|
Wasserwirtschaft Inhalt
1 Oberirdische Gewässer Mit Veröffentlichung am 22. Dezember 2000 ist die Richtlinie 2000/60/EG, die sogenannte "Wasserrahmenrichtlinie" (WRRL) in Kraft getreten. Ein wesentliches Ziel dieser Richtlinie ist die Schaffung eines einheitlichen europäischen Ordnungsrahmens für die Wasserwirtschaft. Eine zentrale inhaltliche Forderung ist dabei die Erreichung des "guten ökologischen Zustandes" für alle Gewässer bis 2015, unabhängig davon, ob es sich um Grundwasser oder oberirdische Gewässer handelt. Eine Reihe von Aufgaben im Berichtsjahr ist daher im Kontext mit der Umsetzung dieser Richtlinie zu sehen. Durch das Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt (TMLNU) wurde der Bericht zur Bestandsaufnahme 2004 für Thüringen vorgelegt. Eine wesentliche Aufgabe der TLUG ist die Ermittlung wasserwirtschaftlicher Grundlagen sowie die Ermittlung und Bewertung der nach Menge und Güte erforderlichen Daten für die Ordnung des Wasserhaushalts. Neben den grundsätzlich durch die TLUG zu leistenden Arbeiten wurde als Ergänzung eine Kooperation mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena zum Aufbau eines wasserwirtschaftlichen Modellierungskonzeptes initiiert. Ziel dieser Kooperation ist der Aufbau eines Modellsystems, das es ermöglicht, zukünftig spezielle Aufgaben mit Hilfe modernster Modellierungssoftware effizient zu bearbeiten. 1.1 Flüsse und BächeDie Thüringer Fließgewässer lassen sich drei Stromgebieten zuordnen. Der größte Teil, ca. 60 % der Landesfläche, ist dem Einzugsgebiet der Elbe zuzurechnen. Der westliche Bereich mit Werra und Leine ist Bestandteil des Stromgebietes der Weser und in Südthüringen entwässern eine Reihe kleinerer Fließgewässer in das Maineinzugsgebiet und gehören somit zum Stromgebiet des Rheins. Für die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie ist allerdings nur ein Teil des Thüringer Gewässernetzes zu berücksichtigen. Als Untergrenze wurden Einzugsgebiete mit einer Größe von weniger als 10 km² festgelegt. Das hat zur Folge, dass für die Bestandsaufnahme nur etwa 5.500 km des Thüringer Gewässernetzes betrachtet werden. Diese 5.500 km wurden zunächst insgesamt 160 oberirdischen Wasserkörpern zugeordnet. Davon waren 146 Fließgewässerwasserkörper und 14 Standgewässer (mit einer Wasserfläche von mehr als 50 ha). 100 dieser Fließgewässerwasserkörper lagen vollständig in Thüringen, die übrigen sind grenzüberschreitend und wurden in Absprache mit dem jeweiligen Nachbarland bearbeitet. Durch Überarbeitung blieben im Jahr 2005 schließlich 150 Wasserkörper übrig, davon waren weiterhin 14 Standgewässer. Die Änderungen bezogen sich insbesondere auf die grenzüberschreitenden Wasserkörper. Die Basis für die wasserwirtschaftliche Praxis sind die grundlegenden Kenntnisse der Wasserstände und der daraus ermittelten Durchflüsse, die Ermittlung der Gewässerstruktur sowie der Gewässergüte. 1.1.1 Abflussgeschehen
Auswertung repräsentativer Pegel Zur Charakterisierung des Abflussgeschehens im Berichtsjahr werden für 18 ausgewählte Pegel aus sechs Flussgebieten die Hauptwerte des Durchflusses 2005 den analogen mehrjährigen Beobachtungswerten gegenübergestellt: Durchflüsse ausgewählter Pegel im Kalenderjahr 2005 (PDF 92 KB)Der für das Jahr 2005 berechnete Jahresmittelwert des Durchflusses (MQ) für die in der Tabelle genannten Pegel lag bei 91 % des mehrjährigen MQ-Wertes. Die höchsten mittleren Jahresabflüsse zeigten sich im Bereich des mehrjährigen MQ-Wertes an den Pegeln der Saale, Weiße Elster und Pleiße. An allen anderen Pegeln sind Werte unter den mehrjährigen MQ-Werten zu verzeichnen. Die niedrigsten Durchflüsse zeigten sich mit 75 % der mehrjährigen Werte an den Pegeln Erfurt-Möbisburg/Gera und Kaulsdorf-Eichicht/Loquitz. Obwohl mit dem erreichten Durchschnittswert von 91 % die Durchflusswerte an den Pegeln dem durchschnittlichen mehrjährigen Wert fast entsprechen, resultiert dieser Wert doch hauptsächlich aus der hohen Wasserführung im 1. Quartal, während im weiteren Jahresverlauf überwiegend zu geringe Durchflüsse registriert wurden. Im Januar kam es ausgehend von den geringen Abflüssen zum Jahresende 2004 infolge von Tauwetter und häufig auftretenden Regenfällen zu einem Ansteigen der Pegel bis in den Hochwasserbereich. Nach einer kurzen Beruhigung stiegen die Durchflüsse im Februar erneut an und erreichten überwiegend den Hochwasserbereich. Die Monats-MQ-Werte lagen wiederholt weit über den mehrjährigen MQ-Werten. Eine Frostperiode mit Schnee führte zu sinkenden Wasserständen mit vereinzelten Eisbildungen. Doch zur Monatsmitte März kam es nach Tauwetter zu einem erneuten Anstieg der Durchflüsse, wobei wiederum an einigen Pegeln Hochwassermeldegrenzen erreicht wurden. Die Monats-MQ-Werte lagen nochmals über den mehrjährigen Werten. In den folgenden Monaten gingen die Abflüsse zurück. Nach Niederschlägen gab es nur kurzzeitige und regional unterschiedlich stark ausgeprägte Abflusserhöhungen. Die Monats-MQ-Werte bewegten sich bis zum Monat August deutlich unter den mehrjährigen MQ-Werten. Besonders niedrige Werte wurden an allen Pegeln im Juni registriert: Der Durchschnittswert lag für diesen Monat bei 51 % der mehrjährigen MQ-Werte. Von Mai bis Juli konnten am Pegel Kaulsdorf-Eichicht/Loquitz die niedrigsten Monatswerte beobachtet werden. Obwohl im Juli überdurchschnittliche Niederschläge fielen, blieb der Monats-MQ-Wert mit 58 % aufgrund des bestehenden Defizits weit unter dem mehrjährigen Wert. Erst im August, der gebietsweise zu nass und auch zu kalt ausfiel, reichten die Durchflüsse an den Pegeln mit 90 % an den mehrjährigen Mittelwert heran. Die leicht steigende Tendenz der Abflüsse setzte sich im September fort und es wurden 97 % der mehrjährigen MQ-Werte erreicht. Ab Oktober bis zum Jahresende ging die Wasserführung in den Fließgewässern - abgesehen von den Erhöhungen in den beeinflussten Gewässern Saale (Absenkung TS Bleiloch), Unstrut (Ablassen aus dem HRB Straußfurt) - wieder deutlich zurück. Im November wurden an allen Pegeln die niedrigsten MQ-Werte im Vergleich zu mehrjährigen Mitteln an allen Pegeln beobachtet. Der Durchschnittswert aller Pegel lag bei nur 42 % zum mehrjährigen Wert! Im Dezember stiegen die Durchflüsse an den Pegeln zwar leicht an - besonders im Gebiet der Pleiße - jedoch blieben alle Werte unter den mehrjährigen Werten. Vom September bis November traten die niedrigsten Monats-MQ-Werte wiederholt am Pegel Kaulsdorf-Eichicht/Loquitz auf, im August und Dezember am Pegel Erfurt-Möbisburg/Gera. Beim Vergleich der höchsten Abflüsse der Jahresganglinien in den folgenden Abbildungen mit den HQ-Werten des Kalenderjahres 2005 (Tabelle Durchflüsse ausgewählter Pegel) ist zu beachten, dass in den Ganglinien Tagesmittelwerte dargestellt sind, während die HQ-Werte als Terminwerte angegeben werden und damit über den abgebildeten Werten liegen. Pegel Gera-Langenberg/Weiße Elster (PDF 27 KB)Pegel Camburg/Saale (PDF 31 KB) Pegel Oldisleben/Unstrut (PDF 29 KB) Pegel Gerstungen/Werra (PDF 27 KB) Hochwassergeschehen Hochwassersituationen traten 2005 besonders in den Monaten des ersten Quartals auf. Tauwetter und häufige Niederschläge erhöhten im Januar die Wasserführung. Zusätzliche Starkniederschläge zu Beginn der dritten Monatsdekade führten an allen Thüringer Pegeln zu einem schnellen starken Anstieg der Wasserstände bis in den Hochwasserbereich mit Scheitelwerten am 21. Januar. Besonders im Gebiet der Werra und Unstrut überschritten Pegel die Richtwasserstände für den Meldebeginn: Im Gebiet der Werra reichten bei drei der neun betroffenen Hochwassermeldepegel (HwMP) die Wasserstände bis in den Bereich der Alarmstufe (A) 1 (Pegel Eisfeld/Werra, Meiningen/Werra, Unterbreizbach/Ulster). Der Scheitelwert am Pegel Ebenhards/Werra lag an der Grenze zur A 3 (HQ10). Besonders betroffen war das Gebiet der Herpf. Der am Pegel Walldorf/Herpf ermittelte Durchfluss entspricht etwa einem HQ20. Weitere hohe Scheitelwerte wurden an den Pegeln Almerswind/Itz und Milz/Spring (jeweils HQ10) sowie an den Oberläufen von Felda und Ulster (jeweils HQ5) registriert. Im Gebiet der Unstrut überschritten fünf Pegel den Richtwasserstand für den Meldebeginn. Von diesen Pegeln erreichten Sundhausen/Helme und Hachelbich/Wipper die A 1 und Wipperdorf/Wipper die A 2. Im Gebiet der Saale lag nur der Pegel Blankenstein/Saale im Bereich des Meldebeginns. Sinkende Temperaturen und Niederschläge als Schnee führten zu einer geschlossenen Schneedecke, die Wasserführung ging wieder deutlich zurück. Im Februar führte ein Warmlufteinbruch mit ergiebigem Dauerregen zur raschen Schneeschmelze. Innerhalb kurzer Zeit stiegen die Pegel wiederholt bis in den Hochwasserbereich an. In den Gewässern Saale, Ilm, Weiße Elster, Pleiße und deren Zuflüssen wurden die Scheitelwerte am 12./13. Februar erreicht. An allen Hochwassermeldepegeln in diesen Gebieten wurden Hochwassermeldegrenzen überschritten. Am Pegel Möschlitz/Wisenta reichte der Scheitelwert sogar bis in die A 3, an den Pegeln Blankenstein/Saale, Gera-Langenberg/Weiße Elster und Eisenhammer/Auma bis in die A 2. An den weiteren HwMP bewegten sich die Wasserstände im Bereich des Meldebeginns bzw. dem Richtwert der A 1. Die Wiederkehrwahrscheinlichkeiten entsprachen überwiegend einem HQ2 bis HQ5, nur am Pegel Greiz/Weiße Elster einem HQ10. Die Talsperren waren in die Steuerung des Abflussgeschehens einbezogen und verringerten die Scheitelwerte - z. B. am Pegel Rudolstadt/Saale um 120 cm. Während an den unbeeinflussten Pegeln die Durchflüsse anschließend kontinuierlich zurück gingen, verzögerte sich der Rückgang an den beeinflussten Pegeln im Bereich der Hochwassermeldegrenzen durch gezielte Abgabe der Talsperren. Von den Pegeln im Gebiet der Unstrut und ihren Zuflüssen überschritten sieben Pegel den Richtwasserstand für den Meldebeginn. Am Pegel Gehlberg/Wilde Gera lag der Scheitel im Bereich der A 2. Im Gebiet der Werra wurden an 14 der 16 HwMP Meldegrenzen überschritten. Die Scheitelwerte traten ebenfalls am 12. bzw. 13. Februar auf. An den oberen Pegeln der Werra - in Eisfeld und Ebenhards - lagen die Werte im Bereich der A 3 und sind einem HQ10 bis HQ20 zuzuordnen. An den unterhalb liegenden Pegeln der Werra wurde durch Talsperrenrückhalt und Ausuferungen in die Überschwemmungsgebiete maximal noch die A 2 erreicht (mittlere Werra HQ5 bis HQ2, Frankenroda/Werra HQ2). In den Zuflüssen Schleuse, Hasel und Schmalkalde traten ebenfalls hohe Wasserstände bis in den Bereich der A 2 (HQ10 bis HQ20) auf. Einen Schwerpunkt des Hochwassers bildeten auch die Mainzuflüsse. So wurden an den Pegeln der Itz Durchflüsse beobachtet, die einem HQ20 entsprachen und an der Steinach einem HQ10. Nach einer winterlichen Periode mit Kälte und einer Schneedecke selbst in tieferen Lagen, setzte in der zweiten März-Dekade Tauwetter ein. Nach einem anfänglich allmählichen Ansteigen der Wasserführung verstärkte subtropische Warmluft den Abtauprozess und es kam zu einem starken Ansteigen der Abflüsse. An insgesamt 16 Pegeln lagen die Wasserstände im Hochwasserbereich. Bereits am 16. März wurden Scheitelwerte im Bereich des Meldebeginn an den Pegeln Gößnitz/Pleiße, Großstöbnitz/Sprotte und Erfurt-Möbisburg/Gera erreicht. Am Pegel Eisenhammer/Auma lag der höchste Wert im Bereich der A 1. An den Folgetagen erreichten die Wasserstände an weiteren Pegeln so der Weißen Elster, Ilm, Bere und Zorge den Meldebeginn. Am Saalepegel in Blankenstein sowie an den Pegeln Möschlitz/Wisenta und Kaulsdorf-Eichicht/Loquitz wurde die A 1 überschritten. Die Scheitelwerte an den Pegeln konnten in der Zeit vom 16. bis 20. März registriert werden, überwiegend am 19. März. Da in dem Zeitraum der Schneeschmelze größere Niederschläge ausblieben, kam es zu keiner kritischen Hochwassersituation. Im weiteren Jahresverlauf kam es niederschlagsbedingt zu Abflusserhöhungen, wobei nur vereinzelt Hochwassermeldegrenzen überschritten wurden, so im April am Pegel Teutleben/Hörsel und im Juli am Pegel Eisfeld/Werra. 1.1.2 Extremereignisse
Im Berichtsjahr waren keine Extremereignisse wie außergewöhnliche Hochwasser- bzw. Niedrigwassersituationen zu verzeichnen. 1.1.3 Gewässerstruktur
Nachdem in den vorangegangenen Jahren an insgesamt über 2.000 km Fließgewässer die Gewässerstruktur nach dem LAWA- Übersichtsverfahren durchgeführt wurde, wurden die ermittelten Daten im Berichtsjahr aufbereitet und sind nunmehr verfügbar. Die Ergebnisse sollen in Kürze auch auf der Internetpräsenz der TLUG frei zugänglich gemacht werden. 1.1.4 Fließgewässergüte
Auf der Grundlage der im Rahmen der Messnetze gewonnenen Beschaffenheitsdaten kann der Belastungszustand der Fließgewässer und deren Entwicklung dargestellt werden. Messnetze/Messprogramme Fließgewässer (PDF 171 KB) Messstellenkarte Fließgewässer (PDF 178 KB) Mit Inkrafttreten der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) wird u. a. dem ökologischen Aspekt bei der Zustandsbewertung von Oberflächengewässern mehr Bedeutung als bisher beigemessen. Nach Anlage 3 und 4 der ThürWRRLVO wird ein Oberflächengewässerkörper nach dem guten ökologischen und chemischen Zustand bewertet. In diese Bewertung gehen alle Bereiche der aquatischen Lebensgemeinschaften und eine Vielzahl von chemischen Stoffen ein. Im Rahmenkonzept Monitoring in Thüringer Oberflächengewässern, Stand November 2005 sind Grundsätze und die weitere Verfahrensweise der Gewässerüberwachung nach WRRL beschrieben. Ab dem Jahr 2006 erfolgt die Gewässerüberwachung nach diesem Rahmenkonzept. Rahmenkonzept Monitoring in Thüringer Oberflächengewässer, Stand November 2005 (PDF 69 KB) Gewässerchemie Chemische Klassifizierung ausgewählter Parameter Fließgewässer 2005 Die Chemische Gewässerklassifikation auf der Seite des Umweltbundesamts. Gesamtstickstoff |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Prozentualer Anteil der Güteklassen 1992 und 2005 bei Gesamt-Stickstoff |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Karte Güteklassenverteilung Thüringen (PDF 166 KB) Phosphor |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Prozentualer Anteil der Güteklassen 1992 und 2005 bei Gesamt-Phosphor |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Sulfat |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Prozentualer Anteil der Güteklassen 1992 und 2005 bei Sulfat |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Trichlormethan (Chloroform) |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Prozentualer Anteil der Güteklassen 1993 und 2005 bei Trichlormethan |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Gewässerbiologie Tabelle 1: Güteklassen
Seit 1991 ist eine überaus positive Güteentwicklung erkennbar. Der Anteil der Gewässer mit einer guten bis sehr guten Qualität (Gewässergüteklasse II und besser) lag 2004 bei 70 %, 1991 bei 16 %. Gleichzeitig nahm der Anteil stark bis übermäßig verschmutzter Gewässerabschnitte in der Güteklasse III und schlechter ab und ist 2004 nur noch in 4 % der klassifizierten Gewässer anzutreffen. Die Bewertung in 2004 wird letztmalig nach der o. g. 7 stufigen Klassifizierung durchgeführt. Tabelle 2: Prozentuale Güteklassenverteilung der klassifizierten Fließgewässer Thüringens
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Prozentuale Güteklassenverteilung |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Gütekarte 2004 (PDF 225 KB) Beispiel für naturnahen und verbauten Gewässerabschnitt
1.2 Talsperren
1.2.1 Mengenbewirtschaftung
Die Mengenbewirtschaftung von Talsperren gewährleistet eine planmäßige Speicherbewirtschaftung entsprechend der Funktion der jeweiligen Anlage. Die Versorgungs- und/oder Schutzfunktion der Thüringer Trink- und Brauchwassertalsperren sowie der Hochwasser-Rückhaltebecken wurde im Berichtsjahr erfüllt. Für sechs ausgewählte Trinkwassertalsperren und Brauchwassertalsperren/Hochwasserrückhaltebecken ist in der folgenden Tabelle die Bewirtschaftung im Berichtsjahr dokumentiert. Bewirtschaftung von Talsperren und Hochwasserrückhaltebecken im Berichtsjahr 2005 (PDF 82 KB) Neben den jeweils vorhandenen Stauraumkapazitäten für Betriebsstau und Vollstau werden der Jahresgang des Stauinhaltes ausgewiesen, weiterhin die Jahressummen- und Durchschnittswerte für den Zufluss und die Abgaben der TS/HRB. Der Zufluss zu den großen Speichern (Jahresmittel) bewegte sich 2005 von 76 % bis 116 % der mehrjährigen Mittelwerte, bezogen auf das Einzugsgebiet. Durch Überleitung aus Fremdeinzugsgebieten wurde bei der TS Schmalwasser das Zweifache des natürlichen Zuflusses erreicht. Weitere Talsperren mit Überleitungen sind die Ohratalsperre (~ 7 hm³) und die TS Zeulenroda/TS Weida (~ 0,8 hm³). Trinkwassertalsperren Die Betriebsstauinhalte der großen Trinkwassertalsperren bewegten sich 2005 in folgenden Bereichen:
Für das System der Weidatalsperren und die TS Schönbrunn wird die Bewirtschaftung grafisch dargestellt. System der Weidatalsperren - Bewirtschaftung 2005 (PDF 19 KB) Talsperre Schönbrunn - Bewirtschaftung 2005 (PDF 20 KB) Beim System der Weidatalsperren wurde die zeitlich befristete Reduzierung des Betriebsstauraumes ab Juli aufgehoben und die Steuerung wieder entsprechend des Betriebsplanes aufgenommen. Während der Monate März bis Mai erfolgte aufgrund der Gütesituation bezüglich des Nitratgehaltes eine gesondert vereinbarte Regelung zur Freimachung des Hochwasserrückhalteraumes. An der TS Schönbrunn wurde der höchste Zufluss mit 15,1 m³/s am 13.02.2005 berechnet. Das Wiederkehrintervall ist zwischen fünf und zehn Jahren einzuordnen. Der gewöhnliche HW-Rückhalteraum wurde geringfügig im März und April beansprucht (mit 0,5 hm³). Der Sommerstauraum wurde nicht in Anspruch genommen. Anfang Dezember wurde der geringste Jahres-Füllungsstand bei 16,5 hm³ ermittelt. Die Überleitungssysteme zur Dargebotserhöhung wurden differenziert in Anspruch genommen. Von der Wisenta-Überleitung wurde nur das Sickerwasser des 2,3 km langen Wisentastollens genutzt. Saaletalsperren Die Bewirtschaftung des Saaletalsperrensystems im Berichtsjahr 2005 ist mit Ganglinien für den Stauinhalt, den Zufluss und die Abgabe in der Abbildung dargestellt. Saaletalsperrensystem - Bewirtschaftung 2005 (PDF 20 KB) Im Zuflussgeschehen zu den Saale-Talsperren sind mehrere Hochwasserereignisse in den Monaten Januar, Februar und März zu verzeichnen. Der höchste Tagesmittelwert trat mit 249 m³/s am 14. Februar auf. Der dazugehörige Scheitelwert entspricht einem 10-jährigen Wiederkehrintervall. Während der Hochwasserereignisse betrug der Hochwasserrückhalt im Februar ca. 40 hm³ und im März 78 hm³. Der Rückhalt in den Saaletalsperren bewirkte während des Februar-Hochwassers eine Scheitelreduzierung am Pegel Rudolstadt/Saale von 120 cm. HRB Straußfurt 1.2.2 Gütebewirtschaftung
Nach Abschluss der Bestandsaufnahme für 14 TS-Oberflächenwasserkörper wurde 2005 begonnen die Monitoringprogramme schrittweise den Anforderungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie anzupassen. Messnetze/Messprogramme Standgewässer (PDF 134 KB) In der Talsperre Bleiloch wurde darüber hinaus begonnen, chemische Qualitätskomponenten zur Einstufung des ökologischen Zustands (Anlage 4 der ThürWRRLVO) und des chemischen Zustands (Anlage 5 der ThürWRRLVO) zu überwachen.
Angesichts grundsätzlicher limnologischer Unterschiede zwischen Seen und Talsperren ist eine einfache Übertragung der Methodik von Seen auf Talsperren ausgeschlossen. Deshalb muss für Talsperren als erheblich veränderte Gewässer die Eignung der Methoden erst noch geprüft werden. Als Beitrag zu den methodischen Arbeiten wurden 2005 die Talsperren Heyda, Seebach und Dachwig durch Erfahrungsträger des Instituts für Zoologie der Universität Stuttgart-Hohenheim auf die Biokomponente Makrozoobenthos untersucht. Bei der Untersuchung des Phytoplanktons in den laufenden Untersuchungsprogrammen wurde 2005 versucht, gemäß der Bestimmungsmethodik für natürliche Seen zu verfahren, um entsprechend qualifizierte Daten für die methodische Bearbeitung des Phytoplanktons in Talsperren zu erheben. 1.2.2.1 Beschaffenheitsentwicklung in den Trinkwassertalsperren
Die nächste Abbildung zeigt für ausgewählte Trinkwassertalsperren den Jahresverlauf von Nitrat im Oberflächenbereich des Wasserkörpers. Nitrat ist eine Messgröße, deren Gehalt im Wasser maßgeblich von landwirtschaftlicher Flächennutzung geprägt wird und die abhängig ist von der Witterungssituation. Während in trockenen Jahren die Nitratkonzentrationen in den Gewässern niedriger sind, finden in feuchten abflussreichen Jahren höhere Stoffeinträge aus diffusen Quellen statt, welche sich in höheren Nitratkonzentrationen in den Gewässern zeigen. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Nitrat im Wasserkörper von Trinkwassertalsperren (Jahresverlauf 2005, Monatsmittelwerte der Oberflächenproben Januar bis Dezember) |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
1.2.2.2 Saale-Talsperren
Die nachfolgende Abbildung zeigt den Güteverlauf für ausgewählte Messgrößen im Fließgewässerabschnitt der Saale von Hirschberg bis Harra und der nachfolgenden Talsperren Bleiloch und Hohenwarte. Die Situation des Jahres 2005 kann wie folgt beschrieben werden:
2 Siedlungswasserwirtschaft
Die Siedlungswasserwirtschaft beschäftigt sich mit der Bewirtschaftung des Wassers für den menschlichen Gebrauch. Sie wird grundsätzlich unterteilt in die Bereiche Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung. 2.1 Kommunale Abwasserbeseitigung
Die umweltgerechte kommunale Abwasserentsorgung wird von den zuständigen Abwasserzweckverbänden und Eigenentsorgern wahrgenommen und dient der Verbesserung der Gewässergüteverhältnisse sowie der Gewährleistung von ordnungsgemäßen hygienischen Verhältnissen in Siedlungsräumen. Sie ist eine grundlegende Voraussetzung für die zukunftsorientierte Entwicklung der Städte und Gemeinden im Freistaat Thüringen.
Übersicht der im Jahre 2005 im Freistaat Thüringen fertig gestellten bzw. im Bau befindlichen kommunalen Kläranlagen (PDF 74 KB)
Zum Abschluss des Berichtsjahres 2005 befanden sich im Freistaat Thüringen zehn kommunale Kläranlagen mit einer Gesamtkapazität von 65.700 Einwohnerwerten (EW) in der Baudurchführung. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Die neu errichtete Kläranlage Dorndorf/Steudnitz mit einer Kapazität für 3.500 Einwohnerwerte hat im September 2005 den Betrieb aufgenommen. (Foto noch während der Bauzeit aufgenommen) |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Seit 1990 wurden bisher insgesamt 457 kommunale Abwasserbehandlungsanlagen mit einer Gesamtkapazität von ca. 2.98 Mio. Einwohnerwerten neu errichtet bzw. rekonstruiert. Der Anteil der neuerrichteten bzw. rekonstruierten Ausbaukapazität an der bestehenden Gesamtkapazität Thüringer Kläranlagen liegt 12/2005 bei 97 %.
Tab.: Der Gesamtausbaugröße der kommunalen Kläranlagen lag zum 31.12.2005 bei ca. 3.06 Mio. Einwohnerwerten. Im Berichtszeitraum 2005 wurden insgesamt elf neue Kläranlagen neu errichtet (Kläranlagen Buttelstedt, Dermbach, Unterbreizbach, Eisfeld, Ebeleben, Niederdorla, Langewiesen-Gehren, Holzdorf, Bechstedt-Wagd, Dorndorf/Steudnitz, Deesbach). Die Kläranlagen Mühlhausen, Pößneck und die kleinen Abwasserbehandlungsanlagen im Einzugsgebiet des Talsperrensystems Weida/Zeulenroda wie Zickra, Wenigenauma, Förthen und Silberfeld wurden jeweils am vorhandenen Standort den Anforderungen angepasst. Die folgenden Abwasserbehandlungsanlagen wurden 2005 stillgelegt: der Emscherbrunnen Dermbach, die Teichanlage Langewiesen, die KA Stelzendorf, die Übergangslösungen für das WG "Am Stelzener Berg" in Eisfeld, für Dorndorf/Steudnitz sowie die für das Wohngebiet "Am Bornrasen" in Bechstedt-Wagd. Nach Abschluss des Probebetriebes der neuen Kläranlage Niederdorla wird die bisher genutzte Teichanlage ebenfalls außer Betrieb genommen.
Tab.: Ein Indikator für die Entwicklung der Abwasserentsorgung ist der Anschlussgrad der Bevölkerung an kommunale Kläranlagen. In diesem Bericht wird die Entwicklung im Zeitraum 1990 bis 2004 dargestellt. Die Daten für das Berichtsjahr 2005 stehen ab Mai 2006 zur Verfügung und werden im nächsten Umweltbericht mitgeteilt. Nach Auswertung der Eigenkontrollberichterstattung der Abwasserzweckverbände bzw. Eigenentsorger sind im Jahr 2004 1.530.000 Einwohner an eine kommunale Kläranlage angeschlossen. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt damit bei 65 %. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Anschlussgrad der Bevölkerung an kommunale Abwasserbehandlungsanlagen (ABA) |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Im Vergleich der neuen Bundesländer (Stand 1990) lag Thüringen auf Grund der schwachen Infrastruktur mit 43 % Anschlussgrad weit unter dem Mittelwert von 55 % der fünf neuen Bundesländer. Gemessen an dem in den alten Bundesländern 2004 erreichten Anschlussgrad der Bevölkerung an zentrale kommunale Kläranlagen von 95 % wird deutlich, dass in Thüringen mit derzeitig 65 % Anschlussgrad zukünftig noch erhebliche Anstrengungen zur weiteren Verbesserung der Infrastruktur erforderlich sind. Auch unter dem Gesichtspunkt der weiteren Gewässerentlastung ist es notwendig, den Anschlussgrad an kommunale Kläranlagen weiter zu erhöhen. Die unzureichende Abwasserbehandlung über eine Vielzahl von desolaten Kleinkläranlagen und Teilortskanalisationen in geschlossenen Siedlungsgebieten stellt eine erhebliche Gewässerbelastung dar. 2.2 Wasserversorgung
Im Bereich der Wasserversorgung wurde die Karte der Träger der öffentlichen Wasserversorgung (letzte Auflage 1997) im Berichtsjahr 2004 von Grund auf überarbeitet. Diese allgemeine Übersicht über die Wasserversorgung in Thüringen kann über die Öffentlichkeitsarbeit der TLUG als Karte oder als interaktive CD-ROM bezogen werden. Eine Veröffentlichung im Internet ist ebenfalls vorgesehen. 3 Hydrogeologie
3.1 Aufgaben der Hydrogeologie im Geologischen Landesdienst
Die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie ist für die Ermittlung und Bewertung der nach Menge und Güte erforderlichen Daten bezüglich des Grundwasserhaushalts sowie aller Angelegenheiten der Hydrogeologie verantwortlich. Sie ist auch zuständig für die Erarbeitung und die Bereitstellung hydrogeologischer Grundlagen für Wasser- und Heilquellenschutzgebiete (§ 104, ThürWG). Wesentliche Aufgaben ergeben sich im Rahmen der Landes- und Regionalplanung sowie Lagerstättenwirtschaft unter gleichzeitiger Beachtung des Grundwasser-, Trinkwasser- und Heilquellenschutzes einschließlich der Erschließung von Trinkwasser, Mineral- und Heilwasser. In Form von Gutachten (einschl. Obergutachten bei Streitfällen), Stellungnahmen, Fachberatungen und der Wahrnehmung bestimmter Funktionen werden interessenneutral wichtige Grundlagen für Entscheidungen u.a. der Vollzugsbehörden geliefert. Von Bedeutung ist z. B. die Prüfung der Verträglichkeit von Rohstoffabbau und Trinkwassergewinnung. Aus dieser Sicht sind auch alle Fragestellungen im Zusammenhang mit der Montanhydrogeologie zu betrachten. Neben der Bearbeitung von Aufgabenstellungen im Rahmen der Träger öffentlicher Belange finden wesentliche Umweltprobleme wie z. B. die Salzabwasserversenkung im hessisch-thüringischen Werra-Kaligebiet, die Flutung der Tiefbaue des Wismut-Bergbaus in Ostthüringen oder die Sanierungsvorhaben im Gebiet Rositz sowie des Braunkohlenbergbaus besondere Beachtung. 3.2 Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie
3.2.1 Bestandsaufnahme
Bei der Bestandsaufnahme, die im Dezember 2004 abgeschlossen wurde, war entsprechend Art. 5 der Wasserrahmenrichtlinie eine Analyse der Merkmale der Flussgebietseinheit, eine Überprüfung der Auswirkungen menschlicher Tätigkeiten auf den Zustand der Oberflächengewässer und des Grundwassers sowie eine wirtschaftliche Analyse der Wassernutzung in der Flussgebietseinheit entsprechend den Vorgaben der Anhänge II und III der WRRL durchzuführen. Wichtigstes Ziel der Bestandsaufnahme ist die Einschätzung der Einhaltung bzw. Gefährdung des guten Gewässerzustands mit den sich daraus ergebenden Konsequenzen für künftige Überwachungsprogramme und Bewirtschaftungspläne in den Flussgebietseinheiten. Als Bewertungseinheit wurden Wasserkörper festgelegt, die in Art. 2 der WRRL getrennt für Oberflächenwasser und Grundwasser definiert werden. Ein Grundwasserkörper ist ein abgegrenztes Grundwasservolumen innerhalb eines oder mehrerer Grundwasserleiter (Grundwasserleiter: eine unter der Oberfläche liegende Schicht oder Schichten von Felsen oder anderen geologischen Formationen mit hinreichender Porosität und Permeabilität, so dass entweder ein nennenswerter Grundwasserstrom oder die Entnahme erheblicher Grundwassermengen möglich ist). Die WRRL gibt eine Gesamtbewirtschaftung der Gewässer in Flussgebietseinheiten vor, so dass es erforderlich ist, die Grundwasserkörper Teileinzugsgebieten zuzuordnen, die durch die oberirdischen Einzugsgebiete begrenzt werden. Die Abgrenzung einzelner Grundwasserkörper soll so erfolgen, dass die Grundwasserkörper eine möglichst homogene Einheit darstellen, die eine eindeutige Einschätzung, Beschreibung und Überwachung sowohl des mengenmäßigen als auch des chemischen Zustandes erlauben. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Ergebnisse der Bestandsaufnahme zum Grundwasserzustand (zum Vergrößern auf die Abbildung klicken) |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
3.2.2 Hydrogeologische Übersichtskarte 1: 200 000
Für einen bundesweiten Überblick der hydrogeologischen Strukturen des obersten Grundwasserleiters erarbeiteten die Staatlichen Geologischen Dienste der Länder unter der Koordination der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) eine bundesweit flächendeckende hydrogeologische Übersichtskarte von Deutschland im Maßstab 1 : 200 000 (HÜK 200), die als Grundlage für eine erste Beschreibung des Ist-Zustandes dient. Die HÜK 200-Karten von Thüringen können über die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe sowie die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie bezogen werden. Die folgenden Abbildungen zeigen verschiedene hydrogeologische Themen (bzw. Ausschnitte) aus der CD "Geologie und Hydrogeologie im Überblick":
Diese Karte beinhaltet Informationen zum Geochemischen Gesteinstyp des oberen Grundwasserleiters sowie dem Vorhandensein bindiger Deckschichten im Hangenden des oberen Grundwasserleiters. Die Vergabe des Attributes "Geochemischer Gesteinstyp" richtet sich nach den überwiegenden Anteilen der in den Legendeneinheiten der GÜK 200 angegebenen Gesteine.
In dieser Karte sind Informationen zur Art der Grundwasserführung des oberen Grundwasserleiters sowie dem Vorhandensein von bindigen Deckschichten im Hangenden des oberen Grundwasserleiters dargestellt. Die Informationen zur Art des Hohlraums sind in den drei Klassen "Poren", "Kluft" und "Karst" dargestellt. Zusätzlich wurden die beiden Kombinationsklassen "Kluft/Poren" (z.B. für geklüftete Sandsteine mit ausgeprägter, nutzbarer Porosität, sog. "Doppelporosität") bzw. "Kluft/Karst" (z.B. für gips- bzw. anhydrithaltige Sedimente) vergeben.
Diese Karte beinhaltet Informationen zur Durchlässigkeit des oberen Grundwasserleiters (kf-Wert) sowie dem Vorhandensein von bindigen Deckschichten im Hangenden des oberen Grundwasserleiters. Die Angaben beziehen sich im Lockergesteinsbereich auf die Gesteins-, im Festgesteinsbereich auf die Gebirgsdurchlässigkeit. Bei Gesteinen mit deutlich erhöhten Durchlässigkeiten in der Auflockerungszone (z.B. Granite, Porphyre) beziehen sich die Angaben sowohl auf diese Bereiche, als auch auf das unverwitterte Gestein. Hierdurch wird dem Aspekt des vorsorgenden Schutzes des oberen Grundwasserleiters sowie der in diesen Bereichen oft vorhandenen Nutzung durch Wasserwerke oder andere Nutzer Rechnung getragen. 3.3 Montanhydrogeologie
3.3.1 Einführung
Die Montanhydrogeologie kann als das Gebiet der Hydrogeologie betrachtet werden, das hydrogeologische Erkenntnisse und Methoden im Bereich vorhandener bzw. ehemaliger bergbaulicher Objekte anwendet. Sie umfasst Fragestellungen, die sich im Zusammenhang mit der Aufsuchung von Lagerstätten, ihrem Abbau, insbesondere aber der Verwahrung/Sanierung von Tiefbauobjekten einschließlich ihrer Schächte ergeben. Der Problemkreis umfasst gleichfalls die untertägige Deponie bzw. Speicherung fester, flüssiger und gasförmiger Stoffe. Tiefbohrungen, die dem Aufschluss bzw. der Gewinnung gasförmiger und flüssiger Stoffe, wie z. B. von Erdgas, Kohlensäure oder Salzsolen, oder auch der Gaseinspeicherung und Salzabwasserversenkung dienen bzw. dienten, finden ebenfalls Berücksichtigung.
Einen wichtigen Geschäftsbereich der K+S Gruppe umfassen Kali- und Magnesiumprodukte. Das Werk Werra der K + S KALI GmbH mit den Standorten Wintershall/Heringen und Hattorf/Phillipsthal in Hessen sowie Unterbreizbach in Thüringen produziert in ihren Gruben und Anlagen Produkte, die vielfältig Verwendung finden. Der Plattendolomit enthält bereits geogen bedingt geringer konzentriertes Salzwasser (sog. Formationswasser) und ist durch sogenannte hydraulische Barrieren (Grundwasserstauer; im Bild schwarz dargestellt) einerseits von den zur Trinkwassergewinnung genutzten Grundwasserleitern des Buntsandsteins und andererseits gegenüber den tiefer lagernden Salzlagern weitestgehend isoliert. In der Folge hoher Versenkmengen und auch Einleitungen bis zum Ende der 60er Jahre erreichte der Chlorid-Transport der Werra mit größerer zeitlicher Verzögerungen Ende der 70er bis Mitte der 80er Jahre ein Maximum. Sogenannte diffuse Salzwassereinträge insbesondere in die Werra-Aue bei Dankmarshausen, bei denen es sich um den gegenüber der Versenkung verzögerten Aufstieg von Mischwässern (Formationswasser und Salzabwasser) in die Aue und den Übertritt in die Werra handelt, trugen bzw. tragen zu dieser Entwicklung bei. Die Zielsetzung bei der Entwicklung der Gewässergüte ist bei optimaler Nutzung des unterirdischen Speichervolumens im Plattendolomit die Verringerung und Vergleichmäßigung der Salzbelastung besonders in Hinsicht auf tolerierbare Verhältnisse für Süßwasserorganismen (Verlängerung der "unbeeinträchtigten" Flussstrecke) und der Trink- und Brauchwassergewinnung im Weser-Gebiet. Nach Umstellung der Aufbereitungstechnologie 1981 und der damit verbundenen Veränderung der Salzabwasserzusammensetzung sowie der in Abhängigkeit von den Abflussverhältnissen gesteuerten Einleitung von Salzabwasser war es nach Erprobung der sogenannten Salzlaststeuerung 1998 möglich geworden, eine wichtige Etappe der Zielstellung zu erreichen: Vergleichmäßigung der Salzbelastung der Werra auf niedrigerem Niveau bei entsprechend dem Stand der Technik optimalen Grenzwerten am Werra-Pegel Gerstungen (Chlorid-Gehalt: 2500 mg/l, Gesamthärte: 90°dH). Obgleich die Magnesium- und Kalium-Gehalte im Salzabwasser entsprechend der Aufbereitungstechnologie relativ angestiegen sind, wird die bereits vor dem Zusammenfluss mit der Fulda eingetretene Verbesserung der Gewässergüte deutlich. Wie folgende Tabelle dokumentiert, sind nach etwa 1985 bei rückläufigen Versenkmengen erhebliche Reduzierungen der diffusen Einträge und des Chlorid-Transports in der Werra bei Gerstungen zu verzeichnen.
Tab.: In die Salzlaststeuerung einbezogen sind neben dem hessisch-thüringischen Speicherareal mit einer Fläche von insgesamt ca. 500 km² die viel kleineren Gebiete der Gerstunger und Horschlitter Mulde, innerhalb derer eine temporäre Einspeicherung von Salzabwasser vorgesehen ist. Die TLUG wird durch Referat 63 im Thüringischen Versenkausschuss für Salzabwasser vertreten. Dieser arbeitet seit 1992 im entsprechenden hessisch-thüringischen Koordinierungsausschuss mit und nimmt auf den o. g. Problemkreis ständig Einfluss. Seine Entscheidungen sind maßgeblich für den Vollzug hoheitlicher Aufgaben. Die Sanierung der Bergbauerblast Wismut in Ostthüringen
Aktuelle Zahlen, Daten und Fakten zur Wismut Sanierung können auf der Homepage der Wismut GmbH www.wismut.de abgerufen werden. Eine Zusammenfassende Übersicht bietet der dort online verfügbare Umweltbericht. 3.3.3 Aufgaben der Hydrogeologie bei der Wismut Sanierung
Mit der Einstellung des Uranerzbergbaus in Ostthüringen begann die Sanierung der ehemaligen Gruben- und Erzaufbereitungsanlagen. Die komplexen Fragen bei der Flutung der Bergwerke und die komplizierten geologischen Standortbedingungen machen eine enge Zusammenarbeit des Bergbausanierungsbetriebes Wismut mit der TLUG notwendig. Auf fachlicher Ebene erfolgen Diskussionen zu den Ergebnissen der hydrodynamischen und hydrochemischen Flutungsüberwachung. Die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie berät den Sanierungsbetrieb bei der Optimierung und Konfiguration des Grundwassermessnetzes, den Messprogrammen und dem Parameterumfang, um diese den flutungsdynamischen Prozessen nach dem Stand der Technik anzupassen. Die aus dem Monitoring gewonnenen Ergebnisse werden nach einem Qualitätssicherungsschema erhoben, geprüft und in einer Datenbank abgelegt. Die Daten werden monatlich den Behörden digital zur Verfügung gestellt, um den aktuellen Erkenntnisstand aus der Bergwerksflutung wasserwirtschaftlich bewerten zu können. Darüber hinaus werden fachtechnischen Stellungnahmen zu allen hydrogeologisch relevanten Fragestellungen der Wismut-Sanierung erstellt. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Karte der Beeinflussung von Grundwasserkörpern durch Wismutstandorte. Bewertung der Einflüsse auf das Grundwasser im Hinblick auf Menge und Beschaffenheit. (zum Vergrößern auf die Abbildung klicken) |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
3.4 Wasser- und Heilquellenschutzgebiete
Gemäß § 104 Abs. 1 Thüringer Wassergesetz (ThürWG) ist die TLUG neben den allgemeinen Angelegenheiten der Hydrogeologie auch zuständig für die Erarbeitung und die Bereitstellung hydrogeologisch-bodenkundlicher Grundlagen für Wasser- und Heilquellenschutzgebiete. Hierzu gehören u. a. fachliche Stellungnahmen gegenüber der oberen Wasserbehörde im Thüringer Landesverwaltungsamt zu Festsetzungsverfahren von Wasser- und Heilquellenschutzgebieten sowie deren Änderung im Schutzzonenverlauf oder komplette Aufhebung. Die obere Wasserbehörde ist gem. § 105 Abs. 2, Ziff. 1 ThürWG zuständig für die Festsetzung, Aufhebung und Änderung von Wasser- und Heilquellenschutzgebieten.
* einschl. Rundungsfehlern; 1) BW - Ziel: 2876 mit 11.169 km² entspr. 31,2%; 2) HB - ein 5. WG ist im Verfahren; 3) HE - 382 weitere WG stehen im Verfahren entspr. insg. 30 % der Landesfläche; 4) M-V - im Zuge der Überprüfung und Neufestsetzung wird die Zahl weiter zurückgehen; langfristig sollen 500 erhalten bleiben; 5) NS - weitere 94 WG mit 1160 km² stehen im Verfahren; 6) NRW - weitere 424 WG mit 1967 km² entspr. 5,8 % geplant; 7) SL - drei weitere im Verfahren, geplant weitere 40 entspr. insgesamt 28% der Landesfläche; 8) S-H - 4 weitere WS stehen im Verfahren; 9) TH - die Zahl bezieht sich auf die Wasserfassungen, die Gesamtsumme (letzte Zeile) ist deshalb nur abgerundet angegeben; 10) TH - jeweils etwa 250 stehen zur Aufhebung bzw. zur Neufestsetzung an 3.5 Grundwasserüberwachung
3.5.1 Einführung
Grundwasser ist als Ressource für unser wichtigstes Lebensmittel Trinkwasser wassergesetzlich unter besonderen Schutz gestellt. Die Schutzstandards für das Grundwasser haben vorsorgenden Charakter. Die Aufgaben des Landesgrundwasserdienstes umfassen:
Tab.: 3.5.2 Quantitative Überwachung des Grundwassers
Mit der quantitativen Überwachung des Grundwassers wird die Entwicklung der Grundwasserstände und Quellschüttungen im Hinblick auf kurzfristige und mehrjährige Trends und Schwankungen repräsentativ erfasst. Aktuell werden im Grundmessnetz Grundwasserstände und Quellschüttungen 710 Messstellen beobachtet (533 Grundwasserbeobachtungsrohre, 77 Brunnen, 43 Schachtbrunnen, 50 Quellen und 7 Hilfspegel). Tabelle Messnetz Grundwasserstand & Quellschüttung Dabei sind bei 105 Messstellen moderne automatische Messvorrichtungen (Datalogger) installiert. Ein steigender Anteil dieser modernen Ausrüstung der Messstellen ist vorgesehen. Mit diesen Messvorrichtungen ist eine wesentlich dichtere Messfolge möglich, die Ergebnisse sind gegenüber der bisherigen traditionellen Messung von Hand präziser.
3.5.3 Qualitative Überwachung des Grundwassers
Die qualitative Beobachtung des Grundwassers erfolgt in Thüringen repräsentativ mit Hilfe des Grundmessnetzes Grundwasserbeschaffenheit durch die TLUG Jena. Tabelle Grundnetz Grundwasserbeschaffenheit Mit der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie wurde ab dem Jahr 2005 die Anzahl der Messstellen für das Grundnetz Grundwasserbeschaffenheit auf 142 und schließlich im Jahr 2006 auf 185 erhöht, so dass die Grundwasserkörper Thüringens im Messnetz besser als bisher repräsentiert sind und neu errichtete GWBR in das Messnetz integriert werden konnten. 3.5.4 Sondermessnetze
Diese Messnetze dienen vorrangig zur Beobachtung der Einflüsse von bestimmten Stoffeinträgen (Belastungsmessnetze) und dem rechtzeitigen Erkennen von möglichen Schadstoffquellen, von denen eine Gefährdung des Grundwassers ausgehen kann. Die Messstellen sind teilweise im Messnetz Grundwasserstand/Quellschüttung enthalten und werden damit kontinuierlich beobachtet, teilweise erfolgt auch nur eine Messung zum Zeitpunkt der Probennahme. Sondermessnetz Braunkohle Sondermessnetz Monitoring Kalihalden Südharz
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||