Freistaat Thüringen Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie

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Die 14 eingereichten Thüringer Geotope


02 - Die "Barbarossahöhle" bei Rottleben im Kyffhäusergebirge


Freistaat Thüringen, Landkreis Kyffhäuserkreis, Gemeinde Rottleben

GK 1 : 25.000 Blatt 4632 Bad Frankenhausen

Lage im Geopark Kyffhäuser und im Naturpark Kyffhäuse


Kurzbeschreibung des Geotops


Nach speläologischen Gesichtspunkten läßt sich die Barbarossahöhle als eine eingangslose, ca. 800 m lange, horizontale Karsthöhle im teilweise vergipsten Anhydrit des Zechstein 1 (Werra-Folge) charakterisieren, die sich unter lamniaren Fließbedingungen an der Grenze von vadoser und phreatischer Zone entwickelte. Sie weist ein Dutzend kleiner Höhlenseen auf, die miteinander in Verbindung stehen und natürlichen Schwankungen des Wasserspiegels unterliegen. Im Zentralteil wird die Höhle von 50 bis 70 m Gestein überdeckt. Charakteristisch für die Raumform der Barbarossahöhle sind flach gewölbte Hallen von geringer Höhe und großer Spannweite (Verhältnis zwischen etwa 1:5 und 1:8) und gleichzeitig beträchtlicher Längserstreckung. So sind die Abschnitte vom "Felsenmeer" bis zum "Tanzsaal" und vom "Wolkenhimmel" bis zur "Schweizer Landschaft" als jeweils etwa 200 m lange Räume aufzufassen. Speläogenetisch befinden sich diese Räume im Stadium der Raumentwicklung (Evolution). An zwei Stellen ist die Höhle bereits ins Stadium des Raumverfalls (Inkasion) getreten. Im Bereich des "Olymp" und des "Dom" sind dementsprechend kuppelförmige Räume mit einem Verhältnis von Höhe zu Breite von annähernd 1:1 entwickelt. Der "Olymp" stellt nur noch den Restraum an der Flanke eines gewaltigen Erdfalls dar, der an der Erdoberfläche den Namen Teufelsgrube trägt. Über große Strecken tauchen die Seitenwände der Höhle in Lockersedimente ein. Die Barbarossahöhle ist seit 1866 als Schauhöhle öffentlich zugänglich.


Begründung des Vorschlags


Die Barbarossahöhle sollte in die Liste der bedeutendsten Geotope Deutschlands aufgenommen werden, weil sie

  • im speläogenetischen Sinne einen bestimmten Typ endogener Schichtgrenzhöhlen repräsentiert (die sogenannten Schlotten des Wimmelburger Typus), der in Deutschland nicht und auch darüber hinaus kaum an anderer Stelle zugänglich ist,
  • im Anhydrit als Muttergestein entwickelt ist, der zur Bildung charakteristischer Gipslappen neigt und ihr dadurch eine besondere Eigenart und Schönheit verleiht,
  • einen einzigartigen geologischen Aufschluss des gesamten Werra-Anhydrit-Profils (Zechstein 1) darstellt,
  • mit etwa 100.000 Jahresbesuchern als Schauhöhle zu den wenigen Naturschöpfungen in Deutschland gehört, die einem breiten Kreis der Öffentlichkeit geowissenschaftliche Bildung vermittelt und
  • darüber hinaus für den Arten- und Biotopschutz, den Denkmalschutz (Altbergbau), die Umweltbildung sowie für die akademische Lehre und Forschung unter den etwa 60 Schauhöhlen Deutschlands einen bedeutenden Rang einnimmt.

Der Schauhöhlenbetrieb verfügt über eine moderne Infrastruktur, u. a. mit Ausstellungs- und Vortragsräumen, musealen Sammlungen (im Aufbau) und einer Handbibliothek sowie eigenes Fachpersonal. Mit Ausnahme der Kungur-Eishöhle am Mittleren Ural (Russland, Region Perm) ist außer der Barbarossahöhle weltweit keine weitere Anhydrithöhle mit den charakteristischen Gipslappen für die Öffentlichkeit zugänglich.



Link: www.hoehle.de


Fotos der Barbarossahöhle


Blick in den Falkenburger Stollen,
aufgefahren zwischen 1860 und 1865



Gipslappen in der "Gerberei" der Barbarossahöhle



"Schlangengips" im Anhydrit des Zechstein 1 (Werra-Folge)

Alle Aufnahmen R. Fohlert, Wutha-Farnroda