Luft


Inhalt

1 Emissionen
2 Immissionen
3 Luftreinhaltepläne
4 Geruchsemissionen
5 Ausbreitung von Luftschadstoffen
6 Wirkungen - Referenzmessprogramm "Allergene und kanzerogene Luftschadstoffe"

 

1 Emissionen

Emissionen des Straßenverkehrs

Der zur Ermittlung der vom Straßenverkehr hervorgerufenen Emissionen als wichtigste Einflussgröße bekannte Kfz-Bestand der Region (statischer Bestand entsprechend der registrierten Kfz-Statistik) wurde erfasst und in seiner Zusammensetzung wie folgt bewertet:

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Schadstoff-Emissionen und Kraftstoff-Verbrauch

Im Zeitraum 1993 bis 2004 zeigt sich ein Anstieg des für Thüringen gemeldeten Kfz-Bestandes auf 142 %. Mit dieser Entwicklung wurde in Thüringen ein Pkw-Bestand von 533 Pkw/1.000 Einwohner (EW) (Deutschland: 545 Pkw/1.000 EW) erreicht. 12,8 % aller Pkw in Thüringen haben Dieselantrieb, im gesamten Bundesgebiet sind es 18,4 %. Der Pkw-Bestand in Thüringen allein hat sich in dieser Zeit um 35,5 % erhöht. Die Anzahl der nach einem Schadstoffminderungskonzept zugelassenen Pkw hat gleichfalls kontinuierlich zugenommen. Der Anteil nicht schadstoffreduzierter Pkw in die Gesamtbilanz hat sich auf 2,2 % weiter verringert. Der beobachtete Trend zur Nutzung von Pkw mit größerem Hubraumvolumen hält unvermindert weiter an. In Thüringen und Deutschland haben die Anteile der Pkw mit einem Hubraum bis 1.399 cm³ seit 1993 weiter abgenommen, dagegen aber wird eine weitere Zunahme der Pkw mit einem Hubraum von 1.400 cm³ bis größer 2.000 cm³ festgestellt.

Der Kfz-Verkehr als Hauptverursacher aller verkehrsbedingten Emissionen zeigt in Abhängigkeit von der Straßenklasse ein stark differenziertes Bild, bei dem sich auf Bundesautobahnen der Kraftstoffverbrauch, die CO2- und NOx-Emission hervorheben. Die für den Prognosezeitraum bis 2010 vorgenommenen Emissionsberechnungen des Straßenverkehrs in Thüringen stützen sich auf die erwarteten kraftfahrzeugspezifischen Veränderungen, die Entwicklung der Kraftstoffqualitätität und die Fahrleistung.

zum Thema

Straßenverkehrsbedingte Emissionen

Es wurde gezeigt, dass der Kraftstoffverbrauch (KV) und die CO2-Emissionen auf den Autobahnen, Landesstraßen und insgesamt zunehmen. Bei den übrigen Luftschadstoffen wird bis 2010 von einer Reduzierung ausgegangen.

Schadstoffemissionsregister (EPER, PRTR)

zum Thema

Richtlinie 96/61/EG (IVU-Richtlinie)

Entscheidung 2000/479/EG über den Aufbau eines Europäischen Schadstoff-Emissionsregisters

Deutsche Ergebnisse zur ersten Berichtsperiode

Deutsche Auswertungen zur ersten Berichtsperiode

Die Berichtsdaten aller Mitgliedsstaaten

Aarhus-Konvention

Mit der Richtlinie 96/61/EG (IVU-Richtlinie) wurde 1996 von der Europäischen Kommission für alle Mitgliedsstaaten ein gemeinsamer rechtlicher Rahmen zur Verminderung und Vermeidung der Umweltverschmutzung festgelegt. Sie bezieht sich auf bestimmte umweltbelastende Kategorien industrieller Tätigkeiten, die im Anhang I aufgeführt sind. Damit ein hohes Schutzniveau für die Umwelt erreicht werden kann, sollen die in Luft, Wasser und Boden freigesetzten Schadstoffe (Emissionen) sowie anfallende Abfälle vermindert bzw. vermieden werden. Um die Öffentlichkeit zu informieren, die Industrie zur Erhöhung ihrer Umweltschutzaktivitäten anzuregen und Innovationen industrieller Prozesse zu fördern, ist in Artikel 15 Absatz 3 der Richtlinie u. a. geregelt, dass die Kommission alle 3 Jahre ein Verzeichnis der wichtigsten Emissionen und ihrer Quellen veröffentlicht. Die Mitgliedsstaaten sind zur Übermittlung der dazu erforderlichen Angaben verpflichtet. Die Einzelheiten sind in der Entscheidung 2000/479/EG über den Aufbau eines Europäischen Schadstoffemissionsregisters (engl. European Pollutant Emission Register bzw. EPER) festgelegt.

Die berichtspflichtigen Angaben Thüringer Unternehmen wurden durch die TLUG zusammengestellt und dem Umweltbundesamt übermittelt. Das Umweltbundesamt hat die deutschen Ergebnisse und Auswertungen zur ersten Berichtsperiode (2000 - 2002) sowie ausführliche Informationen zu EPER im Internet veröffentlicht. Damit werden wesentliche Schadstoffemissionen erfasster Industriebetriebe, Intensivtierhaltungen und Deponien öffentlich zugänglich. Die Berichtsdaten aller Mitgliedsstaaten sind auf den gemeinsamen Internetseiten der Europäischen Kommission und der Europäischen Umweltagentur (EEA) abrufbar.

Neben dem Europäischen Schadstoffemissionsregister wird gegenwärtig der Aufbau eines weiteren internationalen Schadstoffemissionsregisters vorbereitet. Das UN-ECE (engl. United Nations Economic Commission for Europe) - Übereinkommen über den Zugang zu Informationen, die Öffentlichkeitsbeteiligung an Entscheidungsverfahren und den Zugang zu Gerichten in Umweltangelegenheiten (Aarhus-Konvention) sieht in Artikel 5 Absatz 9 den Aufbau eines landesweiten Systems zur Erfassung der Umweltverschmutzung in Form einer öffentlich zugänglichen Datenbank (Pollutant Release and Transfer Register bzw. PRTR) vor. Darin sollen neben Emissionen in Luft und Wasser auch Emissionen in den Boden sowie der Transfer von Abfällen veröffentlicht werden. Ausführliche Informationen hierzu können auf der PRTR-Seite des Umweltbundesamtes abgerufen werden.

Anlagen der Lösemittelverordnung

Die Verordnung der Bundesregierung über die Begrenzung von Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen vom 21.08.2001 (31. BImSchV) hat die Richtlinie der Europäischen Union 1999/13/EG in nationales Recht umgesetzt. Die Regelung umfasst eine Liste von 19 Anlagen mit zugeordneten Tätigkeiten und spezifischen Anforderungen bei verschiedenen Möglichkeiten zur Erfüllung mit Reduzierungsplänen. Als Hilfe bei der Umsetzung hat eine länderübergreifende Arbeitsgruppe unter Beteiligung der TLUG einen Katalog von Zweifelsfragen erarbeitet. Mit Fachvorträgen anlässlich des jährlichen Seminars anlagenbezogener Umweltschutz wurde die bisherige Überwachungstätigkeit der Thüringer Umweltbehörden unterstützt.

zum Thema

Weitere Hinweise zur 31. BImSchV gibt es auf der Seite des Bayerischen Landesamts für Umweltschutz

Die Realisierung der Zielstellungen der 31. BImSchV erfolgt über Reduzierungspläne. Der Umsetzungszeitraum reicht von 2001 beginnend für Neuanlagen und unter bestimmten Bedingungen bis 2013 für Abgasbehandlungsanlagen bei Altanlagen. Für kleinere Anlagen bieten sich Reduzierungspläne mit vereinfachtem Nachweis an. Dabei kommen lösemittelarme Einsatzstoffe zur Beschichtung und Farbgebung von Serienfahrzeugen, bei Kfz. Reparaturlackierungen, bei der Beschichtung von Metall- und Kunststoffoberflächen oder Holz- und Holzwerkstoffen zur Anwendung. Zum allgemeinen Nachweis der Reduzierungen dient die Aufstellung von Lösemittelbilanzen. Damit erhalten Anlagenbetreiber und Behörden einen Überblick über den erreichten Stand.

Die Bundesregierung hat entsprechend eines Fragenkataloges vom 27.06.2002 über die Umsetzung zu berichten. Die Länder sind verpflichtet, die entsprechenden Daten, die in Thüringen vom Landesverwaltungsamt gebündelt werden, der Bundesregierung zuzuarbeiten. Dafür sowie in der täglichen Arbeit zum Vollzug der 31. BImSchV durch die Thüringer Umweltbehörden leistet die TLUG fachdienstliche Unterstützung.

Entwicklung des Bestandes genehmigungsbedürftiger Anlagen

zum Thema

Verordnung über genehmigungsbedürftige Anlagen - 4. BImSchV

Errichtung und Betrieb von Anlagen, die schädliche Umwelteinwirkungen hervorrufen oder die Allgemeinheit und die Nachbarschaft gefährden können, stehen unter einem immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsvorbehalt. Welche Anlagenarten in diesem Sinn genehmigungsbedürftig sind, ist in der 4. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Verordnung über genehmigungsbedürftige Anlagen - 4. BImSchV) festgelegt. Zuständig für die umweltrechtliche Überwachung dieser Anlagen sind in Thüringen die Staatlichen Umweltämter und das Thüringer Landesbergamt (TLBA).

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Entwicklung des Anlagen-Bestands

Zum Stand 2004 waren in Thüringen 3.370 genehmigungsbedürftige Anlagen registriert. Davon sind 183 Anlagen dem Zuständigkeitsbereich des TLBA zugeordnet. Die Entwicklung des Bestandes genehmigungsbedürftiger Anlagen ist Ausdruck der wirtschaftlichen und technischen Entwicklung sowie der rechtlichen Anforderungen an die Genehmigungsbedürftigkeit. Der Anstieg der Anlagenzahl in den Gruppen 2 und 8 ergibt sich, weil im Diagramm erstmalig auch die Anlagen aus dem Zuständigkeitsbereich des Thüringer Landesbergamtes berücksichtigt werden.

Die Anzahl der zuordenbaren Anlagen ist in den Anlagengruppen 7 (insbesondere Anlagen zur Haltung und Aufzucht von Tieren) und 8 am größten. Die starke Zunahme der Anlagenzahl in den Gruppen 7 und 8 ist auf Änderungen der 4. BImSchV (Anpassung an europäisches Recht) zurückzuführen.

Emissionsuntersuchungen

Energetische Nutzung von Getreide in Kleinfeuerungsanlagen

Getreide, Stroh und andere landwirtschaftlich anbaubare Energiepflanzen sind mit einem beträchtlichen Anteil am gesamten Bioenergiepotenzial in der Bundesrepublik Deutschland beteiligt. Zur Gestaltung einer nachhaltigen Energieversorgung, die zum Schutz des Klimas und zur Schonung der fossilen Energieträger beiträgt, sollen diese regenerativen Energiequellen verstärkt erschlossen werden. Das betrifft auch den Einsatz von Getreide in Kleinfeuerungsanlagen, der in der Vergangenheit keine allzu große Bedeutung hatte. Dem standen bisher vor allem die vergleichsweise großen Anteile an Stickstoff und Asche sowie deren Verschlackungsneigung, verbunden mit hohen Staubemissionen entgegen. Andererseits bestand in jüngster Zeit die Notwendigkeit seitens der Landwirtschaft, witterungsbedingt geschädigtes bzw. minderwertiges Getreidekorn auch als Brennstoff einsetzen zu können.

Getreidekorn ist kein Regelbrennstoff im Sinne der Ersten Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (1. BImSchV). Somit darf Getreidekorn nicht in entsprechenden Anlagen eingesetzt werden. Für die landwirtschaftlichen Betriebe ist es jedoch ökonomisch günstiger, dieses anfallende Getreide selbst energetisch zu verwerten, als es in anderen externen Anlagen (Anlagen der 4. BImSchV) mit Kosten verwerten zu lassen. Da die negativen Erfahrungen bisher einen gewissen Vorbehalt erzeugten, soll ein Weg zur Verbesserung der Verbrennungsbedingungen und ggf. einer für Kleinfeuerungsanlagen technisch und ökonomisch angepassten Abgasreinigungstechnik gefunden werden. Dieser Weg ist ohne die Einbeziehung von Herstellern dieser Apparate nicht gehbar.

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Getreide in Klein-Feuerungsanl.

Erste Ergebnisse der Emissionsuntersuchungen belegen, dass bei einer entsprechenden Anpassung der Verbrennungstechnik auf die brennstoffspezifischen Eigenschaften eine Annäherung an den bestehenden Staubgrenzwert der 1. BImSchV erfolgt. Die Einhaltung dieses Grenzwertes, auch mit einer eventuellen Verschärfung, ist entscheidend für eine positive Argumentation im Hinblick auf die Einhaltung von Immissionswerten, bezogen auf Feinstaub in städtischen und ländlichen Siedlungsgebieten. Die im Zusammenhang mit der Projektbearbeitung vorgestellte Weiterentwicklung der Verbrennungstechnik durch einige wenige Anbieter zeigt ein beträchtliches Verbesserungspotenzial im Hinblick auf eine der Novelle der 1. BImSchV entsprechenden Grenzwertsenkung auf.

Emissionen von Ammoniak und Staub aus Tierhaltungsanlagen

Die Tierhaltung in Deutschland bildet die Grundlage zur Produktion hochwertiger und gesunder Nahrungsmittel. Andererseits ist die Tierhaltung auch mit Umweltbelastungen verbunden, wobei Geruchs-, Ammoniak- und Staubemissionen aus entsprechenden Anlagen eine wesentliche Rolle spielen.

zum Thema

IVU-Richtlinie

Die Richtlinie 96/91/EG des Rates über die integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung vom 24.09.1996 (IVU-Richtlinie) bestimmt, dass bei Anlagen der Intensivtierhaltung von Schweinen und Geflügel im Geltungsbereich der Richtlinie (größer als 40.000 Plätze für Geflügel, größer als 2.000 Plätze für Schweine und 750 Plätze für Sauen) Vorsorge gegen Umweltverschmutzung insbesondere durch den Einsatz der "Besten Verfügbaren Techniken (BVT)" zu treffen ist. Die BVT sollen in sogenannten BVT-Merkblättern europaweit einheitlich dokumentiert werden. Die dazu erforderlichen Daten wurden und werden u. a. auch durch Untersuchungen an Praxisanlagen im Hinblick auf Emissionen gewonnen. Die Messergebnisse sollen dazu dienen, den Betreibern und den Behörden Erkenntnisse über die Umweltrelevanz hinsichtlich der Beurteilung von Gefahren, erheblichen Nachteilen oder erheblichen Belästigungen für die Allgemeinheit oder die Nachbarschaft zu verschaffen. Beurteilungskriterien sind Emissionswerte und -faktoren der TA Luft.

Die TLUG war und ist in einigen Projekten der komplexen Untersuchung von Haltungsformen der Intensivtierhaltung zusammen mit der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL) als Partner für Emissionsuntersuchungen tätig. Dies war z. B. das Projekt der "Evaluierung alternativer Haltungsformen für Legehennen" mit Abschluss im Jahr 2004. Untersucht wurden die Emissionen von Ammoniak, Staub und Feinstaub zu den verschiedenen Jahreszeiten. Die gemessenen Konzentrationen und Massenströme der untersuchten Thüringer Anlagen ordnen sich in ihrer Quantität in das Ergebnisspektrum der bisherigen bundesweiten Untersuchungen ein.

Tabellen 1 und 2: Emissionen bei Legehennenhaltung im Winter und im Sommer

Tabelle 1: Feinstaub PM10

Ausgestalteter Käfig
Voliere
Konzentration
mg/m³
Massenstrom
g/h
Konzentration
mg/m³
Massenstrom
g/h
Winter
0,7
69
2,8
85
Sommer
0,6
84
5,3
78


Tabelle 2:
Ammoniakemissionen

Ausgestalteter Käfig
Voliere
Konzentration
mg/m³
Massenstrom
g/h
Konzentration
mg/m³
Massenstrom
g/h
Winter
2,5
77
28
520
Sommer
-
-
1,5
56


zum Thema

Bericht der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft

Bei den Untersuchungen an den Stallanlagen der Legehennenhaltung zeichnet sich die Käfighaltung durch einen im Vergleich zum alternativen Verfahren niedrigeren Emissionsniveaus aus.
Eine umfassende Darstellung der Ergebnisse ist in einem Bericht der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft enthalten.

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2 Immissionen

Luftqualität

zum Thema

Kennwerte
der Luftqualität

Trend der mittleren Immissions-Konzentrationen

Aus den Messwerten der Messstationen des Thüringer Immissions-Messnetzes wurden Kennwerte der Luftqualität basierend auf den neuen EU-Richtlinien (bzw. 22. und 33. BImSchV) ermittelt und zusammengefasst.

 

Danach wird für das Jahr 2004 festgestellt:

  • Die Konzentrationen von Schwefeldioxid und Kohlenmonoxid liegen sehr weit unter den ab 2005 bzw. 2010 geltenden Grenzwerten.
  • An Messtationen nahe am Verkehr erreichen die Jahresmittelwerte von Stickstoffdioxid fast bzw. überschreiten den ab 2010 geltenden Grenzwert.
  • Im Gegensatz zu den Jahren 2002 und 2003 wurden die ab 2005 geltenden Grenzwerte für Feinstaub (PM10) eingehalten. Das ist aber im Wesentlichen nur eine Folge günstigerer klimatischer Bedingungen.
  • 2004 wurden bei Ozon keine Überschreitungen der 180 µg/m³ für 1-Stundenmitelwerte registriert.

 

Das Informationsangebot zur Luftqualität auf der Homepage der TLUG wurde Ende 2004 wesentlich erweitert. Neben den aktuellen Schadstoffkonzentrationen können jetzt auch alle vorliegenden Monats- und Jahresmittelwerte in Tabellen oder als Diagramme angezeigt werden. Ebenfalls neu ist die Bewertung der aktuellen Luftqualität nach einem an Schulnoten angelehnten Luftqualitätsindex von "sehr gut" bis "sehr schlecht" (siehe auch hier hinterlegte Pressemeldung).

Thüringer Immissionsmessnetz

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Karte Immissions-Messnetz

Das Thüringer Immissionsmessnetz ist der Kern der Immissionsüberwachung in Thüringen. Es besteht aus automatisierten Messstationen mit Datenfernübertragung zur Messnetzzentrale der TLUG in Jena.

Im letzten Jahrzehnt haben sich tiefgreifende Wandlungsprozesse vollzogen. Durch umfangreiche Änderungen in der Emissionsstruktur und durch neue Erkenntnisse der Weltgesundheitsorganisation über die Wirkung von Luftschadstoffen (Einführung neuer Grenzwerte durch EU-Richtlinien) ergaben sich neue Anforderungen an die Immissionsüberwachung. Nachdem in den 90er Jahren die Belastungssituation durch hohe Schwefeldioxidkonzentrationen (Thüringer Smog-Verordnung) gekennzeichnet war, hat sich die Überwachung in den letzten Jahren auf den neu als gesundheitsgefährlich erkannten Feinstaub (PM10) konzentriert. Auch Stickstoffdioxid und Ozon bilden aufgrund der Relation zu den Grenz- und Zielwerten der EU für die menschliche Gesundheit und für Ökosysteme künftig einen Schwerpunkt bei den Messungen. Die Anzahl der Stationen in städtischen Gebieten konnte aufgrund der insgesamt deutlichen Verbesserungen der Luftqualität reduziert werden.

Tabelle 3: Entwicklung von Stationen und Messkomponenten im Thüringer Immissionsmessnetz

  1992 1996 1999 2001 2004
Plan
2006
Stationen Gesamtanzahl
37
34
35
27
21
17
davon Waldstationen/
ländliche Stationen
2
4
5
5
5
5
davon Verkehrsstationen
-
1
2
2
3
3
Messkomponenten gesamt
(ohne Meteorologie)
66
94
118
128
96
80

Schwefeldioxid

37
34
34
26
9
7

Partikel-Gesamtschwebstaub

15
23
27
5
4
-

Partikel-Schwebstaub-PM10

-
-
5
25
19
16

Partikel-Schwebstaub-PM2,5

-
-
-
1
1
3

Stickstoffoxide

4
14
24
27
21
17

Kohlenmonoxid

7
8
8
10
6
5

Ozon

3
12
15
21
17
14

Benzol

-
1
2
2
2
2

Ruß

-
2
3
11
17
16

 

Lufthygienische Belastungsschwerpunkte für Schwebstaub-PM10 und Stickstoffdioxid sind stark durch Kfz-Verkehr frequentierte Straßenabschnitte (insbesondere Straßenschluchten mit hohem Lkw-Anteil). In einigen finden zusätzlich zeitlich befristete Messungen mit mobilen Stationen (1 - 3 Jahre) statt. Auf der Homepage der TLUG sind detaillierte aktuelle Messergebnisse mit Beschreibung der einzelnen Stationen verfügbar.

Sondermessprogramme

Staubniederschlagsmessungen

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Bergerhoff Gerät

Die Staubbelastung in der Atmosphäre wird durch Messung von Schwebstaub (Partikel) wie auch von Staubniederschlag erfasst. Die Staubniederschlagsmessung (Bergerhoff Gerät) erfasst den Staubanteil, der aus der Atmosphäre auf den Boden verfrachtet wird.

Die Messpunktzahl für die Staubniederschlagsuntersuchungen wurde von 1999 bis 2004 auf Grund der gesunkenen Staubbelastung von etwa 180 Messpunkten auf ca. 60 Probennahmestellen reduziert. Gemessen wird derzeit an den Messpunkten des Thüringer Immissionsmessnetzes über einen Zeitraum von mehreren Jahren zur Erfassung der Grundbelastung und des Trends und an Immissionsschwerpunkten zur Abklärung spezieller Fragen hinsichtlich der Relevanz von Schadstoffbelastungen.

zum Thema

Staubniederschlags-Messergebnisse
(Tabelle 4)

Staubinhaltsstoffe
(Tabelle 5)

Trend der letzten zwölf Jahre

Verteilung der Staub-Niederschlagsbelastung

Die Staubniederschlagsmessergebnisse sowie die der Staubinhaltsstoffe belegen für das Jahr 2004, dass die Immissionswerte nach TA Luft an fast allen Punkten eingehalten werden. Lediglich in Bad Liebenstein unmittelbar am Rand des Sanierungsgebietes des ehemaligen Leuchtstoffwerkes wird der Immissionswert für Cadmium noch überschritten.

Der Trend der letzten zwölf Jahre zeigt, dass die Staubniederschlagsbelastung insgesamt trotz Schwankungen leicht gefallen ist. Die Verteilung der Staubniederschlagsbelastung über das Jahr ist nicht gleich verteilt. Insbesondere im Frühjahr/Sommer sind relativ hohe Werte, im Winter niedrigere gemessen worden.

Sondermessungen Verkehr

Im Zeitraum vom 01.05.2003 bis 30.04.2004 fanden im Auftrag der TLUG Immissionsmessungen an 3 Straßen in Erfurt und einer Straße in Weimar statt. Es wurde Schwebstaub-PM10 mit dem gravimetrischen Messverfahren der DIN EN 12341, Schwebstaubinhaltsstoffe (lösliche Salze) und Stickstoffdioxid (Passivsammelverfahren) gemessen.

In nachfolgender Tabelle sind die wesentlichen Ergebnisse (Zeitraummittelwerte) enthalten. Zum Vergleich sind auch die Ergebnisse im entsprechenden Zeitraum der automatischen Stationen des Thüringer Immissionsmessnetzes der TLUG (Erfurt, Bergstraße und Weimar, Sophienstiftsplatz) für PM10 und Stickstoffdioxid aufgeführt.

Tabelle 6: Ergebnisse Sondermessungen Verkehr 2003/2004

Straße
PM10
(µg/m³)
Nitrat
(µg/m³)
Ammonium
(µg/m³)
Sulfat
(µg/m³)
Chlorid
(µg/m³)
NO2
(µg/m³)
Erfurt
Heinrichstraße
42
4,6
1,9
3,7
0,6
51
Erfurt
Schillerstraße
31
4,0
1,8
3,4
0,4
38
Erfurt Walkmühlstraße
38
4,3
1,7
3,5
0,6
49
Weimar
Trierer Straße
36
4,2
1,7
3,9
0,5
40
Erfurt
Bergstraße
35
-
-
-
-
48
Weimar Sophienstiftsplatz
26
-
-
-
-
39

 

Ersichtlich ist, dass in der Erfurter Heinrichstraße eine höhere Belastung an PM10 und Stickstoffdioxid als in der Erfurter Bergstraße vorhanden war (weitere Infos im Abschnitt "Luftreinhaltepläne"). In der Walkmühlstraße und der Trierer Straße waren ähnliche Konzentrationen wie in der Bergstraße zu registrieren. Die Gehalte an löslichen Salzen sind in allen 4 Straßenabschnitten vergleichbar hoch (ca. 20 bis 25 %), wobei Nitrat den höchsten Anteil mit ca. 12 % besitzt.

Seit Oktober 2004 arbeitet eine automatische Luftmessstation der TLUG in der Erfurter Heinrichstraße. Die Ergebnisse, Stationsbeschreibung und der Vergleich zu aktuellen Ergebnissen anderer Stationen sind auf der Homepage der TLUG enthalten.

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3 Luftreinhaltepläne

zum Thema

Luftreinhaltepläne

Entwurfsfassung des Luftreinhaltplans Erfurt für die Auslegung zur Öffentlichkeitsbeteiligung
(4,8 MB)

Mit der neuen Strategie der Luftreinhalteplanung auf EU-Ebene ist im nationalen Immissionsschutzrecht nach § 47 Abs. 1 BImSchG bei Überschreitung der Summe aus Grenzwerten + Toleranzmarge ein Luftreinhalteplan zu erstellen. Darin aufgenommene längerfristige Maßnahmen sollen eine Überschreitung der geltenden Immissionsgrenzwerte verhindern. Dieser Plan muss der EU-Kommission spätestens zwei Jahre nach Ablauf des Jahres, in dem die Überschreitung des Immissionswertes (Grenzwert plus Toleranzmarge) festgestellt wurde, übermittelt werden.

In Thüringen hat sich entsprechender Handlungsbedarf nach den Untersuchungen der TLUG für 2002 und 2003 (Bericht zur Beurteilung der Luftqualität) nur für die Stadt Erfurt zu Schwebstaub PM10 ergeben. Dies bedeutet, dass für die Stadt Erfurt mit festgestellten Überschreitungen an verkehrsbelasteten Straßenbereichen mit Schwerpunkt Bergstraße bis zum 31.10.2004 ein Minderungsplan aufzustellen und von der planaufstellenden Behörde (TLVwA) der EU-Kommission in vereinheitlichten Formblättern zu übergeben war. Durch die TLUG wurden wesentliche Teile der Projektbearbeitung mit der Koordinierung spezifischer Fachbeiträge und durch Einbeziehung externer Gutachter übernommen.

Erkennbar war, dass festgestellte Grenzwertüberschreitungen durch die lokale Belastung des Kfz-Verkehrs, den stadtbedingten Beitrag (Mix aus den Emissionen aller Emittentengruppen des Stadtgebietes) und das regionale Hintergrundniveau der Immissionsbelastung) hervorgerufen werden. Auf Grund der gegebenen Emissionsverhältnisse wurde bei der Ursachenanalyse von der Dominanz straßenverkehrsbedingter Emissionen ausgegangen und das Netzmodell zum Verkehrsentwicklungsplan als Basis von Maßnahmemodellierungen genutzt. Mit den netzfallbezogenen Maßnahmevarianten konnten konkrete Minderungspotenziale berechnet und beurteilt werden.

Sollten die langfristigen Maßnahmen nicht ausreichen, die Schadstoffbelastung ab 2005 auf das vom Gesetzgeber geforderte Maß dauerhaft zu senken, dann sind kurzfristige Maßnahmen im Rahmen eines Aktionsplanes aufzustellen. Die unter Mitwirkung der TLUG erarbeitete Entwurfsfassung des Luftreinhaltplans Erfurt für die Auslegung zur Öffentlichkeitsbeteiligung enthält die weiteren Einzelheiten und den zugehörigen Maßnahmekatalog.

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4 Geruchsimmissionen

zum Thema

Thüringer Richtlinie zur Ermittlung und Bewertung von Gerüchen" (ThürGIRL)

Informationen zum Programm: Austal2000

Das Programm AUSTAL2000G mit Anwendungshinweisen im Internet

Die TA Luft enthält zwar keine Regelungen zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Geruchsimmissionen, jedoch Regelungen zur deren Vorsorge. In Thüringen wurde unter Würdigung der ausgeprägten landwirtschaftlichen Strukturen eine eigene Geruchs-Immissionsrichtlinie eingeführt. Nach einer Einführungsphase von 2001 bis 2003 wurde die Richtlinie ab 01.01.2004 als Thüringer Richtlinie zur Ermittlung und Bewertung von Gerüchen" (ThürGIRL) in Kraft gesetzt.

Die ThürGIRL gilt nur für nach der Herkunft eindeutig erkennbare Geruchsimmissionen und ist auch für gewerbliche Anlagen unter dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit anzuwenden. Gerüche werden im Allgemeinen als Belästigung empfunden. Mit Hilfe von Beurteilungswerten werden bei deren Überschreitung erhebliche Belästigungen zugeordnet. Im Unterschied zu Grenzwerten sind die Beurteilungswerte kein Dogma, sondern grundsätzliche und übliche Bemessungswerte in der Verwaltungspraxis mit Abweichungen nach unten und oben im Einzelfall. So werden in dörflich geprägten Gebieten höhere Geruchsimmissionen aus landwirtschaftlichen Anlagen akzeptiert.

Mit der Einführung eines Geruchsmoduls in das TA Luft-konforme Programm AUSTAL2000 im Herbst 2004 können nun auch Geruchsimmissionen realitätsgerechter ermittelt werden. Das Programm ist mit speziellen Anwendungshinweisen im Internet zu finden. In mehreren Bundesländern wird die überarbeitete und im Herbst 2004 vom Länderausschuss für Immissionsschutz als Erkenntnisquelle anerkannte Geruchs-Immissionsrichtlinie (GIRL) angewandt.

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5 Ausbreitung von Luftschadstoffen

Die Ausbreitung von Luftschadstoffen hängt von Abgasmengen und Ableitbedingungen sowie den meteorologischen Verhältnissen im Ausbreitungsgebiet ab. In Immissionsprognosen werden die Zusatzbelastungen aus Quellen, deren Bau erst geplant ist, berechnet. Mit Einführung der 22. BImSchV und der Novellierung der TA Luft sind dabei neue Kennwerte zu beachten, die nicht nur Jahresmittelwerte, sondern auch Stundenwerte für definierte Immissionsorte betreffen.

zum Thema

Ausbreitungsberechnungen mit AUSTAL2000

Deshalb wurde das Rechenprogramm AUSTAL 2000 entwickelt, das den neuen Anforderungen gerecht wird. Das Rechenprogramm steht als kostenfreie Lizenz im Internet zur Nutzung zur Verfügung. Es kann als Standardwerkzeug auch gegliedertes Gelände und Gebäude im Ausbreitungsgebiet berücksichtigen. Die Ermittlung von Immissionswerten basiert auf Zeitreihen der stündlichen Wetterbedingungen, die nun mit Zeitreihen der Emissionen verknüpft werden können. Mit der Implementierung einer Modellkomponente AUSTAL2000G können auch Geruchsimmissionen TA Luft-konform ermittelt werden.

Für Fälle an Standorten, die durch spezielle meteorologische Situationen, z. B. starken Regionalwind- und Lokalwindeinfluss geprägt sind, stehen sachkundigen Anwendern noch komplexere Strömungs- und Ausbreitungsmodelle zur Verfügung.

Einen Schwerpunkt bei der Beurteilung der Ausbreitung von Luftschadstoffen im Jahr 2004 bildeten die Restabfallbehandlungsanlagen.

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6 Wirkungen - Referenzmessprogramm "Allergene und kanzerogene Luftschadstoffe"

Die BRD hat 1989 die Europäische Charta "Umwelt und Gesundheit" unterzeichnet. Danach hat jeder Mensch einen Anspruch auf eine Umwelt, die ein höchst mögliches Maß an Gesundheit und Wohlergehen ermöglicht. Das Wissen um die Wirkung von Umwelteinflüssen auf die Gesundheit des Menschen ist darüber hinaus ein wichtiger Baustein für eine nachhaltige Entwicklung. Zu diesem Leitbild hat sich Deutschland 1992 auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro bekannt.

Wohlbefinden und Gesundheit werden durch die Umwelt entscheidend beeinflusst, zumal sich der Mensch vielen äußeren Einflüssen nicht oder nur in begrenztem Umfang entziehen kann. Während in den früheren Jahren durch Umweltkatastrophen wie in Seveso (Italien), Bhopal (Indien) oder Minamata (Japan) hervorgerufene akute Gesundheitsschäden im Vordergrund standen, lassen sich heute mehr chronisch beeinflusste Gesundheitsschäden identifizieren, deren Verlauf bzw. Schweregrad auch durch anthropogene Umweltschadstoffe beeinträchtigt werden.

Im Vordergrund stehen solche bedeutende Krankheitsbilder unserer Gesellschaft wie

  • Allergien, verursacht hauptsächlich durch PAK, Ruß, Cd, Hg, Pd,
  • Krebs (Dioxine, PCB, Ruß, PAK, PCP, HCB, Cd, Pb, Pt, As) und
  • Störungen durch hormonähnlich wirkende (endokrine) Stoffe auf den Menschen und die Umwelt (Dioxine, HCB, PCB, PCP, PAK, Cd, Cu, Hg, Pb), die das Wachstum, die Entwicklung, die Reproduktionsfähigkeit und das Verhalten negativ beeinflussen können.

Im Auftrag des TMLNU führt die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie seit 1993 ein Dioxin-Messprogramm durch.

Im Rahmen dieses Messprogramms wurden in den Medien Luft, Boden, Sedimente, Aufwuchs und Klärschlamm folgende Parameter gemessen:

  • Dioxine (PCDD) und Furane (PCDF),
  • polychlorierte Biphenyle (PCB),
  • polychlorierte Phenole (PCPh),
  • polychlorierte Benzole (PCBz),
  • polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)
    (PAK gehören zu den persistenten organischen Schadstoffen und werden im Stockholmer Übereinkommen sowie der EU-Verordnung (Verordnung (EG) Nr. 850/2004) zum Verbot persistenter organischer Schadstoffe (POPs) geächtet.)
  • Schwermetalle Kupfer, Cadmium, Quecksilber, Blei und die Platinmetalle sowie Arsen.

 

zum Thema

Auswertung des Referenzmessprogramms für allergene und kanzerogene Luftschadstoffe 2003: Zusammenfassende Darstellung der Messergebnisse

Dieses Programm wird derzeit in minimierter Form als Referenzmessprogramm für "Allergene und kanzerogene Luftschadstoffe" an der Messstelle Erfurt, Krämpferstraße weitergeführt. Die ermittelten Werte gehen in die Dioxindatenbank des Umweltbundesamtes (UBA) ein und sind im 3. und 4. Bericht der Bund/Länder-Arbeitsgruppe Dioxine berücksichtigt. Die Ergebnisse bis 1995 sind - mit einer Bewertung versehen - auch im Abschlussbericht "Chloraromaten-Dioxin-Messprogramm des Freistaates Thüringen 1993 - 1995" veröffentlicht.

   
       

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