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Klimakartierung
mittels numerischer Simulationen
Meteorologische
Verhältnisse betrachtet man seit Inkrafttreten der 22. BImSchV nicht
mehr nur auf Jahresmittelwerte bezogen, weil mit ihr Kurzzeitgrenzwerte
auf Tages- bzw. Stundenbasis eingeführt wurden. Unbestritten ist,
dass lufthygienische Extreme, wie etwa sommerliche hohe Ozonkonzentrationen,
nur bei bestimmten Wetterlagen auftreten. Diese Wetterlagen werden
mit dem Begriff eigenbürtig, autochthon oder austauscharm beschrieben.
Bei solchen Wetterlagen spielen die Begriffe Kaltluft und regionale
Strömungssysteme eine große Rolle. In Thüringen treten sie mit einer
mittleren Häufigkeit von 11 bis 20 % der Zeit auf, wobei deren Häufigkeit
im Sommer angesichts der Klimaszenarien für die Zukunft noch zunehmen
dürfte. Die lufthygienisch weniger interessanten fremdbürtigen oder
allochthonen Wetterlagen treten in einem weit größeren Zeitanteil
auf. Bei lufthygienischen Bewertungen ist es aber notwendig, besonders
die eigenbürtigen Wetterlagen zu betrachten.
Meteorologische
und klimatologische Verhältnisse lassen sich durch Messung, Windkanaluntersuchungen
oder numerische Simulation erfassen. Jedes dieser Verfahren hat
Vor- und Nachteile. In Thüringen wurden in verschiedenen Gebieten
numerische Simulationen durchgeführt, deren Ergebnisse teilweise
durch Messungen ergänzt und kontrolliert wurden. Zur Anwendung kamen
die Simulationsmodelle REWIH3D für den regionalen und FITNAH für
den lokalen Bereich. Der meteorologische Teil von Luftreinhalteplänen
beschäftigt sich in der Regel nur mit den Elementen, die die Verteilung
der Luftschadstoffe bewirken. Damit sind aber bei weitem noch nicht
alle stadtklimatologischen Aussagen, wie sie z. B. in der Flächennutzungs-
oder Bauleitplanung benötigt werden, bereitgestellt. Die vorhandenen
meteorologischen Simulationen erlauben Aussagen, die weit über die
Luftreinhalteplanung hinausgehen. Deshalb werden die vorliegenden
Unterlagen auch für diese Zwecke anwendungsorientiert zur Verfügung
gestellt. Der Bedarf ist nach wie vor in allen Planungsebenen gegeben.
Spezielle
Anwendungen klimatischer Simulationen
Klimatope,
die die Temperatur sowie das nächtliche Abkühlungsverhalten in einem
Gebiet charakterisieren, werden häufig aus Infrarotaufnahmen der
Erdoberfläche (Thermalscannerbefliegungen), die bei einer eigenbürtigen
Wetterlage in den späten Abend- und in den frühen Morgenstunden
durchgeführt wurden, abgeleitet. Solche Daten liegen beispielsweise
aus Erfurt und Weimar vor. Die Umsetzung der Oberflächentemperaturen
in die gewünschten mittleren Lufttemperaturen bzw. Abkühlungsraten
ist aufgrund des unterschiedlichen Wärmeüberganges nicht ohne Probleme.
Es wurde daher für verschiedene Untersuchungsgebiete, wie z. B.
Greiz der Weg beschritten, aus den vorhandenen FITNAH-Simulationen,
die im 200 m-Raster vorliegen, Klimatope abzuleiten, ohne Befliegungen
zu benötigen. Für Weimar war ein Vergleich zwischen beiden Methoden
möglich.
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TLUG
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Allgemeines
Schema für die Einteilung von Klimatopen
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Der
durch die mittlere Lufttemperatur und die nächtliche Abkühlungsrate
definierte Bereich wird gewöhnlich in 12 Klassen eingeteilt, die
mit den Buchstaben B bis M bezeichnet werden. Die in der Stadtplanung
interessanten Kaltluftgebiete (Bereich M) sind durch niedrige mittlere
Lufttemperaturen und eine große Abkühlung der Luft in der Nacht
gekennzeichnet. Entgegengesetzte Merkmale gelten für eine Wärmeinsel
(Bereich B). Sie sind durch hohe mittlere Lufttemperaturen und eine
geringe Abkühlungsrate der Luft in der Nacht bestimmt. Die folgende
Abbildung zeigt eine durch Simulation erzeugte Klimatopkarte aus
vorhandenen Datenfeldern des Untersuchungsgebietes Weimar. Zu erkennen
sind die Ausdehnung der städtischen Wärmeinsel und die Kaltluftgebiete
in der Umgebung.
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TLUG
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Simulierte
Klimatope
Weimar
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In
der Humanbiometeorologie erfolgt die Bewertung der thermischen Umgebung
in thermophysiologisch relevanter Weise über die Berechnung der
Energiebilanz des menschlichen Körpers und der sich dabei ergebenden
menschlichen Wärmeflüsse. Eine weit verbreitete Kenngröße zur Charakterisierung
der Behaglichkeitsbedingungen ist das "Predicted Mean Vote" (PMV).
In die die Behaglichkeit bestimmende Gleichung gehen eine Reihe
von meteorologischen Einflussgrößen wie Wind, Lufttemperatur, Strahlung
usw. ein. Durch Anbindung der Ergebnisse an eine lange Zeitreihe
kann eine Aussage zur Wärmebelastung eines Gebietes getroffen werden.
Beispielhaft ist in beigefügter Abbildung die Verteilung der
Tage pro Jahr mit Wärmebelastung (PMV > 2, mäßige Wärmebelastung)
im Untersuchungsgebiet Weimar dargestellt. Der Innenstadtbereich
hebt sich dabei als nahezu geschlossener Belastungskomplex hervor.
Allerdings ist im Mittel dort mit etwa 17 Tagen pro Jahr Überschreitung
des vorgenannten PMV-Wertes nur mit einer gering erhöhten Wärmebelastung
zu rechnen.
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TLUG
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Überschreitung
der PMV-Werte
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Für
das Untersuchungsgebiet Weimar wurde durch den Deutschen Wetterdienst
eine PMV-Karte durch Verwendung klassischer Methoden erarbeitet.
Eine solche Untersuchung ist zeit- und kostenaufwändig, natürlich
bei einer höheren Auflösung auch genauer. Die Übereinstimmung beider
Karten ist gut.
Bedeutung
lokaler Strömungsverhältnisse
Beim
gegenwärtigen Klima in Mitteleuropa treten im langjährigen Mittel
in ca. 20 % des Jahres Hochdruckwetterlagen auf. Liegt das Hoch
genau über Mitteleuropa, sind großräumige Strömungen oft sehr schwach,
weil der Luftdruckgradient niedrig ist. In diesen Fällen dominieren
Strömungen, die sich aus den Wärmeinhalten der Erdoberfläche und
der unmittelbar darüber liegenden Luftschicht ergeben. Durch unterschiedliche
Temperaturen je nach Höhenlage, Hangausrichtung und Land- bzw. Bodennutzung
erwärmt oder kühlt sich die Luft unterschiedlich stark ab. Die Folge
sind kleinräumige geringe Luftdruckunterschiede, die bestrebt sind,
sich auszugleichen. Die Luftdruckunterschiede entstehen dadurch,
dass wärmere Luft eine geringere Dichte aufweist, somit leichter
ist als kältere, was den Luftdruck reduziert.
Im
Gegensatz dazu übt kältere Luft wegen der höheren Dichte einen größeren
Luftdruck aus. Da kalte Luft schwerer ist, hat sie außerdem die
Eigenschaft, im geneigten Gelände nach unten zu fließen. Somit entstehen
bei Hochdruckwetterlagen eigenständige kleinräumige Strömungssysteme.
Die bekanntesten sind die Land-See-Wind-Zirkulation oder die Berg-Tal-Wind-Zirkulation.
Diese
Zirkulationssysteme spielen für die Luftqualität in zweierlei Hinsicht
eine große Rolle. Zum einen können sie die Anreicherung der Luft
mit Schadstoffen oder Gerüchen beeinflussen, sofern sich auf den
Entstehungsflächen oder Zirkulationsbahnen Schadstoff- oder Geruchsemittenten
befinden. Zum anderen üben sie auch einen Einfluss auf die klimatische
Behaglichkeit der von ihnen berührten Gebiete aus.
Klimatische
Stressfaktoren, wie Hitze-, Kälte- und Schwüleempfinden, hängen
in entscheidendem Maße von lokalen Strömungen ab. Dabei ist klimatisch
nicht immer eindeutig zu definieren, was zu bevorzugen ist, denn
dies hängt von der Nutzungsfunktion der betroffenen Flächen ab.
Im lufthygienischen Maßstab ist es hingegen einfacher, die wirkungsbezogene
Bedeutung von lokalen Strömungen zu beschreiben.
| zum
Thema |
| Eine
Kurzfassung des Vortrags "Flächenhafte Regionalisierung
von Klimagrößen aus Messfahrtsspuren durch
GIS-gestützte mathematische Analyseverfahren"
finden Sie
hier... |
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Die
TLUG beschäftigt sich bereits seit Jahren mit dem Phänomen lokaler
und regionaler Strömungssysteme in Thüringen. Dazu gibt es zahlreiche
messtechnische Untersuchungen und Simulationsrechnungen.
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TLUG
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Simulation
einer Strömung
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In
letzter Zeit werden flächendeckende Temperaturfelder der bodennahen
Luftschicht für unterschiedliche Zeiten durch eine Kombination aus
Messungen und Rechnungen erzeugt. Diese ermöglichen Aussagen zum
nächtlichen Abkühlungsverhalten innerhalb eines zu beurteilenden
Gebietes. Die Methodik und Ergebnisse werden in der Kurzfassung
eines Vortrags anlässlich der Deutsch-Österreichisch-Schweizer
Meteorologentagung in Wien 2001 beschrieben.
Die
folgenden beiden Abbildungen zeigen die aus kombinierten Messungen
und Rechnungen erzeugten flächenhaften Temperaturfelder für einen
Tag mit Hochdruckwetterlage an einem frühherbstlichen Tag in Eisenach.
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TLUG
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Flächenhaftes
Temperaturfeld 1
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TLUG
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Flächenhaftes
Temperaturfeld 2
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