Umweltradioaktivität

Inhalt

1 Überwachung der Umweltradioaktivität
2 Messergebnisse zur Überwachung der Umweltradioaktivität nach Strahlenschutzvorsorgegesetz
3 Messergebnisse zur Umweltradioaktivität nach REI-Bergbau



1 Überwachung der Umweltradioaktivität

Die Überwachung der Umweltradioaktivität dient dem Schutz der Bevölkerung. Sie ermöglicht eine Abschätzung in welchem Maße Mensch und Umwelt ionisierender Strahlung durch Kontaminationen ausgesetzt sind. Bei der Überwachung teilen sich Bund und Länder in die Messaufgaben, die nach gesetzlichen Vorgaben durchgeführt werden. Zusätzlich wird in Ostthüringen die Sanierung der Uranbergbaufolgelandschaften mit aufwändigen Messprogrammen überwacht und der Sanierungserfolg festgestellt.

1.1 Überwachung der Umweltradioaktivität nach Strahlenschutzvorsorgegesetz

Thüringen ist seit 1992 mit zwei Landesmessstellen und einer Landesdatenzentrale in den Aufgabenbereich des § 3 Strahlenschutzvorsorgegesetz eingebunden. Hierbei handelt es sich um spezielle Messtätigkeiten im "Integrierten Mess- und Informationssystem zur Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt - (IMIS)". Zusätzlich gehören vier landeseigene Messprogramme, die Thüringer Besonderheiten Rechnung tragen, zum Überwachungsspektrum.
2005 wurden insgesamt 541 Umweltproben auf ihren Radionuklidgehalt (insbesondere künstliche Radionuklide, wie z. B. Cäsium-137, Strontium-90, Iod-131, Tritium, Uran- und Plutonium-Isotope) untersucht. Außerdem wurden an 22 Messpunkten (Dauergrünlandflächen) in-situ-gammaspektrometrische Messungen der oberflächennahen künstlichen Radioaktivität mit einer mobilen Messeinrichtung (Strahlenmesswagen) vorgenommen. Damit wurden alle relevanten Umweltmedien entsprechend der gesetzlichen Vorgaben in einem engmaschigen Überwachungsnetz beprobt und auf ihre Gehalte an radioaktiven Stoffen analysiert.
Die Qualität der Messungen wurde durch die erfolgreiche Teilnahme an drei bundesweiten Ringversuchen und Messvergleichen verifiziert.

1.2 Überwachung der Umweltradioaktivität nach REI-Bergbau

Die Überwachungsaufgaben konzentrieren sich auf die Unterstützung des Thüringer Landesbergamtes (TLBA) bei der Überwachung der Sanierung des Uranerzbergbaus und der Bewertung bergbaulicher Hinterlassenschaften in Ostthüringen. Dazu wurde die Landesmessstelle Gera mit der Wahrnehmung der Aufgaben einer unabhängigen Messstelle nach REI-Bergbau (Richtlinie zur Emissions- und Immissionsüberwachung bei bergbaulichen Tätigkeiten) beauftragt. Schwerpunkt der Überwachungstätigkeit sind die Messung der in der Umgebung von Sanierungsarbeiten und bergbaulichen Anlagen auftretenden Emissionen und Immissionen. Darüber hinaus werden auch Messungen zur Betreiberkontrolle durchgeführt.
Im Jahr 2005 wurden 191 Umwelt- und Betreiberproben auf ihren Gehalt an natürlichen Radionukliden (z. B. Uran, Radium-226, Radium-228, Blei-210, Polonium-210, Radon-222, Radon-222-Zerfallsprodukte und Radioaktivität im Staub) untersucht.
Die Qualität der Messungen wurde durch die erfolgreiche Teilnahme an Vergleichsmessungen und Ringversuchen verifiziert.

1.3 Messungen und Bewertungen für Dritte

Radioaktivitätsmessungen zu Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz
Zum 01.07.2004 hat das Thüringer Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz (TLLV) die Radioaktivitätsmessaufgaben, die in Thüringen im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwachung durchgeführt werden, an die TLUG übergeben. Die Radioaktivitätsmessstelle des TLLV wurde zum 30.06.2004 geschlossen. Die Verantwortung für die Probennahme, den Transport zur Messstelle und die Begutachtung der Messergebnisse verbleiben in den Händen des TLLV, lediglich die Messungen werden in den beiden Landesmessstellen der TLUG durchgeführt.
Gegenwärtig laufen zwei Messprogramme zur Überwachung von Lebensmitteln, ein Messprogramm für Planproben (Wildpilze, Wildbeeren, Konserven usw.) und ein Sondermessprogramm "Schwarzwild". Im Zeitraum vom 01.01.2005 bis 31.12.2005 wurden insgesamt 334 Proben auf die kumulative Aktivität von Cäsium-134 und Cäsium-137, auch Radiocäsium genannt, untersucht. Der mit 257 Proben größte Anteil kam aus dem Sondermessprogramm.
Die für 2005 geplante Einführung der Bestimmungsverfahren für Untersuchungen nach Mineral- und Tafelwasser-Verordnung konnte aus Kapazitätsgründen nicht erfolgen.

Sonstige radiologische Messungen und Bewertungen
Im Rahmen der Amtshilfe wurden 2005 radiologische Stellungnahmen und Bewertungen zu durch den Uranerzbergbau kontaminierten Flächen für das Thüringer Landesbergamt und die Träger öffentlicher Belange (z. B. Staatliche Umweltämter) erarbeitet. Für das Thüringer Landesverwaltungsamt wurden Messungen an Abluftfiltern von Radioiod-Therapiestationen Thüringer Kliniken und für das Landesamt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin Messungen zur Identifizierung radioaktiver Quellen unbekannter Herkunft (z. B. kontaminierte Schrottteile) durchgeführt.


2 Messergebnisse zur Überwachung der Umweltradioaktivität nach
   Strahlenschutzvorsorgegesetz


2.1 IMIS-Messprogramme

Die Ergebnisse der Messungen im Jahr 2005 zeigen, dass die in Thüringen erzeugten Nahrungs- und Futtermittel sowie Trinkwasser, wenn überhaupt, nur noch Spuren an künstlichen Radionukliden aufweisen. In Böden, Pflanzen aus dem nichtlandwirtschaftlichen Bereich (Bäume, Sträucher etc.), im Schwebstoff und Sediment der Oberflächengewässer, in festen Abfallstoffen sowie Pflanzen und Tieren aus den Waldökosystemen sind demgegenüber etwas höhere Gehalte an künstlichen radioaktiven Stoffen zu messen, die jedoch keinerlei gesundheitliche Relevanz haben.



Einsatz des Strahlenmesswagens am Messpunkt Gorsleben


Mit Hilfe hochempfindlicher Messverfahren konnten geringe Aktivitäten der künstlichen Radionuklide Cäsium-137 und Strontium-90 in wenigen Umweltbereichen nachgewiesen werden. Die Radionuklide stammen von den radioaktiven Einträgen aus globalen Nuklearereignissen (oberirdische Kernwaffenversuche, Unfall im Kernkraftwerk von Tschernobyl), in deren Folge die Umwelt großräumig kontaminiert wurde.



Reinstgermanium-Detektor eines Gammaspektroskopie-Messplatzes



Boden, Futter- und Indikatorpflanzen
Der Boden ist Ausgangspunkt für den Eintrag der Radioaktivität in die menschliche Nahrungskette durch Pflanzen und Tiere. Bodenuntersuchungen haben deshalb einen hohen Stellenwert in der radiologischen Überwachung.
Neben den natürlich vorkommenden Radionukliden aus den Zerfallsreihen des Urans und Thoriums sowie dem Kalium-40 werden von den künstlich erzeugten Radionukliden zur Zeit noch Cäsium-137 gammaspektrometrisch und Strontium-90 radiochemisch nachgewiesen. Da die Wanderung dieser beiden Radionuklide in den Unterboden nur sehr langsam erfolgt und sowohl Cäsium-137 als auch Strontium-90 eine lange physikalische Halbwertszeit (28,8 bzw. 30 Jahre) aufweisen, vermindert sich ihre spezifische Aktivität im Boden nur sehr langsam. In Ackerböden hat sich durch die Bearbeitung im Laufe der Zeit eine gleichmäßige Verteilung der künstlichen Radionuklide über den gesamten Pflughorizont eingestellt. Die Beprobung erfolgt von 0-20 cm. Die unbearbeiteten Weideböden (Dauergrünland), die von 0-10 cm beprobt werden, weisen im Vergleich dazu eine etwas höhere Kontamination auf. Eine Aufnahme der Radionuklide durch den Bewuchs erfolgt aufgrund der verminderten Pflanzenverfügbarkeit (z. B. Fixierung an Tonmineralen) nur in sehr geringem Maße.


Tabelle 1: Spezifische Aktivitäten von Cäsium-137 und Strontium-90 in landwirtschaftlich genutzten Böden

Nutzungsart Probenanzahl Radionuklid Nachweisgrenze
[Bq/kg TM]
Probenanzahl
< NWG
Messwerte
> NWG[Bq/kg TM]
min. max. MW
Ackerboden 6 Cs-137 0,13 0 5,7 14,7 9,9
2 Sr-90 0,09 0 1,22 1,33 1,27
Weideboden 7 Cs-137 0,15 0 12,0 37,7 23,6
3 Sr-90 0,15 0 0,93 1,66 1,23
MW arithmetischer Mittelwert
NWG Nachweisgrenze

Bei den untersuchten Böden zeigt der zeitliche Verlauf der durchschnittlichen Kontamination (Mittelwert) mit Cäsium-137 von 1992 bis 2005 nur einen geringen Trend zur Abnahme. Die gelegentlich stärkere Schwankung, die im Vergleich über mehrere Überwachungsjahre besonders bei den Maximalwerten offenkundig wird, geht auf die Probennahme, auf die mechanische Bearbeitung (nur bei Ackerböden) und die natürliche Variabilität des Bodenmaterials auf der Probennahmefläche (0,1 bis 1 ha) zurück.



Zeitlicher Verlauf der Kontamination der Ackerböden mit Cäsium-137



Zeitlicher Verlauf der Kontamination der Weideböden mit Cäsium-137


Neben dem Boden stellt der Bewuchs der landwirtschaftlichen Nutzflächen, insbesondere das Gras, ein wichtiges Indikatormedium für den Radionuklidtransfer in die menschliche Nahrungskette dar.
Zur Zeit befindet sich nur noch im untersuchten Weide- und Wiesenbewuchs neben Spuren von Strontium-90 etwas Cäsium-137. In den anderen beprobten Futterpflanzen ist kein Cäsium-137 mehr nachweisbar.


Tabelle 2: Spezifische Aktivitäten von Cäsium-137 und Strontium-90 in Futterpflanzen

Futtermittel Probenanzahl Radionuklid Nachweisgrenze
[Bq/kg TM]
Probenanzahl
< NWG
Messwerte
> NWG[Bq/kg TM]
min. max. MW
Weide- und Wiesenbewuchs 15 Cs-137 0,35 7 0,72 1,57 1,01
6 Sr-90 0,08 0 1,14 1,94 1,36
Grünmais 15 Cs-137 0,39 15 - - -
Futtergetreide 8 Cs-137 0,18 8 - - -
Futterkartoffeln 6 Cs-137 0,25 6 - - -

Für Flächen, die nicht landwirtschaftlich genutzt werden (z. B. Parkanlagen, Wald), werden Laub bzw. Nadeln von den Bäumen sowie Gräser und Farne als Bioindikatoren für die radioaktive Kontamination benutzt. Die gemessenen spezifischen Cäsium-137 - Aktivitäten sind mitunter höher als in pflanzlichen Nahrungsmitteln und Futterpflanzen, da sowohl die größere Depositionsfläche bei Bäumen, die fehlende Bewirtschaftung der Flächen als auch die radioökologischen Besonderheiten des Waldbodens Möglichkeiten für eine Cäsium-Anreicherung bieten. Die Schwankungsbreite der Einzelwerte rührt von regionalen Unterschieden beim Radioaktivitätseintrag her.


Tabelle 3: Spezifische Aktivitäten von Cäsium-137 im Bewuchs nicht landwirtwirtschaftlich genutzter Flächen

Probenart Probenanzahl Nachweisgrenze
[Bq/kg TM]
Probenanzahl
< NWG
Messwertspanne
[Bq/kg TM]
Buchenblätter 5 0,28 0 0,32 - 1,17
Gräser/Schilf 3 0,34 2 6,18
Fichtennadeln 3 0,21 0 0,35 - 4,48
Farnkraut 2 0,38 0 1,96 - 607

Nahrungsmittel
Den größten Anteil am Überwachungsprogramm haben die Grundnahrungsmittel. Sie werden thüringenweit erzeugerorientiert beprobt und vor der Messung wie für den menschlichen Verzehr aufbereitet, d. h. von allen nicht essbaren Bestandteilen befreit.
Nur in wenigen Proben konnten noch Spuren von Cäsium-137 bzw. Strontium-90 gemessen werden. Eine radiologische Bedeutung für die Ernährung des Menschen haben die 2005 in den beprobten Grundnahrungsmitteln gemessenen Gehalte nicht.


Tabelle 4: Cäsium-137- und Strontium-90- Aktivitäten in Nahrungsmitteln

Produkt Probenanzahl Radionuklid Nachweisgrenze Probenanzahl
< NWG
Messwerte
> NWG
Einheit
min. max. MW
Ernährungskette auf dem Land:  
Nahrungsmittel pflanzlicher Herkunft:
Freilandgemüse, Getreide, Obst, Kartoffeln
107 Cs-137 0,18 107 - - - Bq/kg FM
12 Sr-90 0,010 2 0,017 0,093 0,052
Nahrungsmittel tierischer Herkunft:
Rind-, Schweine-, Kalb- und Geflügelfleisch
49 Cs-137 0,13 41 0,20 1,28 0,49 Bq/kg FM
Andere Nahrungsmittel:
Wildpilze
Wildbret
 
6
4
 
Cs-137
Cs-137
 
0,16
0,11
 
0
0
 
89,3
0,47
 
171
710
 
110
248*
 
Bq/kg FM
Rohmilch 24 Cs-137 0,11 24 - - - Bq/l
12 Sr-90 0,004 0 0,014 0,033 0,020
Tagesration Erwachsene 52 Cs-137 0,37 46 0,39 1,16 0,70 Bq/d*p
12 Sr-90 0,018 0 0,049 0,154 0,072
Tagesration Kleinkinder 12 Cs-137 0,11 11 - 0,18 - Bq/kg FM
2 Sr-90 0,005 0 0,012 0,063 -
Ernährungskette im Wasser:  
Süßwasserfisch 4 Cs-137 0,12 3 - 0,25 - Bq/kg FM
  1 Sr-90 0,006 1 - - -  
NWG Nachweisgrenze
MW arithmetischer Mittelwert
Bq/kg FM Becquerel pro Kilogramm Frischmasse
Bq/l Becquerel pro Liter
Bq/d*p Becquerel pro Tag und Person

Tagesration: Tagesmenü aus Gemeinschaftsverpflegung, bestehend aus Speisen und Getränken für eine Person

* Median: 142 Bq/kg FM


Tabelle 5: Cäsium-137- Aktivitäten in Import-Nahrungsmitteln

Produkt Probenanzahl Radionuklid Messwertspanne
[Bq/kg FM]
Herkunft
Nahrungsmittel pflanzlicher Herkunft:
Freilandgemüse, Getreide, Obst, Kartoffeln
7 Cs-137 < 0,11 - 1,96 Ungarn, Marokko, Italien, USA, Ägypten, RSFSR
Nahrungsmittel tierischer Herkunft:
Rind-, Schweine-, Kalb- und Geflügelfleisch
7 Cs-137 < 0,15 Belgien, Italien, Argentinien, Spanien, Brasilien
Andere Nahrungsmittel:
Wildpilze (Maronenröhrlinge)
Wildbeeren
Wildfleisch
 
1
1
1
 

Cs-137
 
601
2,60
4,50
 
Litauen
Polen
Lettland
Käse 4 Cs-137 < 0,13 Holland, Dänemark
Frischfisch 3 Cs-137 0,43 - 9,20 Norwegen

Oberflächenwasser, Schwebstoff und Sediment
Zur radioaktiven Kontamination der Gewässer tragen sowohl natürliche als auch künstliche Radionuklide bei. In der Überwachung werden neben Cäsium-137 und Strontium-90 auch Tritium (H-3) und in einem Teil der Proben die alphastrahlenden Uran- sowie Plutonium-Isotope untersucht. Sowohl die Gehalte an Tritium als auch die der Plutonium-Isotope lagen in jedem Fall unter der Nachweisgrenze, bei H-3 unterhalb 5 Bq/l, bei den Pu-Isotopen unterhalb 0,003 Bq/l.


Tabelle 6: Aktivitätskonzentrationen ausgewählter natürlicher und künstlicher Radionuklide in Oberflächengewässern

Gewässer Anzahl
Messungen
K-40 Cs-137 Sr-90 U-234 U-235 U-238
[Bq/l]
Saale
(bei Dorndorf)
4 < 0,17 < 0,006 0,005 0,011 - 0,024 < 0,001 0,007 - 0,015
Weiße Elster
(bei Bad Köstritz)
4 < 0,15 - 0,20 < 0,007 0,004 - 0,007 0,043 - 0,081 0,002 - 0,004 0,040 - 0,069
Werra (bei Gerstungen) 4 3,47 - 4,55 < 0,007 n. b. n. b. n. b. n. b.
Pleiße (bei Gößnitz) 4 < 0,13 - 0,34 < 0,006 n. b. n. b. n. b. n. b.
Ilm (bei Niedertrebra) 4 < 0,15 - 0,25 < 0,006 n. b. n. b. n. b. n. b.
Talsperre Deesbach 4 < 0,15 < 0,006 n. b. n. b. n. b. n. b.
Talsperre Schmalwasser 4 < 0,15 < 0,006 n. b. n. b. n. b. n. b.
n.b. nicht bestimmt

Die radioaktive Fracht der Flüsse unterscheidet sich bei den natürlichen Radionukliden deutlich. So ist in der Werra der Gehalt an Kalium-40, in der Weißen Elster der Gehalt an Uran-Isotopen höher als in den übrigen Flüssen. Die Aktivitätskonzentrationen der künstlichen Radionuklide liegen bei allen untersuchten Oberflächengewässern unter bzw. im Bereich der Nachweisgrenze. In einigen überwachten Flüssen und den Talsperren war auch kein Kalium-40 nachweisbar.
Dagegen enthalten die untersuchten Schwebstoff- und Sedimentproben, wie im folgenden Diagramm dargestellt, Cäsium-137 in messbaren Aktivitäten.

Radionuklide gelangen in gelöster oder in partikularer Form in die Gewässer. Sie werden an den suspendierten Schwebstoffteilchen, besonders an der Feinkornfraktion angereichert. So können sie über große Strecken transportiert und in sogenannten beruhigten Zonen weitab vom Emittenten sedimentieren. Während die Radionuklide an den Schwebstoffteilchen sehr schnell sorbiert werden, ist die Sedimentation vergleichsweise ein langfristiger Prozess. Dem Schwebstoff kommt deshalb als Kurzzeitmonitor eine besondere Bedeutung zu. Die Untersuchungsergebnisse sind infolge der hohen Empfindlichkeit aussagekräftiger als die der Wasseranalysen.
Der Eintrag der radioaktiven Stoffe findet in Thüringen in der Regel kontinuierlich statt (z. B. durch Erosion). Die Höhe der eingetragenen Aktivität leitet sich vom Kontaminationsniveau vor Ort ab und ist deshalb zwischen den untersuchten Fließgewässern unterschiedlich. Sowohl die Witterungsbedingungen (intensive Niederschläge oder Trockenheit) unmittelbar vor der Probennahme als auch ein Baugeschehen im Einzugsgebiet bewirken, dass die Messwerte im Untersuchungszeitraum variieren können.



Spezifische Cäsium-137-Aktivitäten im Schwebstoff und Sediment von Fließgewässern 2005


Trink- und Grundwasser
In den überwachten Trink- und Grundwässern konnten keine bzw. nur sehr niedrige Aktivitätskonzentrationen an Radionukliden festgestellt werden.


Tabelle 7: Aktivitätskonzentrationen ausgewählter natürlicher und künstlicher Radionuklide im Trink- und Grundwasser

Produkt Proben-
anzahl
Radionuklid NWG [Bq/l] Anzahl Proben
< NWG
Messwertspanne [Bq/l]
Trinkwasser (Wasserwerke) 15 K-40 0,15 14 0,18
15 Cs-137 0,007 15 -
6 Sr-90 0,004 3 0,006 - 0,007
6 U-234 0,002 5 0,008
6 U-235 0,001 6 -
6 U-238 0,001 5 0,003
Trinkwasser (Brunnen) 6 K-40 0,14 6 -
6 Cs-137 0,006 6 -
Grundwasser 8 K-40 0,22 8 -
8 Cs-137 0,007 8 -
4 Sr-90 0,003 3 0,005
4 U-234 0,001 0 0,002 - 0,007
4 U-235 0,001 4 -
4 U-238 0,001 2 0,003 - 0,004

Klärschlamm und Abwasser
In fünf Kläranlagen werden die gereinigten Abwässer vor Einleitung in die Fließgewässer sowie die Klärschlämme zur landwirtschaftlichen Verwertung auf Kontamination mit radioaktiven Stoffen überwacht. Alle Proben werden gammaspektrometrisch untersucht. Bei einem Teil der Proben werden zusätzlich Strontium-90 und Alphastrahler (Uran- und Plutonium-Isotope) bestimmt.
Klärschlämme akkumulieren radioaktive Stoffe. Die Ergebnisse für die künstlichen Radionuklide sind in der nachfolgenden Tabelle zusammengestellt.


Tabelle 8: Künstliche Radionuklide im Klärschlamm und Abwasser ausgewählter Kläranlagen

Produkt Kläranlage Probenanzahl Radionuklid Messwertspanne Einheit
Klärschlamm Erfurt (Kühnhausen) 4 Cs-137 1,60 - 1,97 [Bq/kg TM]
I-131 2,93 - 13,6
2 Sr-90 0,94 - 1,28
Leinefelde 4 Cs-137 2,11 - 3,94
Föritz (Heubisch) 4 Cs-137 6,51 - 12,5
I-131 0,61 - 60,0
Jena 4 Cs-137 3,25 - 6,33
I-131 20,1 - 45,2
2 Sr-90 1,59 - 2,16
Gera 4 Cs-137 2,28 - 5,74
I-131 13,7 - 50,1
Abwasser Erfurt (Kühnhausen) 4 Cs-137 < 0,09 [Bq/l]
I-131 < 0,10
2 Sr-90 < 0,003
Leinefelde 4 Cs-137 < 0,10
Föritz (Heubisch) 4 Cs-137 < 0,09
Jena 4 Cs-137 < 0,09
Tc-99m 0,13 - 1,67
2 Sr-90 < 0,003
Gera 4 Cs-137 < 0,11

Die spezifischen Aktivitäten für Cäsium-137 sind seit Beginn der Überwachung im Jahre 1993 in den Klärschlämmen aller Anlagen geringer geworden. Die Strontium-90-Gehalte sind dagegen wenig verändert. In den Klärschlämmen sind bei den spezifischen Aktivitäten von Cäsium-137, wie bereits in den Vorjahren, regionale Unterschiede festzustellen. Die Kontaminationen rühren in den meisten Fällen von Bodenpartikeln her, die mit dem Niederschlag eingespült wurden.
Als Jahresreihen werden beispielhaft die Entwicklungen der Cäsium-137- Kontaminationen in den Klärschlämmen der Kläranlagen Erfurt und Jena dargestellt.



Spezifische Cäsium-137 - Aktivität im Klärschlamm der Kläranlage Erfurt-Kühnhausen



Spezifische Cäsium-137 - Aktivität im Klärschlamm der Kläranlage Jena


Vom Trend etwas abweichende Cäsium-137-Aktivitäten, wie z. B. im II. Quartal 1998 in Erfurt bzw. im IV. Quartal 1996 in Jena, sind auf intensives Baugeschehen im Einzugsgebiet der Kläranlagen zurückzuführen. Dabei wird mehr natürlicher Boden in die Kanalisation eingeschwemmt als sonst üblich. Als Folge kann sich der Gehalt an Cäsium-137 im Klärschlamm erhöhen.


Reststoffe und Abfälle
Von den für die Strahlenexposition des Menschen relevanten Reststoffen und Abfällen sind das Sickerwasser und oberflächennahe Grundwasser aus Hausmülldeponien sowie der Kompost aus Kompostierungsanlagen Bestandteil der Radioaktivitätsüberwachung.


Tabelle 9: Aktivitätskonzentrationen verschiedener Radionuklide im Sickerwasser Thüringer Hausmülldeponien

Hausmülldeponie Probenanzahl Radionuklid Messwertspanne [Bq/l]
Großlöbichau 2 K-40 22,3
Cs-137 < 0,11
H-3 38,6 - 40,5
Leimrieth 2 K-40 9,0 - 10,5
Cs-137 < 0,09
H-3 66,1 - 73,4
Nordhausen 2 K-40 35,9 - 37,4
Cs-137 < 0,10
H-3 24,7 - 31,6
Schwerborn 2 K-40 16,4
Cs-137 < 0,09
H-3 5,80 - 7,44

Wie in den Vorjahren liegen die Aktivitätskonzentrationen des Cäsium-137 unterhalb der Nachweisgrenze. In allen überwachten Anlagen konnte 2005 Tritium nachgewiesen werden. Tritium wurde früher bei der Leuchtfarbenherstellung (Messgeräte, Uhren) eingesetzt. Es wird heute zunehmend durch nichtradioaktive Leuchtfarben ersetzt, so dass vermutlich die Tritium-Kontaminationen des Sickerwassers zukünftig abnehmen werden.

Die spezifischen Aktivitäten von Cäsium-137 liegen beim Kompost in der gleichen Größenordnung wie bei landwirtschaftlich genutzten Böden.


Tabelle 10: Cäsium-137 -Gehalte im handelsüblichen Kompost von Kompostierungsanlagen

Betrieb Probenanzahl Radionuklid Messwertspanne [Bq/kg TM]
Schöngleina 2 Cs-137 13,9 - 16,4
Themar 2 Cs-137 7,4 - 7,5


2.2 Landesmessprogramme

Ortsdosisleistung
In einem Messprogramm ermittelt das Land an ausgewählten Standorten mit hoher Bevölkerungsdichte bzw. im Einflussbereich von deutschen Kernkraftwerken kontinuierlich die Gamma- Ortsdosisleistung (ODL). Die Ortsdosis beschreibt für jeden Ort die Wirkung der von außen auf den Menschen einwirkenden ionisierenden Strahlung. Die pro Zeiteinheit ermittelte Dosis ist die Dosisleistung. Das Messnetz mit den inzwischen 11 Messpunkten in den Stadtzentren von Erfurt, Nordhausen, Suhl, Greiz, Eisenach, Altenburg, Weimar, Gera, Meiningen/Dreißigacker und Wintzingerode sowie Jena als Messnetzzentrale wurde Ende 1996 in Betrieb genommen und in den Folgejahren schrittweise erweitert.
Es ist so konzipiert, dass relative Veränderungen des Strahlungspegels durch die Freisetzung von radioaktiven Stoffen z. B. bei Unfällen in kerntechnischen Anlagen in kürzester Zeit erkannt, abgeschätzt, zeitlich verfolgt und bewertet werden können.



ODL - Sondenstandorte (PDF 100 KB)



Jahresdosisleistungsverlauf Erfurt 2005

In der ausgewählten Abbildung vom Messpunkt Erfurt wird der Jahresverlauf der Dosisleistung anhand der Tagesmittelwerte dargestellt. Die dargestellte Ortsdosisleistung wird durch natürlich vorkommende radioaktive Stoffe bewirkt. Sie unterliegt leichten Schwankungen, die durch meteorologische Einflüsse wie Regen oder Schnee hervorgerufen werden.

Oberflächenwasser von Trinkwassertalsperren
Da in Thüringen ein großer Teil des Trinkwasseraufkommens von Talsperren erbracht wird, wurde zusätzlich zu den Messpunkten des IMIS- Messprogramms ein Landesmessnetz Trinkwassertalsperren aufgebaut. Mit diesem Messnetz wird die radiologische Überwachung des Oberflächenwassers (Rohwasser) aller in die Trinkwasserbereitung einbezogenen Talsperren realisiert.
Die durchgeführten Messungen ergaben, dass die Radioaktivitätsmesswerte sowohl hinsichtlich der natürlichen als auch der künstlichen Radionuklide keine radiologische Relevanz aufweisen. Alle Messwerte waren kleiner oder wenig größer als die Nachweisgrenzen der Radionuklide.

Boden-Dauerbeobachtung
2005 wurden die Radioaktivitätsmessungen in Böden von Dauerbeobachtungsflächen (BDF), die im Rahmen des Bundes-Bodenschutzgesetzes eingerichtet und beprobt worden waren, fortgeführt. Dabei wurden acht Standorte unter Acker und ein Standort unter Dauergrünland in die Untersuchung auf Cäsium-137 einbezogen.
Die Messergebnisse aus der Bodendauerbeobachtung ergänzen das Datenmaterial aus dem IMIS- Messprogramm. Sie bewegen sich, wie nicht anders zu erwarten war, im Rahmen der bereits ermittelten Messwertspannen.
Wie nachfolgende Karte zeigt, besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Höhe der Messwerte für Cäsium-137 und der Niederschlagsmenge zum Zeitpunkt des Durchzuges der radioaktiven Wolke nach dem Unfall im Kernkraftwerk in Tschernobyl bei den landwirtschaftlich genutzten Böden, insbesondere den Weide-/Wiesenböden.



Probennahmestandorte - Acker-, Wiesen-, Weideboden (PDF 1 MB)

Waldökosysteme
Trotz vergleichsweise geringer großräumiger Bodenkontamination mit Cäsium-137 können in Thüringen als Folge heftiger, lokaler Regenfälle in der unmittelbaren Folgezeit des Unfalls im Kernkraftwerk in Tschernobyl - auf kleine Räume begrenzt - höhere Kontaminationen mit Cäsium-137 nicht ausgeschlossen werden.
In Abstimmung mit dem TMLNU wurde unter Mitarbeit der Thüringer Landesanstalt für Wald, Jagd und Fischerei Gotha ein Messprogramm "Waldökosysteme" konzipiert. Ziel dieses Vorhabens ist, die radiologische Situation in den Waldgebieten durch Bodenuntersuchungen aufzuklären und unter Einbeziehung von Messungen an Wildbret, Beeren und Pflanzen zu verifizieren.
Bis Ende 2005 wurden an 9 Standorten von Bodendauerbeobachtungsflächen unter Wald und an 67 Standorten in Revieren der Thüringer Forstämter Bodenproben aus verschiedenen Bodenhorizonten entnommen. Insgesamt wurden bisher 234 Proben auf Cäsium-134 und Cäsium-137 untersucht. Die Auswahl der Revierstandorte wurde unter Einbeziehung von Niederschlagsdaten (Ende April/Anfang Mai 1986) vorgenommen. In der nachfolgenden Darstellung sind die Ergebnisse der Untersuchungen an 12 Standorten, die 2005 beprobt wurden, dargestellt. Die Ergebnisse für die 2002 und 2003 beprobten Flächen sind dem Bericht zu den Umweltdaten 2004 zu entnehmen.



Bodenstandorte unter Wald - 2005 (PDF 144 KB)

Waldböden haben im Unterschied zu landwirtschaftlich genutzten Böden organische Auflageschichten über dem Mineralboden. In diesen Auflagen wurden die höchsten spezifischen Aktivitäten an Radiocäsium (Summe von Cäsium-134 und Cäsium-137) gefunden. Die darunter liegende oberste Schicht des Mineralbodens wies in der Regel geringere Aktivitäten auf. Im Streufall lag die Radiocäsium -Kontamination niedriger als in den organischen Auflagehorizonten aber höher als im Mineralboden. Typisch für Waldökosysteme ist eine hohe kleinräumige Variabilität der Kontamination aufgrund einer ungleichmäßigen Verteilung des deponierten Radiocäsiums und der inhomogenen Zusammensetzung der organischen Auflage.

Die dargestellten massenspezifischen Konzentrationen sind als Übersichtswerte für die radioaktive Kontamination anzusehen und nur zum relativen Vergleich innerhalb der Waldökosysteme geeignet. Ein Vergleich der spezifischen Aktivitäten der organischen Auflage unter Wald mit den Aktivitäten der landwirtschaftlich genutzten Mineralböden ist aufgrund des geringeren spezifischen Gewichts und der geringeren Horizontmächtigkeit nicht möglich und führt zu Fehlinterpretationen der Kontamination.
Unterschiede gibt es auch im Verhalten des Radiocäsiums in den Waldökosystemen im Vergleich zu den Agrarökosystemen. Da in Waldböden der größte Teil des Radiocäsiums in austauschbarer Form in der organischen Auflageschicht gebunden ist und die Pflanzen, Pilze, Sträucher und Bäume die Nährstoffe bevorzugt von dort aufnehmen, gelangt das Radiocäsium immer wieder in den ökologischen Kreislauf. Die Verlagerung in den Mineralbodenhorizont und eine damit verbundene Festlegung des Radiocäsiums an Tonmineralen wie in den Agrarökosystemen scheint nur, wenn z. B. keine organische Auflageschicht vorhanden ist, in größerem Maße stattzufinden.
Daraus resultierend wird in den Waldökosystemen die Vegetation auf Grund der Halbwertszeit des Cäsium-137 (etwa 30 Jahre) auch langfristig der Kontamination mit Radiocäsium ausgesetzt sein, so dass wild wachsende Pilze, Beeren und Wildbret Radiocäsium enthalten können. In Abhängigkeit von der Menge des deponierten Radiocäsiums wird der Kontaminationsgrad territorial unterschiedlich sein.

Die bisherigen Untersuchungsergebnisse geben keinen Hinweis darauf, dass der Verzehr der Lebensmittel aus den Waldökosystemen gesundheitlich bedenklich ist, da sie nur gelegentlich und in geringen Mengen verzehrt werden. Lediglich die Vermarktungseignung beim Schwarzwild kann unter Bezug auf die Verordnung (EWG) Nr. 737/90 vom 22. März 1990, geändert durch die Verordnung (EG) Nr. 616/2000 vom 20. März 2000 in einigen Fällen eingeschränkt sein.
Im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwachung werden regelmäßig Proben von Wildbret, Wildbeeren und Wildpilzen untersucht. Die Ergebnisse werden vom Thüringer Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz im Jahresbericht der amtlichen Lebensmitteluntersuchung veröffentlicht.



3 Messergebnisse zur Umweltradioaktivität aus natürlichen
   Strahlenquellen - Raum Ostthüringen


3.1 Messungen zur Betreiberkontrolle und Überwachung von Radionukliden im Wasser

Die Messungen werden auf der Basis der "Richtlinie zur Emissions- und Immissionsüberwachung bei bergbaulichen Tätigkeiten - REI-Bergbau" durchgeführt. Ein Teil der Messungen erfasst anlagenbezogene Emissionen von Uran und Radium-226 (Ra-226). Für die Emissionsüberwachung ist der Genehmigungsinhaber zuständig.

Die Kontrolle der Emissionsüberwachung des Genehmigungsinhabers (Wismut GmbH) einschließlich der hierfür erforderlichen Probenentnahmen erfolgt im Auftrag der zuständigen Landesbehörde (Thüringer Landesbergamt) durch unabhängige Messstellen (UM). Als UM ist in Thüringen die TLUG bestimmt. Die Ergebnisse der UM für die Kontrollproben der Emissionsüberwachung für das Jahr 2005 sind in Tabelle 11 enthalten.


Tabelle 11: Messergebnisse der TLUG-Kontrollmessungen zur Emissionsüberwachung für genehmigte Einleitstellen der Wismut GmbH für das Jahr 2005

Probenahmeort HW
RW
Probe-
nahme
Uran
[mg/l]
Ra-226
[Bq/l]
Pb-210
[Bq/l]
Po-210
[Bq/l]
Ra-228
[Bq/l]
Rn-222
[Bq/l]
E-307: Abgabe WBA Seelingstädt 5625300
4515100
15.06.2005 0,032 0,003 0,005 0,007 < 0,010  
20.09.2005 0,031 < 0,002 0,019 0,009 < 0,011 < 1
s-615: Ablauf IAA Beerwalde 5639575
4516595
14.04.2005 0,133 0,049 < 0,003 0,031 < 0,016 39

Die Radionuklidkonzentrationen des aus der Wasserbehandlungsanlage Seelingstädt in den Lerchenbach abgegebenen Abwassers sind aus radiologischer Sicht unauffällig.

Am Messpunkt s-615 sind die Radionuklidkonzentrationen für Uran, Ra-226 und Po-210 als leicht erhöht zu betrachten. Ursache hierfür sind noch in das Gewässer eintretende Sickerwässer aus dem Bereich der ehemaligen IAA Beerwalde. Mit der künftigen Sanierung dieses Bereiches ist eine Reduzierung der radioaktiven Einträge und damit eine weitere Abnahme der Radionuklidkonzentrationen zu erwarten.

Weiterhin wird die Immissionssituation in den Vorflutern, in Standgewässern und in Wässern aus Trinkwasseranlagen im Einzugsgebiet der Ostthüringer Bergbauregion beobachtet. Die Messergebnisse für das Jahr 2005 sind in Tabelle 12 enthalten.

Gemäß REI-Bergbau werden durch die UM die behördlichen Messungen zur Umgebungsüberwachung bergbaulicher Anlagen als Stichprobenmessungen an Einzelmesspunkten durchgeführt.

Anstelle der Angabe eines Jahresmittelwertes erfolgt deshalb die Auflistung der Anzahl der gemessenen Einzelproben und der zugehörigen Einzelmessergebnisse.


Tabelle 12: Messergebnisse der TLUG zur radiologischen Wasserüberwachung an Oberflächenwassermesspunkten für das Jahr 2005 (PDF 15 KB)

Die Ergebnisse der Tabelle 12 zeigen, dass sich in den Fließgewässern (Ausnahmen: Culmitzsch- und der Pöltzschbach) und in den Trinkwasseranlagen die Radionuklidkonzentrationen in der Größenordnung der Richtwerte für den natürlichen Untergrund (gemäß Berechnungsgrundlagen- Bergbau gilt: Uran ca. 2 µg/l, Ra-226 ca. 20 mBq/l, Pb-210 ca. 5 mBq/l) bewegen.

Die Messwerte der Messpunkte E-312 und e-419 stellen den Zustand der Weißen Elster vor bzw. nach Zufluss der Wässer aus dem Wismutgebiet dar. Für das Einzugsgebiet des Sprotten-Systems im Raum Drosen-Löbichau-Schmölln repräsentiert der Messpunkt s-609 den radiologischen Gewässerzustand nach Durchgang durch das ehemalige Wismutgebiet. Die Messpunkte s-608 und s-510 stellen für den jeweiligen Sprottearm die Situation unmittelbar nach Zugang der Oberflächenwässer aus dem ehemaligen Wismutbereich dar. In den genannten Fällen bewegen sich die Radionuklidkonzentrationen inzwischen auf einem als geogen einzustufenden Niveau.

Für das Bachsystem im Bereich Seelingstädt - Zwirtschen (Lerchenbach-Culmitzschbach-Pöltschzbach) zeigen die Messpunkte Nr. E-371; E-369 und E-382 vor allem für Uran eine noch immer vorhandene Beeinflussung beim Durchgang durch den südlichen Bereich des Bergbaugebietes um Seelingstädt mit den Industriellen Absetzanlagen (IAA) Culmitzsch und Trünzig.

Gleiches, jedoch weniger stark ausgeprägt, zeigt sich im nördlichen Bereich des ehemaligen Wismut-Bergbaugebietes um Seelingstädt im Fuchsbach (E-368 vor, E-383 nach Bergbaugebiet).

In Standgewässern (Teichen) werden vor allem in den Bereichen Gauern, Sorge-Settendorf und Westhalde Trünzig (Angelteich) gegenüber dem natürlichen Untergrund deutlich erhöhte Radionuklidkonzentrationen beobachtet. Als Ursachen hierfür kommen wahrscheinlich Beeinflussung durch die Hinterlassenschaften des Uranbergbaus in Verbindung mit in diesen Bereichen erhöhten geogenen Radioaktivitätskonzentrationen in Frage. Eine Stellungnahme zur Nutzbarkeit der Wässer aus den Teichen in der Ortschaft Gauern erfolgte im November 2002 durch das Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit.

Ein weiterer Schwerpunkt der radiologischen Überwachung im Zusammenhang mit den Folgen des Uranbergbaus und der Sanierung sind Radionuklidbestimmungen in Grundwasserproben aus dem ehemaligen Bergbaurevier.

Die Proben wurden als Kontrollproben parallel zum Betreiber genommen und durch die UM gemessen. Die Messergebnisse der UM sind in der nachfolgenden Tabelle 13 aufgeführt.


Tabelle 13: Messergebnisse der TLUG zur radiologischen Wasserüberwachung an Grundwassermesspunkten für das Jahr 2005 (PDF 13 KB)

Aus den Messwerten der Tabelle 13 ist ersichtlich, dass die Spannbreite der Radionuklidkonzentrationen in Grundwässern einen sehr weiten Bereich überstreicht.

Als gering einzustufende Konzentrationen finden sich momentan vor allem im Gebiet Ronneburg-Schmölln, während in den Grundwässern um die ehemaligen Industriellen Absetzanlagen Culmitzsch und Trünzig deutlich höhere Radioaktivitätskonzentrationen in den Grundwässern anzutreffen sind.

Die Messwerte zeigen, dass perspektivisch der radiologischen Langzeitüberwachung des Wasserpfades (Grund- und Oberflächenwasser) ein hoher Stellenwert zukommen wird, wobei der Überwachungszeitraum weit über das Ende der Sanierungsarbeiten und die Existenz der Wismut GmbH hinausreicht.


3.2 Messungen zur Erfassung der Radonkonzentration in der bodennahen Außenluft

Das Messnetz wurde im Rahmen der fortschreitenden Sanierung im Ostthüringer Bergbaugebiet weiter angepasst.
Die Messpunkte werden im Bereich Ronneburg-Seelingstädt-Gera betrieben und sind zur landeseigenen Immissionsüberwachung sowie zur Kontrolle der Betreibermessungen der Radonkonzentration in der bodennahen Außenluft bestimmt. Als Messorte wurden vorwiegend öffentlich zugängliche Orte und Wohnbebauungen in der Nähe von ehemaligen Wismutanlagen und Betrieben ausgewählt.
Die Messpunkte sind jeweils doppelt mit Elektretdosimetern bestückt. Zur Bestimmung der Gamma-Ortsdosisleistung (ODL) wurden Thermo-Luminiszenz-Detektoren (TLD) eingesetzt. Die in den Messperioden November 2004 bis Mai 2005 und Mai 2005 bis November 2005 gewonnenen Messwerte sind in der folgenden Tabelle enthalten.
Einzelmessungen, bei denen aufgrund von Dosimeterverlusten (Diebstahl, Zerstörung) keine Messwerte gewonnen werden konnten, sind in der nachfolgenden Tabelle mit (-) gekennzeichnet. Die aufgeführten Werte für die Radonkonzentration (Rn-222) stellen jeweils den arithmetischen Mittelwert der beiden parallel betriebenen Radondetektoren dar.


Tabelle 14: Ergebnisse ausgewählter Messpunkte im Radon-Immissionsmessnetz der TLUG (Mittelwerte der Messperioden) (PDF 13 KB)

Die höchsten Radonkonzentrationen wurden an einem neu eingerichteten Messpunkt auf dem Gelände der Gauernhalde mit 92 bzw. 132 Bq/m³ gemessen. Auch die Messpunkte mit den zweit- und dritthöchsten Radonkonzentrationen (lfd.-Nr. 15 und 16) befinden sich im unmittelbaren Umfeld bzw. am südlichen Ortsrand der Ortschaft Gauern. Für diese Messpunkte betragen die Langzeitmittelwerte der Radonkonzentration ca. 70 Bq/m³ für Nr. 15 und ca. 65 Bq/m³ für Nr. 16.

Damit bleibt der südliche Bereich des Ortes Gauen Schwerpunkt bezüglich der Radonkonzentration in der bodennahen Außenluft im Ostthüringer Bergbaugebiet, wenngleich der von der Strahlenschutzkommission als obere Grenze des Normalbereiches für Radon in der Außenluft definierte Richtwert von 80 Bq/m³ im langzeitigen Mittel noch unterschritten wird.

An allen anderen Messpunkten wurde der genannte Richtwert deutlich unterschritten.

Im nachfolgenden Diagramm ist beispielhaft die Situation bezüglich der Radonkonzentration in der Außenluft an einem Messpunkt am Westrand der Stadt Ronneburg seit Beobachtungsbeginn im Jahr 1993 dargestellt.
Deutlich erkennbar ist die kontinuierliche Abnahme der Radonkonzentration bis etwa 1997. Seitdem bewegen sich die Radonmesswerte in einem Bereich um ca. 26 Bq/m³ (Mittelwert seit dem Jahr 1997) und damit in etwa auf einem mit nahezu geogenen Niveau. Die Schwankungen der Radonmittelwerte zwischen den Messperioden sind normal und durch jahreszeitliche und klimatische Einflüsse bedingt.



Radonkonzentration in der bodennahen Luft in Ronneburg - Friedrichshaide
in Richtung Gessental, 1993 - 2005

Als geogener Untergrundwert für die Radonkonzentration im Raum Ronneburg-Seelingstädt wurde aus eigenen langjährigen Messungen in diesem und in einem Referenzgebiet um Berga-Waltersdorf-Buchwald ein Wert von ca. 20 Bq/m³ ermittelt, der dem vom Bundesamt für Strahlenschutz als Richtwert für den natürlichen Untergrund festgelegten Wert von 20 Bq/m³ entspricht.

Ab einer Radonkonzentration (Langzeitmittelwert) von ca. 25 Bq/m³ wird ein bergbaubedingter Anteil angenommen (Berechungsgrundlagen Bergbau). Dies bedeutet, dass auch im Ostthüringer Bergbaugebiet nicht grundsätzlich von erhöhten Radonkonzentrationen in der Außenluft ausgegangen werden muss und dass festgestellte Erhöhungen in der Regel mit Einflüssen von bergbaulichen Anlagen und Objekten einhergehen.

Der höchste ODL-Wert trat am Messpunkt 19 direkt auf der Gauernhalde mit 609 nSv/h auf und ist auf das dort vorhandene Haldenmaterial zurückzuführen.


3.3 Sanierungsbegleitende Messungen

Seit 1993 werden rund um den ehemaligen Tagebau Lichtenberg Kontrollmessungen zur Überwachung der Entwicklung der Radonkonzentration in den dem Tagebaurestloch am nächsten gelegenen Gemeinden (Ronneburg und Kauern) durchgeführt.

Diese Messungen werden als sanierungsbegleitende Messungen bezeichnet, da die Kontrolltätigkeit, welche die TLUG im Auftrag des Thüringer Landesbergamtes wahrnimmt, im direkten Bezug zu den Sanierungsarbeiten im Bereich des Tagebaurestloches Lichtenberg und den angrenzenden Bergbauhalden steht. Zur Zeit wird hiermit der Prozess der Verfüllung des Tagbaues Lichtenberg messtechnisch begleitet.

Mit den Messungen wird vorsorglich die Radonkonzentration im bevölkerungsrelevanten Bereich um diese Anlagen überwacht. Ziel ist es, mögliche, durch die Sanierungstätigkeit bedingte Einflüsse (Verbesserungen sowie evtl. mögliche Verschlechterungen) anhand von Langzeitbeobachtungen zu erkennen und sicher bewerten zu können.

Infolge der Angleichung der Messprogramme im Bergbaugebiet an die Anforderung der REI-Bergbau wurden die Messzyklen an den Messpunkten im Tagebau ab 2001 vom monatlichen Turnus auf einzelne Stichprobenmessungen (zur Betreiberkontrolle) umgestellt. Es sind deshalb nur noch die Ergebnisse der Einzelmessungen und keine Jahresverläufe mehr dargestellt.

Die nachfolgende Tabelle 15 und das zugehörige Diagramm zeigen die Zusammenfassung der Messergebnisse (Mittelwert aus je zwei Einzelmessungen) der Radonkonzentration in der Außenluft im Jahr 2005.


Tabelle 15: Zusammenfassung der Ergebnisse der sanierungsbegleitenden Messungen zur Verfüllung des Tagebaurestlochs Ronneburg - Radonkonzentration in der Außenluft

Messpunkt-Nr. Messort Koordinaten
(Gauß-Krüger-Bessel)
Rn-Konzentration im Zeitraum ...
[Bq/m³]
HW RW Höhe über NN 15.06.05-08.08.05 08.08.05-03.11.05
40.16 Tagebau Lichtenberg, Nordtor 5635660 4512320   15 24
57.60 Ronneburg - Friedrichshaide 5635780 4513350 325 22 56
69.30 Kauern - Pohlteich 5634644 4510756 275 10 18

Die Anzahl der überwachten Messpunkte wurde der fortschreitenden Sanierung angepasst und weiter reduziert. Die Messungen erfolgten in Ortschaften im Umfeld des Tagebau-/Haldenkomplexes an den, den Wismutanlagen nächstgelegenen Wohnbebauungen.



Einzelmesswerte der Radonkonzentration im Tagbaubereich - Ronneburg 2005

Die Messergebnisse sind aus Strahlenschutzsicht unauffällig. Der Messwert von 56 Bq/m³ am Messpunkt 57.60 stellt, angesichts der relativ kurzen Messzeit, eine normale kurzzeitige Schwankung dar.

Zusätzlich zur sanierungsbegleitenden Messung der Radonkonzentration wurden ebenfalls Messungen der Radioaktivität im Staub und der Radon-222-Zerfallsprodukte-Konzentration im unmittelbaren Umfeld der Sanierungsarbeiten auf den industriellen Absetzanlagen Trünzig (IAAT) und Culmitzsch (IAAC) durchgeführt.

Die Ergebnisse sind im Folgenden dargestellt.


Tabelle 16: Zusammenfassung der Ergebnisse der Messungen während der Sanierungsarbeiten auf der IAAT und der IAAC - LL-Alpha

Messpunkt-Nr. Messort Koordinaten
(Gauß-Krüger-Bessel)
Konzentration langlebiger-Alphastrahler im
Schwebstaub im Zeitraum ... [Bq/m³]
HW RW 14.04.05-
02.06.05
08.07.05-
28.07.05
20.09.05-
10.10.05
101.86 IAAT Becken B 5623500 4515500 0,15    
103.39 östlicher Rand IAAC -Becken B 5627005 4513980   < 0,15 0,14





Radonkonzentrationen an Messpunkten auf der IAA Trünzig und IAA Culmitzsch

Die Radonkonzentration zeigen die üblichen, deutlichen tageszeitliche Schwankungen. Auf der IAA Trünzig, hier sind schon alle Spülstrände mit nicht kontaminiertem Bodenmaterial abgedeckt, liegt der Mittelwert der Radonkonzentration im Messzeitraum mit 20 Bq/m³ auf dem Niveau der natürlichen Untergrundkonzentration.

Die mittlere Radonkonzentration am Rand des Beckens B auf der IAA Culmitzsch beträgt 61 Bq/m³ und weist damit deutlich auf die Einflüsse der noch nicht vollständig abgedeckten Spülstrände hin. Messbare Auswirkungen auf Bereiche außerhalb des Wismut-Betriebsgeländes sind hiervon jedoch nicht zu erwarten.

Die Radioaktivitätswerte in den Staubkonzentrationen (Tabelle 16) sind als radiologisch unbedeutend einzustufen.