|
Wasser
Inhalt
1
Oberirdische Gewässer
2 Hydrogeologie, Grundwasser
Mit
Veröffentlichung am 22. Dezember 2000 ist die Richtlinie
2000/60/EG, die sogenannte "Wasserrahmenrichtlinie"
(WRRL) in Kraft getreten. Ein wesentliches Ziel dieser
Richtlinie ist die Schaffung eines einheitlichen europäischen
Ordnungsrahmens für die Wasserwirtschaft. Eine zentrale
inhaltliche Forderung ist dabei die Erreichung des "guten
Zustandes" für alle Gewässer bis 2015, unabhängig davon,
ob es sich um Grundwasser oder oberirdische Gewässer
handelt.
Das
Berichtsjahr war in diesem Zusammenhang geprägt von
den Aktivitäten zur Bestandsaufnahme. Sie beinhaltete
bei den oberirdischen Gewässern die Beschreibung der
Merkmale einer Flussgebietseinheit und die Überprüfung
der Umweltauswirkungen menschlicher Tätigkeiten. Seitens
der TLUG wurden hierzu Auswertungen vorgenommen oder
begleitet, die Dateninfrastruktur angepasst und schließlich
Berichtskarten zu unterschiedlichsten Fragestellungen
erarbeitet. Ein wesentlicher Baustein war dabei die
Abgrenzung von "Wasserkörpern" als kleinster zu bewirtschaftender
Einheit nach WRRL.
1.1
Flüsse und Bäche
Die
Thüringer Fließgewässer lassen sich drei Stromgebieten
zuordnen. Der größte Teil, ca. 60 % der Landesfläche,
ist dem Einzugsgebiet der Elbe zuzurechnen. Der westliche
Bereich mit Werra und Leine ist Bestandteil des Stromgebietes
der Weser und in Südthüringen entwässern eine Reihe
kleinerer Fließgewässer in das Maineinzugsgebiet und
gehörten somit zum Stromgebiet des Rheins.
Für
die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie ist allerdings
nur ein Teil des Thüringer Gewässernetzes zu berücksichtigen.
Als Untergrenze wurde eine Einzugsgebietsgröße von 10
km² festgelegt. Das hat zur Folge, dass für die Bestandsaufnahme
nur etwa 5.500 km des Thüringer Gewässernetzes betrachtet
werden. Diese 5.500 km wurden insgesamt 160 oberirdischen
Wasserkörpern zugeordnet. Davon sind 146 Fließgewässerwasserkörper
und 14 Standgewässer (mit einer Wasserfläche von mehr
als 50 ha). 100 der Fließgewässerwasserkörper liegen
vollständig in Thüringen, die übrigen sind grenzüberschreitend
und wurden in Absprache mit dem jeweiligen Nachbarland
bearbeitet.
Die
Basis für die wasserwirtschaftliche Praxis sind die
grundlegenden Kenntnisse der Wasserstände und der daraus
ermittelten Durchflüsse, die Ermittlung der Gewässerstruktur
sowie der Gewässergüte.
Abflussgeschehen
Auswertung
repräsentativer Pegel
Zur
Charakterisierung des Abflussgeschehens im Berichtsjahr
werden für 18 ausgewählte Pegel aus sechs Flussgebieten
die Hauptwerte des Durchflusses 2004 den analogen mehrjährigen
Beobachtungswerten gegenübergestellt.
Der
für das Jahr 2004 berechnete Jahresmittelwert des Durchflusses
(MQ) für die in der Tabelle genannten Pegel lag bei
75 % der mehrjährigen MQ-Werte. Obwohl bei der für Thüringen
für das Jahr 2004 ermittelten Gebietsniederschlagshöhe
von 705 mm (Angabe des DWD) ein leichtes Plus (102 %
des langjährigen Mittels) zu verzeichnen ist, wurde
an keinem Pegel der mehrjährige MQ-Wert erreicht. Die
höchsten mittleren Jahresabflüsse im Bereich von 90
% des mehrjährigen MQ sind in der oberen Werra, oberen
Saale und im Maingebiet zu verzeichnen.
Die niedrigsten Abflüsse zeigten sich am Pegel Erfurt-Möbisburg/Gera
(47 % des mehrjährigen MQ).
Zum
Jahresbeginn wurden - ausgehend von den geringen Abflüssen
zum Jahresende 2003 - an allen Gewässern weiterhin Durchflüsse
unter den Monats-MQ-Werten an den Pegeln beobachtet.
Im Februar brachten Tauwetter und gebietsweise ergiebiger
Regen einen Anstieg der Abflüsse bis in den Hochwasserbereich
und der Monats-MQ-Wert lag im Bereich des mehrjährigen
Wertes. Die folgenden Monate waren niederschlagsarm
und die Abflüsse gingen kontinuierlich zurück. Selbst
das Abtauen der Schneedecke brachte nur kurzzeitig geringe
Erhöhungen. Im April lag der Durchschnittswert für den
Durchfluss der genannten Pegel bei nur 39 % der mehrjährigen
monatlichen Mittelwerte. Dabei traten in den ersten
vier Monaten die jeweils niedrigsten Werte am Pegel
Erfurt-Möbisburg auf (April nur 23 % des mehrjährigen
Monats-MQ-Wertes). Selbst die Monats-HQ-Werte an den
Pegeln lagen im März und April unter den mehrjährigen
Monats-MQ-Werten.
Häufige
und ergiebige Niederschläge im Mai führten zu einem
Ansteigen der Abflüsse bis in den Hochwasserbereich.
Der Durchschnittswert des Durchflusses der Pegel lag
deutlich über dem mehrjährigen Wert. Der Juni zeigte
sich dagegen zu trocken, die Durchflüsse an den Pegeln
gingen wieder zurück und der Durchschnittswert lag bei
51 % der mehrjährigen MQ-Werte. In den Folgemonaten
war es zwar teils zu feucht und es kam gebietsweise
zum Ansteigen der Wasserführung, vereinzelt auch bis
in den Hochwasserbereich, aber insgesamt blieben die
Durchflusswerte wesentlich unter den mehrjährigen MQ-Werten.
Dabei zeigten sich deutlich regionale Unterschiede.
Während überwiegend an den Pegeln im Gebiet der Werra,
des Mains und teils auch den nördlichen Zuflüssen der
Unstrut die höchsten Abflüsse zu verzeichnen waren,
konnten die geringsten Werte an der Gera, Hörsel, Loquitz,
Schwarza sowie den östlichsten Gewässern Weiße Elster
und Pleiße ermittelt werden.
Im
November führten Niederschläge thüringenweit zum Ansteigen
der Abflüsse, die MQ-Werte der Pegel lagen (mit der
Ausnahme von Erfurt-Möbisburg/Gera) alle wesentlich
über den mehrjährigen Werten. Im Dezember fielen die
Durchflusswerte an allen Pegeln wieder und erreichten
im Durchschnitt nur 74 % der mehrjährigen Werte.
Beim
Vergleich der höchsten Abflüsse der Jahresganglinien
in den folgenden Abbildungen mit den HQ-Werten des Kalenderjahres
2004 (Tabelle
1) ist zu beachten, dass in den Ganglinien Tagesmittelwerte
dargestellt sind, während die HQ-Werte als Terminwerte
angegeben werden und damit über den abgebildeten Werten
liegen.
Hochwassergeschehen
2004
Hochwassersituationen
traten in diesem Jahr besonders in den Monaten Februar,
Mai und November auf.
Tauwetter
und ergiebige Niederschläge Anfang Februar führten zu
einem raschen Ansteigen an den Pegeln. An insgesamt
sieben Hochwassermeldepegeln - vorwiegend aus den Kammlagen
der Mittelgebirge - wurden die Richtwasserstände für
den Hochwassermeldebeginn kurzzeitig am 03.02. bzw.
04.02. überschritten.
In
der ersten Maidekade kam es nach häufigen ergiebigen
Niederschlägen thüringenweit zu einem starken Ansteigen
der Fließgewässerpegel. Hochwasserscheitelwerte wurden
vorwiegend am 08.05. beobachtet. Besonders betroffen
war das Gebiet der Werra: An 13 Hochwassermeldepegeln
wurde der Richtwert für den Meldebeginn bzw. Alarmgrenzen
überschritten. Entlang der Ulster bestand kurzzeitig
die Alarmstufe (A) 2. Am Pegel Unterbreizbach/Ulster
trat mit 153 m³/s der höchste Scheitel seit 1981 auf
(HQ20). Am Pegel Gerstungen/Werra
wurde kurzzeitig auch die A 2 registriert (Durchfluss
entsprach einem HQ5). Durch die
natürliche Retention verminderte sich der Scheitel in
der Werra bis Frankenroda auf ein HQ2.
Im Gebiet der Hörsel traten Wasserstände im Bereich
der A 1 auf. An der überwiegenden Zahl der Pegel im
Werra-Gebiet konnten die erreichten Durchflusswerte
einem HQ2 zugeordnet werden.
Im
Gebiet der Unstrut wurden an den Pegeln Wipperdorf/Wipper
und Oldisleben/Unstrut die Richtwasserstände überschritten.
Am Pegel Erfurt-Möbisburg/Gera lag der Wasserstand unmittelbar
an der Grenze zur A 1. Im Gebiet der Saale und Weißen
Elster wurden keine Richtwasserstände für den Hochwassermeldebeginn
erreicht.
Von
den kleineren lokalen Hochwassersituationen während
der Sommermonate ist das Ereignis vom 23. Juli aus den
Gebieten der oberen Unstrut und Frieda zu nennen. Hier
hatte eine Wasserhose einen örtlichen Niederschlag von
146 mm gebracht. Dabei kam es lokal (Bickenriede und
Lengenfeld unterm Stein) zu größeren Überflutungen von
Straßen und Gebäuden. Am Pegel Ammern/Unstrut erreichte
der Wasserstand den Meldebeginn.
Flächendeckende,
anhaltende und ergiebige Niederschläge am Ende der zweiten
Monatsdekade im November verursachten einen raschen
Anstieg der Durchflüsse an allen Pegeln. Im Gebiet der
Werra und des Mains waren sechs Pegel im Hochwassermeldebereich,
am Pegel Unterbreizbach/Ulster wurde die A 1 erreicht.
Von den Pegeln der Saale erreichte nur Blankenstein/Saale
den Richtwasserstand zum Meldebeginn. An der Gera überschritt
der Pegel Gehlberg/Wilde Gera kurzzeitig die Alarmstufe
1. An der überwiegenden Anzahl der Pegel wurden die
höchsten Durchflüsse am 19. bzw. nach erneutem Anstieg
am 23./24.11. ermittelt.
Talsperren
und Rückhaltebecken waren in die Steuerung des Abflussgeschehens
einbezogen. Entsprechend wurden Scheitelwerte reduziert
und die Wasserführung nach den Ereignissen durch gezielte
Abgaben geregelt.
Extremereignisse
Im Berichtsjahr waren keine Extremereignisse wie
außergewöhnliche Hochwasser- bzw. Niedrigwassersituationen
zu verzeichnen.
Gewässerstruktur
Im
Zuge der Fortschreibung der Gewässerstrukturkartierung
wurde in den Jahren 2003/2004 an 22 Fließgewässern mit
einer Lauflänge von insgesamt 560 km die Gewässerstruktur
nach dem Übersichtsverfahren (LAWA) ermittelt.
Fließgewässergüte
Auf
der Grundlage der im Rahmen der Messnetze gewonnenen
Beschaffenheitsdaten kann der Belastungszustand der
Fließgewässer und deren Entwicklung dargestellt werden.
Bisher
wurde für die Bewertung und Darstellung der chemischen
Gewässergüte vorwiegend die chemische Güteklassifizierung,
für den biologischen Zustand eines Fließgewässers die
biologische Güteklassifizierung angewandt und veröffentlicht.
Mit
Inkrafttreten der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie
(WRRL) wird u. a. dem ökologischen Aspekt bei der Zustandsbewertung
von Oberflächengewässern mehr Bedeutung als bisher beigemessen.
Nach Anhang V der WRRL wird ein Oberflächengewässerkörper
nach dem guten ökologischen und chemischen Zustand bewertet.
In diese Bewertung gehen alle Bereiche der aquatischen
Lebensgemeinschaften aber auch viele chemische Stoffe
ein.
Bis
Ende 2004 war zur Umsetzung der WRRL eine Bestandsaufnahme
des Zustandes der Gewässer vorzunehmen. Diese Bestandsaufnahme
soll als Grundlage zur Bewertung des derzeitigen Zustandes
der Gewässer im Vergleich zu dem nach WRRL geforderten
guten Zustand dienen.
Neben
der Ermittlung der signifikanten Belastungen (z. B.
durch Punktquellen, durch diffuse Quellen) wurde im
Rahmen der Bestandsaufnahme auch deren Auswirkungen
auf den Gütezustand der Gewässer beurteilt und darauf
aufbauend eine wasserkörperbezogene Abschätzung der
Zielerreichung des guten ökologischen und chemischen
Zustandes vorgenommen. Für die Abschätzung der Zielerreichung
(nach ökologischem und chemischem Zustand getrennt)
wurden die drei Qualitätskriterien biologische Gewässergüte
(Saprobie), chemische Stoffe und Fischfauna/Gewässerstruktur
herangezogen.
Die
vorliegenden Immissionsdaten aus der biologischen und
physikalisch-chemischen Fließgewässerüberwachung einschließlich
ihrer Auswertung und Bewertung flossen in die Bestandsaufnahme
der Thüringer Fließgewässer mit ein. Für die Abschätzung
des ökologischen Zustandes wurden Ergebnisse der fast
flächendeckend vorliegenden Saprobieklassifikation,
Ergebnisse der allgemein chemisch-physikalischen Stoffe
(z. B. BSB5, Nährstoffe, Salze) sowie der flussgebietsspezifischen
Stoffe (z. B. Zinnorganika, PSM, Schwermetalle) des
Regional- und Landesmessnetzes verwendet. In den chemischen
Zustand gingen Messdaten der nach Anhang X der WRRL
definierten prioritär gefährlichen Stoffe (z. B.
Nitrat, Cadmium, Quecksilber) ein.
Die
Ergebnisse der Gefährdungsabschätzung sind u. a. im
Bericht zur Bestandsaufnahme der Wasserrahmenrichtlinie
in Thüringen (C-Bericht) ausführlich dargestellt.
Im
Ergebnis der Bestandsaufnahme wurden aber auch Defizite
der derzeit praktizierten Gewässerüberwachung sowohl
hinsichtlich der Messstellenlage als auch der Parameterauswahl
deutlich. In den kommenden Jahren werden für eine Validierung
der Bestandsaufnahme verstärkt in allen Oberflächenwasserkörpern
biologische Untersuchungen wie wirbellose Tiere der
Bodenzone (Makrozoobenthos), Kieselalgen (Phytobenthos)
und Wasserpflanzen (Makrophyten) im Vordergrund stehen
müssen.
Gewässerchemie
Die
mit den Messnetzen ermittelten Gewässergütedaten werden
digital erfasst, auf Plausibilität geprüft, dokumentiert,
statistisch aufbereitet und entsprechend den Zielsetzungen
der Messprogramme ausgewertet. In den kommenden Jahren
werden die Immissionsdaten der Oberflächengewässer nach
dem in der WRRL einheitlichen Bewertungssystem erfolgen.
Chemische Klassifizierung ausgewählter Parameter
Fließgewässer 2004
Die
vorliegende Berichterstattung bezieht sich auf die Klassifizierung
Gesamtstickstoff und Gesamtphosphor, Sulfat und Trichlormethan.
Neben einer Einzelstoffklassifizierung kann auch eine
Klassifizierung in den Stoffgruppen "Industriechemikalien",
"Schwermetalle" und "Nährstoffe, Salze und Summenkenngrößen"
vorgenommen werden.
Gesamtstickstoff
Gesamtstickstoff
steht im Wesentlichen für Belastungen aus der Landwirtschaft.
Er fördert in Gewässern, als einer der wichtigsten Nährstoffe,
die Eutrophierung. Seit 1992 bis heute sind positive
Veränderungen in der Stickstoffbelastung der Fließgewässer
zu verzeichnen. 2004 hat sich gegenüber 1992 der prozentuale
Anteil bei der Güteklasse III zugunsten der Güteklasse
II-III von 19 auf 30% erhöht. Die Abbildung gibt den
prozentualen Anteil der Güteklassen 1992 und 2004 wieder.
Phosphor
Phosphor
ist für alle Organismen ein notwendiger Nährstoff. Häusliche,
landwirtschaftliche aber auch industrielle Abwässer
sind Haupteintragsquellen für Phosphor.
Durch
die anthropogene Zufuhr wird Phosphor zum Haupteutrophierungsfaktor.
Folgeerscheinungen für das Gewässer sind eine starke
Verkrautung, sprunghafte Zunahme der Wasserpflanzen
und Fadenalgen oder eine massenhafte Vermehrung von
Phytoplankton.
Obwohl
sich 2004 gegenüber 1992 der prozentuale Anteil bei
den Güteklassen II und besser von 0 auf 11% erhöht und
bei den Güteklassen III und schlechter von 82 auf 52%
reduziert hat, muss die kommunale Abwasserreinigung
weiter verbessert bzw. erweitert werden. Die Abbildung
gibt den prozentualen Anteil der Güteklassen 1992 und
2004 wieder.
Sulfat
Sulfate
finden Anwendung in vielen Industriezweigen. Durch den
Einsatz von Kunstdünger auf landwirtschaftlichen Flächen
sowie durch industrielle Abwässer und Sickerwässer gelangen
sie in die Umwelt.
In
kalkarmen Regionen kann es zur Versauerung der Oberläufe
von Fließgewässern kommen. Versauerte Gewässer weisen
nur noch einen reduzierten Fischbestand auf und führen
bei Flusskrebsen, Schnecken und Muscheln zur Bildung
von extrem dünnen Schalen und Gehäusen.
2004
stieg der Anteil der Messstellen in Güteklasse II und
besser von 27% auf 34% und der Anteil von Güteklasse
III und schlechter sank von 48% auf 42%.
Trichlormethan
(Chloroform)
Aus
der Stoffgruppe "Industriechemikalien" ist Trichlormethan
einer der für Thüringen relevanten organischen Spurenstoffe.
Trichlormethan
ist anthropogener Herkunft und gelangt sowohl über industrielle
und kommunale Abwassereinleitungen als auch diffus in
die Gewässer. Durch die Umstrukturierung der Industrie
und verbesserte kommunale Abwasserreinigung ist über
die Folgejahre ein stark rückläufiger Trend zu verzeichnen,
der sich in einer verbesserten chemischen Gewässergüteklasse
deutlich macht.
Waren
1993 nur 30% der Messstellen in Güteklasse II und besser
sind es heute 95%. Die Güteklassen III und schlechter
sind heute nicht mehr anzutreffen.
Gewässerbiologie
Die
Belastung von Fließgewässern mit biologisch abbaubaren
Abwässern wird mit Hilfe eines biologisch-ökologischen
Verfahrens (Saprobienindex nach DIN 38410) ermittelt.
Es werden 7 Belastungsklassen mit 4 Hauptklassen und
3 Zwischenstufen unterschieden und durch unterschiedliche
Farbbänder dargestellt.
Tabelle
2: Güteklassen
| Güteklasse |
Grad
der organischen Belastung |
| I |
unbelastet
bis sehr gering belastet |
| I-II |
gering
belastet |
| II |
mäßig
belastet |
| II-III |
kritisch
belastet |
| III |
stark
verschmutzt |
| III-IV |
sehr
stark verschmutzt |
| IV |
übermäßig
verschmutzt |
Seit
1991 ist eine überaus positive Güteentwicklung erkennbar.
Der Anteil der Gewässer mit einer guten bis sehr guten
Qualität (Gewässergüteklasse II und besser) lag 2003
bei 66%, 1991 bei 16 %. Gleichzeitig nahm der Anteil
stark bis übermäßig stark belasteter Gewässerabschnitte
in der Güteklasse III und schlechter ab und ist 2002
nur noch in 4 % der klassifizierten Gewässer anzutreffen.
Tabelle
3: Prozentuale Güteklassenverteilung der klassifizierten
Fließgewässer Thüringens
|
Güteklasse
|
1991
|
1993
|
1995
|
1997
|
1999
|
2000
|
2002
|
2003
|
| I |
1,1
|
0,9
|
1,5
|
1,7
|
2,0
|
2,1
|
1,8
|
1,6
|
| I-II |
2,9
|
1,3
|
2,0
|
5,8
|
6,5
|
6,9
|
7,2
|
7,0
|
| II |
12,3
|
23,9
|
35,0
|
46,4
|
48,7
|
53,4
|
57,8
|
58,8
|
| II-III
|
48,2
|
55,5
|
51,0
|
36,9
|
34,1
|
29,9
|
29,2
|
28,2
|
| III |
24,9
|
11,7
|
8,0
|
7,2
|
6,9
|
6,1
|
2,4
|
3,1
|
| III-IV |
8,2
|
5,7
|
2,5
|
1,5
|
1,7
|
1,5
|
1,3
|
1,2
|
| IV |
2,4
|
1,1
|
-
|
0,5
|
0,1
|
0,2
|
0,3
|
0,1
|
1.2
Talsperren
Mengenbewirtschaftung
Allgemeines/Gesamteinschätzung
Die
Talsperrenstatistik Thüringen enthält 172 klassifizierte
Talsperren (TS), Hochwasser-Rückhaltebecken (HRB) und
kleinere Speicher (SP). Dazu kommen noch sechs Vorsperren,
acht Stollen und sechs sonstige Überleitungsanlagen.
Der Gesamtstauraum aller Anlagen beträgt ca. 661 hm³.
Die
Versorgungs- und/oder Schutzfunktion der Thüringer Trink-
und Brauchwassertalsperren sowie der Hochwasser-Rückhaltebecken
wurde im Berichtsjahr erfüllt.
Neben
den jeweils vorhandenen Stauraumkapazitäten für Betriebsstau
und Vollstau ist der Jahresgang des Stauinhaltes ausgewiesen,
weiterhin die Jahressummen- und Durchschnittswerte für
den Zufluss und die Abgaben der TS/HRB.
Der
Zufluss zu den großen Speichern (Jahresmittel) bewegte
sich 2004 im Bereich von 66 bis 110 % der mehrjährigen
Mittelwerte, bezogen auf das natürliche Einzugsgebiet.
Durch Überleitung aus Fremdeinzugsgebieten wurde bei
der TS Schmalwasser nahezu das Zweieinhalbfache des
natürlichen Zuflusses erreicht. Weitere Talsperren mit
Überleitungen sind die Ohratalsperre (~ 9 hm³) und die
TS Zeulenroda/TS Weida (~ 1,7 hm³).
Im
Jahresverlauf trugen vor allem die Monate Februar und
November und beim HRB Straußfurt der Mai wesentliche
Anteile zum Jahreszufluss bei. Der dominierende Monat
November erbrachte an den ausgewiesenen TS/HRB bis zu
22 % des Jahreszuflusses.
Ein
herausragendes Ereignis für den Bau und Betrieb von
Stauanlagen in Thüringen war die Übergabe der Betriebsgenehmigung
für das Pumpspeicherwerk Goldisthal. Die Übergabe wurde
durch den Thüringer Umweltminister Dr. Sklenar in feierlichem
Rahmen in der Maschinenkaverne des Pumpspeicherwerkes
vorgenommen. Mit einer Gesamtleistung von 1.060 MW gehört
die Anlage der Vattenfall Europe damit zu den größten
und modernsten ihrer Art in Europa.
Trinkwassertalsperren
Die
Betriebsstauinhalte der großen Trinkwassertalsperren
bewegten sich 2004 in folgendem Bereich:
- System
der Weidatalsperren 87 ... 100 %
- TS
Schönbrunn 84 ... 105 %
- TS
Schmalwasser 61 ... 88 %
- TS
Ohra 83 ... 100 %
|
System
der Weidatalsperre - Bewirtschaftung 2004 Talsperre
Schönbrunn - Bewirtschaftung 2004
Beim
System der Weidatalsperren wurde der seit Juli 2003
befristet reduzierte Betriebsstauraum von 31,34 hm³
geringfügig in den Monaten März bis Mai tageweise überschritten.
Der höchste Zufluss zum System der Weidatalsperren wurde
im Jahr 2004 am 30.11.2004 mit 16 m³/s (Tagesmittel)
gemessen. Diese Menge entspricht einem Wiederkehrintervall
von drei bis vier Jahren.
An
der TS Schönbrunn wurde der höchste Zufluss mit 6,3
m³/s am 19.11.2004 registriert. Das Wiederkehrintervall
ist mit ca. zwei Jahren einzuordnen. Der gewöhnliche
HW-Rückhalteraum wurde vom 22.03. bis 20.05.2004 und
vom 20.11. bis 01.12.2004 in Anspruch genommen.
Die
Überleitungssysteme zur Dargebotserhöhung wurden differenziert
in Anspruch genommen. So war die Wisenta-Überleitung
nur im Januar 2004 planmäßig zur Auffüllung der Weidatalsperren
in Betrieb (ca. 0,8 hm³). In den übrigen Monaten wurde
nur das Sickerwasser des 2,3 km langen Wisentastollens
genutzt.
Die
Überleitungen in die TS Ohra und die TS Schmalwasser
waren jeweils mehrere Monate in Betrieb. Durch den Gerastollen
wurden der TS Ohra 7,5 hm³ zugeführt, durch den Haselstollen
10,1 hm³ in das Einzugsgebiet der TS Schmalwasser mit
Weiterleitung von 1,5 hm³ über den Schmalwasserstollen
in die Ohratalsperre.
Nach
Prüfung der umfangreichen wasserwirtschaftlichen Planungs-
und Betriebsunterlagen (insbesondere Wasserwirtschaftsplan)
konnte Ende des Jahres mit dem Probestauprogramm für
die im Bau befindliche Talsperre Leibis/Lichte begonnen
werden.
Saaletalsperren
Die
Bewirtschaftung des Saaletalsperrensystems im Berichtsjahr
ist mit Ganglinien für den Stauinhalt, den Zufluss und
die Abgabe in der folgenden Abbildung dargestellt. Saaletalsperrensystem
- Bewirtschaftung 2004 Im Zuflussgeschehen zu den Saale-Talsperren
waren mehrere kleinere Hochwasserereignisse in den Monaten
Januar, Februar, Mai und November zu verzeichnen. Der
höchste Scheitelwert wurde am 20.11.2004 mit ca. 126
m³/s (Tagesmittel 106 m³/s) erreicht. Das dazugehörige
Widerkehrintervall liegt unter zwei Jahren. Der gewöhnliche
HW-Rückhalteraum wurde 2004 nicht eingestaut. Der Stauinhalt
bewegte sich im Jahresverlauf zwischen 85 % (Januar)
und 94 % (Mai) des Betriebsstauzieles. Staubeschränkungen
durch Baumaßnahmen an den für die Wasserbewirtschaftung
relevanten Großtalsperren TS Bleiloch und TS Hohenwarte
traten im Berichtsjahr nicht auf. Der Gesamtzufluss
zum Talsperrensystem betrug im Berichtsjahr 399 hm³
entsprechend 77 % des langjährigen Mittels.
HRB
Straußfurt
Von April bis Oktober wurde ein Teilstau von 4,1
bis 4,9 hm³ gehalten. Der höchste Zufluss trat am 07.05.2004
mit einem Scheitelwert von 86 m³/s auf und entsprach
damit einem Wiederkehrintervall von drei bis vier Jahren.
Der Jahreszufluss zum HRB lag mit 245 hm³/a entsprechend
7,8 m³/s bei 66 % des langjährigen Mittelwertes.
Gütebewirtschaftung
Für
eine Bewertung des trophischen Gütezustandes von natürlichen
Seen, Baggerseen und Talsperren wurden bisher die im
Zeitraum von 1998 bis 2003 durch die LAWA erarbeiteten
Richtlinien verwendet.
Nach
den Trophierichtlinien für Standgewässer wird in einem
ersten Schritt der Istzustand der Trophie, im zweiten
Schritt die Referenz-Trophie ermittelt und im dritten
Schritt der Vergleich von Ist-Trophie mit der abgeleiteten
Referenz-Trophie vorgenommen.
Bei
der Ableitung der Referenz-Trophie wird dabei der natürliche
Phosphoreintrag der Landflächen des Einzugsgebietes,
der Anteil der anthropogenen Einflüsse, die Gewässermorphometrie
(mittlere Tiefe, Tiefengradient) und der Schichtungstyp
(geschichtet oder durchmischt) des zu beurteilenden
Standgewässers berücksichtigt.
Im
Jahr 2004 wurde eine Gewässergütekarte für Stehende
Gewässer auf der Basis der LAWA Trophierichtlinien für
natürliche Seen, Baggerseen und Talsperren in Thüringen
veröffentlicht. Ein Beiheft zur Gütekarte mit Erläuterung
der Methodik wird für die Veröffentlichung im Internet
vorbereitet. Die gedruckte Karte im Format A0 ist über
das Referat Öffentlichkeitsarbeit der TLUG zu beziehen.
Die Karte dokumentiert den Gütezustand von 87 Standgewässern,
welche im Zeitraum 1998 bis 2003 untersucht wurden mit
folgendem Ergebnis:
| Die
natürlichen Seen und Baggerseen entsprechen zu 44%
und die Talsperren zu 52% der Referenz-Trophie bzw.
weichen nur eine Trophiestufe davon ab. Mehr als
eine Trophiestufe weichen 56% der natürlichen Seen
und Baggerseen sowie 48% der Talsperren von der
Referenz-Trophie ab. |
Sanierungsmaßnahmen
im Einzugsgebiet bzw. Maßnahmen im Gewässer sind Voraussetzung
zur Gewässerentwicklung in Richtung der Referenz-Trophie.
Die
Ergebnisse der Trophieklassifizierung und Bewertung
flossen neben vorliegenden Messdaten aus Einzelstoffuntersuchungen
der ECO- und CHEM- Stofflisten in die Bestandsaufnahme
der Thüringer Standgewässer mit einer Gewässerfläche
> 50 ha für die Wasserrahmenrichtlinie mit ein. Ebenso
fanden die Gewässernutzungen wie Trinkwassergewinnung
und Badegewässer Berücksichtigung.
Abschließend
erfolgte eine Abschätzung der Zielerreichung des guten
ökologischen Zustandes bei Seen und bei den Talsperren
als erheblich veränderte Gewässer des guten ökologischen
Potenzials nach der Abstufung wahrscheinlich, unklar
und unwahrscheinlich. Als Grundlage dienten dabei die
vorliegenden Immissionsdaten aus der biologischen und
physikalisch-chemischen Standgewässerüberwachung.
Beschaffenheitsentwicklung
in den Trinkwassertalsperren
Die
Abbildung zeigt für ausgewählte Trinkwassertalsperren
den Jahresverlauf von Nitrat im Oberflächenbereich des
Wasserkörpers. Nitrat ist eine Messgröße, deren Gehalt
im Wasser maßgeblich von landwirtschaftlicher Flächennutzung
geprägt wird und die abhängig ist von der Witterungssituation.
Während in trockenen Jahren die Nitratkonzentrationen
in den Gewässern niedriger sind, finden in feuchten
abflussreichen Jahren höhere Stoffeinträge aus diffusen
Quellen statt, welche sich in höheren Nitratkonzentrationen
in den Gewässern zeigen.
Der
Nitratgehalt in der Trinkwassertalsperre Weida unterliegt
infolge des hohen Anteils landwirtschaftlicher Nutzflächen
im Einzugsgebiet den deutlichsten Schwankungen.
Das
Jahr 2004 war abflussbedingt durch geringe Stoffeinträge
geprägt. Die Zuflussmengen lagen unter dem langjährigen
Mittelwert.
Kurzzeitige
höhere Abflüsse im Januar, Februar und November wirkten
sich für die Talsperre Weida noch nicht gravierend aus.
Das
Maximum der Nitratkonzentration im Rohwasser der Talsperre
Weida wurde im Juli 2004 mit 32 mg/l erreicht und war
damit um ca. 14 mg/l niedriger als das Maximum des Jahres
2003.
Saale-Talsperren
Die
Abbildung zeigt den Güteverlauf des Fließgewässerabschnittes
der Saale von Hirschberg bis Harra und der nachfolgenden
Talsperren Bleiloch und Hohenwarte.
Die
Situation des Jahres 2004 kann wie folgt beschrieben
werden:
- Die
Zuflussmengen zu den Talsperre Bleiloch und Hohenwarte
waren vergleichbar mit dem Jahr 2003. Die Abweichungen
des Wasserstandes in der Talsperre Bleiloch waren
im Mittel unbedeutend.
- Die
Abwasserfrachten der Zellstoff- und Papierfabrik Blankenstein
(ZPR) haben sich gegenüber 2003 nicht erhöht.
- Die
maximale Produktionskapazität wurde mit 98 % erreicht.
Die Abwasserfrachten liegen jedoch noch deutlich unter
den Werten vor Produktionsumstellung 1998 sowie
- den
wasserrechtlichen Überwachungswerten, was sich positiv
auf die Entwicklung der Wasserbeschaffenheit auswirkt.
-
Die abbaubaren organischen Stoffe (Summenparameter
CSB) der Saale, des Abwassers von ZPR und der im Standgewässer
gebildeten Algenbiomasse sind gemeinsam für die hohe
Sauerstoffzehrung im Tiefenwasser (Sauerstoff-Mittelwert
und Minimum-Einzelwert Hypolimnion) der Talsperre
Bleiloch verantwortlich.
- In
der Talsperre Bleiloch liegt 2004 der Sauerstoff-Mittelwert
im Hypolimnion aller Messstellen über der ökologisch
vertretbaren Größenordnung von 4 mg/l O2. Die Sauerstoff-Minimumwerte
im Hypolimnion beschränken sich in der gesamten Talsperre
Bleiloch nur auf das bodennahe Tiefenwasser.
- Bei
der Sedimentation der Algenbiomasse kann auf dem Wege
in das Hypolimnion in den mittleren Wasserschichten
durch den leicht mineralisierbaren Anteil ein räumlich
und zeitlich begrenztes Sauerstoff-Minimum von <1
bis 2 mg/l auftreten.
- Am
Beispiel des Fließgewässerabschnittes der Saale bis
Ziegenrück, der Talsperre Hohenwarte und dem Ablauf
in Eichicht wird der positive Kaskadeneffekt im Sauerstoffhaushalt
bezüglich des Abbaus der organischen Stoffe deutlich.
Damit entspricht der Sauerstoff-Mittelwert im Hypolimnion
den ökologischen Anforderungen. Das Sauerstoff-Minimum
im Hypolimnion der Talsperre Hohenwarte lag im Vergleich
zum Vorjahr nicht unter 1 mg/l. Im weiteren Verlauf
des Fließgewässers wird dieses Sauerstoffdefizit wieder
ausgeglichen.
1.3
Siedlungswasserwirtschaft
Die
Siedlungswasserwirtschaft beschäftigt sich mit der Bewirtschaftung
des Wassers für den menschlichen Gebrauch. Sie wird
grundsätzlich unterteilt in die Bereiche Wasserversorgung
und Abwasserbeseitigung.
Kommunale
Abwasserbeseitigung
Die
umweltgerechte kommunale Abwasserentsorgung wird von
den zuständigen Abwasserzweckverbänden und Eigenentsorgern
wahrgenommen und dient der Verbesserung der Gewässergüteverhältnisse
sowie der Gewährleistung von ordnungsgemäßen hygienischen
Verhältnissen in Siedlungsräumen. Sie ist eine grundlegende
Voraussetzung für die zukunftsorientierte Entwicklung
der Städte und Gemeinden im Freistaat Thüringen.
|

|
|
©
TLUG
|
|
Kläranlage
Gebesee
|
|
Die
im Jahre 2004 begonnenen bzw. realisierten Vorhaben
sind größtenteils Bestandteil des Maßnahmeplanes des
Freistaates Thüringen zur Umsetzung der 2. Etappe der
EG- Kommunalabwasserrichtlinie für gemeindliche Gebiete
zwischen 2.000 bis 10.000 Einwohnerwerten für den Zeitraum
2000 bis 2005, dessen Umsetzung zu weiteren Gewässerentlastungen
führen wird.
Im
Berichtsjahr 2004 befanden sich im Freistaat Thüringen
12 kommunale Kläranlagen mit einer Gesamtkapazität von
119.700 Einwohnerwerten (EW) in der Baudurchführung.
Bei
insgesamt 7 Abwasserbehandlungsanlagen mit einer Gesamtausbaugröße
von 62.400 Einwohnerwerten konnten 2004 die Rekonstruktions-
bzw. Neubauarbeiten erfolgreich abgeschlossen werden.
Diese Kläranlagen erfüllen nunmehr die Anforderungen
an eine vorschriftsmäßige Abwasserbehandlung.
Seit
1990 wurden bisher insgesamt 448 kommunale Abwasserbehandlungsanlagen
mit einer Gesamtkapazität von 2,88 Mio. Einwohnerwerten
neu errichtet bzw. rekonstruiert. Der Anteil der neuerrichteten
bzw. rekonstruierten Ausbaukapazität an der bestehenden
Gesamtkapazität Thüringer Kläranlagen liegt 12/2004
bei 95 %.
Tabelle
5: Übersicht der im Freistaat Thüringen im Zeitraum
1990 bis 2004 fertiggestellten kommunalen Abwasserbehandlungskapazitäten
(Neubau und Rekonstruktion)
|
Größenklasse
(GK) der Abwasser-behandlungsanlage (ABA)
|
Ausbaugröße
in Einwohnerwerten (EW)
|
Anzahl
der ABA
|
Gesamtkapazitäten
der ABA (EW)
|
|
GK
1
|
<
1.000
|
306
|
74.900
|
|
GK
2
|
1.000
bis 5.000
|
70
|
185.400
|
|
GK
3
|
5.001
bis 10.000
|
25
|
198.100
|
|
GK
4
|
10.001
bis 100.000
|
43
|
1.551.100
|
|
GK
5
|
>
100.000
|
4
|
870.000
|
|
Summe
|
448
|
2.879.500
|
Der Gesamtbestand an kommunalen Kläranlagen lag zum
31.12.2004 bei 532. Im Berichtszeitraum 2004 waren insgesamt
4 Neuzugänge (Kläranlagen Auma, Gebesee, Treffurt, Haynrode,)
zu verzeichnen. Die Kläranlagen Sonneberg, Gangloffsömmern,
Merkendorf wurden jeweils am vorhandenen Standort neu
errichtet bzw. erweitert. Die Abwasserbehandlungsanlagen
Walschleben "Am See", Georgenthal/ WG Scheuerwiese,
WG Geraberg, WG Molbitz Hain I, Sülzhayn und Linderbach
"Am Steige" wurden außer Betrieb genommen.
Tabelle
6: Kommunale Kläranlagen Thüringens - Übersicht
nach Art der Behandlung, Anzahl und Ausbaugröße (Stand
12/2004)
|
Art
der Abwasser-behandlung
|
Größenklasse
der Kläranlagen [EW]
|
Summe
|
|
<
1.000
|
1.000
bis 5.000
|
5.001
bis 10.000
|
10.001
bis 100.000
|
>
100.000
|
Alle
Größen-klassen
|
| Nur
mechanische Reinigung |
Anzahl |
15
|
2
|
-
|
-
|
-
|
17
|
| Kapazität |
4.850
|
5.000
|
-
|
-
|
-
|
9.850
|
| Biologische
Reinigung |
Anzahl |
359
|
75
|
4
|
-
|
-
|
438
|
| Kapazität |
97.400
|
186.900
|
31.300
|
-
|
-
|
315.600
|
| Weitergehende
Reinigung |
Anzahl |
2
|
4
|
22
|
45
|
4
|
77
|
| Kapazität |
350
|
18.300
|
176.800
|
1.633.900
|
870.000
|
2.699.800
|
| Summe |
Anzahl |
376
|
81
|
26
|
45
|
4
|
532
|
| Kapazität |
102.600
|
210.200
|
208.100
|
1.633.900
|
870.000
|
3.024.800
|
|

|
|
©
TLUG
|
|
Anschlussgrad
an kommunale ABA
|
|
Ein
Indikator für die Entwicklung der Abwasserentsorgung
ist der Anschlussgrad der Bevölkerung an kommunale Kläranlagen.
In diesem Bericht wird die Entwicklung im Zeitraum 1990
bis 2003 dargestellt. Die Daten für das Berichtsjahr
2004 stehen ab Mai 2005 zur Verfügung und werden im
nächsten Umweltbericht mitgeteilt. Nach Auswertung der
Eigenkontrollberichterstattung der Abwasserzweckverbände
bzw. Eigenentsorger sind im Jahr 2003 1.530.000 Einwohner
an eine kommunale Kläranlage angeschlossen. Der Anteil
an der Gesamtbevölkerung liegt damit bei 64 %.
Mit
den abwassertechnischen Maßnahmen konnte in den vergangenen
Jahren weitere Fortschritte beim Neubau, der Ertüchtigung
und Modernisierung der Abwasserbehandlungsanlagen erreicht
werden. Damit hat sich auch die Qualität der Abwasserreinigung
wesentlich verbessert. Der Anteil der Bevölkerung, dessen
Abwässer in kommunalen Kläranlagen nur unzureichend
mechanisch gereinigt wird, ist im Jahre 2003 unter 0,3
% gesunken. Dagegen erhöhte sich in dem Zeitraum von
13 Jahren kontinuierlich der Einwohneranteil auf 54
%, dessen Abwässer mit Phosphor- bzw. Stickstoffelimination,
also mit weitergehender Reinigung, behandelt werden.
Im
Vergleich der neuen Bundesländer (Stand 1990) lag auf
Grund der schwachen Infrastruktur Thüringen mit 43 %
Anschlussgrad weit unter dem Mittelwert von 55 % der
5 neuen Bundesländer. Gemessen an dem in den alten Bundesländern
2003 erreichten Anschlussgrad der Bevölkerung an zentrale
kommunale Kläranlagen von 95 %, wird deutlich, dass
noch erhebliche Anstrengungen zur weiteren Verbesserung
der Infrastruktur erforderlich sind. Auch unter dem
Gesichtspunkt der weiteren Gewässerentlastung ist es
notwendig, den Anschlussgrad an kommunale Kläranlagen
weiter zu erhöhen. Die unzureichende Abwasserbehandlung
über eine Vielzahl von desolaten Kleinkläranlagen und
Teilortskanalisationen in geschlossenen Siedlungsgebieten
stellt eine erhebliche Gewässerbelastung dar.
Wasserversorgung
Im
Bereich der Wasserversorgung wurde die Karte der Träger
der öffentlichen Wasserversorgung (letzte Auflage 1997)
von Grund auf überarbeitet.
Diese
allgemeine Übersicht über die Wasserversorgung in Thüringen
kann über die Öffentlichkeitsarbeit der TLUG als Karte
oder als interaktive CD-ROM bezogen werden. Eine Veröffentlichung
im Internet wird gegenwärtig vorbereitet.
nach
oben
| 2
Hydrogeologie/Grundwasser |
Die
Europäische Wasserrahmenrichtlinie
Im
Dezember 2000 trat die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen
Gemeinschaft in Kraft mit dem Ziel, auch über Staats-
und Ländergrenzen hinweg eine koordinierte Bewirtschaftung
der Gewässer und eine Harmonisierung des Gewässerschutzes
zu bewirken. Sie fordert die integrale Bewirtschaftung
von Grundwasser und Oberflächengewässern in Flussgebietseinheiten.
Bei
der Bestandsaufnahme, die im Dezember 2004 abgeschlossen
wurde, war entsprechend Art. 5 der Wasserrahmenrichtlinie
eine Analyse der Merkmale der Flussgebietseinheit ,
eine Überprüfung der Auswirkungen menschlicher Tätigkeiten
auf den Zustand der Oberflächengewässer und des Grundwassers
sowie eine wirtschaftliche Analyse der Wassernutzung
in der Flussgebietseinheit entsprechend den Vorgaben
der Anhänge II und III der WRRL durchzuführen.
Wichtigstes
Ziel der Bestandsaufnahme ist die Einschätzung der Einhaltung
bzw. Gefährdung des guten Gewässerzustands mit den sich
daraus ergebenden Konsequenzen für künftige Überwachungsprogramme
und Bewirtschaftungspläne in den Flussgebietseinheiten.
Als Bewertungseinheit wurden Wasserkörper festgelegt,
die in Art. 2 der WRRL getrennt für Oberflächenwasser
und Grundwasser definiert werden.
Ein
Grundwasserkörper ist ein abgegrenztes Grundwasservolumen
innerhalb eines oder mehrerer Grundwasserleiter (Grundwasserleiter:
eine unter der Oberfläche liegende Schicht oder Schichten
von Felsen oder anderen geologischen Formationen mit
hinreichender Porosität und Permeabilität, so dass entweder
ein nennenswerter Grundwasserstrom oder die Entnahme
erheblicher Grundwassermengen möglich ist).
|

|
|
©
TLUG
|
|
Karte
der Grundwasser-Körper
|
|
Die
WRRL gibt eine Gesamtbewirtschaftung der Gewässer in
Flussgebietseinheiten vor, so dass es erforderlich ist,
die Grundwasserkörper Teileinzugsgebieten zuzuordnen,
die durch die oberirdischen Einzugsgebiete begrenzt
werden.
Bezüglich
der Abgrenzung einzelner Grundwasserkörper macht die
Richtlinie keine konkreten Vorgaben. Jedoch ist aus
den Anforderungen der Richtlinie u.a. der Berichts-
und Überwachungspflichten abzuleiten, dass die Grenzziehung
so erfolgen sollte, dass die Grundwasserkörper eine
möglichst homogene Einheit darstellen, die eine eindeutige
Einschätzung, Beschreibung und Überwachung sowohl des
mengenmäßigen als auch des chemischen Zustandes erlauben.
Hydrogeologische
Übersichtskarte 1: 200 000
Für
einen bundesweiten Überblick der hydrogeologischen Strukturen
des obersten Grundwasserleiters erarbeiteten die Staatlichen
Geologischen Dienste der Länder unter der Koordination
der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
(BGR) eine bundesweit flächendeckende hydrogeologische
Übersichtskarte von Deutschland im Maßstab 1 : 200 000
(HÜK 200), die als Grundlage für eine erste Beschreibung
des Ist-Zustandes dient.
Die
HÜK 200-Karten von Thüringen können über die Bundesanstalt
für Geowissenschaften und Rohstoffe sowie die Thüringer
Landesanstalt für Umwelt und Geologie bezogen werden.
Eine
Inselkarte von Thüringen war im Rahmen dieser Arbeiten
nach gleichem Schema bereits im August 2000 erarbeitet
worden und kann über die TLUG bezogen werden.
| Abbildungen |
|
Aus
der CD "Geologie und Hydrogeologie im Überblick":
|
|
Die
folgenden Abbildungen zeigen verschiedene hydrogeologische
Themen (bzw. Ausschnitte) aus der CD "Geologie und Hydrogeologie
im Überblick":
Die
erste Karte beinhaltet Informationen zum Geochemischen
Gesteinstyp des oberen Grundwasserleiters sowie
dem Vorhandensein bindiger Deckschichten im Hangenden
des oberen Grundwasserleiters. Die Vergabe des Attributes
"Geochemischer Gesteinstyp" richtet sich nach den überwiegenden
Anteilen der in den Legendeneinheiten der GÜK 200 angegebenen
Gesteine.
In
der zweiten Karte sind Informationen zur Art der
Grundwasserführung des oberen Grundwasserleiters
sowie dem Vorhandensein von bindigen Deckschichten im
Hangenden des oberen Grundwasserleiters dargestellt.
Die Informationen zur Art des Hohlraums sind in den
drei Klassen "Poren", "Kluft" und "Karst" dargestellt.
Zusätzlich wurden die beiden Kombinationsklassen "Kluft/Poren"
(z.B. für geklüftete Sandsteine mit ausgeprägter, nutzbarer
Porosität, sog. "Doppelporosität") bzw. "Kluft/Karst"
(z.B. für gips- bzw. anhydrithaltige Sedimente) vergeben.
Die
dritte Karte beinhaltet Informationen zur Durchlässigkeit
des oberen Grundwasserleiters (kf-Wert) sowie dem
Vorhandensein von bindigen Deckschichten im Hangenden
des oberen Grundwasserleiters. Die Angaben beziehen
sich im Lockergesteinsbereich auf die Gesteins-, im
Festgesteinsbereich auf die Gebirgsdurchlässigkeit.
Bei Gesteinen mit deutlich erhöhten Durchlässigkeiten
in der Auflockerungszone (z.B. Granite, Porphyre) beziehen
sich die Angaben sowohl auf diese Bereiche, als auch
auf das unverwitterte Gestein. Hierdurch wird dem Aspekt
des vorsorgenden Schutzes des oberen Grundwasserleiters
sowie der in diesen Bereichen oft vorhandenen Nutzung
durch Wasserwerke oder andere Nutzer Rechnung getragen.
Montanhydrogeologie
Schwerpunkte
in Thüringen, bezüglich derer der Sachverstand Thüringer
Landesanstalt für Umwelt und Geologie gefragt ist, sind
zum Beispiel:
Die
Versenkung von Salzabwasser der K+S KALI GmbH der K+S
Gruppe, Werk Werra im Werra-Kaligebiet
Einen
wichtigen Geschäftsbereich der K+S Gruppe umfassen Kali-
und Magnesiumprodukte. Das Werk Werra der K + S KALI
GmbH mit den Standorten Wintershall/Heringen und Hattorf/Phillipsthal
in Hessen sowie Unterbreizbach in Thüringen produziert
in ihren Gruben und Anlagen Produkte, die vielfältig
Verwendung finden.
|

|
|
©
TLUG
|
|
Reststoff-Entsorgung
im Werra-Kaligebiet
|
|
Die
bei der Aufbereitung der Rohsalze anfallenden Salzabwässer
werden in großem Umfang seit 1925 bzw. 1929 sowohl in
den Plattendolomit des Zechsteins als hochkonzentrierte
Salzsolen versenkt als auch in die Ulster und Werra
weit unterhalb von Bad Salzungen eingeleitet.
Der
Plattendolomit enthält bereits geogen bedingt geringer
konzentriertes Salzwasser (sog. Formationswasser) und
ist durch sogenannte hydraulische Barrieren (Grundwasserstauer;
im Bild schwarz dargestellt) einerseits von den zur
Trinkwassergewinnung genutzten Grundwasserleitern des
Buntsandsteins und andererseits gegenüber den tiefer
lagernden Salzlagern weitestgehend isoliert.
|

|
|
©
TLUG
|
|
Geologischer
Schnitt durch das Gebiet der Standorte Hattorf
und Wintershall
|
|
In
der Folge hoher Versenkmengen und auch Einleitungen
bis zum Ende der 60er Jahre erreichte der Chlorid-Transport
der Werra mit größerer zeitlicher Verzögerungen Ende
der 70er bis Mitte der 80er Jahre ein Maximum. Sogenannte
diffuse Salzwassereinträge insbesondere in die Werra-Aue
bei Dankmarshausen, bei denen es sich um den gegenüber
der Versenkung verzögerten Aufstieg von Mischwässern
(Formationswasser und Salzabwasser) in die Aue und den
Übertritt in die Werra handelt, trugen bzw. tragen zu
dieser Entwicklung bei.
Die
Zielsetzung bei der Entwicklung der Gewässergüte ist
bei optimaler Nutzung des unterirdischen Speichervolumens
im Plattendolomit die Verringerung und Vergleichmäßigung
der Salzbelastung besonders in Hinsicht auf tolerierbare
Verhältnisse für Süßwasserorganismen (Verlängerung der
"unbeeinträchtigten" Flussstrecke und der Trink- und
Brauchwassergewinnung im Weser-Gebiet).
Nach
Umstellung der Aufbereitungstechnologie 1981 und der
damit verbundenen Veränderung der Salzabwasserzusammensetzung
sowie der in Abhängigkeit von den Abflussverhältnissen
gesteuerten Einleitung von Salzabwasser war es nach
Erprobung der sogenannten Salzlaststeuerung 1998 möglich
geworden, eine wichtige Etappe der Zielstellung zu erreichen:
Vergleichmäßigung der Salzbelastung der Werra auf niedrigerem
Niveau bei entsprechend dem Stand der Technik optimalen
Grenzwerten am Werra-Pegel Gerstungen (Chlorid-Gehalt:
2500 mg/l, Gesamthärte: 90°dH).
Obgleich
die Magnesium- und Kalium-Gehalte im Salzabwasser entsprechend
der Aufbereitungstechnologie relativ angestiegen sind,
wird die bereits vor dem Zusammenfluss mit der Fulda
eingetretene Verbesserung der Gewässergüte deutlich.
Wie
folgende Tabelle dokumentiert, sind nach etwa 1985 bei
rückläufigen Versenkmengen erhebliche Reduzierungen
der diffusen Einträge und des Chlorid-Transports in
der Werra bei Gerstungen zu verzeichnen.
Tabelle
3: Überblick zur Verringerung der sogenannten diffusen
Einträge von Formations- und Salzabwasser in die Werra
oberhalb vom Pegel Gerstungen
| Jahr |
Diffuse
Einträge, Chlorid
Transport (kg/s) |
Werra-Pegel
Gerstungen, Chlorid |
| Transport
(kg/s) |
Konz.
(mg/l) |
| 1980 |
29,74
|
224,0
|
7537
|
| 1985 |
28,59
|
229,0
|
11012
|
| 1990 |
17,05
|
173,5
|
9366
|
| 1995 |
14,00
|
72,1
|
2665
|
| 2000 |
11,20
|
53,7
|
2032
|
| 2002 |
11,20
|
63,3
|
1902
|
In die Salzlaststeuerung einbezogen sind neben dem hessisch-thüringischen
Speicherareal mit einer Fläche von insgesamt ca. 500
km² die viel kleineren Gebiete der Gerstunger und Horschlitter
Mulde, innerhalb derer eine temporäre Einspeicherung
von Salzabwasser vorgesehen ist. Der unter Leitung des
Referats 63 stehende Thüringische Versenkausschuss für
Salzabwasser arbeitet seit 1992 im entsprechenden hessisch-thüringischen
Koordinierungsausschuss mit und nimmt auf den o. g.
Problemkreis ständig Einfluss. Seine Entscheidungen
sind maßgeblich für den Vollzug hoheitlicher Aufgaben.
Die
Sanierung der Folgen des Uranerzbergbaus in Ostthüringen
Aktuelle
Zahlen, Daten und Fakten zur Wismut Sanierung können
auf der Homepage der Wismut GmbH www.wismut.de abgerufen
werden. Eine Zusammenfassende Übersicht bietet der dort
online verfügbare Umweltbericht. Einen allgemeinen Überblick
zur Grundwasserüberwachung bei der Wismut Sanierung
gibt der Fachstandpunkt der TLUG "Die Sanierung der
ehemaligen Uranerzbergwerke und -aufbereitungsanlagen
in Ostthüringen".
Aufgaben
der Hydrogeologie bei Sanierung des Uranerzbergbaus
Mit
der Einstellung des Uranerzbergbaus in Ostthüringen
begann die Sanierung der ehemaligen Gruben- und Erzaufbereitungsanlagen.
Die komplexen Fragen bei der Flutung der Bergwerke und
die komplizierten geologischen Standortbedingungen machen
eine enge Zusammenarbeit des Bergbausanierungsbetriebes
Wismut mit der TLUG notwendig. Auf fachlicher Ebene
erfolgen Diskussionen zu den Ergebnissen der hydrodynamischen
und hydrochemischen Flutungsüberwachung. Die TLUG berät
den Sanierungsbetrieb bei der Optimierung und Konfiguration
des Grundwassermessnetzes, den Messprogrammen und dem
Parameterumfang, um diese den flutungsdynamischen Prozessen
nach dem Stand der Technik anzupassen.
|

|
|
©
TLUG
|
|
Grundwasser-Sanierung
Wismut
|
|
Die
aus dem Monitoring gewonnenen Ergebnisse werden nach
einem Qualitätssicherungsschema erhoben, geprüft und
in einer Datenbank abgelegt. Die Daten werden monatlich
den Behörden digital zur Verfügung gestellt, um den
aktuellen Erkenntnisstand aus der Bergwerksflutung wasserwirtschaftlich
bewerten zu können. Darüber hinaus werden fachtechnischen
Stellungnahmen zu allen hydrogeologisch relevanten Fragestellungen
der Wismut-Sanierung erstellt.
Wasser-
und Heilquellenschutzgebiete
Gemäß
§ 104 Abs. 1 Thüringer Wassergesetz (ThürWG) ist die
TLUG neben den allgemeinen Angelegenheiten der Hydrogeologie
auch zuständig für die Erarbeitung und die Bereitstellung
hydrogeologisch-bodenkundlicher Grundlagen für Wasser-
und Heilquellenschutzgebiete.
Hierzu
gehören u. a. fachliche Stellungnahmen gegenüber der
oberen Wasserbehörde im Thüringer Landesverwaltungsamt
zu Festsetzungsverfahren von Wasser- und Heilquellenschutzgebieten
sowie deren Änderung im Schutzzonenverlauf oder komplette
Aufhebung. Die obere Wasserbehörde ist gem. § 105 Abs.
2, Ziff. 1 ThürWG zuständig für die Festsetzung, Aufhebung
und Änderung von Wasser- und Heilquellenschutzgebieten.
Seitens des Geologischen Landesdienstes wurden 2004
über 20 fachliche Stellungnahmen zu Wasserschutzgebietsaufhebungen
und 4 zu Wasserschutzgebietsfestsetzungen erstellt.
Im Ergebnis dazu wurden von der Oberen Wasserbehörde
28 Rechtsverordnungen zu Wasserschutzgebietsaufhebungen
(157 Fassungen) erlassen. Neue Wasserschutzgebiete wurden
2004 nicht festgesetzt.
Unter
der Kurzbezeichnung AquaDiKTh, die für Wasserwirtschaftliches
Digitales Kartenwerk Thüringen steht, übergibt die obere
Wasserbehörde beim Thüringer Landesverwaltungsamt digitale
Daten zu Wasserschutzgebieten an die Behörden der Thüringer
Wasserwirtschaftsverwaltung.
Grundwasserüberwachung
Quantitative
Überwachung des Grundwassers
Mit
der quantitativen Überwachung des Grundwassers wird
die Entwicklung der Grundwasserstände und Quellschüttungen
im Hinblick auf kurzfristige und mehrjährige Trends
und Schwankungen repräsentativ erfasst.
Aktuell
werden im Grundmessnetz Grundwasserstände und Quellschüttungen
669 Messstellen, davon 51 Quellen, beobachtet. Dabei
sind bei 85 Messstellen moderne automatische Messvorrichtungen
(Datalogger) installiert.
Ein
steigender Anteil dieser modernen Ausrüstung der Messstellen
ist vorgesehen. Mit diesen Messvorrichtungen ist eine
wesentlich dichtere Messfolge möglich, die Ergebnisse
sind gegenüber der bisherigen traditionellen Messung
von Hand präziser.
Alle
Messergebnisse des Landesmessnetzes werden in der TLUG
digital in der neuen Datenbank FIS Gewässer vorgehalten
und stehen den Umweltbehörden in Thüringen zur Verfügung.
Bezüglich
des Mess- und Beobachtungsaufwandes ist bei diesem Messnetz
zu berücksichtigen, dass teilweise Grundwasserspiegellagen
von mehr als 60 m Tiefe unter Gelände und Druckwerte
von ca. 10 Bar bei artesischen Grundwässern sowie Quellschüttungen
von 0,1 bis 1.000 l/s beobachtet werden müssen.
Qualitative
Überwachung des Grundwassers
Die
qualitative Beobachtung des Grundwassers erfolgt in
Thüringen repräsentativ mit Hilfe des Grundmessnetzes
Grundwasserbeschaffenheit durch die TLUG Jena.
Das
Grundnetz (Basis- und Trendmessnetz) berücksichtigt
die hydrogeologischen Bedingungen in Thüringen und enthält
Messstellen, die nicht oder in nur geringem Maße anthropogen
belastet sind.
|

|
|
©
TLUG
|
|
Messfahrzeug
|
|
Es
umfasst im Jahr 2004 126 Messstellen (77 Grundwasserbeobachtungsrohre,
10 Brunnen und 39 Quellen). Alle Messstellen sind auch
im Grundmessnetz Grundwasserstand/Quellschüttung enthalten.
Mit
der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie wird ab dem
Jahr 2005 die Anzahl der Messstellen für das Grundnetz
Grundwasserbeschaffenheit auf 142 erhöht, so dass die
Grundwasserkörper Thüringens im Messnetz besser als
bisher repräsentiert sind und 26 im Jahr 2004 neu errichtete
GWBR in das Messnetz integriert werden können.
Sondermessnetze
Diese
Messnetze dienen vorrangig zur Beobachtung der Einflüsse
von bestimmten Stoffeinträgen (Belastungsmessnetze)
und dem rechtzeitigen Erkennen von möglichen Schadstoffquellen,
von denen eine Gefährdung des Grundwassers ausgehen
kann. Die Messstellen sind teilweise im Messnetz Grundwasserstand/Quellschüttung
enthalten und werden damit kontinuierlich beobachtet,
teilweise erfolgt auch nur eine Messung zum Zeitpunkt
der Probennahme.
Sondermessnetz
Landwirtschaft
Dieses
Messnetz dient der Erfassung zeitlicher und räumlicher
Einflüsse auf die Grundwasserbeschaffenheit durch landwirtschaftliche
Nutzungen. Das Emittentenmessnetz Landwirtschaft umfasst
20 Messstellen vorwiegend in oberflächennahen Grundwasserbereichen
der Hauptgrundwasserleiter Buntsandstein und Muschelkalk
in Gebieten mit intensiver Landwirtschaft (Schwerpunkte:
Thüringer Becken und Ostthüringen).
Wichtige
Schwerpunkte der Grundwasserbeobachtung sind hier die
Nitratgehalte und die Gehalte an Pflanzenschutzmitteln.
Sondermessnetz
Braunkohle
Mit diesem Sondermessnetz werden die langfristigen Auswirkungen
des ehemaligen Braunkohlenbergbaus in Ostthüringen (Kreis
Altenburger Land) sowohl auf die Entwicklung der Grundwasserstände
der vom Grundwasseranstieg (Flutung ehemaliger Tagebaue)
betroffenen Grundwasserleiter als auch die Veränderungen
der Grundwasserbeschaffenheit erfasst.
Nach
einer dreijährigen Pilotphase 2002 bis 2004 werden die
Untersuchungen ab 2005 planmäßig fortgesetzt.
Sondermessnetz
Monitoring Kalihalden Südharz
Dieses Sondermessnetz dient zur Überwachung des Stoffaustrages
aus den Halden des Kalibergbaus in Nordthüringen (Kali-Südharzrevier)
in das Grund- und Oberflächenwasser.
|

|
|
©
TLUG
|
|
Kalihalde
Bleicherode
|
|
Die
nach Einstellung des Kalibergbaus im Südharz-Revier
an 5 Haldenstandorten (Bleicherode, Sollstedt, Sondershausen,
Menteroda, Roßleben) Anfang der 90-er Jahre begonnene
Abdeckung der Kalirückstandshalden stellt eine wirksame
technische Maßnahme zum Schutz des Grund- und Oberflächenwassers
dar. Die Haldenabdeckung erfolgt durch einen 3-Schichten-Aufbau
(kapillarbrechende, konturgebende und Kulturschicht).
Je nach Funktion der Schicht können die in der Kalihaldenrichtlinie
vorgegebenen Stoffe und Abfälle eingesetzt werden. Ziel
der Abdeckungsmaßnahmen ist eine deutliche Reduzierung
des Salzaustrages in das Grundwasser sowie die Oberflächengewässer.
Die
Beobachtung der langfristigen und großräumigen Auswirkungen
der Halden erfordert ein Messprogramm sowohl für die
Haldensickerwässer als auch für das Grundwasser.
Datendienste
für Grundwasser - FIS Gewässer
Die quantitativen und qualitativen Messergebnisse wurden
bis 2003 in Datenbanken der TLUG (FIS Hydrogeologie/GeODin
sowie STYX) übernommen und mit verschiedenen Programmen
(Spezialsoftware) geprüft und ausgewertet. Im Jahr 2004
konnten die Datenbankteile FIS Hydrogeologie/GeODin
sowie STYX bei Abgleich der Datenbankinhalte in der
Datenbank FIS Gewässer zusammengeführt werden.
Diese
neue Datenbanklösung, FIS Gewässer, wird fachübergreifend
für Grund- und Oberflächenwasser erarbeitet. Sie ermöglicht
erstmals eine einheitliche Datenhaltung sowohl für Grundwasserstände/Quellschüttungen
als auch für die Daten der Grundwasser- und Oberflächenwasserbeschaffenheit
sowie Angaben zu Wasserschutzgebieten und den technischen
Ausbau von Messstellen. Die Datenbank ist mit umfangreichen
Möglichkeiten zur Auswertung der Daten ausgestattet.
|