Geologie


Inhalt


1 Geologische Grundlagen
2 Rohstoffgeologie
3 Infrastrukturgeologie
4 Geowissenschaftlicher Naturschutz
5 Ingenieurgeologie, Baugrund, Georisiken
6 Geologisches Landesarchiv
7 Hydrogeologie



Die geologische und landschaftliche Vielfalt Thüringens ist das Ergebnis hunderter Jahrmillionen Erdgeschichte. Dabei entstand eine vielfältige und kompliziert strukturierte Erdkruste. Die detaillierte Kenntnis des Untergrundes ist Voraussetzung einer verantwortungsvollen Daseinsvorsorge. Sie ermöglicht z.B. die sichere Gründung von Bauwerken, eine konfliktfreie und verantwortungsvolle Rohstoffnutzung, den Schutz und die nachhaltige Nutzung des Grundwassers, die Gewinnung geothermischer Energie sowie eine optimierte Forst- und Landwirtschaft.

Die zentrale Aufgabe des Geologischen Landesdienstes ist deshalb die Erfassung und Dokumentation der Daten über den geologischen Untergrund sowie die Verfügbarmachung der Informationen zum Nutzen der Allgemeinheit - für Verwaltungen, Wissenschaft, Wirtschaft und Bürger.


1 Geologische Grundlagen

1.1 Geologische Landesaufnahme

Die geologische Landesaufnahme ist eine der zentralen Aufgaben jeder geologischen Landesbehörde. Sie umfasst die laufende Aktualisierung des Kenntnisstandes über das Alter, die Verteilung und die Lagerungsverhältnisse der Gesteine an der Oberfläche und in der Tiefe. Die Darstellung der Ergebnisse erfolgt in analogen und digitalen Produkten, wie Karten und Datenbanken. Schwerpunkte sind die Datenerfassung durch eigene und externe Mitarbeiter sowie die Bewertung vorhandener Informationen und deren Umsetzung in Fachinformationssysteme. Vorrangige Aufgaben sind die Aktualisierung des Kartenwerkes "Geologische Karte von Thüringen 1:25.000" sowie die Umsetzung dieses Kartenwerkes in das digitale Flächeninformationssystem "GK25digTh".
Der Aufgabenbereich Geochemie, Petrologie und Biostratigraphie ist für die Erarbeitung und Bereitstellung der Daten über die geochemischen, petrographischen und paläontologischen Merkmale der in Thüringen vorkommenden Gesteine, für Altersbestimmungen und für die wissenschaftliche Betreuung der Sammlungen zuständig. Zur Zeit können aus personellen Gründen diese Aufgaben nur stark eingeschränkt erfüllt werden.

Publikationen der TLUG: Geologische Übersichtskarten

Das Publikationsverzeichnis des Geologischen Landesdienstes der TLUG (PDF 660 KB)

GÜK 200 als Gesamtkarte (PDF 851 KB) und ein Ausschnitt (PDF 569 KB)

Digitales geologische Flächeninformationssystem 1:200.000 (GÜK200)

Mit der Herausgabe der digitalen Version der Geologischen Übersichtskarte von Thüringen im Maßstab 1:200.000 (GÜK200) als CD steht das erste blattschnittfreie geologische Flächeninformationssystem für Thüringen der Öffentlichkeit zur Verfügung. Die GÜK200 umfasst insgesamt 225 geologische Legendeneinheiten und ca. 12 000 Einzelflächen. Die CD enthält neben der GÜK200 auch die Hydrogeologische Übersichtskarte 1:200.000 (HÜK200), die den Oberen Grundwasserleiter in Thüringen beschreibt. Als digitale und blattschnittfreie, und somit nutzerfreundliche moderne Darstellung der geologischen und hydrogeologischen Verhältnisse, ist die Übersichtskarte Grundlage für vielfältige Anwendungen sowohl in Behörden, Kommunen und Wissenschaftseinrichtungen als auch in Industrie, Wasser-, Land- und Forstwirtschaft sowie im Bauwesen.

Digitales geologisches Flächeninformationssystem 1:25.000 (GK25digTh)

Ein zentraler Teil des im Aufbau stehenden, modular aufgebauten Bodeninformationssystems von Thüringen ist die digitale geologische Karte 1:25.000 (GK25digTh). Sie ist ein digitales Informationssystem zur flächendeckenden und blattschnittfreien Abbildung der geologischen Verhältnisse im Land Thüringen. Die Datenbasis dieses Informationssystems sind die gedruckten Karten der Geologischen Karte im Maßstab 1:25.000 sowie die verfügbaren Manuskriptkarten, von denen jeweils die aktuellsten Kartierergebnisse digitalisiert werden. Flächen-, Punkt- und Liniendaten werden getrennt erfasst und in fachbezogenen "Layern" abgelegt. Hierarchisch strukturierte Schlüssellisten (z. B. Kartiereinheiten, Petrographie, Stratigraphie) sind die Grundlage einer für ganz Thüringen homogenen und damit überregional vergleichbaren Datenablage. Von den insgesamt 165 GK25 des Freistaats Thüringen (einschließlich Teilblätter) liegen bisher 136 in digitalisierter Form vor. Mittlerweile sind die Arbeiten an 112 Blättern soweit fortgeschritten, dass sie hausintern im System der GK25digTh verwendet und z.T. bereits an externe Nutzer abgegeben werden können. In Kombination mit weiteren Teilen des im Aufbau befindlichen Bodeninformationssystems von Thüringen - wie z.B. der Bohrdatenbank - wird die GK25digTh einen hohen Nutzen bei der Lösung von neuen Aufgaben der angewandten Geologie (z. B. Geothermie/Erdwärme, Erstellung von Subrosionskarten, Deponie von CO2) sowie bei der Tiefenkartierung und 3D-Modellierung haben.

Kartenwerk "Geologische Karte von Thüringen 1:25.000"

Als gedrucktes Kartenblatt wurde 2005 die GK25 5533 Tettau (2. Auflage) des Kartenwerks "Geologische Karte von Thüringen 1:25.000" herausgegeben. Von den 130 von Thüringen zu bearbeitenden Kartenblättern der GK25 wurden damit seit 1993 28 GK25 (22 %) als moderne Neukartierungen veröffentlicht. Durch externe Werkvertragnehmer werden derzeit 10 weitere GK25 bearbeitet. Darüber hinaus werden temporäre geologische Aufschlüsse, die im Zuge von Baumaßnahmen (z. B. Autobahn-, Gasleitungs- und ICE-Trassen) entstehen, systematisch erfasst.

Herausgabe der "Geowissenschaftlichen Mitteilungen von Thüringen"

Die "Geowissenschaftlichen Mitteilungen von Thüringen" sind eine renommierte Fachzeitschrift, in der Neuerkenntnisse zur regionalen Geologie Thüringens publiziert werden. Mit dem im Jahr 2005 erschienenen Band 12/2004 konnten erneut Fortschritte des geowissenschaftlichen Kenntnisstandes der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Inhaltsübersicht der bislang erschienenen Ausgaben der "Geowissenschaftlichen Mitteilungen von Thüringen" (PDF 25 KB)


2 Rohstoffgeologie

Im Bereich Rohstoffgeologie erfolgt die Koordinierung, Steuerung und Durchführung der Arbeiten auf den Gebieten der Rohstoffsicherung, Lagerstättenwirtschaft und Lagerstättenuntersuchung sowie die Erfassung und Beurteilung von Lagerstätten der Steine- und Erden-Rohstoffe sowie der Industrieminerale in Thüringen unter rohstoff- und wirtschaftsgeologischen Aspekten.

Neben der gutachterlichen Bewertung der rohstoffgeologischen Kriterien für die rechtliche Zuordnung von Bodenschätzen bilden Rohstoffgeologische Stellungnahmen im Rahmen von Raumordnungsverfahren für die Gewinnung von Steine- und Erden-Rohstoffen und als Zuarbeit im Rahmen der Infrastrukturgeologischen Vorgänge einen weiteren Schwerpunkt.

2.1 Rohstoffsicherung und Flächeninanspruchnahme in Thüringen

Der Abbau von Rohstoffen im Freistaat Thüringen beschränkt sich im Wesentlichen auf die oberflächennahen Lagerstätten der Steine und Erden. Andere, untertägig gewonnene Rohstoffe, die derzeit in geringem Umfang gefördert werden (Kali- und Steinsalz, Flussspat, Erdgas) sind naturgemäß ohne Bedeutung hinsichtlich der Flächeninanspruchnahme bei Planung und Gewinnung.

2.1.1 Rohstoffpotenzial

Einen stark vereinfachten Überblick über die regionale Verteilung des Rohstoffpotenzials für die wichtigen Rohstoffgruppen Gips-/Anhydritstein, Kiessand, Hartgestein (silikatische Gesteine) sowie Kalk- und Dolomitstein für die Herstellung von Schotter und Splitt vermittelt die Übersichtskarte. Für diese Rohstoffgruppen sind nur die wichtigen Verbreitungsflächen abgebildet. Bei der Darstellung der Hartgesteine für die Herstellung von Schotter und Splitt handelt es sich um Flächen, in denen diese Gesteine überwiegen bzw. in rohstoffgeologisch bedeutendem Umfang auftreten. Bauwürdige Verhältnisse sind grundsätzlich nur in Teilen der Rohstoffpotenzialflächen zu erwarten.



Übersichtskarte Rohstoffpotenzial in Thüringen
(zum Vergrößern auf die Abbildung klicken)

Das Potenzial an Steine- und Erden-Rohstoffen umfasst folgende Rohstoffgruppen:
Räumliche und stratigraphische Verteilung der Steine- und Erden-Rohstoffe in Thüringen sowie deren Verwendung und Anzahl der Gewinnungsstellen (Stand 31.12.2003) - PDF 20 KB

2.1.2 Rohstoffgewinnung

Übertägige Gewinnung von Rohstoffen

Im Freistaat Thüringen wurden 2003 in 200 Gewinnungsstellen insgesamt 30,08 Mio. t Steine- und Erden-Rohstoffe abgebaut. Das entspricht einer Förderung von 12,62 t/Einwohner. Im Vergleich zu 2001 (32,48 Mio. t = 13,41 t/Einwohner) ist damit ein weiterer, allerdings leichter Rückgang in der Förderung zu verzeichnen. Gegenüber dem bisherigen Höchststand der Rohstoffgewinnung im Jahre 1994 (49,765 Mio. t) ist - wenn auch ungleichmäßig verlaufend - eine stetige rückläufige Entwicklung der Förderung festzustellen.

Förderung der Steine- und Erden-Rohstoffe 2003
(aus: Lagerstättenwirtschaftliche Jahresanalyse 2003 der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie)

Rohstoffgruppe Anzahl der
Gewinnungsstellen
Fördermenge
(kt)
Kiessand 67 10.335*
Sand/Sandstein 24 330*
Kalkstein für die Herstellung von Schotter und Splitt 47 5.440*
Hartgestein (silikatisches Gestein) für die Herstellung von Schotter und Splitt 24 8.965*
Werk- und Dekorationsstein 9 280*
Grobkeramische Rohstoffe 11 965
Gipsstein
7
490
Anhydritstein 275
Rohstoffe für spezielle Einsatzzwecke 11 3.000(*) (**)
Gesamtförderung (kt) 200 30.080
Fördermenge/Einwohner (t/Einwohner)   12,62
davon Massenbaurohstoffe (Kiessand, Sand/Sandstein, Kalkstein sowie Hartgestein für die Herstellung von Schotter und Splitt)
Gesamtförderung (kt)


162


25.070
Fördermenge/Einwohner (t/Einwohner)   10,52
* einschließlich Nebenproduktion von Gewinnungsstellen anderer Rohstoffe und Tunnelausbruchmassen
** (Zementrohstoffe, Industriekalkstein, Tonschiefer für die Herstellung von Leichtzuschlagstoffen und Brech- und Mahlprodukten, tonige Gesteine sowie Dolomitstein für spezielle Einsatzzwecke) - Zusammenfassung aus Gründen des Datenschutzes

Der Anteil der Massenbaurohstoffe (Kiessand, Sand/Sandstein sowie Kalkstein und Hartgestein für die Herstellung von Schotter und Splitt) an der Gesamtförderung lag 2003 bei 83,34 % und betrug insgesamt 25,07 Mio. t bzw. 10,52 t/Einwohner. Insgesamt 41,22 % der Massenbaurohstoffe = 10,34 Mio. t entfielen auf Kiessand, 35,76 % = 8,97 Mio. t auf Hartgestein (silikatische Gesteine) zur Herstellung von Schotter und Splitt, 21,7 % = 5,44 Mio. t auf Kalkstein für die Herstellung von Schotter und Splitt sowie 1,32 % = 0,33 Mio. t auf Sand/Sandstein. Auch hier setzte sich mit gegenüber 2001 der bisherige, nicht gleichmäßig verlaufende Rückgang der Förderung fort.
Ursache für die abnehmende Förderung von Massenbaurohstoffen gegenüber den Vorjahren ist vor allem die konjunkturelle Entwicklung in der Bauwirtschaft.


Gewinnung von Massenbaurohstoffen 1994 - 2003
(aus: Lagerstättenwirtschaftliche Jahresanalyse 2003 der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie)
(zum Vergrößern auf die Abbildung klicken)

Untertägige Gewinnung von Rohstoffen

Aus untertägigen Bereichen werden in Thüringen die Rohstoffe Kali- und Steinsalz (auch als Solen), Erdgas und voraussichtlich ab 2006 Fluss- und Schwerspat gewonnen.

Der Abbau von Kalisalzen der Werra-Folge (Zechstein 1) findet in Unterbreizbach im Wartburgkreis im Werk Werra statt. Seit November 2004 wird außerdem im Bergwerk "Glückauf" Sondershausen (Kyffhäuserkreis) wieder Steinsalz (Staßfurt-Folge, Zechstein 2) in kleinem Maßstab zur Herstellung von verkaufsfähigen Produkten gewonnen.

Seit den 1990er Jahre wird in einigen stillgelegten Bergwerken des Werra- und des Südharz-Kalireviers Steinsalz zu Versatzzwecken in abgeworfenen Grubenbauen abgebaut.

Bei Kehmstedt, nördlich Bleicherode, erfolgt die solende Gewinnung von Kalisalzen. In den 1980er Jahren als Versuchsfeld begonnen, werden hier aus mehreren Bohrungen Salzlösungen gefördert, die sich durch gezielte Löseprozesse aus carnallititischen Kalisalzen der Staßfurt-Folge (Zechstein 2) gebildet haben. Die Salzlösung wird zu verschiedenen Produkten (z. B. Kali-Dünger, Magnesiumprodukte) verarbeitet. Außerdem werden noch heute Steinsalzsolen aus Bohrungen für Badezwecke und Gradierwerke z. B. in Bad Salzungen (Werra-Folge), Bad Frankenhausen (Staßfurt-Folge) und Bad Sulza (Leine-Folge, Zechstein 3) gewonnen.

Der Untergrund Thüringens verfügt über einen, wenn auch geringen, Vorrat an Erdgas. Die Förderung erfolgt aus den Lagerstätten Bad Langensalza, Mühlhausen, Kirchheilingen Süd und Fahner Höhe. Die Lagerstätte Behringen ist derzeit nicht in Betrieb.

In Thüringen begannen 2004 Aktivitäten zur Wiederaufnahme der Gewinnung und Aufbereitung von Fluss- und Schwerspat im Schobsetal bei Gehren (Ilmkreis). Gegenstand der Gewinnung wird der Floßberggang im Revier Ilmenau sein. Im März 2005 erfolgte der Anschlag zur Auffahrung des neuen Bergwerkes, die Gewinnung der Rohstoffe ist ab 2006 geplant.

2.1.3 Flächeninanspruchnahme und Planerische Rohstoffsicherung

Die für eine Rohstoffgewinnung rechtlich genehmigten Flächen (Bergwerksfelder, Felder alten Rechts, Bewilligungsfelder und genehmigte Abbaufelder nach Bergrecht sowie wasser-, immissionsschutz- und baurechtlich zur Rohstoffgewinnung genehmigte Flächen) umfassten 2003 insgesamt 13.831,04 ha = 0,85 % der Fläche des Freistaates Thüringen. Der Anteil der für eine Gewinnung von Rohstoffen rechtlich genehmigten Flächen, in denen eine Rohstoffgewinnung bereits erfolgt, ohne dass die Flächen schon in ihrer gesamten Größe vom Bergbau betroffen sind, umfasst 0,62 % der Landesfläche.

Der von der Rohstoffgewinnung betroffene Flächenanteil (Abbauflächen einschließlich Betriebsanlagen) betrug 2003 demgegenüber im Landesdurchschnitt nur 0,27 %.

Für die Rohstoffgewinnung werden die Flächen nur vorübergehend in Anspruch genommen, da nach Abschluss der Gewinnungsarbeiten entsprechend den öffentlichen Interessen und meist für hochwertige Zwecke eine Wiedernutzbarmachung erfolgt.

Wesentliches planerisches Element zur Rohstoffsicherung sind die Regionalen Raumordnungspläne. In ihnen erfolgt die Ausweisung von

Vorranggebieten für die Rohstoffsicherung und -gewinnung, in denen dem Rohstoffabbau und der Rohstoffsicherung raumordnerisch Vorrang eingeräumt ist;
Vorbehaltsgebieten für die Rohstoffsicherung und -gewinnung, die grundsätzlich der Rohstoffgewinnung und Rohstoffsicherung vorbehalten sind, jedoch noch gegenüber anderen konkurrierenden Interessen abzuwägen sind;
Vorsorgegebieten für die Rohstoffsicherung und -gewinnung im Sinne eines langfristigen Ressourcenschutzes, die von Nutzungen, die einen späteren Rohstoffabbau unmöglich machen würden, freizuhalten sind.

Die ausgewiesenen Vorranggebiete nehmen 0,90 % der Fläche des Landes ein. Vorbehaltsgebiete haben einen Anteil an der Gesamtfläche Thüringens von 0,24 %. Die Gesamtheit der Rohstoffsicherungsflächen umfasst in den Regionalen Raumordnungsplänen 1,14 % der Fläche des Freistaates Thüringen.

Im Vergleich mit allen unmittelbar benachbarten Bundesländern, deren Rohstoffsicherungsflächen zwischen ca. 2 und ca. 4 % der jeweiligen Landesfläche einnehmen (Angaben der Geologischen Landesämter der benachbarten Bundesländern) gehört Thüringen zu den Bundesländern mit einem geringen Anteil von landesplanerisch festgelegten Rohstoffsicherungsflächen.

Während die Ausweisung von Vorrang- und Vorbehaltsgebieten in allen Planungsregionen Thüringen nach einheitlichen Prinzipien vorgenommen worden ist, erfolgte die ausschließlich verbale Festlegung von Vorsorgegebieten für den langfristigen Ressourcenschutz solcher Rohstoffe, denen eine besondere wirtschaftliche Bedeutung zukommt (Gips-/Anhydritstein), für die das Rohstoffpotenzial in Thüringen begrenzt ist (Kiessand) und für einige Spezialrohstoffe mit besonderer lagerstättenwirtschaftlicher Bedeutung (z. B. Spezialtone) in den einzelnen Planungsregionen nicht in einheitlicher Weise.
Mit der durch die Regionalen Planungsgemeinschaften 2004 beschlossenen Fortschreibung der Regionalpläne ist u. a. auch der Geologische Landesdienst, Grundwasser der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie eingebunden, da rohstoffgeologische Arbeiten die Voraussetzung für die Ausweisung von Vorrang- und Vorbehaltsgebieten für die Rohstoffsicherung und -gewinnung im Rahmen der Landesplanung bilden.

Der am 06.10.2004 in Kraft getretene Landesentwicklungsplan Thüringens legt im Kapitel 5.3 die Ziele für die Fortschreibung fest. So sind in den Regionalplänen für den Abbau und die langfristige Sicherung der Rohstoffversorgung Vorrang- und Vorbehaltsgebiete "Rohstoffe" auszuweisen. Als Grundsatz gilt, dass die oberflächennahen mineralischen Rohstoffvorräte sowohl mittelfristig für eine bedarfsgerechte und möglichst verbrauchernahe Rohstoffgewinnung zur Verfügung stehen als auch für die Versorgung zukünftiger Generationen langfristig gesichert werden. Die Möglichkeit eines Abbaus bedeutsamer und begrenzt zur Verfügung stehender Rohstoffe soll langfristig offen gehalten werden. Innerhalb der Lagerstätten soll der Abbau dort erfolgen, wo die Beeinträchtigungen für Mensch und Natur am geringsten sind. Der möglichst vollständige Abbau im Bereich vorhandener Gewinnungsstellen und deren Erweiterung soll einem Aufschluss neuer Lagerstätten vorgezogen werden. Die Rekultivierung und Renaturierung der ausgebeuteten Lagerstätten und deren Einbindung in die Landschaft sollen gewährleistet werden.


3 Infrastrukturgeologie

Seit der Gründung des Geologischen Landesdienstes im Jahre 1991 wurden für Thüringen ca. 10 000 infrastrukturgeologische Stellungnahmen erarbeitet.
Im Jahr 2005 waren 414 Vorgänge zu bearbeiten, davon betreffen 49 Stellungnahmen die Landesplanung. Schwerpunkt bilden hier Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren (25) sowie Flurbereinigungsverfahren und Agrarstrukturelle Planungen (12). Auch waren 3 Standorte für Windkraft- und alternative Energiegewinnungsanlagen zu beurteilen.
Im Rahmen der Bauleitplanung sind 242 Stellungnahmen registriert, davon 72 zu Flächennutzungsplänen sowie Stadt- und Dorferneuerungsplanungen, 60 zu Industrie- und Mischgebieten, 51 zu Wohngebieten, 31 zum Straßen-, 17 zum Brücken- und 9 zum Wegebau.


4 Geowissenschaftlicher Naturschutz - Geotopschutz

Der Schutz geologischer Naturdenkmale ist eng mit dem Bestreben der Menschen verbunden, die Entstehungsgeschichte der Gesteine und die Entwicklung des Lebens auf der Erde zu erkennen, zu bewerten und sich an der Schönheit und Eigenart der Bildungen zu erfreuen.
Im Auftrag der Direktorenkonferenz der Geologischen Dienste der Länder der Bundesrepublik Deutschland wurde 1996 die "Arbeitsanleitung Geotopschutz in Deutschland - Leitfaden der Geologischen Dienste der Bundesrepublik Deutschland" vom Bundesamt für Naturschutz in Bonn-Bad Godesberg herausgegeben und der Begriff Geotop definiert.
Als Teil des erdgeschichtlichen Naturerbes können diejenigen Geotope, die sich durch ihre erdgeschichtliche Bedeutung, Seltenheit, Eigenart oder Schönheit auszeichnen, eines rechtlichen Schutzes bedürfen.
Mit dem Ziel einer möglichst vollständigen Erfassung der geschützten geologischen Naturdenkmale wurden die im Geologischen Landesdienst der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie vorhandenen Unterlagen mit denen der unteren Naturschutzbehörden der Landratsämter bzw. Stadtverwaltungen der kreisfreien Städte abgestimmt und ergänzt. Diese Daten bilden die Grundlage für den Geotopkataster des Freistaates Thüringen.
Die homogenisierten Daten werden in einer Oracle-Datenbank vorgehalten. Derzeit sind ca. 700 Geotope erfasst.


Geotop-Standortkarte
(zum Vergrößern auf die Abbildung klicken)

Die in der Arbeitsanleitung enthaltenen Formblätter wurden den thüringischen Verhältnissen angepasst und in der aktuellen Version des Thüringer Geotopkatasters umgesetzt. Eine entsprechende geowissenschaftliche Bewertung aller aufgenommenen Geotope ist in Arbeit, wird aber noch einen längeren Zeitraum beanspruchen.
Zukünftig soll es möglich sein, zu den einzelnen Geotopen ausgewählte Informationen, Fotos sowie geologische und topographische Kartenausschnitte nutzerfreundlich zu liefern bzw. auch auf Datenträgern oder im Internet verfügbar zu machen.

Populärwissenschaftliche Öffentlichkeitsarbeit

Mit dem Ziel, einer breiten Öffentlichkeit die Bedeutung erdgeschichtlicher Bildungen und die Belange des Schutzes der Geotope nahe zu bringen, wurden mehrere populärwissenschaftliche Veröffentlichungen herausgegeben.
Es sind dies im Einzelnen:

"Geologie und Geotope in Weimar und Umgebung - Mit Ausflugs und Wandervorschlägen" (1. Auflage 1999, 2. Auflage 2002)

"Geologische Sehenswürdigkeiten des Wartburgkreises und der kreisfreien Stadt Eisenach" (1999)

"Goetz-Höhle Meiningen" (2000)

"Gold in Thüringen - Thüringer Wald, Schiefergebirge, Frankenwald" (2001)

"Thüringen Untertage - Ein Exkurs zu Schauhöhlen, Besucherbergwerken und GeoMuseen" (2005)

Die Bücher können sowohl über den örtlichen Buchhandel als auch über den Vertrieb der TLUG erworben werden.

Veröffentlichungs-Verzeichnis der TLUG (PDF 660 KB)

Weitere Veröffentlichungen sind in Vorbereitung, für 2006 ist eine Publikation im Rahmen der 2007 in Ostthüringen stattfindenden Bundesgartenschau konzipiert. Auch durch die Erstellung von Schautafeln und Faltblättern oder die Mitwirkung an öffentlichen Veranstaltungen, durch Vorträge und geowissenschaftliche Führungen werden Beiträge zur Öffentlichkeitsarbeit geleistet.
2004 wurden die Thüringer Vorschläge zur Aufnahme in die Liste der bedeutendsten Geotope Deutschlands - ein Wettbewerb der von der Akademie der Geowissenschaften zu Hannover e. V. organisiert wurde - vorbereitet. Zwischenzeitlich konnten die Unterlagen zu 14 Thüringer Geotopen übergeben werden, von denen 5 das Prädikat Nationaler Geotop erhielten.

Tag des GEOTOPs

Im Jahre 2002, vom Bundesforschungsministerium als Jahr der Geowissenschaften ausgerufen, wurde auf Initiative der Fachsektion GeoTop der Deutschen Geologischen Gesellschaft zum ersten Mal ein bundesweiter Tag des GEOTOPs durchgeführt.
In Anlehnung an den bereits seit Jahren etablierten "Tag des offenen Denkmals" werden erdgeschichtliche Denkmäler vorgestellt oder überhaupt erstmals zugänglich gemacht. Eingeladen sind alle interessierten Bürgerinnen und Bürger, vor allem solche, die bisher kaum Kontakt zu den Geowissenschaften hatten.


Poster zum Tag des GEOTOPs
(zum Vergrößern auf die Abbildung klicken - PDF 736 KB)

Auch zum vierten Tag des GEOTOPs am 18. September 2005 wurden die Thüringer Veranstaltungen vom Geologischen Landesdienst koordiniert. Es konnten wieder 24, meist sehr gut besuchte Exkursionen und Führungen abgeboten werden.

Geoparks

In Geoparks soll die Bedeutung geologischer und geomorphologischer Prozesse für die natürlichen Ressourcen, aber auch für die Landnutzung, die Oberflächengestaltung sowie die Wirtschafts- und Kulturgeschichte für eine breite Öffentlichkeit erlebbar gemacht werden. Dabei stehen die wirtschaftliche Entwicklung, die Tourismusförderung und Freizeitgestaltung im Vordergrund.
Geoparks stellen im Unterschied zu den Naturparks keine neue Schutzkategorie dar, sondern sollen unter dem Aspekt des Erhaltes und der Pflege der Geotope sowie der Umweltbildung vor allem der touristischen Erschließung und Vermarktung dienen.
Entsprechend der UNESCO-Definition für Geoparks enthält ein Nationaler GeoPark geologische Sehenswürdigkeiten (Geotope) beliebiger Größe oder ein Ensemble mehrerer Geotope, die von regionaler und nationaler geowissenschaftlicher Bedeutung, Seltenheit oder Schönheit, repräsentativ für eine Landschaft und deren geologische Entstehungsgeschichte sind. Zusätzlich zu den geologischen sollen auch archäologische, ökologische, historische oder kulturelle Sehenswürdigkeiten enthalten sein, die touristisch erschlossen bzw. entwickelt werden können.
In Thüringen sind derzeit drei Geoparks im Aufbau und um die Zertifizierung als Nationaler GeoPark bemüht:

Geopark Harz
Der Geopark Harz - Braunschweiger Land - Ostfalen wird künftig zwischen dem Flechtinger Höhenzug im Norden und dem Gipskarstgebiet am südlichen Harzrand eingerichtet und sich von Ost nach West über die gesamte Breite des Mittelgebirges erstrecken. Mit dem thüringischen Anteil am Südharz ist der Landkreis Nordhausen in die Planungen des Geopark eingebunden. Im Jahre 2004 wurde die vorgelegte Machbarkeitsstudie vom geologischen Landesdienst bewertet und die Weiterführung des Projekts angeregt. Die Zertifizierung als Nationaler GeoPark wurde 2005 beantragt.

Geopark Kyffhäuser
Obwohl unmittelbar an den Geopark Harz angrenzend, hat der Kyffhäuserkreis beschlossen, für das Kyffhäusergebirge und sein Umland einen selbständigen Geopark zu gestalten. In enger Zusammenarbeit der Kreisverwaltung, der Naturparkverwaltung Kyffhäuser sowie der Barbarossahöhle wurde eine entsprechende Machbarkeitsstudie erarbeitet. Diese wurde im Entwurf geprüft und mit wichtigen Hinweisen versehen. Im Herbst konnte ein Trägerverein unter Vorsitz des Landrates gegründet werden. 2005 wurde der Antrag auf Anerkennung als Nationaler GeoPark gestellt.

Thüringer Geopark
Inselsberg - Drei Gleichen In der Region zwischen Erfurt, Gotha und Arnstadt, bekannt durch die weithin sichtbaren Burgen, die "Drei Gleichen", soll neben der historischen und archäologischen Bedeutung die Geologie stärker in den Vordergrund gestellt werden. Hierzu liegt bereits eine Machbarkeitsstudie vor, an deren Umsetzung insbesondere die Gemeinden der Region großen Anteil haben. Die ersten Geo-Routen konnten mittlerweile vorgestellt und Beschilderungen aufgestellt werden. Um touristische Aspekte noch besser zu nutzen wurde der geowissenschaftliche Rahmen des bisher Geopark Drei Gleichen genannten Geoparks um Gemeinden der Inselsbergregion erweitert.

Kataster des Altbergbaus

Um den Schutz von Mensch, Natur und Umwelt, die Gewährleistung der Planungssicherheit der Träger öffentlicher Belange, aber auch Aussagen zu ingenieurgeologisch-geotechnischen und hydrogeologischen Problemstellungen zu ermöglichen, führen das Thüringer Landesbergamt Gera und der Geologischer Landesdienst das Kataster des Altbergbaus in Thüringen.

Stichworte zur Bergbaugeschichte Thüringen

So wurden bisher über 1200 Objekte des Altbergbaus und unterirdische Hohlräume erfasst. Derzeit ist ein zeitgleicher lesender und bearbeitender Zugriff auf die Datenbank durch das Thüringer Landesbergamt und den Geologischen Landesdienst der TLUG möglich. Gleichzeitig wurden GIS-basiert erste digitale Arbeitskarten zur Visualisierung der Datenbankinhalte erzeugt.
Der nächste Bearbeitungsschritt wird die Detailerfassung der Altbergbauobjekte beinhalten.


Screenshot: Startmenü der Datenbank "Kataster des Altbergbaus in Thüringen"
(zum Vergrößern auf die Abbildung klicken)

5
Ingenieurgeologie - Baugrund - Georisiken.
Zur ingenieurgeologischen Situation in Thüringen

Die Ingenieurgeologen der TLUG wenden ihr Fachwissen an,

  • um bei der Lösung von ingenieurtechnischen und Umweltproblemen sowie bei der Nutzung der Geosphären-Ressorce Baugrund/Bauraum zu helfen,
  • um Folgen von Eingriffen in den natürlichen Untergrund (Geosphäre) und die Ausmaße von Gefahren aus dem Untergrund (Georisiken) zu erkennen und sie zu minimieren,
  • um Grundlagen für umweltschonendes und wirtschaftliches Planen und Bauen zu schaffen.

Die Tätigkeitsschwerpunkte lagen im Jahr 2005 auf dem Sektor der praktischen Ingenieurgeologie, insbesondere wurden im Auftrag von Gebietskörperschaften oder Privaten ca. 70

  • ingenieurgeologisch-geotechnische Begutachtungen von Baurisikostandorten,
  • Stellungnahmen zu subrosionsbedingten Erdeinbrüchen bzw. -einsenkungen sowie
  • Beurteilungen zu Standsicherheitsfragen an Böschungen erforderlich (sofern es die öffentliche Sicherheit erforderlich machte) - beispielsweise im Zusammenhang mit den Steinschlagereignissen der Landstraße L 2384 Saalfeld-Kaulsdorf.

Felssturz "Hohenwarter Straße" L 2384 mit Markierung der Abrissflächen und Bewegungsbahnen

Blick auf die felssturzgefährdete L 2384 Kaulsdorf-Saalfeld

Ferner konnten die dem Stand der Technik entsprechenden Untersuchungs- und Sicherungsarbeiten zum Erdfall Tiefenort nach der Auswertung von 9 Kernbohrungen, zahlreichen Rammkernsondierungen und geophysikalischer Tiefentomographie abgeschlossen werden.


Der Erdfall Tiefenort vom 24.02.02 (Foto: Freies Wort)

Lage des Erdfalles Tiefenort mit Markierung
der Erdfallpegel E1 bis E3
(zum Vergrößern auf die Abbildung klicken)

Der Gemeinde Tiefenort wurde am 27.07.2005 eine mit drei Erdfallpegeln bestückte für Thüringen einzigartige Erdfallwarnanlage übergeben.

Erläuterung der Funktionsweise und Bedienungsvorschrift der Erdfallwarnanlage vor Anliegern der Frankensteinstraße Tiefenort

Außerdem sind im Rahmen der Tätigkeit der TLUG als Trägerin öffentlicher Belange von den Ingenieurgeologen mehr als 150 geologisch-geotechnische Standortbeurteilungen (zu Raumordnungsverfahren, Flächennutzungs- und Bebauungsplänen) abgegeben worden.

Insgesamt weist der Baugrund Thüringens günstige ingenieurgeologische Eigenschaften auf.

Als generell geeigneten Baugrund kann man in Thüringen alle die Gebiete bezeichnen, in denen die kalkigen (Muschelkalk) bzw. überwiegend sandigen (Buntsandstein) Schichten der Trias ausstreichen, sofern sie nicht in gestörter Lagerung bzw. Gebieten liegen, die zur Bildung von Erdfällen bzw. Erdeinsenkungen neigen – Georisiko Subrosion.

Bedingt geeignet, bzw. unsicherer Baugrund findet sich zunächst an allen steileren Hängen, an denen Festgesteine ausstreichen und in Gebieten mit tonigen Festgesteinen (z. B. Tonmergelgesteine des Röts und Keupers. Diese sind bei stärkerer Durchnässung ein wenig geeigneter Baugrund, da es schon bei geringen Schichtneigungen zu Gleit- und Rutschbewegungen kommen kann.

Als Baugrund problemlos sind in der Regel auch die proterozoisch - altpaläozoischen Gesteine des Thüringer Schiefergebirges und ebenso die Vulkanite, Konglomerate und Sandsteine des Rotliegend im Thüringer Wald anzusehen.

5.1 Georisiko Subrosion

In Thüringen gibt es zahlreiche Gebiete in denen durch subrosionsbedingte Erdeinbrüche, Erdeinsenkungen und Gewässerschwinden Schäden an Gebäuden, Verkehrswegen, Leitungstrassen und landwirtschaftlichen Nutzflächen hervorgerufen worden sind.

Um Gefährdungen bei der Flächenutzung solcher Gebiete zu minimieren, erarbeitet die TLUG den - Subrosionskataster Thüringen.

Was ist Subrosion?

Unter Subrosion sind alle natürlichen Vorgänge zu verstehen, die durch das im geologischen Untergrund bewegende Wasser infolge physikalischer oder chemischer Auflösung (Korrosion) oder Ausspülen von Feinfraktionen (Suffosion) bzw. Umlagern und Fortführen verschiedener Fraktionen eines nicht bindigen Gesteins (innere Erosion) zu Substanz- und damit Volumenschwund bzw. zur Bildung unterirdischer Hohlräume führen.

Der geologische Untergrund von ca. 75 % der Landesfläche Thüringens wird gebildet von den Schichtenfolgen des Zechsteins bzw. der Trias in die z. T. mächtige, mehr oder weniger leicht wasserlösliche Salz-, Sulfat- und Karbonatgesteine eingeschaltet sind.

Die im Mittel 1.500 m mächtige Zechstein-Triasfolge enthält volumenmäßig ca. 13 % leichtlösliche Salzgesteine, 9 % lösliche Sulfate und etwa 15 % schwerlösliche Karbonate.

Erst bei Zutritt von fließendem Grundwasser können in diesen Schichtenfolgen - auch bei Überdeckung mit unlöslichen Gesteinen - unter bestimmten Voraussetzungen Subrosionsvorgänge ablaufen, die an der Erdoberfläche zu verschiedenartigen Hohlformen führen.

Blockbild mit schematischer Darstellung einiger Subrosionshohlformen

S-Senke, SW-Senke, wassergefüllt, E 1 - Erdfall, Ursache: schlotförmiges Hochbrechen eines Subrosionshohlraumes im Gips, E 2 - Erdfall, Ursache: Versinken von Lockergesteinsmaterial in tektonisch entstandenen, z. T. subrosiv verbreiterten Spalten, Ea - aktiver Erdfall, der Gebäude und Verkehrsweg schädigt, E - Erdfall, wasergefüllt, E - aktiver Erdfall im Bachbett (Bachschwinde, Ponor), Er - Erdfall, fossil, Subrosion stagniert bzw. ist abgeschlossen, einstige Hohlform natürlich verfüllt und auf Geländeoberfläche nicht mehr sichtbar, (E) - Erdfall im Entstehen: Hochbrechen eines Schlotes über Subrosionshohlraum im Gips.


Gebiete mit Erdfall und Senkungsgefährdung in Thüringen
(zum Vergrößern auf die Abbildung klicken)

5.2
Der Subrosionskataster Thüringen der TLUG, ein Hilfsinstrument zum Erkennen des Georisikos Erdfälle und -einsenkungen

Nach der Kartierung möglichst aller Subrosionshohlformen Thüringens im Maßstab 1 : 25.000 und der Beurteilung des Zusammenspiels der jeweiligen Subrosionshorizonte mit den hydrogeologischen Gegebenheiten ist eine durch Homogenbereiche gegliederte Beschreibung der Subrosionsverhältnisse möglich.

Schon seit längerem steht den Behörden, Raum- und Bauplanern und jedem Bürger ein Fundus der subrosionsaktivsten Flächen Thüringens zur Verfügung, der im Rahmen von TÖB-Stellungnahmen, bei Bauleitplanungen und Baugrundgutachten entsprechende Informationen liefern kann.

Die TLUG hat bereits 1993 durch Rundschreiben an Landratsämter und Gemeinden, die in subrosionsgefährdeten Räumen liegen, auf die Subrosionsproblematik aufmerksam gemacht und um Meldungen beim Auftreten von "naturbedingten Oberflächenveränderungen" gebeten. Dank dieser Informationen und zweier, im 1. Halbjahr 2001 erneut in Umlauf gebrachter entsprechender Merkblätter wird die TLUG laufend über neue Erdfallbildungen informiert.

Material zur Information der Bevölkerung: Merkblatt 1 (PDF 400 KB)

Merkblatt 2 (PDF 312 KB)

Unter folgender Adresse können im Hinblick auf das Georisiko Subrosion Auskünfte eingeholt, Beratungen bzw. Stellungnahmen erbeten sowie Erdfallereignissen gemeldet werden:


Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie,
Referat Ingenieurgeologie, Göschwitzer Straße 41, 07745 Jena
oder per E-Mail: ingenieurgeologie@TLUGJena.Thueringen.de

Eingehende Meldungen werden sofort bearbeitet (in der Regel Ortsbesichtigung, Schadensdokumentation, kostenfreie schriftliche Stellungnahme mit Sanierungsvorschlägen).
Durch Verknüpfung der digitalen Objektdaten des Subrosionskatasters mit digitalisierten Karten, die Flächen mit gleicher Gefährdung und gleichem Subrosionsmechanismus anzeigen, sind Aussagen über das jeweilige Gefährdungspotential möglich. So können für die Raumplanung wichtige Hinweise entstehen, die z. B. in die Flächennutzungspläne eingearbeitet werden müssen (BauGB § 5.3).

Einige Bildbeispiele von Subrosionshohlformen Thüringens:

(zum Vergrößern auf die Abbildung klicken)

Die Daten der z. Zt. in Thüringen erfassten nahezu 8.000 Subrosionsobjekte liegen z. T. nur in analoger Form vor. Im Berichtszeitraum wurde verstärkt daran gearbeitet, sie über den Zwischenschritt der Eingabe in formatierte Berichtsbögen in digitale Form überzuführen.

(zum Vergrößern auf die Abbildung klicken)

Im laufenden Jahr wurden knapp 100 Erdfälle und subrosionsbedingte oder -verdächtige Hohlformen bei Geländearbeiten bzw. aufgrund eingegangener Meldungen registriert und im Subrosionskataster Thüringen aufgenommen.

5.3 Ingenieurgeologisch betreute Großprojekte

Die fachbehördliche Vorhabensbegleitung des Baues der Trinkwassertalsperre Leibis konnte nach Fertigstellung der Baumaßnahmen abgeschlossen werden.

Auch in die großen Verkehrsprojekte in Thüringen ist der Bereich Ingenieurgeologie eingebunden. Am ICE - Tunnel Augustaburg liefen bis März 2005 Untersuchungen, die durch Subrosionsprozesse bedingten Georisiken näher definieren sollten.

NE-Einschnitt des ICE-Tunnels Augustaburg mit Anschnitt des fossilen Erdfalls Ef 5031-012

Profilaufnahme der fossilen Erdfälle Ef 5031-012 bzw. Ef 5031-016
(zum Vergrößern auf die Abbildung klicken)

Das "Baustraßenplanum" ist als Grundriss, die beiden Einschnittsböschungen sind als Seitenriss dargestellt.

Die Untersuchung der Erdfall-Füllungen und ihrer Genese dient der Beurteilung eventueller Georisiken für die im Bau befindliche ICE-Trasse.

Eine fachbehördliche ingenieurgeologische Vorhabensbegleitung erfolgt z. Z. am im Vortrieb befindlichen Schmücketunnel (BAB 71 - Schweinfurt - Oberröblingen [A38]) und am Notausgang 2 des Bleßbergtunnels (ICE-Neubaustrecke Ebensfeld-Erfurt).

Ferner wurden im Auftrag des Thüringer Straßenbauamtes mehrere Gutachten zu Böschungsproblemen angefertigt.


6 Geologisches Landesarchiv

Das Geologisches Landesarchiv Thüringen mit dem Geologischen Probenarchiv in Niederpöllnitz ist die wichtigste Informations- und Dokumentationszentrale Thüringens in allen Fragen der geologischen und bodenkundlichen Landesaufnahme, der Hydro-, Ingenieur- und Rohstoffgeologie sowie des Grundwasser-, Boden- und Geotopschutzes. Es beinhaltet den seit Beginn der geologischen Untersuchung des Landes gewonnenen Kenntnisstand zur Geologie Thüringens in Form von Kartenwerken, Berichten, Bohrungsdokumentationen, Proben und Bohrkernen. Aufgabe des Landesarchiv ist es, die Informationen zu erfassen und inhaltlich zu erschließen, sie internen und externen Nutzern zur Einsichtnahme zugänglich zu machen sowie in Form von Karten, Erläuterungen und digitalen Daten zu vertreiben. Das Geologische Landesarchiv gliedert sich in

  • Schriftgutarchiv
  • Kartenarchiv
  • Bohrarchiv und Landesbohrdatenbank
  • Vertrieb geowissenschaftlicher Karten und Schriften
  • Geologisches Probenarchiv Thüringen (GEOPAT).

In allen Bereichen des Geologischen Landesarchivs wurden die laufenden Arbeiten (z. B. Publikumsbetreuung, Bestandspflege, Einarbeitung neuer Bestände und Datensätze sowie Erweiterung und Pflege der Sammlungsbestände im GEOPAT) fortgeführt.

Kartenarchiv und Vertrieb geowissenschaftlicher Karten sowie Schriften

Der Vertrieb bearbeitete 2005 über 365 Bestellungen und Barverkäufe. Ein Publikationsverzeichnis (Geologie) liegt sowohl analog als Broschüre als auch als interaktive Version im Internet vor. Es ermöglicht eine schnelle Übersicht über die Vielzahl geologischer Kartenwerke und Schriften sowie eine unkomplizierte Bestellung per E-mail.

Bohrarchiv und Landesbohrdatenbank

Die Daten der etwa 300.000 im Bohrarchiv erfassten Bohrungen liegen zur Zeit überwiegend analog in Aktenform vor; digital erfasst sind die Stammdaten von ca. 85.000 Bohrungen. Da Recherchen und Auswertungen auf dieser Grundlage umständlich und zeitaufwendig sind, wird das Datenmaterial schrittweise in digitale Form überführt. Ziel der digitalen Umsetzung des TLUG-Bohrarchivs in die Landesbohrdatenbank ist - unter Wahrung der jeweiligen Eigentümerrechte - die verbesserte Verfügbarkeit der Daten, insbesondere auch für externe Nutzer. Für die Erfassung der Schichtdaten wird der vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) Niedersachsen entwickelte SEP3-Standard (Aufschlusstyp) in Kombination mit dem Programm GeoDIN eingesetzt. Schichtenverzeichnisse neuer Bohrungen sollen dem Bohrarchiv der TLUG zukünftig gemäß diesem Standard bereits in digitaler Form über das kostenfreie GeoDIN-Shuttle zugeführt werden. Mittelfristig werden externen Nutzern interaktive Bohrkarten per Internet zur Verfügung stehen. Der Aufbau und die Laufendhaltung der digitalen Bohrdatenbank ist eine unverzichtbare Grundlage für die rasche Bearbeitung interner und externer Anfragen.

Schriftgutarchiv

Die im Schriftgutarchiv eingelagerten Unterlagen wurden insbesondere für die Erarbeitung geologischer Stellungnahmen zu den verschiedensten Planungsverfahren intensiv genutzt.
Der Bestand an Schriftguteinheiten ist zwischenzeitlich auf 69.636 angewachsen (geowissenschaftliche Stellungnahmen, Gutachten, Projekte, Berichte sowie Studienarbeiten).

Geologisches Probenarchiv Thüringen (GEOPAT) in Niederpöllnitz

Das Geologische Probenarchiv Thüringen konnte durch die Neueinlagerung von 98 Kernbohrungen mit 5.235 Bohrkernmetern den Bohrkernbestand auf nahezu 200.000 m erhöhen. Zahlreiche Bohrungen wurden für Mitarbeiter des Hauses und für externe Interessenten aus Wissenschaft und Wirtschaft zur Einsichtnahme ausgelegt.
Daneben erfolgte eine intensive Pflege der Sammlungsbestände an Bohrkernproben, Handstücken, Mineralien sowie Lagerstätten und Bodenproben.