Freistaat ThüringenThüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie

Inhalt

Kommunikation und Umweltinformation

Informations- und Kommunikationstechnik, die eine rechnergestützte automatisierte Datenverarbeitung, Datenverwaltung und Kommunikation ermöglicht, ist für den Aufbau einer effizienten modernen Verwaltung unerlässlich. Entsprechend der Aufgabenstellung der TLU und ihrer Stellung in der Thüringer Umweltverwaltung können für den Einsatz von Informationstechnik die Schwerpunkte gesehen werden.

  • Systeme und Verfahren für Bürokommunikation und die Unterstützung von Verwaltungsabläufen,
  • Systeme und Verfahren für die Erfüllung der fachlichen Aufgaben der TLU und Kommunikation

Zwischen diesen Aufgabengruppen bestehen vielfältige Querverbindungen. D. h. eine leistungsfähige Informations- und Kommunikationsinfrastruktur ist notwendige Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz der Datenverarbeitung. Vor diesem Hintergrund hatte zunächst der Aufbau der Datenverarbeitung in der TLU zu erfolgen. Heute gilt es, den erreichten Stand angesichts einer rasant fortschreitenden Informationstechnik konsequent weiter zu entwickeln und die Nutzung moderner Internettechnologien voranzutreiben.

Entsprechend der bei Errichtung der TLU bestehenden organisatorischen Gliederung war das IT-Referat zunächst eine Struktureinheit der Zentralabteilung der TLU (drei Mitarbeiter). Auf Grund der engen Verflechtung der Aufgabenstellung des IT-Referats mit der Einführung von Geoinformationssystemen als Bestandteil von Fachinformationssystemen erfolgte 1995 die Zuordnung zur Abt. 2 Umweltkonzepte, Informationstechnik (neun Mitarbeiter).

1992 war der Stand bestimmt von der Notwendigkeit der Bereitstellung einer ausreichenden Grundausstattung mit Rechentechnik (Hardware, Software). Dabei konnte bei Hardware nur in Ausnahmefällen auf Technik aus DDR-Beständen zurückgegriffen werden. Die technische Basis bestand im wesentlichen aus einigen IBM-kompatiblen PC als Einzelplatzsystemen. Sie wurden hauptsächlich für Textverarbeitung, lokale Datenbankanwendungen (z. B. DBASE) und wissenschaftlich-technische Berechnungen unter MS-DOS und teilweise MS-Windows genutzt. Insgesamt standen 66 PC-Arbeitsplätze zur Verfügung. Eine Kommunikationsinfrastruktur innerhalb und in den Außenstellen (LAN) bestand praktisch nicht. Eine Einbindung in übergeordnete Datenfernübertragungsnetze (WAN) war ebenfalls nicht gegeben.
Auf dem Gebiet der Standardsoftware wurden überwiegend aus den Herkunftseinrichtungen der Mitarbeiter übernommene Produkte eingesetzt. Fachspezifische IT-Anwendungen aus ehemaligen DDR-Einrichtungen wurden nach Möglichkeit übernommen und weitergeführt. Damit bestand eine erhebliche Diskrepanz zwischen der Fülle und Komplexität der zu Fachaufgaben und der zur Verfügung stehenden Rechentechnik. Es war klar, dass sich diese Probleme nur schrittweise lösen lassen. Die dazu entwickelten konzeptionellen Grundlagen setzten folgende Schwerpunkte:

  • Komplettierung IT-Grundausstattung (durch Beschaffung von PC-Rechentechnik),
  • Aufbau lokaler Netze (LAN) in der TLU einschließlich der erforderlichen Servertechnik,
  • Anbindung an Datenfernübertragungsnetze (WAN),
  • Einsatz von UNIX-Workstations für Fachanwendungen mit hohen Anforderungen an die Rechenleistung,
  • UNIX-Systeme für Datenbank, File und Print- und Kommunikationsserver,
  • Orientierung auf Standardprodukte für Bürokommunikation (MS-Office) und so weit möglich für Fachanwendungen,
  • Einführung eines leistungsfähigen Datenbankmanagementsystems (ORACLE) für komplexe Fachinformationssysteme.

Dementsprechend waren die Jahre bis 1997 gekennzeichnet durch die Beschaffung arbeitsplatzbezogener Rechentechnik für Bürokommunikation und Facharbeitsplätze: INTEL-basierte PC, lokale Drucktechnik und aktuelle Versionen von MS-Windows sowie MS-Office-Produkte. Damit stand an allen Arbeitsplätzen die für die Erfüllung der Aufgaben notwendige DV-Technik zur Verfügung. Auf Grund des technologischen Fortschritts liegt heute der Schwerpunkt auf Ersatzbeschaffung sowie der Herstellung einheitlicher Softwareumgebung für PC-Arbeitsplätze unter Windows NT.
Bis 1999 wurde im Hauptdienstgebäude der TLU ein lokales Netz für das gesamte Haus auf der Basis von ETHERNET mit einer Bandbreite von 10 Mb/s installiert. Kleinere Netze bestanden in den Außenstellen der TLU und der Landesdatenzentrale Jena sowie der Landesmessstelle Gera auf der gleichen technischen Grundlage. Mit der Abtrennung der ATLU und Bildung der Staatlichen Umweltämter wurde der weitere Ausbau dort in eigener Zuständigkeit weitergeführt. Damit verbunden war die Beschaffung von Rechentechnik als File und Pointserver für die Bereitstellung von Netzwerkdiensten und zentralen Ressourcen. Im Zuge der technischen Weiterentwicklung und als Folge der ständig wachsenden Anforderungen an die Übertragungskapazität der modernen IT-Anwendungen an Rechnernetze erfolgt seit 1998 die Migration zu Fast-ETHERNET (100 Mb/s). Gegenwärtig wird der Einsatz von Gigabit-ETHERNET für den Server- und Backbone-Bereich vorbereitet.
Als weitere wesentliche, die IT-Infrastruktur bestimmende Komponente ist die Einbindung in übergeordnete Datenfernübertragungsnetze vorgesehen. Nur auf dieser Basis ist es möglich, standortübergreifende IT-Verfahren insbesondere für Fachinformationssysteme und im Rahmen der Bürokommunikation einzusetzen. Für die TLU mit zahlreichen ausgelagerten Dienststellen hatte die Schaffung der dazu notwendigen technischen und softwaremäßigen Voraussetzungen hohe Priorität. Mit dem Aufbau des Thüringer Landesdatennetzes konnten 1993 die ersten Kommunikationsverbindungen eingerichtet werden. Auch die Nutzung internationaler Informationsdienste (z. B. für die Gefahrstoffauskunft) wurde möglich. Die weiteren Schritte erfolgten in enger Zusammenarbeit mit allen Einrichtungen des Geschäftsbereiches des TMLNU, so dass bis 1996 ein INTRANET für diese Einrichtungen aufgebaut werden konnte. Mit dem Ausbau des Thüringer Landesdatennetzes zur Corporate Network (CN) Thüringen erfolgte die weitgehende Integration des INTRANET des Geschäftsbereiches des TMLNU in das CN-Thüringen. Damit ist eine zeitgemäße Kommunikationsinfrastruktur verfügbar, die den Einsatz von Internettechnologie für den Einsatz von IT-Verfahren der TLU in INTRANET und INTERNET gewährleistet.
Schon frühzeitig musste in den Fachbereichen der TLU auf die "Datenflut" reagiert werden. Daher wurden zunächst einschichtige einzelplatzorientierte Datenbankanwendungen vorwiegend auf der Basis DBASE/Clipper eingesetzt.
Vorteil war ein relativ schneller und preisgünstiger Datenbankaufbau. Teilweise konnte man auch auf Erfahrungen und Datensammlungen zurückgreifen, die in den letzten Jahren vor der Wende gemacht wurden. Die Realisierung komplexer Fachinformationssysteme ist jedoch auf dieser Grundlage nicht möglich.
Erst die Einführung des Datenbankmanagementsystems (DBMS) Oracle erlaubt einen zentralen Datenbankaufbau, in dem unterschiedliche fachliche Anwendungen in einer oder mehreren Instanzen abgebildet werden können und damit auch verknüpfbar sind. Das Eingesetzte DBMS ermöglicht einen Mehrnutzerbetrieb. Auf dieser Basis wurden die Fachinformationssysteme der TLU z. B. WSG-Kataster, FIS-Daten, FIS-Abwasser, u. a. unter zu Grundelegung einer Client-Server-Architektur entwickelt (2-Schichten-Architektur).
Die "2. Generation" war vorerst finanziell aufwendiger, da der Entwicklungsaufwand und auch die technischen Ansprüche größer waren (Server, Vernetzung). Diese DB-Anwendungen entstanden primär unter fachspezifischen Aspekten, wobei allerdings einige zentrale Daten von allen Systemen gleichzeitig genutzt werden (z. B. Kreis- und Gemeindedaten). Eine konsequente fachübergreifende Integration der Fachsysteme war nicht gegeben.
Zur Integration der Fachdaten, und um das öffentliche Datenangebot der TLU (z. B. Internet) zu unterstützen, wurde 1998/1999 in einer 1. Phase in Kooperation mit der Friedrich Schiller Universität (Lehrstuhl Geoinformatik), eine Analyse der Datenlandschaft der TLU durchgeführt. Als Resultat der Analyse wurde ein Globales Datenmodell (GDM) entworfen. Für das Internetangebot der TLU ist dieses Datenmodell mittlerweile im Einsatz.
In einer 2. Phase 1999/2000 wurde das Fraunhoferinstitut IITB aus Karlsruhe beauftragt eine intensive Analyse der Daten der TLU sowie auch der gesamten IT-Infrastruktur durchzuführen mit der Zielrichtung, ein Konzept zum Ausbau bzw. Erneuerung der IT-Infrastruktur der TLU aufzustellen. In Bezug auf die Integration der Fachinformationssysteme wird im Zuge des Projektes FUIS (Fachübergreifendes Umweltinformationssystem) in der 1. Stufe die Entwicklung des Globalen Datenmodells fortgeführt, wobei eine fachspezifische Modularisierung angestrebt wird. Dabei soll eine dreischichtige Softwarearchitektur realisiert werden.
Der kleinste gemeinsame Nenner von Informationen über die Umwelt ist ihr georäumlicher Bezug. Ausgehend davon wurde die Entwicklung von Geo-Informationssystemen (GIS) schon in den 70er-Jahren maßgeblich von Anwendungserfordernissen im Umweltbereich vorangetrieben. Zum Zeitpunkt der TLU-Gründung gehörte GIS bereits zur Standardausrüstung von Umweltverwaltungen deutscher Bundesländer. Unter diesem Aspekt ist die Einführung und Anwendung von GIS-Technologie in der TLU als logische Konsequenz beim Aufbau einer fachtechnischen Umweltbehörde zu betrachten.
Als die zwei wesentlichen Einflussgrößen bei der Einführung neuer Informationstechnologien sind die Anforderungen zukünftiger Nutzer und die technischen Rahmenbedingungen anzusehen. Die Entscheidung für die Beschaffung konkreter Produkte (GIS-Komponenten) ist gemeinsam von Vertretern der entsprechenden Interessengruppen (GIS-Anwender und DV-Experten) zu tragen. Im Jahre 1992 bestand die Gruppe potentieller GIS-Anwender aus Vertretern des Referats Raumbeobachtung und Raumordnungskataster in der Fachabteilung Raumordnung. In anderen Fachabteilungen war zwar langfristig ein Anwendungsbedarf vorgezeichnet, doch hatte sich zu diesem Zeitpunkt noch kein Nutzerkreis herauskristallisiert, der in der Lage war, umweltfachliche Anforderungen zu formulieren. Aufgaben der DV-technologisch orientierten konzeptionellen Vorbereitung wurden in enger Zusammenarbeit von zentralem DV-Referat und Abteilung 3 wahrgenommen. In der Abteilung 3 war die theoretische Konzeption zum Aufbau eines Fachinformationssystems mit GIS-Komponenten am weitesten fortgeschritten jedoch die für die praktische Umsetzung notwendige Triebkraft der fachlichen Nutzung nicht ausreichend in die konzeptionelle Phase einbezogen worden.
Im Ergebnis einer Marktanalyse und in Abstimmung mit dem Thüringer Umweltministerium wurde noch 1992 das GIS-Softwarepaket Arc/Info beschafft. Wesentlich für diese Entscheidung waren die international führende Marktposition im Umweltbereich und die Mehrbenutzerfähigkeit. Einer sofortigen Anwendung von Arc/Info in der TLU standen der hohe Administrationsaufwand, der ohne Schulung nicht beherrschbare Funktionsumfang sowie die im Vorfeld unzureichend ermittelte Bedarfsstruktur entgegen.
Parallel hierzu wurden für den Betrieb an lokalen PC-Arbeitsplätzen im Referat Raumbeobachtung und Raumordnungskataster die Software ATLAS-GIS, ein A0-Digitalisiertablett, ein A4-Scanner und ein A0-Tintenstrahlplotter erworben. Ergänzt wurde diese Konfiguration durch das Illustrationsprogramm FreeHand, bestimmt zur Erzeugung qualitativ hochwertiger Präsentationsgrafik. Diese Ausstattung war genau auf die Durchführung konkreter Projekte der Raumordnung und Landesplanung zugeschnitten. Dadurch war die Abteilung 2 bereits 1992 in der Lage, ein Projekt mit Unterstützung von GIS-Technologie zu beginnen - eine Studie zur Bevölkerungsentwicklung in Thüringen.

In den Umweltfachabteilungen der TLU wurde begonnen, umfangreiche Fachdatenbestände aufzubauen. Vor allem zur digitalen Erfassung von in Karten eingezeichneten Informationsschichten, so genannter Geometriedaten, erwies sich GIS vorerst als geeigneter Werkzeugkasten. So entstanden bis 1995 bereits Geometriedatenbestände z. B. zu Fließgewässern, Schutzgebieten, Verkehrswegen und Verwaltungsgrenzen. Eine herausragende Informationsquelle für Geo-Fachdaten des Naturschutzes bilden die 1993 im Rahmen einer thüringenweiten Befliegung entstandenen Farbinfrarot-Luftbilder. In den Folgejahren wurde durch Interpretation daraus der Datenbestand der Biotop- und Nutzungstypenkartierung abgeleitet.
Mit der Bindung von qualifizierten Spezialisten, der einschlägigen Weiterbildung potentieller GIS-Anwender und der zunehmenden Verfügbarkeit einfacher GIS-Funktionalität an PC-Arbeitsplätzen wurden ab Mitte der 90er-Jahre günstige Ausgangsbedingungen zur problemangepassten Verwertung georäumlicher Informationen geschaffen.
Die größte GIS-Nutzergruppe entstand über die drei Umweltfachabteilungen hinweg im Sog der Entwicklung von Fachinformationssystemen. Die unter Betreuung dieser Fachabteilungen geschaffenen Lösungen dienen in erster Linie der Erzeugung georäumlicher Sichten auf den jeweiligen Fachdatenbestand. Der tägliche Informationsbedarf von Spezialisten (auch anderer Behörden) wird durch diese Auskunftssysteme unterstützt.

Kompliziertere, nicht vordergründig abbildungsorientierte GIS-Funktionalität kommt in der TLU im Rahmen umwelt- und naturschutzfachlicher Projekte zum Einsatz. Komplexer Informations- und Erkenntnisgewinn sind die Schlagworte, die hier das professionelle Anwendungsspektrum von GIS-Technologie begründen. Prägend für die Ergebnisse dieser Projektarbeit ist das Zusammenwirken von GIS-Anwendungsexperten und Umweltfachleuten.
Mit der zunehmenden Datenfülle ergab sich die Notwendigkeit, die fachübergreifende Datennutzung innerhalb der TLU zu organisieren. Dazu wurde der so genannte GIS-Datenpool als Speicherinstanz eingerichtet. Er ermöglicht GIS-Nutzern jedes Fachbereiches ständigen Zugang zu Daten, die in Zuständigkeit anderer Fachbereiche erzeugt wurden. Auch die vorhandenen topographischen Basisdaten der Landesvermessungsverwaltung stehen über diesen Pool allen Nutzern zur Verfügung. Die TLU verteilt seit 1997 diese Daten auf Anforderung an Bedarfsträger im Geschäftsbereich, ohne dass es hierfür eine bindende Regelung gibt. Als Übergabemedium werden CD-ROM verwendet. Um das Informationsdefizit über Geo-Datenbestände zu vermindern sowie technische und organisatorische Lösungen des Datenaustausches zu konzipieren, wurde unter Vorsitz des TMLNU 1998 die Projektgruppe "Geo-Datenspeicher" konstituiert, in der auch die TLU vertreten ist.
Seit 1998 bietet die TLU ein Spektrum an Umweltinformationen im Internet an. In gewissem Umfang eignet sich dieses Medium zur Visualisierung kartographischer Folgeergebnisse der GIS-Arbeit in der TLU, wobei hier repräsentativ auf den Umweltbericht und die Umweltpässe verwiesen wird.
Im Zuge der Entwicklung eines Informationssystems über Umweltdaten im Internet in Kooperation mit dem Lehrstuhl Geoinformatik der FSU Jena stehen erste innovative Lösungen der datenbankgestützten Präsentation aktueller, geokodierter Messwerte einem breiten Interessentenkreis praktisch weltweit zur Verfügung. Seit 1999 funktionieren diese Internet-Anwendungen für Daten zur Ozonsituation in Thüringen, seit 2000 für Messwerte zu Wasserstand und Abfluss Thüringer Fließgewässer. Sie basieren auf integrierter Sach- und Geometriedatenhaltung in relationalen Datenbanken. Konzeptionell besteht genau darin der technologische Ansatz für die zukünftige Entwicklung von GIS-Anwendungen der TLU, vor allem für GIS-Komponenten von Fachinformationssystemen. Die entsprechenden Grundrichtungen sind mit den Kernaussagen von IT-Strategie- sowie GIS-Konzept der TLU vorgegeben.
Im Referat Raumbeobachtung und Raumordnungskataster wurden seit 1992 Daten- und Materialsammlungen sowie Studien zur Raumordnung, zur laufenden Raumbeobachtung Thüringen und in den letzten Jahren zur laufenden Umwelt- und Raumbeobachtung erstellt. Dieses Referat greift über das Landesdatennetz direkt auf das Statistische Informationssystem des Thüringer Landesamtes für Statistik zu, verarbeitet umweltrelevante Datenbestände und Umweltindikatoren zu Grundsatzveröffentlichungen zur Umwelt, zu Karten und zu Kurzinformationen für die Politikberatung im Geschäftsbereich des TMLNU.

Zu den wichtigsten Arbeitsinstrumenten für Umwelt- und Raumanalysen sowie Datenzusammenstellungen zählt die eigene Datenbank "Raumrelevante Umweltdaten Thüringen" (RUTH) in Verbindung mit dem Geoinformationssystem des Referats Umweltinformationssystem. Diese Datenbank wurde in den letzten drei Jahren zu einem Arbeits- und Rechercheinstrument der Umwelt- und Raumanalyse ausgebaut und steht (z. Zt. noch intern) in der TLU zur Nutzung zur Verfügung. Die Produkte des Referates bestehen meist aus kombinierten Text-Graphik-Karten-Modulen, die sowohl als Druckexemplare als auch als CD- und Internetangebot in Zusammenarbeit mit den Referaten DV-Koordinierung/Informationstechnik und Umweltinformationssystem veröffentlicht werden. Die erst zwei und später drei Referate der Abteilung 2 arbeiten oft eng und arbeitsteilig am gleichen Projekt: Angefangen von der Formulierung von fachübergreifenden Texten, der Datenbereitstellung bis hin zur Kartographie, über GIS-Analysen bis hin zur Herstellung von Internet- und CD-Präsentationen der TLU. Dabei werden modernste Methoden und IT-Technologie eingesetzt, was die Produktpalette der Abteilung 2 in den letzten Jahren stark erweiterte.
Die wichtigsten Produkte und Leistungen des Referats Raumbeobachtung und Raumordnungskataster in Verbindung mit den Referaten DV-Koordinierung/Informationstechnik und Umweltinformationssystem werden im Folgenden aufgelistet:

  • Datendienste mit Hilfe der Datenbank "Raumrelevante Umweltdaten Thüringen" (RUTH). Sie dient der Aufnahme, Verwaltung und Bereitstellung von fachübergreifenden umweltrelevanten statistischen Sachdaten, Indikatoren sowie administrativen/nichtadministrativen Gebietseinheiten. Damit ist diese Datenbank eine wichtige Arbeitsgrundlage für die laufende Umwelt- und Raumbeobachtung Thüringen, für die Umweltstatistik und -prognose sowie für diverse Anwendungen im Rahmen des künftigen Umweltdaten-Managementsystems (GIS, andere Fachinformationssysteme der TLU).
  • Gesamtredaktion und Kartographie für den Raumordnungsbericht von Thüringen als Dienstleistung für die Raumordnung und Landesplanung in Thüringen.
  • Raumrelevante Strukturdaten für Thüringen (zweijährige Veröffentlichung von raumbezogenen Daten in der Schriftenreihe der TLU 23/1997 und 42/2000).
  • Umweltpässe (kartographische Kurzinformationen, Zahlen und Erläuterungen für alle Kreise Thüringens) als Handexemplar, als CD und als Internetangebot, zweijährige Erscheinungsweise ab 1996).
  • Poster zum Ländlichen Raum und zu ökologischen Aspekten der Flächennutzung und anderen raumrelevanten Umweltthemen.
  • Analyse der Flächenversiegelung in Thüringen unter Nutzung verschiedener Methoden der Fernerkundung einschließlich der Untersuchung von ökologischen Wirkungen der neuen Baugebiete in Thüringen seit 1990.
  • Herausgabe der "Fachstandpunkte der TLU", einer Veröffentlichungsreihe der TLU zu Grundsatzfragen des Umweltschutzes aus der Arbeit und der Sicht der TLU.
  • Koordinierung der Erfassung von Objekten für den Beitrag der TLU zum Umweltdatenkatalog Thüringen (Metadatenktalog, auch im Intra- und Internet für die Öffentlichkeit als ein Einstiegsmodul für das Umweltdaten-Managementsystem Thüringen).

Fast jedem ist heutzutage der Begriff "Internet" geläufig. Viele wissen auch, was für Möglichkeiten einem im world wide web zur Verfügung stehen. Fast alle haben ein gemeinsames Anliegen: Sie wollen mittels dieses neuen Mediums mehr und immer aktuellere Informationen zu sich nach Hause oder an den Arbeitsplatz holen. Mittlerweile surfen rund 18 Millionen Deutsche im Alter von 14 bis 69 Jahren im Internet (Stand August 2000). Damit hat sich die Zahl der Internetnutzer innerhalb des letzten Jahres fast verdoppelt (GfK). Durch die modernen Informations- und Kommunikationstechniken hat sich ein multi-mediales Umfeld herausgebildet, das auch neue Bedingungen für die Bereitstellung und Nutzung von Umweltinformationen geschaffen hat. Auch die TLU nutzt die Funktion des Netzes als Präsentations- und Verbreitungsmedium, um Informationen zur Umweltsituation im Freistaat Thüringen einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Verteilte webbasierte Informationssysteme gewinnen bei der Bereitstellung von (Umwelt-) Informationen auf behördlicher Ebene zunehmend an Bedeutung. Für die TLU bedeutete dies von Anfang an, ein breit gefächertes Spektrum umweltrelevanter Fachinformationen mit der höchst möglichen Aktualität dem interessierten Nutzer bereitzustellen. Seit Veröffentlichung der ersten Internetseiten im Mai 1998, unter der Adresse

www.tlu-jena.de

durchlief der web-Auftritt der TLU eine Entwicklung von einer einfachen Website zum integrierten Umwelt-Informationssystem (UIS) im Internet, welches sich am heutigen Stand der Technik orientiert.
Möglich wurde dies durch die seit 1998 bestehende enge Kooperation zwischen dem Lehrstuhl Geoinformatik des Geographischen Institutes der Friedrich-Schiller-Universität und der Thüringer Landesanstalt für Umwelt (TLU) auf dem Gebiet des integrierten Managements von Umweltdaten. Dies beinhaltet vornehmlich die Entwicklung von Methoden zur Haltung, Modellierung und Präsentation von Umweltdaten, inklusive der Entwicklung von Werkzeugen und Anwendungen unter dem Aspekt des Managements der an der TLU verfügbarer Umweltdaten für die Nutzung im behördlichen und öffentlichen Umfeld. Hier wurden in den Jahren 1998 bis 2000 verschiedene Projekte erfolgreich durchgeführt. Eine weitere Vertiefung der Zusammenarbeit über einzelne Projekte hinaus wurde 2000 mit der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung zwischen beiden öffentlichen Einrichtungen formalisiert.

Startseite 1 Internetstartseite der TLUG

Im Rahmen des ersten Projektes wurde eine Applikation entwickelt, die aktuelle Ozonwerte im Internet bereit stellte. Dazu wurden die, über das von der TLU betriebene Immissionsmessnetz Thüringen bis zu stündlich aktualisierten, Messwerte entsprechend aufbereitet, datenbankseitig erfasst und in eine für das Internet geeignete Präsentationsform überführt. Dabei wurde nicht nur der Messwerteverlauf der letzten sieben Tage in Diagrammform dargestellt, sondern auch der georäumliche Bezug der Werte als Ozon-Verteilung der letzten 24h in hochqualitativer kartographischer Form visualisiert. Die Zugriffsstatistiken der TLU-Seiten zeigen heute, dass die "Aktuellen Ozonwerte Thüringen" bei einem breiten Interessentenkreis eine hohe Akzeptanz gefunden haben.
Seit dem 30. November 1998 sind die "Umweltpässe der Thüringer Landkreise und kreisfreien Städte" Bestandteil des TLU-Internetangebotes Dieses sind umfangreiche statistische und Umwelt-Daten, kreis- bzw. stadtweise aufbereitet. Darunter sind u. a. Informationen zu Naturschutzgebieten, Gewässergüte, Niederschlagsmengen, Wasserschutzgebiete, Umweltbelastungen und Abfallbeseitigung. Aber auch die Bevölkerungsdichte, die Verwaltungsgliederung und Angaben zur Flächennutzung findet man in den Seiten. Erstmals wurde GIS-Technologie in die Web-Seiten integriert, was eine Aufwertung der Seiten zur Folge hatte. Diese Umwelt-Visitenkarten der 17 Thüringer Landkreise und sechs Kreisfreien Städte unterliegen einem Aktualisierungszyklus von zwei Jahren und sind seit dem Herbst 2000 mit erweitertem Inhalt und in neuem Layout in das Internet-Angebot der TLUG integriert.

Thüringen ist mit dem größten Teil seiner Fläche Hochwasserentstehungsgebiet, und 52 Hochwassermeldepegel (HwMP) erfassen das Abflussgeschehen der Fließgewässer.
Seit Beginn der 90er-Jahre wurde das Thüringer Pegelnetz mit hohem Aufwand automatisiert und insbesondere für die Datenfernübertragung (DFÜ) eingerichtet. Die DFÜ-Einrichtungen ermöglichen jederzeit Zugriff auf die momentanen Wasserstände und damit auch auf die augenblicklichen Durchflüsse. Gegenwärtig sind 51 Hochwassermeldepegel mit DFÜ-Anlagen ausgerüstet. Gemeinsam mit den Partnern von der Jenaer Universität wurde das Informationssystem "Aktuelle Wasserstände und Durchflüsse ausgewählter Pegel Thüringer Fließgewässer" erarbeitet und ist nun Bestandteil der TLUG-Seiten im Internet.

Screenshot 1 Screenshot Pegel

Die Ganglinien für den Wasserstand wie auch für den Durchfluss an den Pegeln von acht Flussgebieten sind jeweils für eine Zeit von sieben Tagen aus Diagrammen ablesbar. Als Orientierungshilfe sind in den Diagrammen jeweils die vier Wasserstände für das Hochwasser-Alarmsystem eingetragen. Ebenso kennzeichnet eine Linie den Wasserstand (MW) bzw. Abfluss (MQ), der dem langjährigen Mittelwert entspricht. Außer der Darstellung der Durchflussganglinien für einen einzelnen Pegel können für mehrere Pegel eines Flussgebietes die Durchflussganglinien in einer Abbildung zusammengefasst werden. Damit ist es z. B. möglich, sich über das Voranschreiten einer Hochwasserwelle in einem größeren Flussgebiet zu informieren.
Mittlerweile hatte sich das Internet zu dem zentralen Baustein der Informationsgesellschaft entwickelt. Daher war es nahe liegend, auch den jährlich erscheinenden "Bericht zur Entwicklung der Umwelt in Thüringen" über dieses Medium zu publizieren.

WAP-Handy WAP-Handys

Als anspruchsvolles Ziel wurde definiert, die Inhalte der einzelnen Fachressorts zu einem modularen integrativen Umweltinformationssystem für Thüringen zu entwickeln. Der hierarchische Aufbau mit einem in das Fachgebiet einführenden Teil, einem thüringenspezifischen Fachteil und dem Zahlen, Daten, Fakten -Teil sollte erhalten bleiben. Aber auch die aktuellen Daten sollten darin ebenso Eingang finden wie eine performante Suchmaschine und ein umfangreiches Umweltlexikon. Was bei der Umsetzung des 1999 erstmals in digitaler Form erscheinenden Umweltberichts begonnen wurde, fand im Umweltbericht 2000 auf CD und als "UIS Thüringen - Umweltd@ten" seine konsequente Fortführung. Hier erwarten den Betrachter eine Vielzahl hochwertig aufbereiteter Seiten, deren Informationsgehalt durch 240 Photos, 110 Diagramme und Graphiken, 60 frei skalierbare Karten sowie 140 Tabellen untersetzt wird. Ca. 3.500 Querverweise vermitteln einen Eindruck von der Komplexität. Einfache Bedienbarkeit, einheitliches "look and feel" und eine übersichtliche Struktur sind Garanten für Akzeptanz und effizienten Informationsgewinn, auch für bisher mit diesem Medium nicht so vertraute Interessenten. Dieses auf Fortschreibung orientierte Informationssystem

"UIS Thüringen - Umwelt-d@ten"

versteht sich als die Internetkomponente des z. Zt. in Entwicklung befindlichen UIS Thüringen.
Seit Juni 2000 bietet die TLU einen besonderen Service. Mit dem wireless application protocol (WAP) steht seit 1997 ein Standard für die Übertragung von strukturierten Dokumenten auf mobile Endgeräte zur Verfügung. Damit wurden die technologischen Grundlagen für die Verbindung von Mobilfunk und Internet gelegt. Für die Nutzung von WAP-Diensten sind spezielle, WAP-fähige Endgeräte erforderlich.
Derzeit sind die durch diese Endgeräte realisierbaren Inhalte in Umfang und Qualität noch begrenzt. Mit dem Übergang zu höheren Bandbreiten (z. B. UMTS) ist aber eine starke Erweiterung des Potentials mobiler Dienste zu erwarten. Nach einer Studie von Forrester Research wird im Jahre 2004 jeder dritte Europäer regelmäßig das Handy benutzen, um Online Dienste zu erreichen.
Dem sich daraus ableitenden, enorm steigenden Bedarf an Informationen begegnet die TLU bereits heute mit einem eigenen WAP-Angebot: Sie stellt die aktuellen Ozondaten aller Thüringer Messstationen sowie die aktuellen Wasserstände und Durchflüsse aller Thüringer DFÜ-Gewässerpegel über das wireless application protocol (WAP) zur Verfügung. So können diese hochaktuellen Umweltdaten über alle Geräte mit mobilem Internetzugang, wie z. B. WAP-Handys (Abbildung 46) und Handhelds, unter der Adresse

wap.tlu-jena.de

empfangen werden.

Das Internet bildet das globale, systemunabhängige Instrument zur Präsentation, Informationsvermittlung und Informationsbereitstellung. Die TLUG hat bereits heute durchschnittlich 5.000 Besucher im Monat auf ihren Internetseiten, mit steigender Tendenz. Dieser ständig wachsende Interessentenkreis ist der TLUG Anlass und Motivation, ihr Informationsangebot ständig zu erweitern und zu verbessern, um so ihren Teil bei der Entwicklung unserer heutigen Informationsgesellschaft beizutragen.