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Situation
in Thüringen
Landesspezifischer,
nutzungshistorischer Hintergrund
Auch
wenn Thüringen oft als das "Grüne Herz Deutschlands" bezeichnet
wird, gibt es doch auch hier eine lange Tradition gewerblicher und
industrieller Produktion.
Auch
die in vergangenen Jahrzehnten oft geübte Praxis der Abfallentsorgung
führte dazu, dass heute viele Flächen als altlastverdächtig einzustufen
sind. Allerdings gehen nur von einem relativ geringen Prozentsatz
der Verdachtsflächen wirklich Gefahren für die Schutzgüter aus.
Besonderheiten
Thüringens, denen im Modellstandortprogramm besondere Aufmerksamkeit
gewidmet wurde, resultieren z. B. aus vielen, oft kleineren Standorten
der Glas- und Porzellanherstellung, der Metallver- und -bearbeitung
sowie des holzverarbeitenden Gewerbes.
Von
beträchtlicher Relevanz sind die Folgen der Braunkohlengewinnung
und -verarbeitung im östlichsten Teil Thüringens sowie der Kali-
und Steinsalzabbau im Südharz- und im Werrarevier.
Auch
die Hinterlassenschaften des Uranerzbergbaus insbesondere im Raum
Ronneburg sind eine schwere Hypothek für die Umwelt. Nicht zuletzt
gab es auch in Thüringen Standorte der Rüstungsindustrie und des
Militärbetriebes.

Geschichte
der Altlastenbearbeitung
Grundlage
für ein zielstrebiges Bearbeiten der Altlastenproblematik bildet
eine sorgfältige Erfassung aller altlastverdächtigen Flächen. Sie
muss systematisch und flächendeckend durchgeführt werden.
Die
Erfassung von Daten begann 1992 durch die Umweltbehörden
der Landratsämter und kreisfreien Städte unter fachlicher Anleitung
durch die TLU. Von besonderer Bedeutung war dabei die Entwicklung
der Datenerfassungsbögen für Altstandorte und Altablagerungen.
Um
die Erfassung in einem absehbaren Zeitraum zum Abschluss zu bringen,
wurde die TLU 1994 beauftragt, die kreisweise Erfassung durch
Vergabe an Ingenieurbüros durchzuführen. Diese Arbeiten wurden im
Wesentlichen in den Jahren 1995 und 1996 realisiert.
Seit
1997 erfolgen Nachermittlungen in einzelnen Kreisen und Präzisierungen
bezüglich der Altlastrelevanz bereits erfasster Verdachtsflächen.
Gegenwärtig
sind insgesamt ca. 17.300 altlastverdächtige Flächen im Altlasteninformationssystem
enthalten (ohne Verdachtsflächen der WISMUT GmbH und der Deutschen
Bahn AG).

Stufen
der Altlastenbearbeitung
Flächendeckende
Erfassung und Historische Erkundung
| zum
Thema |
| eine
schematische Darstellung der Stufen der Altlastenbearbeitung
finden Sie hier... |
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Die
Erfassung von altlastverdächtigen Flächen ist der erste Schritt
der stufenweisen Altlastenbearbeitung und beinhaltet Erhebungen
zu Sachverhalten über die Historie und den Zustand von Grundstücken
industrieller oder anderer gewerblicher Altstandorte sowie von Altlablagerungen,
die den Verdacht begründen können, dass der Betrieb von Anlagen
bzw. das Ablagern von Abfällen zu einer Altlast geführt haben können.
Das
anzustrebende Ziel ist eine weitgehend vollständige Erfassung aller
relevanten altlastverdächtigen Flächen. Dies erfordert eine Abkehr
von der Praxis, dass altlastverdächtige Flächen oft zufällig oder
unsystematisch bekannt werden, dahingehend, dass eine gezielte und
flächendeckende Suche und Erfassung erfolgt.
Für
eine optimale Umsetzung dieser Zielvorstellungen sind Datenerfassungsbögen
erarbeitet und deren Einsatz beschrieben worden. Basierend auf der
Definition des BBodSchG werden die altlastverdächtigen Flächen getrennt
nach Altablagerungen und Altstandorten erfasst, (aktueller Stand
s. Umweltdaten Thüringen
2005).
Die
systematische und flächendeckende Erfassung besteht aus folgenden
Komplexen:
- Adressrecherche,
- multitemporale
Karten- und Stadtplanauswertung,
- multitemporale
Luftbildauswertung,
- Vor-Ort-Ermittlung,
- Zeitzeugen-Befragung,
- Ermittlung
der geforderten Informationen gemäß Datenerfassungsbogen,
- Eingabe
der ermittelten Daten in die Verdachtsflächendatei,
- kartographische
Darstellung und dem
- Abschlussbericht.
|
Diese
Komplexe können auch parallel oder in anderer Reihenfolge abgearbeitet
werden (nähere Erläuterungen siehe Altlastenleitfaden, Teil I).
Als
Differenzierungsmerkmal zur nachfolgenden Stufe der historischen
Erkundung (HE) gilt, dass diese Komplexe in der Erfassung gebietsbezogen
(z. B. Stadt, Kreis) abzuwickeln sind, während die HE auf die einzelne
altlastverdächtige Fläche ausgerichtet ist.
Im
Anschluss an die flächendeckende Erfassung findet die formalisierte
Erstbewertung statt, die der Ermittlung von fachlichen Prioritäten
für den Einstieg in die Abschätzung des Gefährdungspotenzials einzelner
Flächen dient. Für die vergleichende Bewertung sind folgende Prämissen
zu setzen:
- In
Anbetracht der hohen Zahl zu bewertender Flächen kommt nur
ein formalisiertes Verfahren infrage.
- Die
der Erstbewertung zugrunde liegenden objektiven Kriterien
sind bei der Erfassung vollständig zu ermitteln.
- Die
Erstbewertung soll schon bei unsicherer Datenlage durchführbar
sein. Dann zeigen die Ergebnisse eine größere Streubreite
auf.
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Ausgehend
von einer Schadherd-Schutzgut-Betrachtung wird bei dem in Thüringen
angewandten Bewertungsverfahren das Emissions-, das Transmissions-
und das Immissionspotenzial der altlastverdächtigen Fläche in die
Ergebnisfindung einbezogen.
Die
in die Bewertung einfließenden (= bewertungsrelevanten) Daten sind
in den Erfassungsbögen als Pflichtfelder gekennzeichnet, welche
die Möglichkeit bieten, eine "von-bis-Spanne" anzugeben. Die Bewertung
erfolgt getrennt nach Altablagerungen und Altstandorten.
Weitere
Einzelheiten über die Bewertungsverfahren sind im Altlastenleitfaden,
Teil I dargelegt. Durch die Erstbewertung wird jeder Verdachtsfläche
eine Punktzahl bzw. ein durch Minimal- und Maximalwert begrenzter
Punktebereich zugeordnet.
Durch
gezielte Nachermittlungen kann die Zahl der Flächen mit großen Punktbereichen
(= unsichere Datenlage) deutlich verringert werden.
Aus
dieser Erstbewertung wird anschließend durch Klassenbildung die
Priorität festgelegt.
| Klasse |
Klassifizierungskriterium
|
mittlere
Bewertungszahl |
|
1
|
Wesentliche
Beeinträchtigung des Allgemeinwohls unwahrscheinlich |
<
50
|
|
2
|
Wesentliche
Beeinträchtigung des Allgemeinwohls nicht auszuschließen, insbesondere
bei Änderungen der Nutzungen und/oder der örtlichen Gegebenheiten |
50
bis 70
|
|
3
|
Wesentliche
Beeinträchtigung des Allgemeinwohls wahrscheinlich |
>
70
|

Die "historische Erkundung" umfasst eine beprobungslose Datenaufnahme
für einen räumlich abgegrenzten Untersuchungsbereich. Das Ziel der
historischen Erkundung von altlastverdächtigen Flächen muss es sein,
durch detaillierte Recherchen sämtliche Nutzungen auf dem Standort
sowie seiner Umgebung zu erfassen und in Abhängigkeit von den konkreten
Standorteigenschaften deren Auswirkungen auf die verschiedenen Umweltmedien
(Boden, Bodenluft, Luft, Oberflächengewässer etc.) und/oder Schutzgüter
(v. a. Mensch und Grundwasser) darzustellen und zu bewerten.
Im
Einzelnen sind bei der Durchführung einer historischen Erkundung
insbesondere folgende Teilaspekte auszuarbeiten:
- Ermittlung
von Standortverhältnissen (naturräumliche Daten zur Geologie,
Hydrogeologie usw.),
- Rekonstruktion
von Arbeitsabläufen, Störfällen, Gebäudefunktionen, Abfall-
und Abwasserbehandlung bzw. -beseitigung, Ver- und Entsorgungsleitungen,
- Ermittlung
der standortspezifischen Schadstoffe mit Einsatzmengen sowie
deren ökochemischen Eigenschaften (Toxizität, Mobilität
und Abbauverhalten),
- Lokalisierung
von Einsatzbereichen umweltrelevanter Schadstoffe,
- Ermittlung
weiterer umweltrelevanter Nutzungen im Umgebungsbereich
des Standortes,
- Lokalisierung
und Eingrenzung von potenziell schadstoffbelasteten Bereichen,
- Darstellung
von Rechtsverhältnissen im Hinblick auf mögliche Haftungsfragen
(Schadensverursacher).
|
Bei
Fortbestehen des Altlastenverdachtes muss die historische Erkundung
die Basisdaten für sich anschließende Untersuchungen liefern. Eine
ausführliche historische Erkundung verringert die Wahrscheinlichkeit,
dass Kontaminationsherde bei späteren Untersuchungen übersehen werden.
Bei hinreichend differenzierter Erfassung von Untersuchungsbereichen
sind nicht nur beträchtliche Zeiteinsparungen zu erzielen, sondern
auch der Aufwand für Beprobungen und Analytik bei der Untersuchung
kann reduziert werden. Nähere Einzelheiten zur Durchführung der
historischen Erkundung sind dem Altlastenleitfaden, Teil II zu entnehmen.

Orientierende
Untersuchung und Detailuntersuchung
Die
orientierende Untersuchung und die Detailuntersuchung sind der historischen
Erkundung nachgeschaltete Bearbeitungsstufen für eine altlastverdächtige
Fläche/Altlast, die den Einsatz technischer Maßnahmen beinhalten.
Sachverständige und Untersuchungsstellen, die derartige Aufgaben
wahrnehmen, müssen nach BBodSchG die für diese Aufgaben erforderliche
Sachkunde und Zuverlässigkeit besitzen sowie über die erforderliche
gerätetechnische Ausstattung verfügen.
Orientierende
Untersuchung und Detailuntersuchung unterscheiden sich in ihrer
Zielsetzung und beinhalten daher unterschiedliche Untersuchungskonzepte.
Beide Untersuchungsphasen besitzen aber in der Regel einen vergleichbaren
Verfahrensablauf, der wie folgt zu charakterisieren ist:
- Grundlagenermittlung
für die technische Untersuchung
- Ausarbeitung
des Untersuchungsprogrammes
- Vergabe
von Leistungen
- Durchführung
der Untersuchungen
-
Auswertung, Beurteilung und Dokumentation
- Bewertung
durch die zuständige Behörde
|
Ziel
der orientierenden Untersuchung ist es, erste Aussagen über
die Art, Konzentration und Verbreitung von Substanzen, die als Schadstoffe
im Boden, in der Bodenluft oder im Wasser vermutet werden, zu erbringen,
um einen aus den Erkenntnissen der historischen Erkundung abgeleiteten
Altlastverdacht zu bestätigen oder auszuschließen. Das gegenwärtige
und zukünftige Risikopotenzial der Flächen soll aus den durchgeführten
Untersuchungen abschätzbar sein und gegebenenfalls den Handlungsbedarf
für die Detailuntersuchung begründen. Das festgestellte Ausmaß der
Beeinträchtigungen ist entscheidend für die Dringlichkeit weiterer
Maßnahmen.
Durch
eine systematische Vorgehensweise bei der Untersuchung von altlastverdächtigen
Flächen muss gewährleistet werden, dass eine repräsentative und
zuverlässige Beprobung im Untersuchungsgebiet durch bestmögliche
Wahl von Untersuchungsmedien, Beprobungspunkten und -tiefen unter
Berücksichtigung individueller Standortgegebenheiten erfolgt.
Die
Detailuntersuchung soll durch ergänzende Untersuchungen differenzierte
Aussagen über Art und Ausmaß der von einer Altablagerung/einem Altstandort
ausgehenden Risiken liefern. Dies beinhaltet insbesondere konkrete
Aussagen zur räumlichen Verteilung von Schadstoffen im Untersuchungsgebiet,
zur Mobilität bzw. Mobilisierbarkeit der Schadstoffe, zu relevanten
Ausbreitungspfaden und zur qualitativen Beeinträchtigung betroffener
Schutzgüter.
Die
Expositionsverhältnisse sind ebenso wie die von den Schadstoffen
ausgehenden Risiken umfassend zu klären. Die Risikobeurteilung soll
explizit für jeden relevanten Wirkungspfad erfolgen. Nach Abschluss
der Detailuntersuchung sollten für das Untersuchungsgebiet umfassende
Kenntnisse
- zur
Belastungssituation am Standort z. B. relevante Schadstoffe,
horizontale und vertikale Schadstoffverteilung in verschiedenen
Medien, Konzentrationen und Frachten, Schadstoffverfügbarkeit,
-mobilität und -bindungsformen, geogene und anthropogene
Hintergrundkonzentrationen,
- zur
geologischen und hydrogeologischen Situation, z. B. Schichtenfolge
und Mächtigkeiten in der ungesättigten Bodenzone, Anzahl,
Tiefenlage und Mächtigkeit von Grundwasserleitern und hydraulischen
Trennschichten, Grundwasserfließrichtung, Durchlässigkeiten,
Abstandsgeschwindigkeit, Grundwasserneubildung usw.
- zur
Nutzung, zum Umfeld und zu relevanten Schutzgütern z. B.
aktuelle bzw. geplante Nutzung, Standorthistorie, relevante
Wirkungspfade, betroffene Schutzgüter
|
vorliegen.
Aus
diesen Kenntnissen müssen verlässliche Prognosen zur Entwicklung
des Kontaminationsgeschehens am Standort und in dessen Umfeld für
unterschiedliche Szenarien herleitbar sein. Auf der Basis der Erkenntnisse
der Detailuntersuchung soll eine Entscheidung ermöglicht werden,
ob und mit welcher Dringlichkeit weitere Maßnahmen zur Gefahrenabwehr
notwendig sind.
Zur
Abschätzung der Ausbreitung umweltgefährdender Stoffe im Boden (ungesättigte
Zone), in Gewässern und der Austragsrate in Gewässer/Luft sowie
des Transfers in Pflanzen können prognostische Modellrechnungen
oder Simulationen eingesetzt werden.
Nähere
Einzelheiten zur Durchführung der orientierenden und der Detailuntersuchung
sind Bestandteil des Altlastenleitfadens, Teil II.

Sanierung
Als
erster Bearbeitungsschritt der Phase III (Sanierung und Überwachung)
dient die Sanierungsuntersuchung zur
- Präzisierung
der Abgrenzung der unterschiedlich stark belasteten Bereiche,
- Prüfung
der möglichen Sanierungstechniken,
- Erarbeitung
von Sanierungsvarianten,
- Durchführung
einer Kosten- und Kostenwirksamkeitsschätzung und
- als
Grundlage für die Erstellung des Sanierungsplans.
|
Eine
eventuell erforderliche Sanierung kann sowohl durch Sicherung als
auch durch Dekontamination erfolgen. Die Entscheidung erfolgt unter
Berücksichtigung der durch die zuständige Behörde nutzungs- und
schutzgutbezogen festgelegten Sanierungsziele.
Als
verbindliche Vorgabe für sämtliche Sanierungsaktivitäten dient der
durch die zuständige Behörde zu genehmigende Sanierungsplan. Die
Sanierung ist durch eine ständige Fachbegleitung zu dokumentieren
und nach Abschluss einer Erfolgskontrolle zu unterziehen. Detaillierte
Ausführungen zur Sanierungsphase sind im Altlastenleitfaden, Teil
III enthalten.

Überwachung
und Nachsorge
Das
Erfordernis von Überwachungsmaßnahmen kann sich sowohl nach Abschluss
einer Sanierung ergeben, als auch bei Altlasten, die nicht saniert
oder nur teilsaniert bzw. in der Bearbeitung zurückgestellt wurden.
Grundsätzlich
ist zu unterscheiden, ob aktiv Sicherungs- oder Dekontaminationsmaßnahmen
durchgeführt wurden oder natürliche Selbstreinigungskräfte im Vordergrund
stehen.
Ist
nach Dekontaminationsmaßnahmen keine Restbelastung nachweisbar,
entfällt in der Regel eine technische Nachsorge. Wurde eine Altlast
nur teilweise dekontaminiert, unterliegt das Gelände Nutzungsbeschränkungen
und die verbleibenden Schadstoffe sind im Hinblick auf Konzentration
und Mobilität zu überwachen. Derartige Überwachungsmaßnahmen sind
z. B. die Messung von Bodenluftkonzentrationen, der Sickerwassermenge
und -zusammensetzung, die Kontrolle der Grundwasserbeschaffenheit
sowie arbeitsmedizinische Untersuchungen.
Diese
Erhebungen können auch bei der Überwachung nicht sanierter Flächen
erforderlich sein.
Bei
Sicherungsmaßnahmen sind zusätzliche Überwachungen notwendig, da
die Sicherungselemente eine endliche Funktionsdauer aufweisen. Solche
Maßnahmen sind z. B. die Überprüfung der Langzeitstabilität von
Bauwerken, die Funktionskontrolle von Sicherungselementen oder die
Kontrolle der Langzeitstabilität der Immobilisate.
Die
Zeitdauer, die Parameter und die Intensität der Überwachung müssen
fallspezifisch gestaltet werden.
Überwachungsmaßnahmen
erfordern einen personellen sowie finanziellen Aufwand und sind
bereits in der Entwurfsplanung zu berücksichtigen. Nähere
Ausführungen zu Überwachungsmaßnahmen finden sich im Altlastenleitfaden,
Teil III.

Altlasteninformationssystem
THALIS
Das
Thüringer Altlasteninformationssystem (THALIS) ist das IT-Verfahren,
mit dem die Informationen über altlastverdächtige Flächen und Altlasten
des Freistaates Thüringen verwaltet werden. Seine Nutzung erfolgt
in Landesbehörden, in Landkreisen und kreisfreien Städten, die über
das Landesdatennetz die Möglichkeit zum direkten Zugriff auf die
zentrale Oracle-Datenbank der TLUG besitzen.
THALIS
hat die Auskunftsfähigkeit der zuständigen Behörden über Lage, Zustand,
eigentumsrechtliche Verhältnisse und Gefährdungspotenzial von altlastverdächtigen
Flächen und Altlasten sowie Art, Lage und Zustand von durch altlastverdächtige
Flächen und Altlasten beeinflussten Schutzgüter zu sichern. Weiterhin
hat THALIS die für die Beurteilung des Grades der Gefährdung von
Schutzgütern und der Wirksamkeit von Sanierungs- bzw. Sicherungsmaßnahmen
notwendigen Daten bereitzustellen.
Bereits
kurz nach Beginn der Altlastenbearbeitung an der TLU war klar, dass
eine effektive Verwaltung der zu erwartenden hohen Anzahl von Flächendaten
nur durch ein IT-gestütztes System möglich ist. Deshalb wurde bei
der Erarbeitung der Methodik der stufenweisen Altlastenbearbeitung
auf konsequente Berücksichtigung der Anforderungen von THALIS geachtet.
Insbesondere die Datenerfassungsbögen sind unter den Gesichtspunkten
der Abbildung in THALIS entwickelt worden.
Parallel
zur anlaufenden Erfassung begann die Erstellung von THALIS, das
ab Januar 1993 den Umweltbehörden des Freistaates zur Verfügung
stand. Nach mehreren Jahren erfolgreicher Arbeit mit THALIS zeigte
sich die Notwendigkeit zur Weiterentwicklung der Software, da beispielsweise
Datenbanktechnologien entsprechend den Richtlinien des Landes zu
berücksichtigen waren, Daten höheren Beweisniveaus aufzunehmen sind
und die Möglichkeit der Einbindung eines GIS zu schaffen war.
Mit
THALIS II, das seit 1998 im Routineeinsatz ist, wurde ein modernes,
benutzerfreundliches System geschaffen, das keine Kenntnisse über
die Bedienung von Spezialsoftware verlangt. Gleichzeitig nutzt es
aber moderne Datenbanktechnologien. Die Landesbehörden arbeiten
vollständig online über das Landesdatennetz auf der zentralen Oracle-Datenbank
in der TLUG. Damit ist ständige Datenaktualität gesichert.
Die
Anbindung der Umweltbehörden der Landkreise und kreisfreien Städte
über das Landesdatennetz wird zurzeit vollzogen.
2004
erfolgte eine inhaltliche und datentechnische Weiterentwicklung
des Systems inklusive GIS-Anbindung.
THALIS
besteht aus den Komplexen:
- administrativ-eigentumsrechtliche
Daten
- Zustandsinformationen
und
- entsprechend
der Bearbeitungsstufe gestaltete Fachdatenraster.
|
Weiterhin
sind Informationen zu vorhandenen Gutachten und Untersuchungen enthalten.

Flächenrecycling
Der
Boden bzw. die Fläche stellt eine der wichtigsten Ressourcen für
das weitere Wachstum unserer Gesellschaft dar. Die Entwicklung von
Städten und Gemeinden ist fast ausnahmslos mit dem Bedarf an Siedlungs-,
Gewerbe- und Verkehrsfläche verbunden.
Die
Verfügbarkeit des Bodens nimmt durch Überbauung und damit Versiegelung
stetig ab. Mit der Novellierung von Raumordnungs- und Baugesetz
sowie der Verabschiedung des Bundes-Bodenschutzgesetzes wurden auf
Bundesebene gesetzliche Regelwerke zum vorsorgenden Schutz des Bodens,
zum sparsamen und schonenden Umgang mit Boden und zur Minimierung
der Bodenversiegelung geschaffen.
Eine
besondere Bedeutung weist vor diesem Hintergrund die Wiedernutzbarmachung
ehemals gewerblich, industriell oder militärisch genutzter, jetzt
brachliegender Grundstücke auf.
In
Deutschland beträgt nach [UBA, 2000] der tägliche Zuwachs an Siedlungs-
und Verkehrsfläche gegenwärtig über 100 Hektar. Andererseits liegen
in urbanen Gebieten ca. 25 000 Hektar früher gewerblich oder industriell
genutzter Fläche brach.
Neben
den oft im Mittelpunkt des Interesses stehenden und strukturpolitisch
relevanten Großprojekten, die meist mit erheblichen öffentlichen
Mitteln ausgestattet sind, als Beispiele seien hier nur die Wiedernutzbarmachung
des ehemaligen Teerverarbeitungswerkes Rositz oder der Flächen der
SDAG Wismut genannt, sind es vor allem aber auch die Vielzahl der
kleineren bis mittleren Flächenrecyclingmaßnahmen die einen wesentlichen
Beitrag des Flächenrecyclings zum Schutz der endlichen Ressource
Boden bzw. Fläche leisten.
Ziel
eines aktiven Flächenrecyclings muss es sein, zu erreichen, dass
Ansiedlungen auf der "Grünen Wiese" von Investoren nicht länger
bevorzugt werden und so eine Entkopplung von Flächeninanspruchnahme
und Wirtschaftswachstum gelingt.

Modellstandortprogramm
Beginnend
mit dem Jahr 1993 wurden - zusammen mit den damaligen Außenstellen
der TLU (ab 2001 TLUG) - erste Erkundungen an umweltrelevanten Standorten
durchgeführt. Untersucht wurden damals so brisante Standorte, wie
beispielsweise die ehemalige, jahrzehntelang als Schadstoffdeponie
betriebene Lehmgrube Laucha, aber auch eine Vielzahl weniger spektakulärer
Standorte in kommunaler Betreiberschaft, wie z. B. die Altablagerungen
in Greiz-Sachswitz, Cordobang oder dem Erzberg bei Pößneck.
Nach
der Gründung der Staatlichen Umweltämter hat die TLU im Rahmen ihres
Modellstandortprogramms eigenständig spezielle altlastverdächtige
Flächen bzw. Altlasten untersucht. Wesentliche Ziele der modellhaften
Altlastenbearbeitung sind die
- Erprobung
und Weiterentwicklung von Techniken und Untersuchungsmethoden
zur Erkundung, Sanierung und Überwachung,
- Erarbeitung
von Handlungsmatrices für die jeweiligen Untersuchungsstufen,
- Optimierung
der Untersuchungsprogramme,
- Übertragbarkeit
der Untersuchungsergebnisse auf vergleichbare Standorte,
- Erhöhung
der Effizienz bei der Altlastenbearbeitung,
- Erstellung
von Arbeitsmaterialien und technischen Richtlinien.
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Die ausgewählten Standorte (s. Tab.) sollen repräsentativ für die
jeweilige Branche und landestypisch sein. Bisher wurden altlastverdächtige
Flächen modellhaft in den verschiedenen Erkundungsstufen untersucht.
Für die Standorte der "Quecksilberverwendung in der Glasindustrie"
wurden entsprechende Arbeitsmaterialien zur Nutzung durch Behörden
und Ingenieurbüros veröffentlicht. Perspektivisch sollen im Rahmen
des Modellstandortprogramms auch Sanierungsmethoden und -techniken
erprobt werden.
Tabelle:
Untersuchte Modellstandorte in Thüringen
| Modellstandorte |
HE* |
OE* |
DE* |
| Glasherstellung
mit lokaler Gaserzeugung |
x
|
x |
x |
| Generatorgaserzeugung
auf Braunkohlenbasis |
x |
x |
x |
| ehemalige
landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft |
x |
x |
|
| ehemaliges
agrochemisches Zentrum |
x
|
x |
x |
| Metallver-
und -bearbeitung im Thüringer Wald |
x |
x
|
|
| Quecksilberverwendung
bei der Glasverarbeitung |
x
|
x |
|
| standortübergreifende
Erkundung von Tankstellen |
x
|
x |
|
| Rüstungsaltlasten |
x |
x |
|
| Holzimprägnierplätze |
x
|
x |
|
| Altablagerungen
der Volumenklassen 1 und 2 |
x
|
x |
|
| Altablagerungen
der Volumenklassen 3 bis 5 |
x |
x |
|
*HE
= Historische Erkundung
*OE = Orientierende Untersuchung
*DE = Detailuntersuchung

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