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Rohstoffgeologie
Dem geologischen Bau und der Mannigfaltigkeit der vorkommenden Gesteine entsprechend verfügt Thüringen über eine Vielfalt an oberflächennahen Steine- und Erden-Rohstoffen. Dabei sind folgende Rohstoffgruppen von Bedeutung:
- Kiessand,
- Sand/Sandstein,
- Kalkstein für die Herstellung von Schotter und Splitt,
- Hartgestein (silikatisches Gestein) für die Herstellung von Schotter und Splitt,
- Werk- und Dekorationsstein,
- Grobkeramische Rohstoffe (Tonschiefer, Ton- und Schluffstein sowie Ton und Schluff),
- Gips- und Anhydritstein und
- Rohstoffe für spezielle Einsatzzwecke, wie Zementrohstoffe, Industriekalkstein, Tonschiefer zur Herstellung von Leichtzuschlagstoffen und Brech- und Mahlprodukten sowie Dolomitstein für spezielle Einsatzzwecke.
Von den tiefliegenden Rohstoffen sind in Thüringen derzeit die Kali- und Steinsalze, Sole und Erdgas für rohstoffwirtschaftlich von Interesse. Im Bereich Rohstoffgeologie erfolgt die Koordinierung und Durchführung der Arbeiten auf den Gebieten der Rohstoffsicherung, der Lagerstättenwirtschaft und, wenn möglich, der Lagerstättenuntersuchung. Lagerstätten der Steine- und Erden-Rohstoffe sowie der Industrieminerale in Thüringen werden unter rohstoff- und wirtschaftsgeologischen Aspekten erfasst und beurteilt.
Neben der gutachterlichen Bewertung der rohstoffgeologischen Kriterien für die rechtliche Zuordnung von Bodenschätzen bilden vor allem rohstoffgeologische Stellungnahmen zu Raumordnungs- oder Rahmenbetriebsplanverfahren für die Gewinnung von Steine- und Erden-Rohstoffen weitere Schwerpunkte.
Im Rahmen der Landes- und Regionalplanung erarbeitet der Bereich Rohstoffgeologie für die Planungsbehörden Stellungnahmen zur Rohstoffsicherung bei der Fortschreibung der Regionalpläne.
Lagerstättenwirtschaftliche Jahresanalyse
Der Bereich Rohstoffgeologie erhebt seit 1995 in regelmäßigen Abständen lagerstättenwirtschaftlich-statistische Daten in Thüringen. Diese Daten umfassen Angaben zur Gewinnung von oberflächennahen Steine- und Erden-Rohstoffen und die damit verbundene Flächeninanspruchnahme sowie Angaben zu Stoffströmen von und nach Thüringen. Die Ergebnisse werden in der Lagerstättenwirtschaftlichen Jahresanalyse dargestellt und ausgewertet. Die Art der Erhebungen ist seit 2002 durch einen Erlass des TMLNU geregelt.
Die statistische Zusammenstellung informiert über die aktuelle rohstoffgeologische und lagerstättenwirtschaftliche Situation in Thüringen und kann somit bei umwelt- und wirtschaftspolitischen Zielstellungen der Landesregierung, der Landkreise und Kommunen als Entscheidungsgrundlage dienen.
Die zuletzt erhobenen Daten gelten für das Jahr 2009. Diese werden 2011 veröffentlicht. In Thüringen wurden 2009 insgesamt 27,825 Mio. t Steine und Erden gewonnen. Verglichen mit 2007 hat eine Steigerung der Rohstoffproduktion um 2,2 Mio. t stattgefunden.
Regionalplanung
Mit der Verbindlichkeitserklärung durch die Oberste Landesplanungsbehörde vom 06.08.1999 lagen für die Planungsregionen Nord-, Mittel-, Süd- und Ostthüringen erstmals vollständige Regionale Raumordnungspläne vor. Gemäß § 12 Abs. 1 Satz 1 Thüringer Landesplanungsgesetz sind die Regionalpläne durch die regionalen Planungsgemeinschaften spätestens nach 10 Jahren fortzuschreiben. Damit wurde 2004 begonnen.
Der am 06.10.2004 in Kraft getretene Landesentwicklungsplan Thüringens legt im Kapitel 5.3 die Ziele für die Fortschreibung fest. So sind in den Regionalplänen für den Abbau und die langfristige Sicherung der Rohstoffversorgung Vorrang- und Vorbehaltsgebiete Rohstoffe auszuweisen. Als Grundsatz gilt, dass die oberflächennahen mineralischen Rohstoffvorräte sowohl mittelfristig für eine bedarfsgerechte und möglichst verbrauchernahe Rohstoffgewinnung zur Verfügung stehen als auch für die Versorgung zukünftiger Generationen langfristig gesichert werden.
Die Möglichkeit eines Abbaus bedeutsamer und begrenzt zur Verfügung stehender Rohstoffe soll langfristig offen gehalten werden. Innerhalb der Lagerstätten soll der Abbau dort erfolgen, wo die Beeinträchtigungen für Mensch und Natur am geringsten sind. Der möglichst vollständige Abbau im Bereich vorhandener Gewinnungsstellen und deren Erweiterung soll einem Aufschluss neuer Lagerstätten vorgezogen werden. Die Rekultivierung und Renaturierung der ausgebeuteten Lagerstätten und deren Einbindung in die Landschaft sollen gewährleistet werden.
Der Bereich Rohstoffgeologie der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) lieferte mit den Rohstoffsicherungskonzeptionen die Zuarbeiten für die Ausweisung der Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für die Rohstoffsicherung und -gewinnung in den Regionalplänen.
Durch die Regionalen Planungsgemeinschaften erfolgte 2009/10 die Einreichung der Genehmigungsvorlagen der neuen Regionalpläne Mittel-, Nord-, Südwest- und Ostthüringen bei der obersten Planungsbehörde. Sie sind noch nicht rechtsgültig. Im Kapitel 4.5 enthalten sie jeweils Angaben zur Rohstoffsicherung und Rohstoffgewinnung.
Rohstoffsicherungskarten im M 1:50.000
Im Jahr 2005 hat der Geologische Landesdienst, Bereich Rohstoffgeologie, mit der Erarbeitung von Rohstoffsicherungskarten im Maßstab 1:50.000 (auch Karte der oberflächennahen Rohstoffe, kurz: KOR 50, genannt) begonnen. Die KOR 50 soll in erster Linie der Rohstoffsicherung und damit auch als Grundlage für landesplanerische Entscheidungen dienen. Ziel ist, diese KOR 50 landesweit flächendeckend blattschnittfrei nach weitgehend einheitlichen Vorgaben zu erstellen.
FIS Rohstoffe
Das Fachinformationssystem (FIS) Rohstoffe bildet die tägliche Arbeitsgrundlage im Bereich Rohstoffgeologie. Es enthält lagerstättenwirtschaftliche und geologische Daten. Während jedoch der lagerstättenwirtschaftliche Teil von Anbeginn regelmäßig gepflegt wurde, ist der geologische Teil bisher nur lückenhaft gefüllt. Daher wird seit 2009 bei der Vergabe der Erarbeitung der KOR 50 die gleichzeitige Eingabe der recherchierten geologischen Daten in das FIS Rohstoffe realisiert.