Freistaat ThüringenThüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie

Inhalt

Regionale Klimadiagnose für Thüringen

Die TLUG Jena hat zur Beschreibung der klimatischen Bedingungen Thüringens unter dem Titel Regionale Klimadiagnose Thüringen - REKLI eine ganze Reihe von Untersuchungen veranlasst, die deren Ergebnisse an dieser Stelle vorgestellt werden. Die Abschlussberichte der Technischen Universität Dresden können über den Link  Dokumente und Infomaterial eingesehen werden.

Die Klimastudie REKLI 1

Im 2003 veröffentlichten REKLI, Teil 1 Klimadatenbank und regionale Klimadiagnose wird die Thüringer Klimaentwicklung der vergangenen 50 Jahre untersucht.

In diesem Zusammenhang wurde eine Klimadatenbank aufgebaut, die meteorologische Tageswerte von Thüringer Stationen und geeigneter Stationen benachbarter Bundesländer zu Lufttemperatur, Niederschlag, Sonnenscheindauer, relativer Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und Verdunstung enthält. Eine Übersicht über die Standorte der verwendeten Messstellen zeigen die nachfolgenden Karten (Datenquelle: Deutscher Wetterdienst).

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Mit Hilfe dieser Daten lassen sich unterschiedliche kartografische und statistische Auswertungen vornehmen, u. a. Darstellung

  • der Bezugszeiträume 1961 bis 1990 und 1971 bis 2000 für Niederschlag, Lufttemperatur und Sonnenscheindauer für das Jahr und die Jahreszeiten,
  • der Trendentwicklung verschiedener meteorologischer Größen im verfügbaren Bezugszeitraum,
  • Diagramme zeitlicher Trends einzelner meteorologischer Größen an ausgewählten Stationen.

Die Klimastudie REKLI 2

Von zunehmendem wirtschaftlichen, aber auch ökologischen Interesse sind Fragestellungen, die sich auf Trends der Häufigkeit und Andauer von Niederschlagsereignissen und Trockenperioden beziehen.
Im Rahmen der 2005 veröffentlichten Studie REKLI, Teil 2 Starkniederschläge und Trockenperioden wurde untersucht, welche Veränderungen in Thüringen seit 1951 aufgetreten sind. Zwischen den beiden Klimanormalperioden 1961 und 1990 und 1971 bis 2000 wurden die jeweiligen Häufigkeiten und Intensitäten jahreszeitbezogen verglichen. Aus den Untersuchungen ergeben sich folgende klimatische Trends:

Starkniederschläge (bezogen auf 1971 bis 2000 gegenüber 1961 bis 1990):

  • Die Anzahl der Starkniederschlagsereignisse mit mehr als 20 mm Niederschlag pro Tag hatte bezogen auf das Kalenderjahr in der Klimanormalperiode von 1971 bis 2000 gegenüber derjenigen von 1961 bis 1990 in weiten Teilen Thüringens vereinzelt bis zu 20 % zugenommen. Ausnahmen waren im Wesentlichen zwei Gebiete größerer Ausdehnung, eins im Norden unterhalb des Harzes gelegen, das andere im Westen mit Ausläufern bis in den Thüringer Wald. Ebenso war eine Abnahme in den Gebieten um Sonneberg und Erfurt bis zu 15 % zu verzeichnen.
  • Im Sommerhalbjahr nahm die Anzahl von Starkniederschlägen großflächig ab, besonders in Teilen des thüringischen Harzvorlandes, im Thüringer Wald und im Umland von Sonneberg. Eine erwähnenswerte Zunahme der Häufigkeit ist im Raum Gera erkennbar.
  • Im Gegensatz zum Kalenderjahr und zum meteorologischen Sommerhalbjahr nahm im meteorologischen Winterhalbjahr die Häufigkeit der Starkniederschläge im Thüringer Wald zu, in Teilen des Harzvorlandes und besonders nördlich der Unstrut sowie im Raum Gera-Altenburg jedoch spürbar ab. Davon war der gesamte Übergangsbereich zu Sachsen und Sachsen-Anhalt betroffen.
  • Der Vergleich der beiden meteorologischen Halbjahre zeigt deutlich, dass sich die Gebiete Thüringens hinsichtlich Zu- und Abnahme der absoluten Häufigkeit der Starkniederschläge im Winter und Sommer genau entgegengesetzt verhielten.
  • In Teilen des Harzvorlandes, dem Gebiet zwischen Gera, Zeulenroda und Saale sowie dem Umland von Jena und dem daran nördlich anschließenden Gebiet nahmen im Sommer die Starkniederschläge beachtlich zu.

Starkniederschläge (bezogen auf 1951 bis 2000):

  • In den meteorologischen Sommerhalbjahren ging der relative Trend der Starkniederschlagsereignisse von 1951 bis 2000 im südlichen Thüringen und im Raum Gera mit Ausläufern bis an die Landesgrenze sehr stark nach oben. In den Gebieten um Erfurt, Leinefelde, dem Thüringer Wald und dem thüringischen Harzvorland waren dagegen deutliche Abnahmen zu verzeichnen. Im übrigen Thüringen zeigte der relative Trend leichte Rückgänge.
  • Die meteorologischen Winterhalbjahre wiesen von 1951 bis 2000 mit Ausnahme des Thüringer Beckens sowie von Teilen Ostthüringens den Trend einer unterschiedlich starken Zunahme von Starkniederschlagsereignissen auf.

Trockenperioden (bezogen auf 1971 bis 2000 gegenüber 1961 bis 1990):

  • Bei der Anzahl der Trockenperioden mit einer Andauer von mindestens 14 Tagen ergaben sich bezogen auf das Kalenderjahr nur geringe Veränderungen. Einen Anstieg gab es im Umland von Jena, im Gebiet um Rudolstadt sowie im Harzvorland im Raum um Nordhausen, Sondershausen und Mühlhausen.
  • Eine Abnahme von Trockenperioden kam im Gebiet zwischen Erfurt und dem Thüringer Wald sowie im Umland von Leinefelde und im Bereich zwischen Gera und Altenburg vor.
  • Im Sommerhalbjahr hat die Häufigkeit von Trockenperioden nahezu flächendeckend tendenziell zugenommen. Lediglich in dem ohnehin trockenen Gebiet des Thüringer Beckens ergab sich keine noch weitere Zunahme. Ebenso blieben Teile der Rhön sowie das Gebiet um Werra und Unstrut von einer Zunahme von Trockenperioden verschont.
  • In Teilen des Harzvorlandes, dem Gebiet zwischen Gera, Zeulenroda und Saale sowie dem Umland von Jena und dem daran nördlich anschließenden Gebiet nahmen im Sommer die Trockenperioden beachtlich zu.
  • Im Winterhalbjahr nahm die Anzahl von Trockenperioden in weiten Teilen Thüringens ab, lediglich im Bereich des Thüringer Beckens gab es leichte Zunahmen der Anzahl von Trockenperioden. Die Dauer der einzelnen Trockenperioden blieb im Vergleich der beiden 30-jährigen Zeiträume aber nahezu gleich.

Trockenperioden (bezogen auf 1951 bis 2000):

  • Trockenperioden wiesen im Sommerhalbjahr von 1951 bis 2000 über Thüringen einen flächendeckenden Trend der Zunahme auf, während im Winter bis auf wenige Gebiete im Thüringer Becken und im Saaletal eine Abnahme von Trockenperioden zu verzeichnen war. Besonders stark war die Abnahme trockener Perioden in der Rhön und im Thüringer Wald im Sommer, wobei sich hier auch die Dauer verkürzt hat, während sie in den anderen Gebieten nahezu konstant geblieben ist.

Die Klimastudie REKLI 3

Um herauszufinden, wodurch die Trends hervorgerufen werden, wurde in der Studie REKLI, Teil 3 Temperatur- und wetterlagenbezogene Analysen jahreszeitbezogen der Trend der Veränderungen von Wetterlagen über Thüringen seit 1901 untersucht. Vorgehen und Ergebnisse sind ausführlich im Abschlussbericht beschrieben. Folgende Ergebnisse sollen hier beispielhaft erwähnt werden:

  • Im Kalenderjahr ist zu erkennen, dass die am häufigsten auftretende zyklonale Westlage keine Änderung ihrer Häufigkeit erfahren hat. Sie ist die dominierende Wetterlage für Mitteleuropa und somit sehr wetterwirksam. Maritime Luftmassen, die durch diese Wetterlage nach Europa strömen, sorgen für überdurchschnittlichen Niederschlag. Wetterlagen, die ebenfalls keine größere Veränderung zeigen, sind die antizyklonale Westlage und das Hoch über den Britischen Inseln. Eine deutliche Zunahme seit 1951 zeigt die zyklonale Südwestlage. Sie kommt 3 mal häufiger vor als zwischen 1901 und 1950, was eine Zunahme der Zufuhr maritimer Tropikluft bedeutet und somit für eine Erwärmung und eine Zunahme der Niederschläge spricht. Um ein Drittel haben sich die Hochdruckbrücke Mitteleuropa und der Trog Westeuropa gesteigert. Die Wetterlage Trog Westeuropa ist durch übernormale Wärme sowie Feuchte charakterisiert. Durch eine Abnahme der Häufigkeit fallen besonders die antizyklonale Nordwestlage und das Hoch Mitteleuropa auf. Die antizyklonale Nordwestlage sorgt für kältere Temperaturen als normal. Eine Abnahme dieser Wetterlage führt somit ebenfalls zu einer Erwärmung in der zweiten Zeitperiode. Die weiteren Wetterlagen unterliegen in der Jahresbetrachtung nur geringen Schwankungen.
  • Im Frühling fallen durch eine besonders große Zunahme im zweiten Zeitabschnitt die Wetterlagen zyklonale Südwestlage, Hochdruckbrücke Mitteleuropa und Trog Westeuropa auf. Dies ist mit überdurchschnittlich wärmeren Frühjahren im zweiten Zeitabschnitt verbunden. Besonders die zyklonale Südwestlage bringt maritime tropische Luftmassen nach Europa, was für diese Region eine feuchtere und wärmere Witterung bedeutet. Die zyklonale Westlage geht im Frühjahr deutlich zurück, was eine Abnahme der Niederschlagssummen bedeutet.
  • Im Sommer ist ebenfalls eine deutliche Zunahme der Wetterlagen zyklonale Südwestlage, Hochdruckbrücke Mitteleuropa und Trog Westeuropa zu erkennen. Weiterhin zeigen die antizyklonale Südwestlage und der Trog Mitteleuropa eine deutlich erhöhte Häufigkeit. Aus der veränderten Konstellation der Zirkulationsmuster heraus hat sich insbesondere in den letzten 10 Jahren eine generelle Abnahme der Niederschlagssummen gezeigt, wobei zunehmend kürzere Intensivniederschläge auftraten.
  • Im Herbst haben sich die Wetterlagen zyklonale Südwestlage, Trog Mitteleuropa und Trog Westeuropa erhöht. Auffallend ist, dass die Wetterlage Hochdruckbrücke Mitteleuropa eine Abnahme zeigt, dagegen die Wetterlage zyklonale Westlage häufiger vorkommt als im ersten Zeitraum. Von den Veränderungen der Häufigkeiten der Wetterlagen ausgehend, ist der Herbst in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts eher durch Niederschlagszunahmen bestimmt.
  • Im Winter hat besonders die Wetterlage zyklonale Westlage im zweiten Zeitraum um 5 % zugenommen. Dies bewirkte ein deutlich erhöhtes Vorkommen maritimer Luftmassen und somit eine signifikante Zunahme des Niederschlages. Parallel dazu stellten sich mildere Temperaturen ein. Deutliche Abnahmen vom ersten zum zweiten Zeitraum sind bei den Wetterlagen Hoch Mitteleuropa und dem antizyklonalen Hoch über Fennoskandien zu erkennen. Für den Winter bedeutet ein Rückgang des Einflusses kontinentaler Luftmassen mildere Temperaturen.
Wichtige, aus Klimadaten abzuleitende, wirtschaftliche und ökologische Eckgrößen sind die Vegetationsperiode sowie die forstliche Vegetationszeit. Im Rahmen von REKLI 3 wurden diese Zeiträume, abgeleitet aus den Temperaturdaten der Jahre 1971 bis 2000, für Thüringen bestimmt. Folgendes Erscheinungsbild ist erkennbar:
 
  • Im Tiefland liegt der Vegetationsbeginn im März. In den höheren Lagen des Thüringer Waldes und des Thüringer Schiefergebirges fängt die Vegetationsperiode erst Ende April an. Ein ähnliches Verhalten ist am Ende der Vegetationsperiode zu bemerken. Im Thüringer Becken ist die Vegetationsperiode mit Zeiten bis Anfang Oktober deutlich länger als im Mittelgebirgsbereich, wo sie nur bis Mitte September anhält.
  • Die forstliche Vegetationszeit beginnt im Durchschnitt im Thüringer Tiefland um den 115. bis 125. Kalendertag. Ein deutlich späterer Beginn ist im Bereich des Thüringer Waldes und des Thüringer Schiefergebirges zu sehen. Hier beginnt die forstliche Vegetationszeit erst Ende Mai. Ebenso wie die Vegetationsperiode fällt die forstliche Vegetationszeit im Thüringer Becken länger als im Bergland aus. Das Ende der Vegetationszeit ist etwa Anfang Oktober. Dagegen endet die Vegetationszeit in höheren Lagen bereits Ende August.