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Gewässerentwicklungs- und -pflegemaßnahmen an der Gera im Stadtgebiet Erfurt
Der Freistaat Thüringen ist als Gewässerunterhaltspflichtiger für die Pflege und den Unterhalt der Gera (incl. Flutgraben) in Erfurt zuständig.
Die Flusslandschaft prägt entscheidend das Stadt- und Landschaftsbild von Erfurt und bietet in der dicht besiedelten Stadt einen wertvollen Raum zur Naherholung. Als Biotopverbund ist sie ein ausgezeichneter Lebensraum für Pflanzen und Tiere.
Die Gera ist jedoch in großen Abschnitten durch Infrastruktur eingeengt und hat steile Ufer. Deshalb gibt es nur wenige Stellen, an denen man verweilen und das Wasser hautnah erleben kann.
Die standorttypische, einheimische Vegetation ist zu großen Teilen bereits verdrängt und ein monotoner und überalteter Gehölzbestand stellt eine Gefahr für den schadlosen Hochwasserabfluss und die Verkehrssicherheit dar.
Auf Grund dieser Defizite hat die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie bereits im Jahr 2008 einen Gewässerentwicklungsplan aufgestellt und Maßnahmen entwickelt, die die vorhandenen Probleme grundlegend beheben sollen. Ziel ist es, die Gehölzstruktur und die Ufer der Gera nachhaltig und naturnah zu entwickeln.
Unsere langfristige Strategie sieht die Förderung und Entwicklung einheimischer Gehölze durch Zurückdrängung standortfremder Gehölze vor. Ein gesunder Mix aus richtigen Gehölzarten und -alter ist gefragt. Bäume, die zu dicht stehen oder die zu alt bzw. krank sind, werden ausgelichtet. Dabei ist die Förderung und Entwicklung vorhandener, standortgerechter Vegetation genauso wichtig, wie der Erhalt wertvoller Bäume im Bestand.
Es werden durch die notwendigen Fällungen keine dauerhaften Lücken im Bestand entstehen. In vorhandene Lücken werden bis April 2012 ökologisch wertvolle, momentan nicht vorhandene Gehölzarten nachgepflanzt.
Gehölze, die unter dem Gesichtspunkt der Verkehrssicherung ein Problem darstellen, werden beschnitten oder entfernt. Dabei werden im Grundsatz abgestorbene und stark geschädigte Bäume gefällt, Baume mit leichten Schädigungen werden gepflegt.
Des Weiteren werden Gefahren im Abflussprofil, die den Hochwasserabfluss behindern beseitigt.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass die ökologische Entwicklung des Gehölzbestandes und nicht wie oft gedacht die wirtschaftliche Verwertung des Holzes Veranlassung für die Maßnahme ist.
Aus dem Maßnahmenpaket zur Umsetzung des Gewässerentwicklungsplanes wurde jetzt der dritte und damit abschließende Teil zur Gehölzpflege ausgeschrieben.
Die Pflegemaßnahmen finden auf einer Länge von ca. 8 km im gesamten Stadtgebiet von Erfurt statt.
Schwerpunkte liegen in Hochheim, Bischleben, Gispersleben und Kühnhausen. Einzelne Nachpflegen in Bezug auf die Verkehrssicherung sind noch am Flutgraben in Höhe der Stauffenbergallee notwendig.
Der Freistaat Thüringen hat in den letzten drei Jahren im bereits umgesetzten Teil der Gesamtmaßnahe 480.000 € in die Entwicklung der Gera investiert und wir in diesem Jahr nochmals 200.000 € investieren.
Alle Planungen wurden mit den betroffenen Ämtern der Stadt Erfurt abgestimmt.
Im Folgenden werden beispielhaft fünf Maßnahmen aus dem ersten Maßnahmenzyklus vorgestellt (keine vollständige Aufzählung), die im Rahmen des Gewässerentwicklungsplanes gerade umgesetzt werden.
1. Strukturmaßnahme Erfurt Nord (oberhalb der Straße der Nationen)
Die steilen Böschungen der eingeengten Gera werden momentan durch die Schaffung von wertvollen ökologischen Gewässerstrukturen in Form von Uferabflachungen, oberhalb der Straße der Nationen erlebbarer gestaltet.
Baubeginn der Maßnahem war im Oktober 2011, die Fertigstellung erfolgt im Sommer 2012.
Insgesamt werden 6000 m³ (ca. 500 LKW-Ladungen) Erdreich bewegt. Dadurch entstehen nicht nur flache Ufer, sondern auch Retentionsraum (Stauraum) der tendenziell die Hochwassersituation unterhalb verbessert.
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Zustand vor Baubeginn Februar 2011
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Bauzustand im Dezember 2011
Die Fäll- und Erdarbeiten sind bereits zum Großteil abgeschlossen und momentan läuft die Pflanzung.
Gepflanzt werden ökologisch wertvolle, einheimische (natürlicher Weise fast nicht mehr vorkommende) Gehölze wie:
- Schwarz-Pappel,
- Stiel-Eiche,
- Schwarz-Erle,
- Silber-Weide,
- Trauben-Kirsche,
- Berg- und Feld-Ahorn,
- Elsbeere,
- Eberesche,
- Winter-Linde.
Insgesamt werden allein bei dieser Maßnahme:
- 200 Baume,
- 900 Büsche,
- 2500 Blumenzwiebeln
gepflanzt.
2. Uferumgestaltung in Gispersleben
Auf einer Länge von 1000 m gab es in Gispersleben an der Gera massive Uferabbrüche, die den Geraradweg bereits teilweise unterspült hatten. Grund für diese instabilen Ufer war der Uferbewuchs mit Robinien.
Die Robinie ist ein hartnäckiger Neophyt (eingeschleppte, gebietsfremde Art) mit einem sehr großen Verdrängungspotential. In der Blütezeit ist sie zwar hübsch anzusehen, entlang der Gewässer wirkt sie jedoch destabilisierend auf die Uferbereiche. Unterhöhlungen und Böschungsabbrüche sind die Folge.
Ziel des Gewässerentwicklungsplanes ist ein nachhaltiges, sich selbst stabilisierendes Ufer. Deshalb haben wir uns hier in diesem Bereich in Gispersleben gegen eine technische Sicherung, für ein naturnahes, erlebbares Geraufer entschieden.
Dazu war anfänglich ein umfangreicherer Eingriff in den Gehölzbestand erforderlich. Es mussten über 600 Robinien gefällt werden, die für das Gewässerufer problematisch waren.
Anschließend wurde der Radweg vollständig von der steilen Böschungskante abgerückt. Dadurch wurde Platz für ein flaches, naturnahes Ufer, das im Frühjahr 2012 mit standortgerechten, einheimischen Gehölzen bepflanzt wird.
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Auf der Böschungskante verlaufender Radweg mit steilen Ufern und Uferabbrüchen
Baubeginn der Fäll- und Erdarbeiten war Dezember 2010. Im November 2011 wurden die Erdarbeiten abgeschlossen.
Die Nachpflanzung wird im April 2012 fertig gestellt und noch bis 2016 gepflegt.
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Uferabbruch in Gispersleben, verursacht durch Robinie
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Zustand Dezember 2011 nach Abschluss der Fällungs- und Erdarbeiten, vor der Pflanzung
3. Uferumgestaltung Erfurt Süd (Höhe Motzstraße)
Der Radweg von Erfurt nach Hochheim läuft sehr nah am Gewässer. Um den Weg nicht technisch sichern zu müssen, haben wir uns hier genau wie in Gispersleben entschieden, dem eingeengten Gewässer mehr Raum zu geben und den Weg vom Gewässer weg zu verlegen.
Dadurch kann auf technische Maßnahmen zur Böschungssicherung verzichtet werden und das Ufer nachhaltig mit geeigneten Gehölzen gesichert werden.
Im Vorfeld sind auch hier Baumfällungen von nicht standortgerechten, hybriden Pappeln notwendig.
Die Fällungen beginnen in der zweiten Januarwoche. Abgeschlossen werden soll die Maßnahme bereits im April.
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Radweg nach Hochheim, der direkt auf der Böschungsoberkannte verläuft
4. Verkehrssicherung am Flutgraben in der Stauffenbergallee
Der Ulmensplintkäfer hat große Teile des Ulmenbestandes am Flutgraben geschädigt. Diese zum Teil abgestorbenen Bäume stellen jetzt eine Gefahr für die Verkehrssicherung und den Hochwasserabfluss dar und müssen beseitigt werden. Allein in der Stauffenbergallee sind über 30 Bäume betroffen.
Die Pflegemaßnahme wird im Januar/ Februar 2012 durchgeführt.
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Abgestorbene Ulmen am Flutgraben in der Stauffenbergallee
5. Sicherung des Hochwasserabflusses in Bischleben
Am Ortsausgang Bischleben Richtung Erfurt hat die Vegetation einen Teil des Gewässerprofils verlegt. Ein Brückenprofil der Eisenbahnbrücke ist bereits verlandet und damit der schadlose Hochwasserabfluss nicht mehr gewährleistet. Die Bäume einschließlich der Wurzelstöcke und Vegetation müssen hier beseitigt werden.