Geologischer Landesdienst
 


Der Geologische Landesdienst der TLUG

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© TLUG
Felssturzgebiet Dohlenstein

Die Grundbedürfnisse unserer Gesellschaft sind ohne Geowissenschaften nicht zu befriedigen. Begrenzte Ressourcen an mineralischen Rohstoffen, Trink- und Brauchwasser, Baugrund, Böden, aber auch Georisiken und Geotope verlangen den bewussten Umgang des Menschen mit seiner Umwelt.

Als fachtechnische Einrichtung berät der Geologische Landesdienst der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie die Landesbehörden, Gebietskörperschaften, wirtschaftlichen Unternehmen, Wissenschaftseinrichtungen und Privatpersonen auf der Grundlage aktueller geowissenschaftlicher Erkenntnisse.

Dabei sind z. Zt. 4 Fachreferate für die unterschiedlichen Themengebiete zuständig - Geologie und Geologisches Landesarchiv (Ref. 61), Rohstoffgeologie, Infrastrukturgeologie, Geophysik und geowissenschaftlicher Naturschutz (Ref. 62), Hydrogeologie und Grundwasserschutz (Ref. 63) sowie Ingenieurgeologie, Baugrund, Georisiken (Ref. 64).

Geologische Landesaufnahme

Zentrale Aufgabe des Geologischen Landesdienstes ist die Erarbeitung und Bereitstellung der geowissenschaftlichen Grundlagendaten im Rahmen der Daseinsvorsorge als Entscheidungs- und Planungsgrundlage vor allem für die Belange der angewandten Geologie für Behörden, Forschungs- und Wirtschaftseinrichtungen des Freistaates Thüringen einschließlich nationaler und internationaler Berichtspflichten und Kooperationen.

Die geologische Landesaufnahme erfasst die Daten durch eigene und externe Mitarbeiter. Darüber hinaus werden bereits vorhandene Daten bewertet, katalogisiert und in Datenbanken und Fachinformationssysteme umgesetzt. Vorrangige Aufgaben sind die Aktualisierung des Kartenwerkes "Geologische Karte von Thüringen 1 : 25.000" sowie die Umsetzung dieses Kartenwerkes in das digitale Flächeninformationssystem "GK25digTh".

Der Aufgabenbereich Geochemie, Petrologie und Biostratigraphie ist für die Erarbeitung und Bereitstellung der Daten über die geochemischen, petrographischen und paläontologischen Merkmale der in Thüringen vorkommenden Gesteine, für Altersbestimmungen und für die wissenschaftliche Betreuung der Sammlungen zuständig. Zur Zeit können aus personellen Gründen diese Aufgaben nicht oder nur stark eingeschränkt erfüllt werden.

 

Geophysik/Seismologie

Bereits in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts begannen in Thüringen erste geophysikalische Regionalvermessungen im Rahmen der Reichsaufnahme zur Erweiterung des Kenntnisstandes der tieferen geologischen Strukturen. Vermessungen größerer Gebiete folgten zu Beginn der 50er Jahre, um die Erkundung von volkswirtschaftlich bedeutenden Rohstoffen wie Erdöl und Erdgas, Spate, Kalisalz, Uranerze, Eisen- und Buntmetallerze, Baurohstoffe etc. zu forcieren.

In den nachfolgenden Jahren bis 1990 wurde der Geophysik ein hoher Stellenwert bei der Verstärkung des geologischen Wissensstandes eingeräumt. Großflächige Untersuchungen, zuletzt auch mittels Aerogeophysik, wurden durchgeführt. Diese umfangreichen Daten befinden sich in Teilen an der TLUG, andere werden im Datenspeicher Leipzig vorgehalten.

Bereits 1994 wurden Geophysikalische Übersichtskarten im Maßstab 1 : 200 000 erstellt und Übersichten zu den Messgebieten, Profilen und den Messpunktdichten erarbeitet. Besonderer Augenmerk wird auf die Sicherung der im Ergebnis der zahlreichen, heute schon aus Kostengründen nicht wiederholbaren Messkampagnen archivierten Daten gelegt.

Gleichzeitig wird die Überarbeitung des Kataloges der Geologisch-Geophysikalischen Normalprofile vorangetrieben.

Eine weitere, in Kooperation mit dem Institut für Geowissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Erdbebenkompetenzzentrum des Institutes für Konstruktiven Ingenieurbau der Bauhaus-Universität Weimar wahrgenommene Aufgabe ist die des Seismologischen Landesdienstes.

Grundlage der Rayonierung der Zonen der natürlichen Seismizität bildet die DIN 4149. Der Osten des Freistaates Thüringen ist gemeinsam mit den Nachbarländern Sachsen und Sachsen-Anhalt betroffen. Berücksichtigt ist derzeit auch die bergbauinduzierte Seismizität in Nordwest- und Westthüringen. Im Falle eines den Freistaat Thüringen betreffenden oder tangierenden seismischen Ereignisses mit einer Magnitude über 2,5 wird der Geologische Landesdienst umgehend vom Institut für Geowissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena als Betreiber des ostthüringischen Messnetzes informiert und gewährleistet selbst eine unverzügliche Mitteilung an die Thüringer Talsperrenverwaltung.

Im Zusammenhang mit der für 2005 erwarteten Novellierung der DIN 4149 wirken die Geologischen Landesdienste Sachsens, Sachsen-Anhalts und Thüringens aktiv an der Herausgabe einer gemeinsamen Verwaltungskarte der Erdbebenzonen nach DIN 4149. Die möglichen Auswirkungen der bergbauinduzierten Seismizität im Thüringer Südharz- und im Werra-Kaligebietes werden in diesem Zusammenhang im Auftrag des TMBV gesondert geprüft.

 

Infrastrukturgeologie

Der Bereich Infrastrukturgeologie fertigt auf Grundlage der durch den Geologischen Landesdienst der TLUG vorgehaltenen und erarbeiteten Kenntnisse zur Geologie sowie zu angewandten Fragestellungen der Hydrogeologie, der Ingenieurgeologie, der Rohstoffgeologie, der Bodengeologie etc. geowissenschaftliche Stellungnahmen und Beratungen, die im Rahmen der Raumordnung, Landesplanung und Bauleitplanung und von Genehmigungsverfahren erforderlich werden.

Der Schwerpunkt der Infrastrukturgeologie liegt folglich in der Wahrnehmung der Aufgaben des Geologischen Landesdienstes der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) als Träger öffentlicher Belange (TÖB).

Neben der vorgenannten Hauptaufgabe ist der Bereich Infrastrukturgeologie u. a. zuständig für den geowissenschaftlichen Naturschutz - Geotopschutz, die fachliche Beratung von Geoparkprojekten, die Geowissenschaftliche Öffentlichkeitsarbeit, Erarbeitung und Redaktion von Publikationen, der Aufbau und die Pflege des Kataster des Altbergbaus von Thüringen gemeinsam mit dem Thüringer Landesbergamt, die Geophysik/Seismologie sowie ein Luftbildarchiv.

Gemäß Thüringer Staatsanzeiger sind "Träger öffentlicher Belange ... Behörden und Stellen, die durch Gesetz oder aufgrund eines Gesetzes Aufgaben und Planungen im öffentlichen Interesse zu vertreten oder wahrzunehmen haben und durch die gemeindliche Planung zur Bodennutzung in ihrem Aufgabenbereich berührt werden können. ... Träger öffentlicher Belange kann nur die Behörde und Stelle sein, der die Wahrnehmung des betreffenden öffentlichen Belanges als öffentliche Aufgabe zur Erledigung im eigenen Namen und mit Wirkung nach außen zugewiesen ist."

"Der Begriff des öffentlichen Belanges bezieht sich auf alle öffentlichen Interessen, die sich aus der Bodennutzung innerhalb des Planungsgebietes ergeben und damit für die Abwägung nach § 1 Abs. 6 BauGB von Bedeutung sein können."

Mit den Bekanntmachungen des Thüringer Innenministeriums im Thüringer Staatsanzeiger, zuletzt genannt in Nr. 40/2001 und Nr. 51/2001, wurde dem Geologischen Landesdienst der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie die Aufgabe als Träger öffentlicher Belange in städtebaulichen Verfahren nach dem Baugesetzbuch zugewiesen. Im Rahmen dieser hat sich der Geologische Landesdienst zu Belangen der Geologie, der Baugrundbewertung und des Grundwasserschutzes zu äußern.

Aber auch für Stellungnahmen nach dem Landesplanungsgesetz, Bau- und Raumordnungsgesetz, im Rahmen von Umweltverträglichkeitsprüfungen, Flurbereinigungs- und Bodenordnungsverfahren, Agrarstrukturellen Vorplanungen, Normsetzungsverfahren nach dem Naturschutz- oder dem Waldgesetz oder bei der Planung alternativer Energiegewinnungsanlagen etc. wird der Geologische Landesdienst der TLUG als Träger öffentlicher Belange (TÖB) und als fachtechnische Einrichtung gefordert.

 

Kataster des Altbergbaus

Der Bergbau besitzt. in Thüringen eine lange Tradition. Nachweisbar ging bereits um 1500 v. u. Z. im Raum Saalfeld-Kamsdorf der Erzbergbau um. Ab dem 12. Jahrhundert existieren Belege von Erzbergbau im südlichen und westlichen Thüringer Wald, später für den Südharz und in neuerer Zeit auch für Ostthüringen. Ebenso fand eine Gewinnung von Steinkohle in Thüringen statt, sie erlebte zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert ihren Höhepunkt.

Abbauwürdige Braunkohle wurde in Nordostthüringen, im Kyffhäuservorland und in der Vorderrhön angetroffen und ab dem 18. Jahrhundert gewonnen. Der Spatbergbau begann im Thüringer Wald und im Südharz im 19. Jahrhundert. Kali- und Steinsalze werden bergmännisch seit über 100 Jahren gewonnen.

Ein weiterer bedeutender Bergbauzweig in Thüringen ist der im Thüringisches Schiefergebirge umgegangene und teilweise noch umgehende Schieferbergbau. Der Alaunschieferabbau wurde vom Ende des 17. bis Mitte des 19. Jahrhunderts betrieben. Dach- und Griffelschieferabbaue erfolgten bereits lokal ab dem 13. Jahrhundert mit Blütezeit im 19. Jahrhundert und reichen in geringem Umfang bis in die heutige Zeit hinein.

Prinzipiell fand je nach Bedarf und über alle Zeiten hinweg die Gewinnung von Baurohstoffen, wie z. B. Kalkstein, Sandstein, Hartgestein, Gipsstein, Kiessand, Sand und Ton, statt.

Aus dem aktiv im Thüringer Raum umgegangenen Bergbau resultieren zahllose Relikte alten Bergbaus (Halden, Restlöcher, Pingen, Stollenmundlöcher oder Schachtanlagen, stillgelegte untertägige bergmännische Auffahrungen). Diese Erscheinungsformen, die der Altbergbau über- und untertägig hinterlässt, stellen mancherorts eine potenzielle Gefahr für die öffentliche Sicherheit dar. Nach dem Thüringer Altbergbau- und Unterirdische-Hohlräume-Gesetz vom 23.05.2001 ist das Thüringer Landesbergamt für die Objekte des alten Bergbaus zuständig.

Ingenieurgeologie - Baugrund - Georisiken.
Zur ingenieurgeologischen Situation in Thüringen

Die Ingenieurgeologen der TLUG wenden ihr Fachwissen an,

  • um bei der Lösung von ingenieurtechnischen und Umweltproblemen sowie bei der Nutzung der Geosphären-Ressorce Baugrund/Bauraum zu helfen,
  • um Folgen von Eingriffen in den natürlichen Untergrund (Geosphäre) und die Ausmaße von Gefahren aus dem Untergrund (Georisiken) zu erkennen und sie zu minimieren,
  • um Grundlagen für umweltschonendes und wirtschaftliches Planen und Bauen zu schaffen.

 

 

 

 

 

 

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