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Bereits seit dem Jahr 1871 dokumentieren wasserwirtschaftliche Aufzeichnungen die ständige Bedrohung der Stadt Eisfeld und des Ortsteils Harras durch Überflutungen aus der Werra. Zahlreiche Hochwasserereignisse richteten hier in den letzten Jahrzehnten erhebliche Schäden in den Ortslagen an, so dass schon im letzten Jahrhundert Überlegungen zu Hochwasserschutzmaßnahmen ausgeführt wurden. Diese führten in den 1960/70 Jahren zur Planung eines Rückhaltebeckens nordöstlich von Eisfeld. Neben dem Hochwasserschutz war es vorrangiges Ziel des dauerhaft eingestauten Beckens, Wasser zur Beregnung landwirtschaftlicher Flächen bereitzustellen und im Bedarfsfall eine Niedrigwassererhöhung zu ermöglichen. Die beabsichtigte Mehrfachnutzung führte während der Planungen dazu, dass ein ca. 20,0 m hoher Erddamm die 194 ha große Staufläche des Rückhaltebeckens umschließen sollte, um ca. 16,8 Mio. m3 Wasser rückhalten zu können. Die hierzu notwendigen Flächen wurden in den 90er Jahren raumordnerisch gesichert.
Historische Aufnahme vom Hochwasser in Eisfeld am 24.11.1890
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Im Jahr 2003 wurde das ursprünglich geplante Rückhaltebecken aufgrund geänderter wasserwirtschaftlicher Anforderungen in ein reines Hochwasserrückhaltebecken mit dem derzeitig standardmäßigen Schutzziel eines hundertjährlichen Hochwasser (HQ100) umgeplant. Unter einem HQ100 wird die Abflussmenge eines Gewässers verstanden, die im statistischen Mittel nur einmal in 100 Jahren erreicht oder überschritten wird.
Im nachfolgenden werden die untersuchten Lösungsvarianten zum Hochwasserschutz der Stadt Eisfeld und der Ortslage Harras kurz erläutert.
Insgesamt betrachtet stellt die Umsetzung dieser Lösungsvariante einen erheblichen Eingriff in den Naturraum dar und wäre nur nach Umsiedlung von Anwohnern, die in dem geplanten Stauraum wohnen, möglich. Durch das nicht steuerbare Drosselbauwerk werden die landwirtschaftlichen Flächen im Stauraum wesentlich öfter und schneller eingestaut als in anderen Varianten. Die Baukosten werden auf etwa 25,0 Mio. € geschätzt. Auch unter Beachtung weiterer Wertungsfaktoren wurde diese Lösungsvariante als nicht wirtschaftlich und ökologisch nicht vertretbar eingestuft.
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Als zweite Variante für den Schutz der Stadt Eisfeld wurde der innerörtliche Ausbau der Werra auf ein 100-jährliches Hochwasserereignis untersucht. Das im Oberlauf breitflächig ankommende Hochwasser wird hierbei durch einen talquerenden Deich dem Werragerinne zugeführt. Um einen geregelten Hochwasserabfluss zu ermöglichen und die Anlieger der Werra zu schützen, werden links und rechts des Gewässerlaufes Hochwasserschutzmauern errichtet, welche an hochwasserfreies Gelände anschließen und südlich von Eisfeld in einen Hochwasserschutzdeich übergehen. Da die vorhandene Bebauung bis unmittelbar an das Werraufer heranreicht und der jetzige Abflussquerschnitt der Werra von derzeit 6,0 m auf ca. 15,0 m – 18,0 m verbreitert werden muss, ist ein Abbruch vorhandener Bausubstanz unumgänglich. Zusätzlich müssen eine Vielzahl von Brückenbauwerken und Stegen innerhalb der Stadt abgerissen und neu errichtet werden. Durch die Erhöhung von Mauern und Deichen entstehen Flächen, die nicht in die hochwasserführende Werra entwässern können. Hier müssen Entwässerungsleitungen und Pumpwerke errichtet werden, um anfallendes Wasser in die Werra leiten zu können. Das Abwassernetz ist ebenfalls zu überarbeiten. Vorhandene Mühlgräben werden im Hochwasserfall durch ein Ein- und Auslaufschütz abgetrennt. Gebäude, die sich außerhalb der beschriebenen Hochwasserschutzanlagen befinden, sind durch Objektschutz entsprechend zu sichern. Die Baukosten werden auf ca. 11 Mio. € geschätzt. Diese Variante stellt aufgrund der notwendigen Maßnahmen einen gravierenden Eingriff in das Stadtbild und das Werraprofil dar, ist jedoch zur Erreichung des geforderten Schutzziels die kostengünstigste Lösung.
Hochwasserschutz Eisfeld Variante 3 (Quelle Ingenieurbüro Köhler)
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Der in Variante 2 beschriebene innerstädtische Ausbau hat deutliche Eingriffe in das Stadtbild zur Folge. Damit verbunden sind zahlreiche Anpassungsmaßnahmen, verlorene Wegeverbindungen und ein Ausbau des Werraquerschnitts. Daher wurde alternativ als dritte Variante für die Stadt Eisfeld eine Kombination aus Rückhalt in der Fläche mittels eines Flutpolders und einem vertretbareren innerstädtischen Ausbau ausgearbeitet. Die Kombination dieser beiden Maßnahmen bewirkt einen Schutz der Stadt Eisfeld vor einem 100-jährlichen Hochwasser. Oberhalb von Eisfeld wird hierbei ein mittels Ein- und Auslassbauwerk gesteuerter Flutpolder neben der Werra eingedeicht, welcher im Hochwasserfall die Abflussspitze kappt. Der hierfür benötigte Rückhalteraum liegt bei einer Größenordnung von ca. 1,2 Mio. m3. Auch hier wird das im Oberlauf ankommende Hochwasser durch einen talquerenden Deich der Werra zugeführt. Hochwasserschutzmauern und Deiche werden in der Höhe angepasst, so dass der Abfluss im Stadtgebiet schadlos erfolgen kann. Der innerstädtische Abflussquerschnitt der Werra muss auch bei dieser Variante, ähnlich der Variante 2, verbreitert werden, jedoch nur von derzeit 6,0 m auf ca. 12,0 m, so dass der Eingriff in die vorhandene Bausubstanz gegenüber Variante 2 geringer ausfallen kann. Auch in dieser Variante muss der Neubau einiger Brücken und Stege erfolgen, ebenso muss eine Binnenentwässerung über Entwässerungsleitungen und Pumpwerke baulich hergestellt werden. Für Gebäude außerhalb der geplanten Hochwasserschutzanlagen sind Objektschutzmaßnahmen vorgesehen.
Durch die im Vergleich zur vorigen Variante niedrigeren Schutzmauern und dem schmaleren Ausbaugrad des Werraprofils, ist der Eingriff für das Stadtbild als weniger gravierend zu bewerten. Die Kosten für die dritte Variante betragen nach Schätzung ca. 18,0 Mio. €. Durch die Kombination von Rückhalt und Gewässerausbau werden sowohl wasserwirtschaftliche als auch ökologische und städtebauliche Aspekte bestmöglich berücksichtigt und das HQ100-Schutzziel erreicht. Aus wasserwirtschaftlicher Sicht stellt diese Lösung derzeit die Vorzugsvariante dar, da sie den Hochwasserschutz wirtschaftlich sicherstellen kann, dem Stadtbild und dem Naturschutz Rechnung getragen wird. Untersuchungen ergaben, dass sich der geplante Polder zusätzlich positiv auf die Hochwassersituation in der Ortslage Harras auswirkt.
Diese Variante hat einen Schutzgrad von HQ5 (es käme statistisch gesehen alle 5 Jahre zu Ausuferungen). Es wurde untersucht, inwieweit ohne Rückhaltebecken mit gezielten Maßnahmen in Eisfeld, aber wenigen Eingriffen in die Bausubstanz, der Schutzgrad der Stadt verbessert werden kann. Dabei zeigte sich, dass bereits bei kleineren Hochwasserereignissen die Leistungsfähigkeit mehrerer Brückenbauwerke erreicht bzw. überschritten wird und eine Erhöhung des Schutzgrades hier nur nach Abbruch und Ersatzneubau möglich wäre. Sämtliche in dieser Variante untersuchten Kleinmaßnahmen ergaben, dass sich die Baukosten auf etwa 2,0 Mio. € belaufen würden. Diese Variante wurde ebenfalls als unwirtschaftlich bewertet, da das vom Staatlichen Umweltamt Suhl geforderte Schutzziel vor einem HQ100 nicht annähernd erreicht und der ökologische und städtebauliche Eingriff als unverhältnismäßig gegenüber dem Nutzen bewertet wird.
Das in der ersten Variante zum Hochwasserschutz Eisfeld untersuchte Rückhaltebecken stellt für die Stadt Eisfeld den festgelegten HQ100-Schutz ohne einen zusätzlichen innerörtlichen Ausbau sicher. Zum Schutz des Ortsteils Harras sind in dieser Variante zusätzliche Maßnahmen erforderlich. Hier bewirken das Zwischeneinzugsgebiet von Eisfeld und Harras sowie die Zuflüsse aus dem Bauersgrundgraben und dem Rottenbach oberhalb von Harras eine Vergrößerung der Abflussmenge in der Werra. Weitere Untersuchungen ergaben, dass es im Werratal oberhalb von Harras keine weiteren Rückhaltemöglichkeiten gibt und somit das Wasser, das Eisfeld passiert hat, vollständig durch Harras geleitet werden muss. Diese Randbedingungen führten zu den Ergebnissen, dass ein innerörtlicher Gewässerausbau unumgänglich ist. Nachfolgend werden die derzeit erarbeiteten 4 Lösungsvarianten zum Hochwasserschutz Harras vorgestellt.
Bei allen vier Varianten zum Hochwasserschutz Harras wird das im Oberlauf der Werra breitflächig ankommende Hochwasser durch talquerende Deiche im linken und rechten Vorland dem Werragerinne zugeführt. Die innerorts vorhandenen Hochwasserschutzmauern und Deiche müssen in ihren Abmessungen individuell an die Planungsvariante angepasst werden, um einen entsprechenden schadlosen Abfluss durch das Ortsgebiet gewährleisten zu können. Um die Ortslage vor Hochwasserereignissen des Rottenbachs zu schützen, wird dieser frühzeitig abgeschlagen und dem Hauptgerinne oberhalb von Harras zugeführt. Wie bei den ausgearbeiteten Varianten zum Schutz der Stadt Eisfeld ist für Harras die Binnenentwässerung über luftseitig der Hochwasserschutzmauern angeordnete Entwässerungsleitungen sicherzustellen. Unterhalb von Harras binden die Mauern in so genannte Rücklaufdeiche ein, welche einen Rückstau von Hochwasser nach Harras verhindern. Insgesamt unterscheiden sich die folgenden Varianten dadurch, auf welche Weise das Wasser durch Harras geleitet werden soll.
In dieser Variante wurde untersucht, zusätzlich zu den obig beschriebenen allgemeinen Maßnahmen einen unterirdisch verlaufenden Flutkanal als Entlastungsmöglichkeit innerhalb der Ortslage herzustellen. Dieser ermöglicht es, das Hochwasser der Werra abzuschlagen, unterirdisch durch Harras zu leiten und unterhalb des Ortes wieder dem Werragerinne zuzuführen. Das im Ort verlaufende Werraprofil muss zusätzlich auf ca. 15,0 m bis 18,0 m ausgebaut werden, so dass in die bis unmittelbar an das Ufer heranreichende Bausubstanz eingegriffen wird. Die Kosten für diese Variante werden auf etwa 7,0 Mio. € geschätzt und stellen einen HQ100-Schutz sicher. Aus wasserwirtschaftlicher Sicht wird diese Variante nicht weiter verfolgt, da die Gefahr des Verstopfens des Flutkanals als zu hoch eingeschätzt wird und dieses während eines laufenden Hochwassers kaum behoben werden kann. Auch aus wirtschaftlichen Gründen und dem potentiellen hohen Unterhaltungsaufwand wird diese Variante nicht weiter betrachtet.
Harras nach Ausbau Variante 2 (Quelle Ingenieurbüro Köhler)
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In der zweiten Variante wurde untersucht, inwieweit mit einem reinen innerörtlichen Ausbau ein HQ100-Schutz sichergestellt werden kann. Wie bereits erwähnt müssen sämtliche vorhandene Ufermauern und Deiche in ihren Abmessungen angepasst werden. Um bei dieser Variante das Wasser schadlos durch Harras abführen zu können, ist eine Verbreiterung des Gewässerprofils auf ca. 18,0 m erforderlich und ein Eingriff in die vorhandene Bebauung unumgänglich. Aus dieser notwendigen Verbreiterung resultiert, dass die erst vor einiger Zeit neu gebaute Straßenbrücke der B89 sowie einige Werrastege abgerissen und neu gebaut werden müssen. Die Kosten dieser Maßnahmen werden auf ca. 6,0 Mio. € geschätzt.