von Grundwasserkörpern durch Wismutstandorte.
Bewertung der Einflüsse auf das Grundwasser im Hinblick auf
Menge und Beschaffenheit.
(zum Vergrößern auf die Abbildung klicken)


Sanierung der Industriellen Absetzanlagen Culmitzsch (links) und Trünzig (rechts)
(zum Vergrößern auf die Abbildung klicken)

3.4 Wasser- und Heilquellenschutzgebiete

Gemäß § 104 Abs. 1 Thüringer Wassergesetz (ThürWG) ist die TLUG neben den allgemeinen Angelegenheiten der Hydrogeologie auch zuständig für die Erarbeitung und die Bereitstellung hydrogeologisch-bodenkundlicher Grundlagen für Wasser- und Heilquellenschutzgebiete.

Hierzu gehören u. a. fachliche Stellungnahmen gegenüber der oberen Wasserbehörde im Thüringer Landesverwaltungsamt zu Festsetzungsverfahren von Wasser- und Heilquellenschutzgebieten sowie deren Änderung im Schutzzonenverlauf oder komplette Aufhebung. Die obere Wasserbehörde ist gem. § 105 Abs. 2, Ziff. 1 ThürWG zuständig für die Festsetzung, Aufhebung und Änderung von Wasser- und Heilquellenschutzgebieten.
Unter der Kurzbezeichnung AquaDiKTh, die für Wasserwirtschaftliches Digitales Kartenwerk Thüringen steht, übergibt die obere Wasserbehörde beim Thüringer Landesverwaltungsamt digitale Daten zu Wasserschutzgebieten an die Behörden der Thüringer Wasserwirtschaftsverwaltung.
Nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die Wasserschutzgebiete in den Bundesländern (Quelle: ThLvA, 11/2004).

Bundesland Landes-
fläche
km²
Anzahl Fläche
km²
Anteil an der
Landesfläche
%
Erhebungs-
jahr
(1) (2) (7) (8) (9) (10)
Baden-Württemberg 35.752 2.5231) 8.634 24,2 2003
Bayern 70.549 ~ 3.500 ~ 2.800 3,9 2004
Berlin 892 14 234 26,3 2004
Brandenburg 29.477 738 ~ 1.800 6,1 2004
Bremen 404 42) 29 7,1 2004
Hamburg 755 5 94 12,5 2004
Hessen 21.115 1.7433) 5.943 28,1 2004
Mecklenburg-Vorpommern 23.173 7944) ~ 3.900 16,8 2003
Niedersachsen 47.618 3695) 4.442 9,3 2004
Nordrhein-Westfalen 34.083 4036) 3.940 11,6 2004
Rheinland-Pfalz 19.847 1.254 2.058 10,4 2004
Saarland 2.569 547) 406 15,8 2004
Sachsen 18.413 740 1.547 8,4 2003
Sachsen-Anhalt 20.445 255 1.768 8,7 2004
Schleswig-Holstein 15.763 308) 441 2,8 2004
Thüringen 16.172 1.92410) ~ 3.720 ~ 23 2004
Summe* 357.027 ~ 14.400 ~ 41.800 11,7 2003/04

* einschl. Rundungsfehlern; 1) BW - Ziel: 2876 mit 11.169 km² entspr. 31,2%; 2) HB - ein 5. WG ist im Verfahren; 3) HE - 382 weitere WG stehen im Verfahren entspr. insg. 30 % der Landesfläche; 4) M-V - im Zuge der Überprüfung und Neufestsetzung wird die Zahl weiter zurückgehen; langfristig sollen 500 erhalten bleiben; 5) NS - weitere 94 WG mit 1160 km² stehen im Verfahren; 6) NRW - weitere 424 WG mit 1967 km² entspr. 5,8 % geplant; 7) SL - drei weitere im Verfahren, geplant weitere 40 entspr. insgesamt 28% der Landesfläche; 8) S-H - 4 weitere WS stehen im Verfahren; 9) TH - die Zahl bezieht sich auf die Wasserfassungen, die Gesamtsumme (letzte Zeile) ist deshalb nur abgerundet angegeben; 10) TH - jeweils etwa 250 stehen zur Aufhebung bzw. zur Neufestsetzung an



3.5 Grundwasserüberwachung

3.5.1 Einführung

Grundwasser ist als Ressource für unser wichtigstes Lebensmittel Trinkwasser wassergesetzlich unter besonderen Schutz gestellt. Die Schutzstandards für das Grundwasser haben vorsorgenden Charakter.
Die Komponenten des Wasserkreislaufes Niederschlag - Boden - Grundwasser erfordern eine ganzheitliche Betrachtung.
Die Beobachtung von Quellschüttung, Grundwasserstand und -beschaffenheit bildet ein wesentliches staatliches Instrument zum nachhaltigen Schutz des Grundwassers sowie seiner schonenden umweltgerechten Bewirtschaftung. Sie ist eine wesentliche Grundlage zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL).
Nach Aufbau und Struktur ist das Landesgrundwassermessnetz an den natürlichen Gegebenheiten Thüringens und den wichtigsten Emissionseinflüssen orientiert.

Die Aufgaben des Landesgrundwasserdienstes umfassen:

  • Ermittlung und Bereitstellung hydrologischer, wasserhaushaltlicher und hydrochemischer Daten für Bewirtschaftungspläne, Modellierungen und Gutachten für alle Bereiche der Landesverwaltung und andere Nutzer
  • Erkennen von hydraulischen Wechselbeziehungen zwischen Grundwasser und oberirdischen Gewässern, Abgrenzung von Einzugsgebieten und Strömungsfeldern (z. B. für Wasserschutzgebiete)
  • Frühwarnsystem zum Nachweis anthropogener Einflüsse auf das Grundwasser sowie großräumiger bzw. mehrjähriger Veränderungen der Abflussverhältnisse und damit frühzeitiges Erkennen von Trends (z. B. infolge von Flächennutzungen, Trink- oder Brauchwasserentnahmen o. a.)
  • Berichtswesen: Daten für den nationalen und internationalen Datenaustausch (ab 1998 besteht Meldepflicht an die Europäische Umweltagentur Kopenhagen), Auskünfte, Fachberichte, Informationsmaterial in Form von CDs, thematischen Karten, Faltblättern für die Öffentlichkeit
Quantitative Überwachung des Grundwassers Qualitative Überwachung des Grundwassers
Messnetz Grundwasserstand und Quellschüttung Messnetze Grundwasserbeschaffenheit
  Grundnetz Grundwasserbeschaffenheit
Sondermessnetz Braunkohle
Sondermessnetz Rositz
Sondermessnetz Monitoring Kalihalden Südharz
Sondermessnetz Salzabwasserversenkung Kali Werra

Tab.:
Übersicht der Messnetze zur Überwachung des Grundwassers


3.5.2 Quantitative Überwachung des Grundwassers

Mit der quantitativen Überwachung des Grundwassers wird die Entwicklung der Grundwasserstände und Quellschüttungen im Hinblick auf kurzfristige und mehrjährige Trends und Schwankungen repräsentativ erfasst. Aktuell werden im Grundmessnetz Grundwasserstände und Quellschüttungen 710 Messstellen beobachtet (533 Grundwasserbeobachtungsrohre, 77 Brunnen, 43 Schachtbrunnen, 50 Quellen und 7 Hilfspegel).

Tabelle Messnetz Grundwasserstand & Quellschüttung

Dabei sind bei 105 Messstellen moderne automatische Messvorrichtungen (Datalogger) installiert. Ein steigender Anteil dieser modernen Ausrüstung der Messstellen ist vorgesehen. Mit diesen Messvorrichtungen ist eine wesentlich dichtere Messfolge möglich, die Ergebnisse sind gegenüber der bisherigen traditionellen Messung von Hand präziser.
Alle Messergebnisse des Landesmessnetzes werden in der TLUG digital in der neuen Datenbank FIS Gewässer vorgehalten und stehen den Umweltbehörden in Thüringen zur Verfügung.
Bezüglich des Mess- und Beobachtungsaufwandes ist bei diesem Messnetz zu berücksichtigen, dass teilweise Grundwasserspiegellagen von mehr als 60 m Tiefe unter Gelände und Druckwerte von ca. 10 Bar bei artesischen Grundwässern sowie Quellschüttungen von 0,1 bis 1.000 l/s beobachtet werden müssen.



Diagramm: Grundwasserstände der Messstelle Kaltenwestheim
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Das Auslesen von Dataloggern erfolgt vor Ort
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3.5.3 Qualitative Überwachung des Grundwassers

Die qualitative Beobachtung des Grundwassers erfolgt in Thüringen repräsentativ mit Hilfe des Grundmessnetzes Grundwasserbeschaffenheit durch die TLUG Jena.
Das Grundnetz (Basis- und Trendmessnetz) berücksichtigt die hydrogeologischen Bedingungen in Thüringen und enthält Messstellen, die nicht oder in nur geringem Maße anthropogen belastet sind. Es umfasst im Jahr 2006 185 Messstellen (125 Grundwasserbeobachtungsrohre, 13 Brunnen, 46 Quellen und 1 Sickerfassung). Alle Messstellen sind auch im Grundmessnetz Grundwasserstand/Quellschüttung enthalten.

Tabelle Grundnetz Grundwasserbeschaffenheit

Mit der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie wurde ab dem Jahr 2005 die Anzahl der Messstellen für das Grundnetz Grundwasserbeschaffenheit auf 142 und schließlich im Jahr 2006 auf 185 erhöht, so dass die Grundwasserkörper Thüringens im Messnetz besser als bisher repräsentiert sind und neu errichtete GWBR in das Messnetz integriert werden konnten.



Diagramm: Messstelle Heiligenstadt (Eichsfeldkreis) mit Ganglinien ausgewählter chemischer Inhaltsstoffe
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Messfahrzeug bei Probenahme
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3.5.4 Sondermessnetze

Diese Messnetze dienen vorrangig zur Beobachtung der Einflüsse von bestimmten Stoffeinträgen (Belastungsmessnetze) und dem rechtzeitigen Erkennen von möglichen Schadstoffquellen, von denen eine Gefährdung des Grundwassers ausgehen kann. Die Messstellen sind teilweise im Messnetz Grundwasserstand/Quellschüttung enthalten und werden damit kontinuierlich beobachtet, teilweise erfolgt auch nur eine Messung zum Zeitpunkt der Probennahme.

Sondermessnetz Braunkohle
Mit diesem Sondermessnetz werden die langfristigen Auswirkungen des ehemaligen Braunkohlenbergbaus in Ostthüringen (Kreis Altenburger Land) sowohl auf die Entwicklung der Grundwasserstände der vom Grundwasseranstieg (Flutung ehemaliger Tagebaue) betroffenen Grundwasserleiter als auch die Veränderungen der Grundwasserbeschaffenheit erfasst.
Nach einer dreijährigen Pilotphase 2002 bis 2004 werden die Untersuchungen ab 2005 planmäßig fortgesetzt.

Sondermessnetz Monitoring Kalihalden Südharz
Dieses Sondermessnetz dient zur Überwachung des Stoffaustrages in Grund- und Oberflächenwasser durch die Halden des Kalibergbaus in Nordthüringen (Kali-Südharzrevier).
Die nach Einstellung des Kalibergbaus im Südharz-Revier an 5 Haldenstandorten (Bleicherode, Sollstedt, Sondershausen, Menteroda, Roßleben) Anfang der 90-er Jahre begonnene Abdeckung der Kalirückstandshalden stellt eine wirksame technische Maßnahme zum Schutz des Grund- und Oberflächenwassers dar. Die Haldenabdeckung erfolgt durch einen 3-Schichten-Aufbau (kapillarbrechende, konturgebende und Kulturschicht). Je nach Funktion der Schicht können die in der Kalihaldenrichtlinie vorgegebenen Stoffe und Abfälle eingesetzt werden. Ziel der Abdeckungsmaßnahmen ist eine deutliche Reduzierung des Salzaustrages in das Grundwasser sowie die Oberflächengewässer.
Die Beobachtung der langfristigen und großräumigen Auswirkungen der Halden erfordert ein Messprogramm sowohl für die Haldensickerwässer als auch für das Grundwasser.



Blick auf die Kalihalde Bleicherode
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