Freistaat ThüringenThüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie

Inhalt

Altlasten - Erbe der Vergangenheit

Altlasten_Anzahl Entwicklung der Anzahl altlastenverdächtiger Flächen

"Altlasten" ist eine Bezeichnung für ehemalige Abfallablagerungen und stillgelegte Produktionsstandorte, von denen wesentliche Beeinträchtigungen der Umwelt ausgehen. Ihr Vorhandensein schränkt Nachnutzungen ein, beeinflusst Planungen und erschwert Investitionen.
Die viele Jahre herrschende Praxis der Abfallbeseitigung und der oft sorglose Umgang mit umweltgefährdenden Stoffen haben dazu geführt, dass heute viele Flächen als altlastverdächtig einzustufen sind. Nur von einem relativ geringen Prozentsatz gehen aber wirklich Gefahren für die Schutzgüter aus. Eine Erfolg versprechende Bearbeitung der Altlastenproblematik ist nur durch ein systematisches, stufenweises Vorgehen, beginnend mit der Erfassung aller altlastverdächtigen Flächen über die Phase der Erkundung bis zu Überwachungen, Sicherungen und Sanierungen (falls erforderlich), möglich.

Als Grundlage der stufenweisen Altlastenbearbeitung dient der Altlastenleitfaden, dessen erster Band "Erkundung und Erstbewertung" durch die TLU 1995 erarbeitet und durch das TMLNU veröffentlicht wurde. Der zweite Teil "Erkundung von altlastverdächtigen Flächen" erscheint im Jahr 2001 und der letzte Teil "Sanierung und Überwachung von Altlasten" wurde in der ersten Entwurfsfassung fertig gestellt. Damit sind für Thüringen die fachtechnischen Grundlagen der Altlastenbearbeitung geschaffen worden.

Grundlage für ein zielstrebiges Bearbeiten der Altlastenproblematik bildet eine sorgfältige Erfassung aller altlastverdächtigen Flächen. Sie muss systematisch und flächendeckend durchgeführt werden. Die Erfassung von Daten begann 1992 durch die Umweltbehörden der Landratsämter und kreisfreien Städte unter fachlicher Anleitung durch die TLU. Von besonderer Bedeutung war dabei die Entwicklung der Datenerfassungsbögen für Altstandorte und Altablagerungen. Um die Erfassung in einem absehbaren Zeitraum zum Abschluss zu bringen, wurde die TLU 1994 beauftragt, die kreisweise Erfassung durch Vergabe an Ingenieurbüros durchzuführen. Diese Arbeiten wurden im wesentlichen in den Jahren 1995 und 1996 realisiert. Seit 1997 erfolgen Nachermittlungen in einzelnen Kreisen und Präzisierungen bezüglich der Altlastrelevanz bereits erfasster Verdachtsflächen. Aktuell sind insgesamt ca. 18.960 altlastverdächtige Flächen in der Verdachtsflächendatei enthalten (ohne Verdachtsflächen der WISMUT GmbH und der Deutschen Bahn AG). Davon sind 12.380 Altstandorte, 6.140 Altablagerungen und 440 militärische und Rüstungsaltlasten (Abbildung 30).

Das Thüringer Altlasteninformationssystem (THALIS) ist das IT-Verfahren, mit dem die Informationen über altlastverdächtige Flächen und Altlasten des Freistaates Thüringen verwaltet werden. Seine Nutzung erfolgt in Landesbehörden, in Landkreisen und kreisfreien Städten. THALIS hat die Auskunftsfähigkeit der zuständigen Behörden über Lage, Zustand, eigentumsrechtliche Verhältnisse und Gefährdungspotential von altlastenverdächtigen Flächen und Altlasten sowie Art, Lage und Zustand von durch altlastverdächtige Flächen und Altlasten beeinflusste Schutzgüter zu sichern. Weiterhin hat THALIS die für die Beurteilung des Grades der Gefährdung von Schutzgütern und der Wirksamkeit von Sanierungs- bzw. Sicherungsmaßnahmen notwendigen Daten bereitzustellen.
Bereits kurz nach Beginn der Altlastenbearbeitung an der TLU war klar, dass eine effektive Verwaltung der zu erwartenden hohen Anzahl von Flächendaten nur durch ein IT-gestütztes System möglich ist. Deshalb wurde bei der Erarbeitung der Methodik der stufenweisen Altlastenbearbeitung auf konsequente Berücksichtigung der Anforderungen von THALIS geachtet. Insbesondere die Datenerfassungsbögen sind unter den Gesichtspunkten der Abbildung in THALIS entwickelt worden. Parallel zur anlaufenden Erfassung begann die Erstellung von THALIS, das ab Januar 1993 den Umweltbehörden des Freistaates zur Verfügung stand. Nach mehreren Jahren erfolgreicher Arbeit mit THALIS zeigte sich die Notwendigkeit zur Weiterentwicklung der Software, da beispielsweise Datenbanktechnologien entsprechend den Richtlinien des Landes zu berücksichtigen waren, Daten höheren Beweisniveaus aufzunehmen sind und die Möglichkeit der Anbindung eines GIS zu schaffen war. Mit THALIS II, das seit 1998 im Routineeinsatz ist, wurde ein modernes, benutzerfreundliches System geschaffen, das keine Kenntnisse über die Bedienung von Spezialsoftware verlangt. Gleichzeitig nutzt es aber moderne Datenbanktechnologien. Die Landesbehörden arbeiten vollständig online über das Landesdatennetz auf der zentralen Oracle-Datenbank in der TLU. Damit ist ständige Datenaktualität gesichert. Mit konzeptionellen Arbeiten ist eine Voraussetzung für die Weiterentwicklung von THALIS II bereits geschaffen worden. Wesentlicher Inhalt wird die Abbildung der Flächenentwicklung bei der stufenweisen Altlastenbehandlung sein.
Beginnend mit dem Jahr 1993 wurden - zusammen mit den damaligen Außenstellen der TLU - Erkundungen an ersten umweltrelevanten Standorten durchgeführt. Untersucht wurden damals so brisante Standorte, wie bispielsweise die ehemalige, jahrzehntelang als Schadstoffdeponie betriebene Lehmgrube Laucha, aber auch eine Vielzahl weniger spektakulärer Standorte in kommunaler Betreiberschaft, wie z. B. die Altablagerungen in Greiz-Sachswitz, Cordobang oder dem Erzberg bei Pößneck.

Nach der Gründung der Staatlichen Umweltämter hat die TLU im Rahmen ihres Modellstandortprogramms eigenständig spezielle altlastverdächtige Flächen bzw. Altlasten untersucht.
Wesentliche Ziele der modellhaften Altlastenbearbeitung sind die

  • Erprobung und Weiterentwicklung von Techniken und Untersuchungsmethoden zur Erkundung, Sanierung und Überwachung,
  • Erarbeitung von Handlungsmatrices für die jeweiligen Untersuchungsstufen,
  • Optimierung der Untersuchungsprogramme,
  • Übertragbarkeit der Untersuchungsergebnisse auf vergleichbare Standorte,
  • Erhöhung der Effizienz bei der Altlastenbearbeitung,
  • Erstellung von Arbeitsmaterialien und technischen Richtlinien.
Die ausgewählten Standorte sollen repräsentativ für die jeweilige Branche und landestypisch sein. Bisher wurden altlastverdächtige Flächen modellhaft in den verschiedenen Erkundungsstufen untersucht. Für die Standorte der "Quecksilberverwendung in der Glasindustrie" und die "Gaswerksstandorte" werden entsprechende Arbeitsmaterialien zur Nutzung durch Behörden und Ingenieurbüros veröffentlicht. Perspektivisch sollen im Rahmen des Modellstandortprogramms auch Sanierungsmethoden und -techniken erprobt werden.
In besonders gelagerten Einzelfällen wurde die TLU durch andere Behörden zur gutachterlichen Beurteilung und Bewertung von Untersuchungsergebnissen aufgefordert. Das betraf zum Beispiel das Gebiet Bad Liebenstein - Barchfeld - Breitungen, wo durch mehrere Altstandorte erhebliche Boden- und Grundwasserkontaminationen nachgewiesen wurden. Im Rahmen einer Arbeitsgruppe waren die Referate und Fachgebiete Altlasten, Grundwasser und Bodenschutz der TLU seit 1995 durch Boden- und Grundwasseruntersuchungen in diese Altlastenproblematik voll mit einbezogen.
Rositz Ehemaliges Teerverarbeitungswerk Rositz

Auch an einem der bekanntesten Altlastenstandorte in Thüringen, dem ehemaligen Teerverarbeitungswerk Rositz (Abbildung 31), ist die TLU bereits seit 1992 in die Bewertung und Beurteilung der verschiedensten Teilprojekte eingebunden worden. Im Rahmen des Großprojektes Kali-Thüringen wurden zwischen 1994 und 1996 die geplanten Erkundungsmaßnahmen sowie die daraus resultierenden Gutachten zu den einzelnen Altlastenverdachtsflächen der Bergbaubetriebe im Südharz- und Werrarevier beurteilt.
Ein Spezialgebiet der Altlastenbearbeitung stellen die Rüstungsaltlasten dar; Altlasten, bei denen die Gefährdung der Umweltmedien von chemischen Kampf- und Explosivstoffen ausgeht. In Thüringen muss bei 250 Altlastverdachtsflächen ein Verdacht auf Rüstungsaltlasten angenommen werden. Durch die TLU sind seit 1994 für 32 der o. g. Altlastverdachtsflächen historische Erkundungen durchgeführt worden. Bei der Mehrzahl der Standorte hat sich der Altlastenverdacht bestätigt. Schwerpunkte sind dabei die ehemaligen Munitionsfabriken in Sömmerda und Altenburg sowie ehemalige Munitionsanstalten.
Im Rahmen von Altlastensanierungen ist die TLU im wesentlichen bei solchen Standorten wie z. B. in Rositz oder Bad Liebenstein mit eingebunden. So wurden 1996 die "Grundsätze für die Herstellung der Bebaubarkeit des Geländes Teerverarbeitungswerk Rositz" entwickelt. Sie sind als Bestandteil des öffentlich-rechtlichen Vertrages die Grundlage für eine erfolgreiche Revitalisierung dieses Altlastenstandortes. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeiten liegt in der Beurteilung neuer und innovativer Sanierungsverfahren auf deren Eignung und Akzeptanz in Thüringen.